Narco States Lebanon Syria

In Ländern wie Syrien oder Libanon, wo Hunger, Arbeitslosigkeit und grosse Not verbreitet sind, gehören Produktion und Handel mit Drogen für viele zur Überlebens-Strategie. © 4-News

Bei Machthaber Assad hört die journalistische Sorgfalt auf

Helmut Scheben /  Statt über Kriege wie in Syrien besonders sorgfältig zu berichten, wird einseitig informiert. Kürzliches Beispiel: die NZZ.

«Syrien ist während des Bürgerkriegs zum Narco-Staat verkommen», titelte die NZZ am 11. Januar 2022 und fügte in der gedruckten Ausgabe im Lead hinzu:

«Das Assad-Regime verdient Millionen mit dem Export des Amphetamins Captagon

Diese Erkenntnis verdankt die NZZ hauptsächlich einer Expertin namens Caroline Rose, welche, so die NZZ, «seit Jahren zur Captagon-Produktion in Syrien forscht». 

Rose arbeitet am Newlines-Institute in Virginia. Das Institut gehört zur Fairfax University of America. Fairfax ist ein Vorort von Washington. Dieser Privat-Universität, mit offiziellem Namen Virginia International University, wurde 2019 von der staatlichen Aufsichtsbehörde wegen mangelnder Qualität der Lehre für ein paar Monate die Lizenz entzogen. 

Wer erwartete, im NZZ-Artikel auf stichhaltige Beweise für den Drogenhandel des Assad-Regimes zu stossen, sucht sie im Artikel allerdings vergeblich. Rose fand zwar bei ihren Recherchen heraus, dass das Betäubungsmittel Captagon im gesamten Nahen und Mittleren Osten wie auch auf dem Balkan im Umlauf war und ist. Mehr nicht. Und das ist keine neue Erkenntnis. 

Das einst vom Pharmakonzern Degussa entwickelte Captagon (Wirkstoff Fenetyllin) ist bekannt als Rausch- und Aufputschmittel von Soldaten im Krieg. Captagon wurde auch schon als Dschihadisten-Droge bezeichnet, weil es offenbar von Kombattanten des Islamischen Staates bevorzugt wird. Das Mittel gilt als Droge mit gefährlichen Nebenwirkungen und ist in vielen Ländern verboten. 

Dass Captagon im Libanon oder in Syrien illegal hergestellt wird und verschiedenen Milizen oder auch Armeeoffizieren als Finanzierungsquelle dient, ist laut Medienberichten wahrscheinlich. 

Doch nun verbreitete die NZZ Aussagen der Expertin Caroline Rose, wonach das syrische Regime «ab 2018 in grossem Massstab ins Geschäft eingestiegen» sei. Erst weiter hinten im Artikel wird eingeräumt, sie habe bei ihren Recherchen «keinen Beweis gefunden», dass, die Regierung Assad die Herstellung von Captagon fördere. Es gäbe allerdings «Hinweise», dass die Pillen in Syrien im industriellen Massstab produziert würden. Es sei «kaum denkbar, dass derart grosse Mengen im Land hergestellt und verschifft werden, ohne dass das Regime daran beteiligt ist.»

Man könnte ebenso behaupten, es sei kaum denkbar, dass am Kokain-Handel in Zürich oder St. Moritz der Bundesrat in Bern nicht beteiligt sei.

Es ist möglich, dass der syrische Staat oder dessen regierenden Clans am Captagon-Handel direkt oder indirekt mitverdienen. Doch der Vorwurf einer Regierungsbeteiligung «in grossem Massstab» sollte besser abgestützt und minimal belegt werden können, vor allem von einer Expertin, die «seit Jahren zur Captagon-Produktion in Syrien forscht».

Auf dem syrischen Kriegsschauplatz gibt es viele Akteure, die mit Waffen und Drogen handeln. Zudem hat die Regierung in Damaskus die Kontrolle über weite Teile ihres Territoriums verloren. 

