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«Es braucht Journalisten, die im Bereich Wissenschaft die Komplexität durchschauen und zugänglich machen»: Reto Knutti. © Joanne Francis, Unsplash (Foto links)

in memoriam hpg: Alternative Fakten in alternativen Welten

Reto Knutti, ETH Zürich /  Die Verständigung zwischen Wissenschaft und Bevölkerung ist schwieriger denn je. Eine Auslegeordnung von Klimaforscher Reto Knutti.

Waldbrände in Israel, Sibirien und der Türkei, Hitzewellen in Kanada und Italien, Hochwasser in Deutschland und der Schweiz – hunderte Medienberichte thematisieren diese Ereignisse. In einem neuen Klimabericht warnt die Wissenschaft auf fast viertausend Seiten noch eindringlicher als bisher vor den Konsequenzen des Klimawandels – die Medien schreiben darüber.

Reto Knutti ist Professor für Klimaphysik an der ETH Zürich und war einer der Leitautoren des Vierten und Fünften Sachstandsberichts des IPCC. Er verfasste diesen Beitrag im Rahmen der Serie «in memoriam hpg» (siehe Box). © zvg

Und ich frage mich: Welchen Nutzen haben diese Berichte überhaupt?

Denn auf der anderen Seite ist da die Schweizer Bevölkerung, die vor zwei Monaten die Revision des CO2-Gesetzes an der Urne versenkt hat – ein Gesetz, das ein erster Schritt in Richtung netto null CO2-Emissionen hätte sein können, ein erster Schritt auf dem Weg zum Pariser Klimaziel. 

Wir befinden uns inmitten zahlloser Verwerfungen, die unsere Gesellschaft zerfurchen. Es öffnen sich Gräben zwischen dem, was nötig wäre um der Krise zu begegnen, und dem, was die Schweiz bereit ist zu leisten. Zwischen Fakt und Fake, zwischen banalen Häppchen und fundierter Synthese, zwischen ernsthaftem Diskurs und populistischem Gezänk. Diese Dissonanz und der Mangel an Weitsicht ist für mich als Klimaforscher schwer auszuhalten. 

Wir verstehen zwar ansatzweise, wie wir in diese Situation geraten sind, von Lösungen sind wir aber weit entfernt. Deshalb unternehme ich hier den Versuch einer nicht abschliessenden Auslegeordnung – aus der Perspektive eines Klimaforschers, der sich oft selbst im Kreuzfeuer befindet. 

1. Die Komplexität der Wissenschaft 

«Denn Wissen selbst ist Macht», schrieb der englische Philosoph Francis Bacon im 16. Jahrhundert. Man könnte vermuten, dass das Wissen über unsere grössten Herausforderungen in der Gesellschaft zunimmt. Wir verstehen Naturgesetze, Technik, Medizin immer besser, die Digitalisierung vereinfacht die Verbreitung von Information und macht sie für alle zugänglich. Heute sind mehr Menschen informiert als jemals zuvor und nehmen an der Meinungsbildung teil. 

Doch die bittere Wahrheit ist: Wir können die Dimensionen der Herausforderungen, vor denen wir stehen, kaum noch erfassen. 

Naturwissenschaftliche und technische Zusammenhänge sind in ihrer Natur oft komplex. Alle reden vom Klimawandel, die Grundlagen verstehen die wenigsten. Die heutige Naturwissenschaft zu verstehen erfordert eine hohe Bereitschaft, sich vertieft mit den Sachverhalten auseinanderzusetzen. Und es kommen ständig neue Themen dazu: Wie funktionieren mRNA-Impfstoffe? Welche Herausforderungen stellen soziale Medien für unsere Privatsphäre dar? 

Das ist ein Nährboden für jene, die behaupten, die ganz einfache Lösung gefunden zu haben, an die die Experten einfach nicht gedacht haben. In meinem Büro stapeln sich zahllose (nicht selten von Hand geschriebene) Theorien zum CO2-Kreislauf und angebliche Gegenbeweise zum menschgemachten Klimawandel. 

