AfD gegen Bauhaus
Am dritten Tag zurück im guten, alten Deutschland, also Berlin, musste ich feststellen, die Stimmung war da schon deutlich besser, man hat das Gefühl, die Menschen brüllen sich nur noch gegenseitig an und vor den Toren lauert die AfD. Ich war ja gewarnt durch Surfen auf X. Ulf Poschardt, ehemaliger «Welt»-Chefredaktor, tobt seit Monaten, ja vielleicht auch Jahren wegen Berlin, die Stadt sei asozial und voller «Shitbürger» und «Bückbürger» und Linken, die neidisch auf seinen Ferrari seien, und antisemitische Fanatiker seien ausser Rand und Band und bald werde es wohl zu Enteignungen kommen, denn nichts lieber würden die Deutschen und ganz speziell die Berliner tun, als anderen ihren Erfolg zu neiden, statt erfinderisch zu sein wie Elon Musk. Man erwartet Bürgerkrieg, aber zuerst einmal gibt es Pommes mit Béchamelsauce und einem grossen Bier in der Paris Bar.
Mauer wieder hoch
Man fragt sich schliesslich, ob Berlin wirklich das Problem ist oder nicht doch eher Ulf Poschardt ein Symbol für eine Zeit, in der sich Menschen tourettesyndrommässig in den sozialen Medien daueranschreien und vom Gegenüber grundsätzlich das Schlechteste annehmen.
Man hat jedenfalls ein bisschen das Gefühl, das Land gehe vor die Hunde, als sei man in einer Free-Palestine-versus-bedingungslose-Solidarität-mit-Israel-Dauerpsychose gelandet, die goldene Ära der Neunziger längst Geschichte. Wir sassen bei Freunden in Neukölln, West-Berlin, in einem Haus direkt an der ehemaligen Mauer. In den Keller führte einmal ein Fluchttunnel aus dem Osten, der später von der West-Berliner Polizei zubetoniert wurde. Vielleicht sollten wir den Fluchttunnel symbolisch wieder öffnen, sagte der Freund, damit die Leute zurückfliehen können in den Osten. Angesichts der deprimierenden aggressiven Stimmungslage dachte ich, das wäre vielleicht gar nicht mal so schlecht. Mauer wieder hoch und Klappe halten.
Denn quasi kaum ist Deutschland zurück in alter Grösse, klopft auch schon die erste Rechtsaussen-Regierung an die Tür. Man musste sich ja lange genug bücken wegen «Schuldkult» und so weiter, jedenfalls ungefähr so der Tenor der Reden, die man inzwischen in bundesdeutschen Landtagen hören kann. Und weil die Berliner Kulturszene spätestens seit der von Joe Chialo Anfang 2024 eingeführten und kurz darauf wieder kassierten «Antidiskriminierungsklausel» weiss, dass Kultur und Gesinnung durchaus wieder gemeinsam in einem Satz vorkommen können (und alle, wäre Chialo mit seiner Idee durchgekommen, die den Staat Israel kritisiert hätten, nicht mehr länger für staatliche Kulturförderung in Frage gekommen wären), wollte ich mal schauen, wie es eigentlich die AfD so mit der Kultur hält. Immerhin hing am Bahnhof Ostkreuz ein Plakat, das für zwei Kraftwerk-Konzerte im Bauhaus Dessau warb, in jenem Bundesland also, wo die AfD nach den Wahlen vom 6. September womöglich im Alleingang regieren wird, und man braucht tatsächlich keinen Einstein, um nach den ersten Zeilen des Kulturprogramms der dortigen Landespartei zu ahnen, dass es mit Kraftwerk und Bauhaus in naher Zukunft eher schwierig werden könnte.
Der zerknirschte Regenbogen-Deutsche
Damit meine ich jetzt noch nicht mal Punkt 10 («Feuerwerk ist Kultur!»), also quasi freies Böllern für freie Bürger beziehungsweise, wie es dort heisst, «ein unbeschwertes privates Feuerwerk an Silvester». Auch nicht Punkt 6, «Schöner bauen», wonach jedes künftig mit staatlichen Geldern geförderte Bauwerk «eine anerkannte Bautradition» aufzugreifen habe, als Gegenmittel zur «ausserordentlichen Hässlichkeit» zeitgenössischer Architektur. Da würde ich angesichts des Zersiedelungshorrors wahrscheinlich sogar sofort unterschreiben.