Nährboden für kriminelle Geschäfte

Dass illegaler Handel in Syrien verbreitet ist, hat handfeste Gründe, welche die NZZ nicht erwähnte. Die umfassenden Sanktionen der USA lösten eine Hyperinflation aus und würgten die syrische Wirtschaft ab. Hinzu kamen der Zusammenbruch des Bankensystems im Libanon, der früheren Drehscheibe syrischer Finanztransaktionen, eine enorme Zahl an Flüchtlingen sowie die kriegszerstörte Infrastruktur. Das alles hat Syrien in eine entsetzliche Verelendung getrieben. 

Dass dort, wo Menschen ums Überleben kämpfen, auch zunehmend kriminelle Geschäftsfelder Zulauf erhalten, könnte zur Beurteilung der Verhältnisse beitragen. Doch der «Narco-Staat Syrien» und der «Drogenhändler Assad» passen besser ins herkömmliche Syrien-Narrativ. Dieses geht davon aus, dass Assad alles zuzutrauen ist und es für entsprechende Vorwürfe keine harten Fakten mehr braucht.

Einziges arabisches säkulares Land

Seit das Assad-Regime gegen Oppositionelle des arabischen Frühlings und gegen vom Ausland finanzierte und gesteuerte Aufständische mit Polizei und Militär brutal vorging, ist auch ein Medienkrieg im Gang. Das erklärte Ziel der USA war ein «Regime Change», das heisst ein Sturz Assads. Seither war und ist Assad der Bad Guy, der sein Volk auf brutalste Weise unterdrückt, und die sogenannten Rebellen, darunter viele Gruppen fundamentalistischer Islamisten, die Good Guys, die für Demokratie kämpfen würden. 

Nichts sollte mehr daran erinnern, dass Syrien als einziges Land der Region kein fundamentalistisches, sondern ein säkulares Land war (2010 verhängte Assad für Lehrerinnen sogar ein Nikab-Verbot). Assads Vater Hafiz hatte aus Syrien zwar einen autoritären Polizeistaat gemacht, in dem Oppositionelle unterdrückt wurden, und es gab wenig Anzeichen, dass sich dies rasch ändern würde. Doch Christen, Kurden, Armenier und andere Minderheiten blieben unbehelligt, solange sie dem Regime nicht politisch bedrohlich wurden.

In der säkular organisierten Republik Syrien strebte zwar eine grosse Mehrheit der Bevölkerung Veränderungen an, aber sie hätte einem gewaltsamen Sturz der Regierung nie zugestimmt. Und noch weniger hätte sie die Machtergreifung der Muslimbrüder oder fundamental-islamistischer «Rebellen» gewünscht. Über diese Stimmung in der Bevölkerung haben langjährige Syrien-Korrespondentinnen wie Karin Leukefeld berichtet, doch ihre Berichte wurden in deutschen Medien boykottiert. 

Man übernahm das Kriegs-Wording aus Washington, London, Berlin und Paris, Assad sei im Volk verhasst und werde bald gestürzt. Exil-Syrer verbreiteten 2012 in westlichen Medien, Assad könne sich «vielleicht noch ein Jahr an der Macht halten». Kenner des Landes, wie Professor Joshua Landis, Leiter des Zentrums für Nahoststudien an der Universität von Oklahoma, oder der ehemalige britische Botschafter in Syrien Peter Ford, nannten diese Fehleinschätzungen und die Dämonisierung Assads absurd und grotesk. 

Ziel war der Sturz Assads

Zum anderen haben westliche Diplomaten und Nahostexperten vom ersten Tag des Konfliktes an nachgewiesen, dass der Versuch eines Regime Change in Syrien (und anschliessend im Iran) bei den USA, ihren Nato-Verbündeten und den sunnitischen Golfmonarchien seit langem auf der Agenda stand. Der Nachweis für diese Tatsachen perlt bis heute an unseren grossen Medien ab wie an einer Teflonschicht. 

«Assad schiesst auf sein eigenes Volk» war der Textbaustein, auf den keine westliche Fernsehstation im Syrienkrieg verzichten wollte. Heute ist in Zeitungen zu lesen, dass immer noch Dschihadisten aus mehr als 50 Nationen in Gefängnissen im Kurdengebiet sitzen. Sind sie Teil von Assads eigenem Volk? Wer hat diese fundamentalistischen Rebellen ausgebildet, finanziert und zu Zehntausenden nach Syrien geschickt? 