2. Die «verzwickten» gesellschaftlichen Probleme

Man kommt leicht in Versuchung, Themen wie den Klimawandel als rein naturwissenschaftliche Probleme zu betrachten. Damit verbunden ist auch die Vorstellung, die Wissenschaft könne eine rein rationale Lösung bieten. Aber es ist nicht nur die Komplexität der Physik, Chemie und Biologie, die wir durchdringen müssen. Die nächste Herausforderung ist, dass es sich bei gesellschaftlichen Problemen wie dem Klimawandel um sogenannt «verzwickte» Probleme handelt. 

Verzwickte Probleme scheinen undurchdringbar verworren, wie ein durcheinandergeratener Garnknäuel. Egal, wo man zieht, der Faden reagiert an unzähligen Orten gleichzeitig. Alles ist Ursache und Wirkung zugleich, es gibt keine Lösung im strikten Sinn. Den Klimawandel werden wir nie vollständig lösen, sondern höchstens begrenzen. Und alle Massnahmen werden Nebenwirkungen haben, mit denen wir mehr oder weniger gut umzugehen lernen werden.

3. Die Intuition und ihre Wirkung 

Wir Menschen entscheiden meist intuitiv statt rational. Tatsächlich gibt es keinen Zusammenhang zwischen Bildung oder Intelligenz und der Besorgnis zum Klimawandel. Personen mit höherer Bildung sind nicht besorgter über den Klimawandel. Sie haben allenfalls extremere Ansichten, die sowohl in die eine als auch in die andere Richtung ausschlagen können. Denn ihre Bildung befähigt sie dazu, sich aus der Vielfalt von Informationsquellen ihr eigenes Argumentarium zusammenzubasteln. Tatsächlich befinden sich unter hochgebildeten Menschen überdurchschnittlich viele, die an Verschwörungsmythen glauben. 

Unsere Intuition veranlasst uns dazu, jene Informationen stärker zu gewichten, die unsere vorgefasste Meinung stützen. Ob es sich dabei um Fakten oder alternative Fakten handelt, ist zweitrangig. Was die Menschen denken, ist nur beschränkt durch Tatsachen bestimmt, sondern insbesondere durch das, was jene Menschen, die uns nahestehen, zu einem bestimmten Thema denken, sei es der Klimawandel, die Covid-Pandemie oder der Nutzen einer Impfung. Wir haben eine klare Vorstellung davon, wie die Welt ist, oder eher: wie sie sein sollte. Und diese Vorstellung teilen wir mit unserer Familie, unseren Freunden oder unseren Parteikollegen.

Das gilt grundsätzlich für alle politischen Lager von links bis rechts, trotzdem ist die Wissenschaftsfeindlichkeit im rechten Teil des politischen Spektrums ausgeprägter. Die Idee von universell zugänglicher wissenschaftlicher Information, die für alle gilt und allen nützt, kollidiert mit der Idee von Freiheit, Individualismus oder Nationalismus – den Grundwerten konservativer Parteien.

4. Die Medien unter Druck

Zahlen und Fakten allein sind leer. Covid-Ansteckungszahlen und CO2-Konzentrationen alleine sind wenig hilfreich, wenn uns niemand erklärt, welche Folgen diese Zahlen für uns als Individuen und als Gesellschaft haben. Diese frühere Rolle der klassischen Medien ist zunehmend unter Druck. 

Sinkende Leserzahlen, schwindende Einnahmen: Die klassischen Medien stecken in der Krise und werden zunehmend abgelöst von Online-Plattformen und sozialen Netzwerken, wo Klicks und Likes ein kontroverses Häppchen höher gewichten als eine fundierte Synthese. Nachrichten sind zwar für alle beliebig verfügbar, aber statt Qualitätskontrolle gibt es schamlose Ausbeutung durch die Tech-Konzerne, die es vor allem auf unsere Daten abgesehen haben. Ein paar fundierte Texte gehen unter in einer Flut von Unsinn und Belanglosigkeit.  

Vom Wissen zum Handeln

Wir werden uns auch in Zukunft oft nicht einig sein. Diesen Diskurs müssen wir aushalten. Doch eine aufgeklärte Bevölkerung in einer funktionierenden Demokratie kann diesen Diskurs aushalten. 

