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Abdlhamid Haj Omar, 70, verlor 3 Söhne und 2 Enkel. Friedhof in Azaz, nördlich von Aleppo, 25.12.12 © ub

«Assad wird das Jahr 2014 als Präsident erleben»

Red. /  In Syrien wird das heutige Regime das Jahr 2013 überleben, sagt Syrien-Kenner Joshua Landis, Professor an der University Oklahoma.

Assad würde nur dann schon früher zum Aufgeben gezwungen, wenn das Ausland militärisch direkt interveniert, was jedoch unwahrscheinlich sei.
Die Einschätzung von Professor Landis unterscheidet sich von manchen Kreisen der syrischen Opposition und von westlichen Quellen, die den nahen Sturz Präsident Assads voraussagen. Auch melden Medien in letzter Zeit immer wieder «Erfolge» der Rebellen.
Doch der Syrien-Kenner Professor Landis erklärt: «Es gibt zur Zeit keine Kräfte, die in der Lage sind, Assad zum Rücktritt zu zwingen». Das Regime habe sich in den grossen Städten verschanzt und überlasse die Peripherie den Rebellen. Mit der Luftwaffe und der Artillerie würde das Regime diese Vororte dann bombardieren, beschiessen und verwüsten. Den Rebellen sei es trotz zwei Jahre dauerndem Aufstand nicht gelungen, auch nur eine einzige grössere Stadt unter ihre Kontrolle zu bringen. «Das ist kein gutes Zeichen für die Rebellen», meint Landis.
Das Regime versuche, die von Rebellen kontrollierten Peripherien von Treibstoffen und Nahrungsmitteln abzuschneiden, so dass die Unterstützung der lokalen Bevölkerung für die Rebellen schwinde. Berichte aus der Gegend um Aleppo würden dies bestätigen.
Die herrschende Minderheit von Alawiten, eine schiitische Sekte, fürchte nichts mehr als eine Machtübernahme von sich rächenden Sunniten. Deshalb würden die Kräfte des Regimes – trotz einiger Dissidenten – zusammen halten. Assad und seien Getreuen verfügen über fast sämtliche schweren Waffen. Die zerstrittene Opposition hoffe darauf, dass die USA intervenieren, um das Ungleichgewicht der Kräfte zu beseitigen. Doch diese Hoffnung sei vergeblich.
Denn es gebe keine Anzeichen, sagt Landis, dass die Obama-Administration oder eine andere westliche Macht, oder auch die Türkei, das Risiko einer direkten militärischen Intervention eingehen. Auch die steigende Zahl der Opfer – inzwischen auf 60’000 geschätzt – werde an der Haltung der ausländischen Mächte nichts ändern.


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

Der zitierte Professor Joshua Landis ist Professor für Internationale Beziehungen und Direktor des «Center for Middle East Studies» an der University Oklahoma, USA. Landis spricht fliessend Arabisch, Französisch und Englisch. Seine Familie lebte zuerst in Saudiarabien und im Libanon.

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