Es gibt viele Informationen, die in grossen westlichen Medien keine oder zu wenig Beachtung fanden. Hier einige davon:

  • Im französischen Parlamentsfernsehen sagte der ehemaligen französische Aussenminister Roland Dumas, regierungsnahe Leute in London – er nannte sie in offensichtlichem Bemühen um diplomatische Diskretion «des responsables» – hätten ihm bereits vor Beginn des Syrienkrieges gefragt: «Wir werden Truppen nach Syrien schicken. Macht Frankreich mit?»  
  • Ein US-Kongressbericht stellt im geheimgehaltenen Kleingedruckten fest, die CIA-Crew in Benghasi habe die Waffentransporte aus Gaddafis Arsenalen für den nächsten Regime Change nach Syrien organisiert (Quelle: «Seymour M. Hersh on Obama, Erdogan and the Syrian rebels»).
  • In US-Archiven ist ein Telegramm einzusehen, das US-Botschafter William Roebuck bereits 2006 aus Damaskus nach Washington schickte. Darin stellt er fest, Assad habe politische und wirtschaftliche Reformen eingeleitet und werde wohl vom Volk wieder gewählt. Darauf macht er ein Dutzend perfide Vorschläge, was zu tun sei, um die Regierung Assad zu stürzen. Etliche dieser Vorschläge wurden bei Kriegsbeginn fünf Jahre später umgesetzt. 

Die 50’000 Folter-Fotos

In diese Richtung haben grosse westliche Medien und Think Tanks wenig recherchiert. In die gleichen Unterlassungen passt, dass grosse Medien im Jahr 2015 weitgehend unkritisch verbreiteten, dass ein «Militärfotograf Caesar» fünfzigtausend Folteropfer mit Fotos belegt habe. Der Fotograf hat nie vor einem einzigen ordentlichen Staatsanwalt ausgesagt (vgl. Garance Le Caisne: «Codename Caesar: Im Herzen der syrischen Todesmaschine» 2016). 

Human Rights Watch räumte beim Versuch, die Caesar-Story zu beglaubigen, ein, dass ein grosser Teil der Fotos augenscheinlich eher im Krieg gefallene syrische Soldaten abbilden als gefolterte Oppositionelle. 6’786 Fotos würden gefolterte Gefangene zeigen, die in Haft oder nach ihrer Überstellung aus einem Gefängnis in einem Militärkrankenhaus verstorben sind.

Schlimm genug, wenn auch nur ein Teil der Abgebildeten auf den 50’000 Fotos eigentliche Opfer von Folter sind. Aber die massive Übertreibung diente Donald Trump dazu, die Sanktionen gegen Syrien unter dem Namen Caesar-Act (Caesar-Gesetz) erneut zu verschärfen. Weniger Aufsehen erregten «Rebellen», die zahlreiche syrische Polizeistationen überfielen, Polizisten massakrierten und Computer-Festplatten mitnahmen. Fotos von Gewaltopfern finden sich in jedem Polizeiarchiv überall auf der Welt zu Tausenden.

Immer wieder die Holocaust-Metapher

Zehn von «Caesars» Fotos waren im Holocaust Memorial Museum in Washington ausgestellt. Die Holocaust-Metapher ist immer noch wirkungsvoll. Als die Botschaft von Katar in Paris den europäischen Diplomaten erstmals die Caesar-Fotos präsentierte, wurde im verdunkelten Raum die Musik aus dem Film Schindlers Liste gespielt. Selbst bei diesem schrecklichen Thema geht nichts über PR-Professionalität. 

Nach der Giftgasattacke von Ghuta im August 2013 erklärte Präsident Obama, Assad vergase sein eigenes Volk. Er benutzte wohl bedacht den Ausdruck «gassed to death». 

Nach dem Sarin-Anschlag wiederholte Aussenminister John Kerry bei mehr als 30 Auftritten, Assad sei der Täter. Zwar gab es keine belastbaren Beweise, aber wer die Macht hat, eine Behauptung über die grossen Presseagenturen in Sekundenschnelle um die Welt zu schicken, der dominiert die News. 

Später kam eine Reihe von renommierten Experten zu dem Schluss, dass es mit grosser Wahrscheinlichkeit die Aufständischen waren, die in Ghuta Giftgas einsetzten, um eine militärische Intervention Präsident Obamas in Syrien zu provozieren. Aber die Version vom Giftgasmörder Assad blieb für alle Zukunft festgeschrieben.