Dafür brauchen wir Bildung und fundierte Information. Trotz unserem Hang, intuitiv statt rational zu entscheiden: Der frühe Kontakt mit Naturwissenschaft in der Schule erhöht nachgewiesenermassen das Verständnis komplexer Sachverhalte. Wir müssen immer wieder neu erklären, wie die Wissenschaft funktioniert und Schritt für Schritt Erkenntnisse aufbaut. Wie sie sich selbst hinterfragt, revidiert und sich belastbarer macht. Und wir dürfen nie aufhören, Fakten und Grundlagen immer wieder neu zu erklären, immer wieder zu hinterfragen, zu prüfen und aus allen Perspektiven zu beleuchten. Und wir müssen immer wieder darauf hinweisen, dass die Fakten alleine keine gesellschaftlichen Entscheide diktieren, aber dass eine Gesellschaft ohne verlässliche Fakten keine guten Entscheidungen treffen kann. 

Dazu braucht es die Medien, die sich kompromisslos der Wahrheit verpflichten. Medien, die einordnen und interpretieren. Es braucht Journalisten, die im Bereich Wissenschaft die Komplexität durchschauen und zugänglich machen. Journalisten, wie Hanspeter Guggenbühl einer war. Er hat in detaillierten Auslegeordnungen und akribischer Beweisführung immer wieder erklärt, eingeordnet, hinterfragt, Widersprüche aufgedeckt und Fehlkonzepte bekämpft. Beiträge, wie Hanspeter Guggenbühl sie geschrieben hat, werden immer rarer. Umso grösser ist die Lücke, die er hinterlässt. 

Hanspeter Guggenbühl fehlt. 

***

in memoriam hpg: Serie im Gedenken an Hanspeter Guggenbühl

HPG
Hanspeter Guggenbühl

Hanspeter Guggenbühl (2. Februar 1949 – 26. Mai 2021) gehörte zu den profiliertesten Schweizer Journalisten und Buchautoren für die Themen Energie, Umwelt, Klima und Verkehr. Hanspeter Guggenbühl engagierte sich seit den Gründerjahren mit viel Leidenschaft für Infosperber – er schrieb mehr als 600 Artikel und prägte die Online-Zeitung ganz wesentlich. Sein unerwarteter Tod ist ein grosser Verlust für den Journalismus, für Infosperber und für alle, die ihm nahestanden.

Um einen Beitrag an das Andenken von Hanspeter Guggenbühl zu leisten, haben sich mehrere Schweizer Autor:innen bereit erklärt, einen Text mit der Vorgabe zu schreiben, dass Hanspeter ihn gerne gelesen hätte. «Gerne gelesen» heisst nicht, dass er nicht widersprochen hätte – war ihm die argumentative Auseinandersetzung doch ebenso wichtig wie das Schreiben.

Diese Texte werden in den kommenden Wochen in loser Folge publiziert und sind an der blauen Grafik erkennbar, die auch in diesem Text enthalten ist. Alle Beiträge werden als Serie «in memoriam hpg» zusammengefasst und im hier verlinkten Dossier vereint.

Die Beitragenden (in alphabetischer Reihenfolge):

  • Marcel Hänggi, Journalist und Autor mit Fachbereich Umwelt und Klima, Lehrer, Mit-Initiant der Gletscher-Initiative, Zürich. 
  • Reto Knutti, Professor für Klimaphysik, ETH Zürich, Zürich. 
  • Jürgmeier (Jürg Meier), Schriftsteller, Winterthur. 
  • Rudolf Rechsteiner, alt Nationalrat (SP, Basel), Ökonom (Dr. rer. pol.), selbständiger Berater und Dozent für Umwelt- und Energiepolitik mit Schwerpunkt erneuerbare Energien, Basel.
  • David Sieber, Journalist, Chefredaktor von «Die Südostschweiz» (bis 2015), Chefredaktor «Basellandschaftliche Zeitung» (bis 2018), Chefredaktor «Schweizer Journalist» (bis 2021), Basel. 
  • Felix Schindler, Journalist mit Fachbereich Mobilität, Zürich.
  • Billo Heinzpeter Studer, Sozialforscher und Journalist, Gründer und Präsident der Organisation fair-fish, Adria.
  • Jakob Tanner, emeritierter Professor für Geschichte der Neuzeit und Schweizer Geschichte, Universität Zürich, Zürich.