Interessanter sind die anderen Punkte, die sich quer durch das Programm ziehen. Zum Beispiel der neue Umgang mit der deutschen Geschichte, weg vom «Schuldkomplex», der dafür sorge, dass «jede positive Bezugnahme auf die eigene Geschichte vor 1933» vermieden werde.
«Seiner Selbstbehauptungskräfte beraubt, ist Deutschland dem Einfluss der Regenbogenideologie hilflos ausgeliefert», heisst es im Programm. Die AfD Sachsen-Anhalt werde diese «Identitätsstörung» durch eine neue patriotische Kulturpolitik heilen.
Denn: «Welcher vernünftige und stabile Türke oder Syrer will denn zu einem von Selbsthass geplagten, zerknirschten Regenbogen-Deutschen werden.»
Die AfD jedenfalls will Sachsen-Anhalt zum Musterland ihrer Kulturpolitik machen. Die «vornehmste Aufgabe aller Kunst» bestehe darin, «kulturelle Identität zu pflegen». Dass Heinrich Heine einst an einem «Leichentuch» für Deutschland wob, ist dabei eher ungünstig, aber Heine muss ja auch nicht mehr gefördert werden. Für die Lebenden gilt: «Wir werden mit Staats- und Steuergeld vorwiegend solche Kunst fördern, die einen Beitrag zu deutscher Identitätsfindung leistet.»
Im Landtag forderte die AfD-Fraktion entsprechend «ein Bekenntnis zu deutscher Kultur als Voraussetzung staatlicher Kulturförderung». Um eine «Gesinnungskontrolle» gehe es ausdrücklich nicht. Es sei lediglich «legitim und geboten», dass Empfänger staatlicher Fördermittel «ein Mindestmass an Loyalität gegenüber der deutschen Kulturnation erkennen lassen» und diese nicht verächtlich machten. Bauhaus sei ein «Irrweg der Moderne», hiess es aus der AfD, und diesen Begriff habe sie nicht selbst erfunden, entgegnete FDP-Politiker Andreas Silbersack, sondern die Nazis, die ebendiese Bezeichnung im Werk «Kunst und Rasse» von 1928 geprägt hatten. AfD-Kulturmann Hans-Thomas Tillschneider fasste das anlässlich der Debatte dann noch einmal etwas griffiger zusammen: «Wenn es keine deutsche Kunst mehr gibt, gibt es auch kein Deutschland mehr.»
Die zweite Currywurst
Als guter Bildungsbürger schlug ich bei der zweiten Currywurst die «Zeit» auf, und da zeigte sich, wie sich die AfD ihr kulturelles «Musterland» vorstellt, in dem die Aufarbeitung der NS-Verbrechen zur «Identitätsstörung» geraten ist.
Wie der Journalist und Autor Jörg Lau darlegt, wird ausgerechnet das Bauhaus zum politischen Hauptfeind der AfD: die 1933 aufgelöste Schule, heute Touristenattraktion, das legendäre Gebäude von Walter Gropius samt einiger seiner «Meisterhäuser». Das Bundesland Sachsen-Anhalt leite unter dem Motto «moderndenken» seine Identität ausgerechnet aus einer Schule ab, die stets bestrebt gewesen sei, «jedes Anzeichen von nationaler Verwurzelung zu vermeiden». Für die AfD ein Zeichen von «Identitätslosigkeit».
Das Bauhaus hatte solche Probleme schon einmal. 1924/25 kürzten völkische Landespolitiker die Förderung, später liess NS-Minister Wilhelm Frick Werke der Bauhausmeister Feininger, Klee und Kandinsky aus den Weimarer Museen entfernen. Die Kunststiftung Sachsen-Anhalt zog diese historische Parallele in einer Mitteilung und warnte angesichts eines Kulturprogramms, in dem aus «moderndenken» künftig «deutschdenken» werden soll, vor einer «völkisch-nationalistischen Kulturauffassung», die vermeintlich «antideutsche» Tendenzen aus der Kultur verdrängen wolle.
Wenn man das alles liest, könnte man auf die Idee kommen, dass es vielleicht gar kein so schlechter Moment wäre, den Fluchttunnel von Ost nach West symbolisch wieder aufzuhämmern.
Am 6. September wird in Sachsen-Anhalt gewählt und am 22. September dann in Berlin, wo die Linke Elif Eralp, so jedenfalls ein Berliner Politjournalist beim siebten Pils in einer Eckkneipe, gar nicht mal so schlechte Chancen habe, eine Art lokale Zohran Mamdani zu werden. Als politischer Backlash auf einen möglichen Wahlerfolg der AfD in Sachsen-Anhalt.