Ray MacGovern, ehemaliger Top-Analyst der CIA, sagte mir 2016 in Berlin: «Die Regierung in Washington hat über den Krieg in Syrien genauso Lügen verbreitet wie im Irak-Krieg.» MacGovern gehört zu einer Gruppe von mehreren Dutzend hochrangiger US-Geheimdienst-Veteranen, die geholfen hatten, die Fake-Informationen aufzudecken, deren sich die Regierung George W. Bush und ihre «Koalition der Willigen» bedienten, um vor der Weltöffentlichkeit den Irak-Krieg zu legitimieren.  

In Konfliktsituationen sind die Medien besonders herausgefordert. Dem von allen Grossmächten sorgfältig organisierten Medienkrieg mit seinen Manipulationsversuchen haben sie wenig entgegenzusetzen. Im Gegenteil: Das populäre Schema «Good guy – bad guy» kommt ihren Umsatzzielen entgegen. Die Folge sind Halbwahrheiten, vorschnelle Beschuldigungen und eine Wortwahl, die kurzen Prozess macht. 

Wenn sogar ein US-Präsident Joe Biden den Präsidenten Russlands einen «Killer» nennt, mögen sich manche Journalisten ermutigt fühlen, gleichermassen verbal einzuprügeln auf alle, die ein differenzierteres Weltbild vertreten. Riskieren tun sie dabei wenig. Denn anders als etwa im Lokaljournalismus drohen Medien weder Gegendarstellungen noch Verleumdungsklagen noch Inseratenboykotte.  

Das Umgekehrte ist schwer vorstellbar. Ein Journalist, der einen Präsidenten der USA, der in Irak, Afghanistan oder indirekt in Jemen lange Kriege führt, einen Killer nennt, würde im westlichen Medienbetrieb zur Raison gebracht. Und wer der westlichen Wertegemeinschaft gelegentlich vor Augen hält, dass im Namen von Freiheit und Demokratie ebenfalls Verbrechen begangen werden, könnte in einem Hochsicherheitsgefängnis in London enden, wie der Fall Julian Assange zeigt. 


Ergänzende Informationen

Red. Besonders in geopolitischen Auseinandersetzungen versuchen alle Konfliktparteien, ihre eigenen Absichten zu vertuschen, die Gegenseite zu diskreditieren, falsche Fährten zu legen und die Medien zu instrumentalisieren.
Als Zweitmedium gehen wir davon aus, dass unsere Leserschaft die von grossen Medien verbreiteten Informationen bereits kennt. Deshalb fokussiert Infosperber auf vernachlässigte Fakten, Zusammenhänge und Interessenlagen und will die grossen Medien ergänzen.
Immer mehr Bürgerinnen und Bürger schätzen unsere Zusatzinformationen, um sich eine eigene Meinung zu bilden.


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

Keine
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Zum Infosperber-Dossier:

BasharalAssad

Der Krieg in Syrien

Das Ausland mischt kräftig mit: Russland, Iran, USA, Türkei, Saudi-Arabien. Waffen liefern noch weitere.

Zeitungen_1

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13 Meinungen

  • am 9.02.2022 um 12:11 Uhr
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    Ich hatte kürzlich auf tiktok eine kleine diskussion mit einem, ich nehme an, us amerikaner der fest darauf bestand syrien ist und war immer ein konflikt zwischen der türkei und russland. Eure 3 weniger bekannte punkte zur kriegsvorbereitung wären ein super link gewesen um die diskussion schneller zu beenden. Aber ich denke da habe ich im englischen einfach nicht richtig gesucht. Auf jeden fall danke, wichtiger guter artikel.