Den Nachruf, den sein langjähriger Freund und Weggefährte Urs P. Gasche schrieb, finden Sie hier: Adieu, lieber Hanspeter.

(fxs.)


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

Reto Knutti ist Professor für Klimaphysik an der ETH Zürich. Er war einer der Leitautoren des Vierten und Fünften Sachstandsberichts des IPCC.

Zum Infosperber-Dossier:

HPG

in memoriam hpg

Mehrere Schweizer Autor:innen leisten einen Beitrag zum Andenken an den Journalisten Hanspeter Guggenbühl (2.2.1949 - 26.5.2021).

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18 Meinungen

  • am 22.08.2021 um 11:50 Uhr
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    Ich waere bereit der erzaehlung vom menschen gemachten klimawandel glauben zu schenken, wenn ein mathematisches model publiziert wuerde, dass die folgenden eigenschaften hat:
    1. Es gestatte Das klima auf der erde aus einer relativ kleinen anzahl von grundlegenden annahmen abzuleite und dabei, sagen wir mal, die letzten 100 millionen jahre, korrekt darzustellen.
    2. Es kann zeigen, dass die spezifische weise der industrialisierung, welche in den letzten 200 jahren stattgefunden hat, zu exakt den klimaphaenomenen fuehert, die derzeit beobachtet werden.
    3. Es trifft innerhalb von, sagen wir mal, 5 jahren, nicht auf substantielle kritik.
    4. Es erlaubt den mathematische nachweis, dass gewisse massnahmen, welche die wichtigsten folgen des klima wandels aufs korn nehmen, diese zu akzeptablen bedingungen zurueckzudrehen gestatten.

    Ohne ein solches modell sind meiner meinung nach die bedenken, die man hinsichtlich manipulation der bevoelkerung durch interessierte seiten haben muss, zu gewichtig, als dass man dem narativ des mensch-gemachten klimawandels folgen koennte.

    Herr professor knutti, koennen sie ein solches modell vorweisen?

    5
  • am 22.08.2021 um 12:09 Uhr
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    Gibt es tatsächlich keine Frau, die einen Artikel verfassen kann, der hpg gefallen hätte? Schade.

    4
  • am 22.08.2021 um 13:45 Uhr
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    Die Wahrheit? Welche Wahrheit Herr Knutti?
    Haben Sie diese gepachtet?
    Was die Wissenschaft heute als ‚Wahrheit‘ bezeichnet ist morgen – aufgrund neuer Erkenntnisse – nicht mehr die ‚Wahrheit‘.

    5
  • am 22.08.2021 um 14:16 Uhr
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    Ich habe kurz vor seinem Tod mit Hans-Peter Guggenbühl gesprochen. HPG meinte wie Sie, dass die Menschen durch Wissen ins Handlen kommen. Ich versuchte Ihm aus meiner Erfahrung als ehemaliger Präsident der Konferenz Aargauer Natur und Umweltschutzorganisationen, als ehemaliger Präsident des WWF Aargau, als ehemaliges Mitglied der Kreativgruppe des WWF Schweiz zu erklären, dass es wenig bringt Wissen zu verbreiten, wenn dieser mit schreckens Szenarien verbunden ist. Was es braucht sind Utopien, die Vorstellungskraft wie die Welt sein kann und was es dafür braucht. Nun ich war der Meinung, wir können unseren Ressourcenverbrauch um über 60% senken. Aus der Meinung sind längst Tatsachen geworden, sprich Industriebetriebe, Schulhäuser, Mehrfamilienhäuser, Schwimmbäder usw. die 90% weniger fossile Energie brauchen, 30% weniger Strom und einen Beitrag leisten zur Vermeidung des grössten Risikos der Schweiz ein lang andauernde Strommangellage. Es geht letztlich um die Versorgungsicherheit der Schweiz mit Ressourcen. Dies erreichen wir jedoch nur durch eine konsequente Entschwendungsstrategie. Dafür brauchen wir wiederum eine Ressouren-Lenkungsabagbe und eben nicht eine CO2-Lenkungsabagabe. Das Volk ist nicht dumm, viemehr fehlt es an Utopien, der selbst ernannten Meinungsmacher.