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
Keine
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Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.







Wenn werden endlich Berichte über die Afd geschrieben,welche die Ursachen,dass diese Partie so einen Zulauf hat,benannt werden und nicht krampfhaft versucht wird,irgend einen Vergleich zur Nazizeit zu ziehen.Dieser voreingenomme Art der Journalisten,hat die letzten Jahre nichts gebracht, um den Aufstieg der Afd zu verhindern.Eher verstehe ich es als hilflosen Versuch,zu beweisen,dass man der «richtigen» angehört und vertieft dabei die Spaltung der Bevölkerung und schafft null Verständnis für Menschen die zum Schluss kommen,es muss sich was ändern und dies ist mein demokratisches Mittel dazu.
Wenn Merz vor der Wahl sagt, Links sei vorbei und die Schuldenbremse steht,um einen Tag nach der Wahl diese Versprechen zu brechen und dabei auf demokratisch fragwürdige Mittel zurückgreift,was sollen denn konservative Wähler in D anderes machen,als der Afd ihre Stimme zu geben?Dass die Blockparteien mehr oder weniger die selbe Politik vertreten, hat Volker Pispers schon vor Jahren festgestellt.
Wortmeldungen aus AfD Kreisen sind identisch wie damals zur Nazizeit.
Nichts liegt mir ferner als ein Rückfall die Zeiten der 30er Jahre. Aber ich verstehe durchaus, dass es ein Ende haben muss damit, dass Deutsche nicht stolz sein sollen auf ihre Heimat, ihre Kultur. Wer Deutschland reduziert auf die Schuld der Nazis, zerstört ein Land. Vielleicht war es der Konsumrausch und der wirtschaftliche Erfolg, der Deutschland über diese Identitätskrise hinweghalf. Wenn es schlecht läuft, braucht ein Land etwas, das es eint. Multikulti eint nicht. Jubelrufe in den Strassen, wenn ein islamistisches Attentat geglückt ist, auch nicht. Hoffen wir, dass sich Deutschland in seiner christlichen Tradtion findet, wo Toleranz und Verständnis, Liebe zum Nächsten, Respekt vor Andersdenkenden zum System gehört – und wo man davon ausgeht, dass man sich selber auch gern hat: Liebe deinen Nächsten WIE DICH SELBST.
Bauhaus? Ich dachte zuerst an die DoItYourself-Läden…. Aber nein, Hauptsache gegen die AfD, und das heraufstilisieren, dass ihr Kunstverständnis gleichzeitig ihr Hauptanliegen sei, das ist doch total falsch. Die AfD legt zu in Deutschland, könnte das mit der inhaltlichen Schwäche der klassischen Parteien und von Bundeskanzler Merz zu tun haben? Und die Hauptanliegen der AfD sind nicht Kulturthemen, sondern (Zitat Webseite AfD): Demokratie, Europa, innere Sicherheit (aus dem Grundsatzprogramm), aber auch Kernenergie, Sozialpolitik, Remigration. Darüber lässt sich streiten und diskutieren, nicht über ein Nebenthema, bei dem versucht wird, die AfD mit den Nationalsozialisten von früher in die gleiche Ecke zu stellen
Der Siegeszug der AfD zeigt eindrücklich, dass die Wiedervereinigung Deutschlands nur auf dem Papier erfolgte. Eindrücklich zeigt sich einmal mehr auch, wie man frustrierte Menschen, denen es an Selbstachtung fehlt, mit dem Nationalismus eine ausgeliehene Krücke zur Hebung des eigenen Selbstwertempfindens anbieten und damit ganz einfach für politische Zwecke missbrauchen kann. Dass dies gerade in Deutschland wieder so gut funktioniert, ist erschreckend und traurig zugleich.
zit.(«…dass die Wiedervereinigung Deutschlands nur auf dem Papier erfolgte…»)
Sie haben damit völlig recht – zunächst jedenfalls war es genau so. UND : das konnte gar nicht anders sein, denn die Bürger der DDR standen unter einem vom Westen völlig abweichenden politischen Leitgedanken (auch wenn der nicht von Allen ungeschmälert akzeptiert worden war).Dieser Leitgedanke konnte sich nicht abrupt in Luft auflösen, denn er beinhaltete eine vernünftige Grundidee , die durchaus konkurrenzfähig zum westlichen Ansatz war wie wir heute wissen. Das Umschwenken auf die Attraktionen der Bundesrepublik war verlockend, beseitigte aber nicht den ideellen Konflikt, sondern unterdrückte ihn. Und nun, angesichts der Summe von Problemen in Deutschland, taucht dieser Konflikt logischerweise wieder auf und wurde der Nährboden für die AfD.