    0
  • am 9.02.2022 um 14:14 Uhr
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    Ein ausserordentlich mutiger und umfassender Artikel! Ich bin froh dass dies von Infosperber unterstützt wird. Bei den meisten grossen Medien fühlt sich die CIA-Hofberichterstattung eher an wie die Prawda 1985, wo die Überlegenheit der Sowjetunion noch immer beschworen wurde, auch wenn kaum jemand im Volk noch daran glaubte. Heute vertrauen noch 20%-41% der Befragten in USA, UK, Frankreich, Italien oder Spanien ihren Regierungen, fast noch weniger vertrauen den Medien. https://data.oecd.org/gga/trust-in-government.htm
    https://www.statista.com/statistics/308468/importance-brand-journalist-creating-trust-news/
    Aber diese extreme Vertrauenskrise insbesondere in den USA scheint niemanden zum Reflektieren anzuregen. Die US Regierung sei legitim und das System sei gut, das ist das unhinterfragte Mantra.

    0
  • am 9.02.2022 um 14:25 Uhr
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    Sehr geehrter Herr Scheben, Ihr alarmierender Bericht erinnert mich stark an Afghanistan. In «24 heures» war vor Wochen ein total einseitiger Bericht über die bösen Talibans zu lesen. Ich habe dann in dreistündiger Arbeit eine Gegendarstellung verfasst, u.a. dass die Taliban (Mudschaheddin) von der CIA aus den konservativsten Konranschulen Pakistans geholt, ausgebildet und bewaffent worden waren, um die Sowjettruppen schon beim Einmarsch mit einem Feuerhagel zu empfangen. Das hat der Sicherheitsberater von Präsident Carter kurz nach der Vertreribung der Sowjets voll Stolz verkündet. Die Amerikaner kümmern sich sowieso nie darum, was das Volk denkt, und so waren sie bitter enttäuscht, dass diese Taliban, anstatt Ihnen für die Milliarden Schmiergelder dankbar zu sein, auch die US-Truppen – ebenfalls Ungläubige – nach 20 Jahren aus dem Land warfen.
    Nun, die Redaktion veröffentlichte meine Gegendarstellung nicht, «es sei einseitig gegen die USA gerichtet».

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    • am 10.02.2022 um 02:44 Uhr
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      Gratulation dass Sie den Aufwand betrieben haben. Anti-Imperialismus hat derzeit offenbar keine Chance in westlichen Medien. Die USA dürfen zwar für Trumpismus kritisiert werden, aber die Armee ist unantastbar. Es soll auch in Hollywood die klare Regel geben, dass man zwar Verschwörungstheorien filmen darf, die Armee aber immer gut und ehrlich ist.
      Zu Afghanistan bemerke ich genau das gleiche, zumal Europa und die USA genau derzeit für das Recht von Islamisten kämpfen, in Xinjiang Kopftuchzwang für Mädchen und Alkoholverbot für alle zu erzwingen. Die gegensätzliche Haltung gegenüber den extremistischen Muslimen in Afghanistan und über die Grenze zu China ist eigentlich augenfällige Doppelmoral, aber kein grosses Medium scheint das zu kümmern.

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  • am 9.02.2022 um 16:21 Uhr
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    Mit welchem Zweck betreiben die USA den Sturz Assads? Was haben sie davon?
    (Dies ist keine Entgegnung, sondern eine Frage).

    0
    • am 10.02.2022 um 20:16 Uhr
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      Herr Konrad, da Ihnen niemand Ihre Frage beantwortet, versuche ich es.
      Es geht den USA um Oel ( https://www.infosperber.ch/politik/welt/tuerkei-und-usa-pluendern-straflos-den-norden-syriens/ ) und um Macht. Die USA wollen möglichst viele Militärstützpunkte möglichst nahe an Russland. Dazu müssen sie Assad beseitigen. Das geht wie üblich wie schon in Libyen, Ex-Yogoslawien, Irak Ukraine etc. mit finazieller Unterstützung und Waffenlieferung an Oppositionelle, Einschleusung von bewaffneten muslimischen oder politischen Fanatikern und weltweite Medienkampagnien über erfundene Folterungen und Massaker. (Armin Wertz, ‹Die Weltbeherrscher› u.a.

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    • am 11.02.2022 um 11:21 Uhr
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      Hallo bernhard, jetzt bin ich mir nicht mehr sicher ob das erst im laufe des konflikts relevant wurde, aber israel fühlt sich oder ist bedroht durch jeglichen einfluss den iran im syrien hat. Einfluss um auf dem weg die hisbollah in lebanon besser zu unterstützen. Auch will israel die golanhöhen nicht an syrien wieder zurückgeben.