    2
  • am 22.08.2021 um 15:40 Uhr
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    Was dem Umgang mit Wahrheiten betrifft, so erlebe ich als Politiker folgende acht Verhaltensweisen: Wahrheiten nicht wissen können, Wahrheiten nicht wissen wollen, Wahrheiten zwar wissen aber nichts tun, Wahrheiten wissen und mit ihnen leben wollen, Wahrheiten verheimlichen, Wahrheiten vertuschen, Unwahrheiten sagen, Lügen verbreiten. Von diesen acht Arten, mit der Wahrheit umzugehen, ist nur eine nachhaltig zukunftsfähig: Das ergibt eine Chance von 12.5 Prozent, dass es mit der Politik etwas wird! Und so wie bei der Politik sehe ich übrigens den Umgang mit Wahrheiten auch bei Medien, bei der Wirtschaft und bei Wissenschaften.

    1
  • am 22.08.2021 um 17:58 Uhr
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    «Haltet den Dieb»-Predigt von der Kanzel der Climatology-Kirche herab. Tatsächlich werden kritische Beiträge zur Klima-Ideologie von den Mainstream-Medien systematisch unterdrückt, und auf den Kathedern der Hochschulen, die mit ihren Tiraden, «Komplexität der Wissenschaft» u.ä. ihr Geld verdienen erst recht. Wetten, dass…?

    https://www.eike-klima-energie.eu/?s=Furrer

    Zahlen zum «Treibhaus-Effekt» (CO2):
    https://klima-schwindel.com/Zahlen_zum_Treibhaus_Effekt.pdf

    4
  • am 22.08.2021 um 18:44 Uhr
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    Herrn Knutti schwebt, ähnlich wie den Grünen in Deutschland, eine Technokratenregierung vor. Da müsste man sich nicht mehr mit lästigen Wahlen, Referenden und Oppositionspolitikern rumschlagen. Dort gälte nämlich nur das, was die «Wissenschaft» verkünden würde . Alles andere könnte durch das Veto der selbsternannten «Experten» ignoriert und verboten werden. Eine Kostprobe des neuen «Systems» ist grad am laufen. Schöne neue Welt.

    3
  • am 22.08.2021 um 18:56 Uhr
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    Nur ein Wort zu dieser Co2-Initiative. So wie ich verstanden habe ging es in der Diskussion darüber um zwei, wie ich finde diskutierenswürdige Aspekte. Auf der einen Seite, waren die in der Vorlage aufgezeigten Massnahmen minimal, sie sollen keinem Weh tun, vor allem aber die Wirtschaft nicht behindern. Auf der anderen Seite sind aber die tatsächlichen Herausforderungen (wie auch Herr Knutti beschreibt) maximal und dringend. Nun war es halt bei solchen Reformvorschlägen schon immer so, dass, wurden sie einmal implementiert, kaum mehr ein Interesse übrig blieb, weiter Schritte zu unternehmen. Dass der erste zaghafte Schritt die Federführenden zu weiteren, mutigeren animieren würde, war nicht mehr als eine Hoffnung und eine solche erfüllt sich halt nicht immer.

    1
  • am 23.08.2021 um 08:18 Uhr
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    Bei veröffentlichten Botschaften geht es oft mehr um den Stil als den Inhalt. Die Klimadebatte ist dafür ein eindrückliches, beängstigendes Beispiel. Seit dem 1972 veröffentlichten Bericht «Die Grenzen des Wachstums» des Club of Rome ist der Umgang mit der Umwelt ein Thema, das in den Medien ständig präsent ist. Er läutete die Geburtsstunde des Umwelt-Alarmismus und apokalyptischer Prognosen ein. Deshalb ist der heutige Umgang mit dem Klimawandel der «Alarmruf 4.0». Eigentlich hat man das schon alles zur Genüge gehört. Die wissenschaftliche Ignoranz der Menschen ist garantiert nicht der Grund für die bemängelten Entwicklungen. Doch längst hat sich eine Alarmismus-Industrie herausgebildet, welche den Weltuntergang, oft mit staatlicher Unterstützung, in den schwärzesten Farben an die Wand malt. (Erstaunlicherweise ist der «Konkurrent» Kernwaffen überhaupt kein Thema mehr) Ich betone: Die Inhalte sind wohl nicht zu widerlegen, die Botschaft ist in ihrem Stil aber häufig bigott. Sie will die Sünder*innen an die Kandare nehmen und nach Möglichkeit bestrafen. Mittlerweile wissen wir eigentlich längst: Das stumpft bloss ab. Aber mangels Alternativen (und weil es manchen einen Lebensunterhalt garantiert) machen wir weiter und drücken und drücken auf diesen Knopf der Alarmglocke.