Die Debattenkultur in D liegt seit Jahren am Boden. Nicht zuletzt wirkte die C-Inszenierung ab 2020 noch als Katalysator der «Sich-Anschreien-Kultur». Wer hier einzelne Äußerungen herauspickt und auf die Goldwaage legt wird garantiert fündig – in allen politischen und gesellschaftlichen Lagern.
Sollte die AFD in Sachsen-Anhalt bzw. in der kommenden Zeit in einem anderen Bundesland regieren können, ist zu befürchten, dass da nicht viel Gutes geschehen wird. Nicht wegen deren angeblich so bösem Willen, sondern vielmehr, weil ihr dann von der woken politische Mitte ein massiv geschädigtes Land und eine gespaltene Gesellschaft übergeben wird.
Ja es ist wirklich traurig das Deutschland nun vermutlich zum dritten Mal in die gleiche Falle tappt. Es wäre wirklich besser gewesen die Vergangenheit aktiv aufzuarbeiten anstatt sich so lange besatzen zu lassen. Rechts und Links spielen hier überhaupt keine Rolle mehr sondern schaukeln sich gegenseitig genau dahin wo Deutschland bereist zweimal war. Im Moment noch ist es die amtierende Regierung welche sich die schlagkräftigste Armee Europas zum Ziel setzt. Es liegt aber auch am deutschen Volk sich seiner selbst bewusst zu werden und ein einig Volk zu werden. Es braucht jetzt eine Revolution. Der Deutsche lässt unter Druck setzen wie kein anderer. Leider setzt er sich erst zur Wehr wenn ihm alles genommen wurde. Dann kann man ihm als ein x beliebiges Feindbild vor die Nase halten und dann diesem Gott. Warum das ganze ? Grund 4: Weil die deutschen DAX Unternehmen nur mit der Hälfte ihres Wertes bewertet sind. Stichwort «Betriebsrat». Um diesen auszuhebeln muss DE überschuldet sein da
AfD , Bauhaus:
Allem voran die wichtigste Tatsache :
Die AfD hat gerade jene kritischen Themen angefaßt – auf IHRE Art – vor denen sich die Altparteien lange Zeit weggeduckt haben. Das Volk hat es gemerkt und im Ärger über den Opportunismus der Altparteien gehandelt. Ohne dabei die Leitlinien der AfD KRITISCH zu berücksichtigen. „Die Geister, die sie riefen….“ – könnte die Folge sein. Zum „Bauhaus“, „Nationale Identität“ : Ich möchte eine Parallele heranziehen : Der Kampf der Kurden um IHRE Identität gegenüber der türkischen Identität mit tausenden Opfern.Von der EU durchaus respektiert. Beide Völker EINT der islamische Glaube. Wieso dieser Kampf ? Ich vermute : es gibt ein latentes Identitäts-GEFÜHL basierend auf den unterschiedlichen Muttersprachen : Turk-Sprache und indogermanische Sprache.
Solche LATENTEN Identitäts-GEFÜHLE können sich sehr unterschiedlich und mehr oder weniger rational darstellen – und mißbraucht werden. So sehe ich „Bauhaus&AfD“ u.ä.
In Japan wird die eigene Kultur selbstverständlich gepflegt, respektiert und ist ständiger Teil des täglichen Lebens. Alte Handwerkskünste und Traditionen werden staatlich gefördert. Masseneinwanderung kulturfremder Menschen wird verhindert. Millionen Touristen kommen genau deswegen nach Japan. In Deutschland hingegen möchte man Schülern in Deutsch weder Schiller, Goethe und schon gar nicht Heine mehr zumuten. Man entwickelt die «einfache Sprache». Migrantische Grundschüler sprechen Deutsch nur unzureichend. Mit vielen Millionen werden Vereine und Funktionäre der LGBT-Szene gefördert, überall penetrant die Regenbogenflagge dazugehängt. Es ist nicht staatliche Aufgabe, spezielle Sexualität oder Anhänger spezieller Praktiken mit Steuergeld zu unterstützen. Dazu wird das Bild des «guten Migranten» kultiviert, ohne den Deutschland zusammenbräche und wir daher in einer Bringschuld ihm gegenüber seien. Das nervt viele Leute und dann wird AfD gewählt. Man muss sich nicht wundern.