      Die interessen israels sind den usa politkkreisen sehr wichtig, deswegen würde ich den interessenteil am umsturzversuch doch als relevant schätzen. Israel hat auch die sunni islamisten gut unterstützt (ernniere mich an mehrere berichte) und bombardiert in syrien immernoch regelmässig.

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  • am 10.02.2022 um 10:28 Uhr
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    Ich freue mich immer über solche Artikel, die Geopolitik ohne ideologische Scheuklappen untersuchen. Jede Großmacht – dazu zählt, ob man es will oder nicht, auch Russland – verfolgt geostrategische Interessen. Im Falle Russlands eben auch die Sicherung des seit den 60iger Jahren bestehenden Einfluss samt Marinebasis in Syrien. Russland ist durch seinen im Vergleich zur NATO schlechten Zugang zu den Weltmeeren, besonders zum Mittelmeer, extrem auf diese Basis angewiesen. Zur Sicherung seiner Interessen hat kein Machtblock besondere Scheu, Zuflucht zu drastischen Mitteln wie der Finanzierung Aufständischer, Verbreitung von Propagandalügen und Medienmanipulation zu nehmen. Da stehen sich USA und Russland in nichts nach. Seit Jahren aber müssen wir hier im Westen uns das moralinsaure Gewäsch über den bösen Russen anhören, ohne dass allzu lange Anstoß an ungezählten us-amerikanischen Kriegsverbrechen (Drohnenkrieg, Einmarsch im Irak usw.) und eben auch an den Handlungen des NATO-Verbündeten Türkei genommen wird.

    1
    • am 11.02.2022 um 01:48 Uhr
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      Ich stimme Ihrer Stossrichtung zu, glaube aber die moralische Gleichstellung von Russland und den USA ist noch wesentlich zu grosszügig gegenüber den USA:
      Die Sowjetunion mag kommunistische Rebellen finanziert und bewaffnet haben, vom postsowjetischen Russland wäre mir aber kein solches Beispiel bekannt.
      Russische Medien und Sozialmedien-Aktivisten mögen europäischen Systemgegnern wie AfD und Identitären nach dem Mund schreiben, aber das ist im Umfang nichts im Vergleich zu US Propagandsendern wie Radio Free xxx.
      Und wenn ich eine regimefeindliche Organisation aufbauen will, so wüsste ich nicht, wo ich in Russland Unterstützung fände, wenn dann müsste ich wohl geheime Kanäle finden und brauchte Beziehungen. In den USA pumpt die NED ziemlich öffentlich Abermillionen Dollars pro Jahr in solche Organisationen. Und wenn die Destabilisierung einen gewissen Punkt erreicht, sind die US Armee und NATO bereit einzumarschieren. Russland hat nichts Vergleichbares, meines Wissens. Bestenfalls unterstützen sie ethnische Russen im Ausland, die meines Wissens aber weitgehend selbstorganisiert sind, bevor Russland hilft.

      0
    • am 11.02.2022 um 17:45 Uhr
      Permalink

      Sehr geehrter Herr Buchmann,
      ich freue mich jedes Mal, wenn ich wieder einen so durchdachten Beitrag aus dem unendlich weit entfernten Beijing lesen darf. Ich bin seit eh sehr neugierig, und mich würde es gewaltig interessieren, wenn Sie mir persönlich oder im Infosperber einmal berichten, warum und wie lange Sie schon in der chinesischen Hauptstadt weilen.
      Einer meiner Kollegen aus der Gymnasialzeit hat vor einigen Jahren bei einer Klassenzusammenkunft von China geschwärmt und erzählt, dass er die wichtigsten chinesischen Schriftzeichen schon recht sicher beherrsche, dass er häufig im Land der Mitte weile und Pate eines kleinen Chinesenmädchens sei.
      Nun, der Mann ist inzwischen in die ewigen Jagdgründe verreist, und ich könnte mir die Haare raufen, dass ich mir nicht Zeit genommen habe, ihn ausführlich (im nahen Basel) über seine Erlebnisse, Motive und Beweggründe zu befragen. Ich hoffe, wenigstens einen kleinen Teil des Versäumten dank Ihnen doch noch nachholen zu können. Meine Adresse: josyg@hispeed.ch
      Nun, es eilt nicht, aber ich warte geduldig – wie angeblich die Chinesen sind – auf Ihren Bericht. Herzlichen Dank zum Voraus.