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    • am 3.09.2021 um 11:50 Uhr
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      Also einfach munter weiter machen?

      0
  • am 23.08.2021 um 14:59 Uhr
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    Lieber Herr Knutti. Ich kann nicht bestätigen, dass sich viele hochgebildete Menschen in Foren von Verschwörungstheoretikern tummeln. Sie sind dort genau so selten vertreten wie in der übrigen Gesellschaft. Da finde ich viel Halbwissen, Andeutungen, bewusst eingesetzte und offen gelassene Fragen, die nicht vorhandenes Hintergrundwissen implizieren, eine grosse Bereitschaft, auch völlig unsinniges einfach zu glauben, Dinge, die gleichzeitig passieren, in einem ursächlichen Zusammenhang darzustellen und dergleichen mehr. Natürlich gibt es diskussionswürdige Ausnahmen. Leider keine, die die sich anbahnende Klimakatastrophe betrifft. Die individuellen Meinungen darüber beeinflussen die Abläufe des menschengemachten, verharmlosend «Klimawandel» genannten Abläufe in keinster Weise! Mit Utopien Menschen gewinnen, Vielleicht, aber viel zu wenige. Der verharmlosenden Darstellung dieser existenziell tiefgreifenden Veränderungen kann ich nicht zustimmen.
    Wir können als Gesellschaft nicht antizipieren. Dagegen ist unsere Bereitschaft, im Nachhinein zu flicken und zu reparieren (wo es noch geht) scheinbar grenzenlos. Was zu tun wäre, haben Maxton Graeme und andere in ihren Büchern beschrieben.
    Menschen verteidigen ihre momentanen Partikulärinteressen, um nichts ändern zu müssen.
    Lassen Sie sich nicht verheizen, Herr Knutti. Denn das Letzte, das die Menschheit will, ist gerettet zu werden. Für ihre Arbeit und Ihren Einsatz haben Sie meine allergrösste Hochachtung!

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  • am 23.08.2021 um 19:02 Uhr
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    Lieber Herr Knutti, einige der oben stehenden «Leserbriefe» (Amacker, Ochsner, Keller, Fischer, Egli, ..) sind mir echt peinlich; es tut mir leid für Sie, dass Sie sich mit solchen Anwürfen befassen müssen. (Mich erschreckt immer wieder, was für Beiträge gelegentlich aus der «kritischen/skeptischen/selbstbezogenen» Leserschaft des Infosperbers kommen.) Ich danke Ihnen jedenfalls für Ihre sorgfältige Auslegeordnung mit den Punkten 1 bis 4; noch viel mehr danke ich Ihnen aber für das ziemlich explizite Eingeständnis, dass hpg diese Auslegeordnung sogar noch besser hätte machen können. Ich gehe einig mit Ihnen, wenn Sie sagen, dass er uns fehlt! Er konnte zwischen Wissenschaft und Laien vermitteln. Ihnen als Wissenschaftler fällt das begreiflicherweise etwas schwerer; ich habe mich über Ihren Beitrag «in memoriam hpg» aber sehr gefreut!

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    • am 24.08.2021 um 06:41 Uhr
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      Geschätzter Herr Kuhn, bitte nehmen Sie zur Kenntnis, dass ich nicht alle in den gleichen Topf werfe: nicht Herrn Guggenbühl und nicht Herrn Knutti. Es sehe sowohl Medien wie auch Wissenschaftler, die Wahrheiten sagen. Leider sind es nicht sehr viele. Und leider werden sie kaum von der Mehrheit zur Kenntnis genommen.

