Sperberauge

Weltwoche-Köppel: Ungemein elastisch

Kurt Marti © Christian Schnur

Kurt Marti /  Am Morgen des russischen Überfalls huldigte der Weltwoche-Chef dem Chef des Kremls, am Abend forderte er mehr Rüstung gegen ihn.

Das Timing lief brutal gegen die Weltwoche: Ausgerechnet am Morgen des Einmarsches der russischen Truppen in die Ukraine erschien die neuste Weltwoche-Ausgabe mit einer Huldigung an Putin aus der Feder von Weltwoche-Chef Roger Köppel.

Darin lobt Köppel Putins Werte: «Tradition, Familie, Patriotismus, Krieg, Religion, Männlichkeit, Militär, Machtpolitik und nationale Interessen.» Damit entlarve dieser die «Dekadenz des Westens». Und Köppel folgert, dass Putin «hoffentlich» der Schock sei, «den der Westen braucht, um wieder zur Vernunft zu kommen».

Der russische Überfall auf die Ukraine als «Schock», den der «dekadente» Westen braucht, um wieder zur Vernunft zu kommen? Köppel hatte sich offensichtlich verrannt. Doch er blieb ungemein elastisch. Bereits am Abend desselben Tages forderte er «eine starke Armee» der Schweiz gegen den gefährlichen Putin, dem er notabene am Morgen noch gehuldigt hatte.

Dermassen unter Druck versuchte Köppel den politischen Bannstrahl von sich ab- und auf andere weiterzulenken. Am selben Abend wetterte er gegen die «linken Armeeabschaffer», deren «Naivität brutal bestraft» werde. Ausgerechnet SVP-Nationalrat Köppel, der sich am Morgen noch naiv an Putins Brust geworfen hatte.

Dazu passt seine neuste elastische Selbst-Einschätzung auf Weltwoche Daily (2.25): «Ich sehe nirgends irgendwo eine mässigende, deeskalierende Stimme. Ich bin bald der Einzige, der hier noch für eine gewisse Differenziertheit eintritt.»


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

Keine
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Zum Infosperber-Dossier:

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Der Umgang mit Putins Russland

Russland zwischen Europa, USA und China. Berechtigte Kritik und viele Vorurteile.

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3 Meinungen

  • am 3.03.2022 um 12:22 Uhr
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    Der «meinungsstarke» Köppel Roger hat ab und an wirklich Pech mit seinen flamboyant vorgetragenen Welterklärungen. So auch am 16. Oktober 2008. Sein Blättli war gefüllt mit sei die Finanzkrise viel, viel besser bewältigt als irgendwo sonst auf der Welt. Am selben Tag musste die UBS mit rund 60 Milliarden von Nationalbank und Eidgenossenschaft unterstützt werden…Ich habe mir die betreffende Ausgabe immer noch aufbehalten – Realsatire as its best!
    Sorgen machen muss man sich allerdings über die Schweizer Aussenpolitik, wenn solche Wirrläufer in der aussenpolitischen Kommission des Nationalrates Einsitz nehmen dürfen.
    Und schliesslich noch eine Bemerkung zu den von Köppel Roger rausposaunten ewigen Werten wie Patriotismus, Militär, Macht, Krieg. Was ist davon zu halten, wenn sie von einem Schreiberling vertreten werden, der sich einst vor dem Militärdienst gedrückt hat, weil er sich zu schade war, ein paar Nächte an die Füsse zu frieren? Journalistisches Maulheldentum.

    3
  • am 4.03.2022 um 06:06 Uhr
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    Roger Köppel wünscht sich mehr Abonnenten für seine Weltwoche. Um das zu erreichen vertritt Herr Roger Köppel alle Meinungen gleichzeitig. Das kann man so machen. Welche Meinung hat Herr
    Köppel, wenn er gleichzeitig auch das Gegenteil behauptet? Wer sind die Leser der Weltwoche?
    Natürlich kann jeder seine Meinung zu irgendwas in der Weltwoche finden. Ist das Journalismus oder ein Laden für «Kunterbuntes Allerlei von Pippi Kurzstrumpf»?

    2
  • am 5.03.2022 um 07:27 Uhr
    Permalink

    Ich habe mir, eigentlich mehr um mir selber ein Bild zu machen von dieser Weltwoche, ein befristetes Online-Abo gemacht. Das war zum Lachen, ich finde es manchmal so amüsant. Dann musste ich noch den Firefox installieren mit einem Werbeblocker und einem Blocker, der mir die Tracker vom Leibe hält, die wissen wollen wohin ich gehe wenn ich die Weltwoche-Seite verlasse. Das Geblinke der Werbung trotz Abo war nicht zu ertragen, da riskiert man ja einen epileptischen Anfall. Meine Anfrage, warum mit dem Abo die Werbung nicht verschwinden würde, so wie bei einigen Anderen Online-Plattformen, bekam ich die höffliche Antwort, weil sonst das Geld nicht reichen würde. Die paar hundert Werbefranken pro Jahr vertreiben die Kunden eher als das es die Seite fördert.

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