      0
    • am 11.02.2022 um 09:14 Uhr
      Permalink

      Sehr geehrter Herr Schön,
      Ich gratuliere und danke Ihnen : Es ist das Intelligenteste, was ich gelesen habe.
      Die Einflussreichen der Welt spielen ja völlig verrückt: Die USA sind die grösste Militär- und Medienmacht, die Welt müsste sich vor ihren wahnsinnsbewaffneten, aggressiven Armeen fürchten; doch deren CIA-Planer schüren die Angst vor einer russischen Weltherrschaft. Die Nato-Regierungen von Washingten gesteuerte Marionetten, inklusive «neutrale» Schweiz, spielen fröhlich das traurige Spiel mit.

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  • am 13.02.2022 um 14:50 Uhr
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    Danke, solange ich solche Berichte noch lesen kann, bekomme ich Hoffnung, dass diese Welt vielleicht doch noch den Gewaltverzicht lernt und die Tugend der wahrhaftigen Berichterstattung immer mehr sich ausbreitet. Ein Mensch welcher der Selbstreflektierung und des Mitgefühles unfähig ist, so wie es z.B. bei meinem an schizophrenie erkrankten verstorbenen Bruder der Fall war, oder im katholischen Kinderheim bei der für mich zuständigen Nonne, kann gefährliche, verwerfliche Dinge tun, ohne es selber zu bemerken. Dasselbe gilt für Regierungen und durch unanständigen Reichtum Mächtige. Was zuweilen geschieht, erinnert mich an Kaiser Nero, alle schauen zu, bis es zu spät sein könnte. Gibt es jemand oder etwas, was gegen die mächtigste Industrie (Waffenindustrie) und gegen die zweitmächtigste (Pharmaindustrie) und gegen die drittmächtigste Macht (Finanzindustrie) ankommt? Nein, bis jetzt noch nicht. Wir, die Demokratien, dem Gewaltverzicht, der Wahrheit, der Gerechtigkeit, der Selbstreflektion, dem Einfühlungsvermögen, der Bildung und der humanen Gerechtigkeit selbstverpflichtet, werden zuweilen mit verbaler Gewalt geprügelt, gedemütigt, in der Existenz bedroht, wir werden rufgeschädigt, sogar die Justizia kann missbraucht werden, veraltete Gesetze und Gummi-Artikel machen es möglich. Es ist zuweilen frustrierend zu sehen, in welche Richtung sich die Welt entwickelt hat, und es ist schwierig, nicht auf zu geben. Aber wenn nicht wir Schreibenden etwas tun, wer tut es dann?

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    • am 14.02.2022 um 05:57 Uhr
      Permalink

      Ja, Herr Gubler, Sie schreiben sehr viel Durchdachtes und Überlegenswertes, und ich empfinde machmal wie Sie am Schluss totale Hilflosigkeit, wenn man all das Negative so auf sich wirken lässt. Ich lese zur Zeit ein sehr spannendes Buch «Die Wahrheit über Eva». Und wenn ich da wieder erfreut feststellen darf, hat sich doch auch sehr Vieles positiv vernändert: Mit Hilfe des als Religion getarnten Machtmittels Christentum sind doch die Frauen bei uns – angeblich von Gott dazu verdammt – jahrhundertelang unterdrückt worden, und durch die brutale Kolonisation Frauen und Männer mit anderer Hautfarbe genau gleich. Und die Frauen haben diesen bilblischen Männlichkeitswahn durchschaut und bekämpft; das Unterdrückungsmuster geht in vielen Staaten der Welt auf dem augezwungenen Weg weiter, aber sehr viele Menschen weltweit erwachen langsam, und es bleibt nichts anderes als die Hoffnung, dass wir alle noch Zeit haben, Wichtiges zum Besseren zu ändern. Die einzige Chance, wir müssen an das Gute glauben, und das wird langfristig siegen, aber es braucht noch sehr viel Anstrengung und vor allem selber und verantwortungsbewusst handeln und sich an allem Schönen und Guten freuen.

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