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  • am 24.08.2021 um 13:20 Uhr
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    Vielen Dank für diesen interessanten Artikel. Hätten die Menschen «Die Grenzen des Wachstums» des Club of Rome seinerzeit (1972) ernst genommen, würden wir – wahrscheinlich – viel entspannter mit dem Klima-Thema umgehen.

    Zu den klassischen Medien: Von mir aus gesehen stecken diese nicht nur wegen Online-Plattformen und sozialen Netzwerken in der Krise. Viele klassische Medien sind Richtung Boulevard abgerutscht und vermitteln nicht mehr so oft fundierte Informationen. Komplexe Tatsachen zu verstehen und sie den Lesenden näherzubringen, benötigt viel Zeit und Geld. Deshalb wird lieber Panikmache, Diffamierung und Spaltung gemacht. Trump, Greta, links, rechts, alt, jung. Das bedeutet wenig Aufwand, mehr Klicks und kurzfristig mehr Geld. Wird diese Strategie langfristig ohne Subventionen funktionieren? Und will ein Staat solche Medien überhaupt subventionieren?

    Die wissenschaftliche Wahrheit ist gerade bei «neuen» Themen doch eher kurzlebig. Sie gilt heute, morgen aber schon nicht mehr. Beispiele gibt es genug: Die Covid-19-Impfung schützt mindestens ein Jahr lang (falsch), die Covid-19-Pandemie wird mehr Menschenleben fordern als die spanische Grippe (falsch)… usw.

    Von daher eine wissenschaftliche Wahrheit abzuleiten halte ich schon für ziemlich ambitioniert.

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  • am 25.08.2021 um 07:55 Uhr
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    Warum wird immer wieder vom menschengemachte Klimawandel geschrieben ? Ein absoluter Unsinn . Der Klimawandel findet unabhängig vom Menschen statt . Die Auswirkungen des Klimawandels werden vom Menschen beeinflusst . Die Einflüsse des Klimawandels auf Atmosphäre und Wasserkreislauf werden durch den Menschen von geologischen Zeiträumen auf menschliche Zeiträume verkürzt. Damit wird der Natur und Umwelt jegliche Möglichkeit genommen sich anzupassen , so wie es in den Jahrmillionen zuvor möglich war

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  • am 26.08.2021 um 01:25 Uhr
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    Sie machen Intuition für Irrationalität verantwortlich. Das ist eine Verwechslung. Wer sich einfach nur seine Vormeinung bestätigen lässt, sich an seine Umgebung anpasst und Informationen daraufhin selegiert, hört eben nicht auf seine oder ihre Intuition, sondern reagiert reflexhaft. Diskursive und wissenschaftliche Rationalität kann uns helfen, unser Bild der Realität mit Details anzureichern und zu korrigieren, aber auch die gebildetet Rationalität allein kommt in freier Wildbahn nicht ohne Komplexitätsreduktion aus (die von Ihnen erwähnte Anfälligkeit für Verschwörungstheorien bestätigt das.). Intuitionen und Gefühle haben den grossen Vorteil, dass sie uns mit der Realität auf einer Ebene von sehr hoher Komplexität in Kontakt bringen können. Aber dafür muss man erstmal lernen, sie zu kultivieren und von der «faulen Vernunft» (Immanuel Kant) zu unterscheiden. Dem dient z.B. ästhetische Wahrnehmung, – und dass mehr Frauen dabei zu Wort kämen, wäre möglicherweise auch ein Rationalitätsgewinn. Intuition und Gefühle sind ein Frühwarnsystem, dafür hat die Evolution gesorgt. Dass das mit dem Klimawandel nicht gut geht, konnte man intuitiv seit dem Club of Rome und dem Waldsterben der 90ger und und und …. wissen. Wer sich damit rausgeredet hat, dass wir auf «bessere Daten» warten müssen, ist nun klar im Nachteil. In memoriam hpg.

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    • am 26.08.2021 um 12:15 Uhr
      Permalink

      @Frau Hilmer
      Das haben Sie sehr schön dargelegt, danke.
      Intuition und rationales Denken sind nicht Antagonisten, das ist kein entweder oder. Entscheidungen mit vielen Unbekannten und Unsicherheiten werden letzlich intuitiv getroffen, auch wenn man alle bekannten Informationen und Fakten so unvoreingenommen als möglich berücksichtigt hat.

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