So geht Hetze – ein peinlich-schäbiges Lehrstück

Alfred Schlienger /  Unfassbar: Corona-Opfer werden zu Sündenböcken gemacht – weil sie Ausländernamen tragen. Eine beschämende Groteske in fünf Akten.

Corona ist ein Übel, das uns alle belastet. Aber nicht alle im gleichen Mass. Alte Menschen sind bekanntlich besonders gefährdet, ebenso sozial Benachteiligte und Berufstätige mit viel nahem Menschenkontakt wie Pflegende, Kassen- und Speditionspersonal oder Bauarbeiter. In all diesen Berufen ist der Anteil von ausländischen Mitarbeitenden – die die Schweiz gerade in diesen schwierigen Zeiten am Laufen halten und die deshalb inzwischen als systemrelevant anerkannt werden – sehr hoch. – Und was macht die Basler Zeitung daraus? Sie spielt ausländische Corona-Patienten gegen schweizerische aus. Ein klarer Verstoss gegen das Diskriminierungsverbot in unserer Bundesverfassung (BV Art. 8,2).

Erster Akt: Knalle eine reisserische Schlagzeile ins Blatt!

Jetzt, wo seit Wochen die Überlastung der Intensivstationen befürchtet wird, titelt die BaZ im Klickfieber und mit dramatischem Bild aus einer Intensivstation: «70 Prozent Migranten in den Spitalbetten». Und im Lead: «Nach Angaben von Pflegefachleuten belegen überdurchschnittlich viele Corona-Patienten mit Migrationshintergrund die Intensivstationen.» Früher hiess es im fremdenängstlichen Milieu: Diese Ausländer nehmen uns die Frauen weg – jetzt sind es die Spitalbetten. Im Text wird dann deutlich, wie unglaublich dürftig die Quellenlage für diese steile These ist. BaZ-Redaktor Daniel Wahl stützt sich für seinen Artikel auf eine einzelne anonyme Pflegefachfrau aus dem Kanton Baselland und ihre freihändigen Schätzungen, spielt den Ball dann subito drei SVP-Exponenten zu und lässt sie ihre Verdächtigungen aufgrund dieser Gerüchtebasis weiterspinnen. SVP-Landrat Hanspeter Weibel zieht wie gewünscht vom Leder: «Es kann nicht sein, dass Intensivbetten und Beatmungsplätze überproportional von Personen mit Migrationshintergrund belegt sind und deswegen planbare Operationen hinausgeschoben werden müssen.» Soll jetzt nach Daniel Wahl und der SVP die neue Triage-Regel lauten: Schweizer Patienten first? Einseitiger und verhetzender ist die an sich sehr tragische Problemlage kaum darstellbar.

Besonders stossend an dem Artikel ist das Fehlen jeglicher sozioökonomischen Einordnung einer möglichen Korrelation zwischen Corona-Infektion und Migration. Und direkt schon grotesk ist die Methode, mit der Thomas Weber (SVP), der Gesundheitsdirektor von Baselland, auf seine Schätzung von 40 Prozent «Migrationshintergrund» bei den Corona-Infizierten kommt: Man habe die fremdländisch klingenden Namen auf den Listen der Angesteckten zusammengezählt… Schon methodisch das reine Desaster.

Man mache einmal den Selbsttest: In meinem engsten Bekanntenkreis gibt es mindestens zwei Dutzend Personen «mit fremdländisch klingenden Namen», alles Schweizerinnen und Schweizer, alle hier geboren. Seriöse Statistik geht anders. Die Zunahme von herkunftsmässiger Diversität, wie sie in den letzten sechs Jahrzehnten in der Schweiz Realität geworden ist, scheint in bestimmten Betonköpfen noch nicht angekommen zu sein.

BaZ-Redaktor Wahl weiss natürlich, auf welch dünnem Eis er sich mit seiner These bewegt. Er sucht deshalb für seine Gerüchteküche eine stabilere Basis im Nachbarkanton Basel-Stadt und fragt den Sprecher des Unispitals an. Und als er nicht die gewünschte Antwort erhält, verfälscht er einfach das Zitat. Unispital-Sprecher Nicolas Drechsler hatte ihm gemeldet: «Ich kann diese Zahl weder bestätigen noch dementieren, da wir die Nationalität der auf die IPS verlegten Patienten nicht erheben.» Daniel Wahl macht daraus: Nicolas Drechsler «dementiert die Zahl von 70 Prozent Corona-Patienten mit Migrationshintergrund nicht». Hallo? Das ist eine klare Verfälschung durch Auslassung. Nicht dementieren bedeutet indirekt bestätigen. Das ist das Gegenteil von dem, was Drechsler schreibt. Solche Verdrehungen passieren ja nicht einfach so, sie sind nicht nur der Wahlschen Schludrigkeit geschuldet, sondern ganz offensichtlich böswillig eingeplant. Das Ziel ist klar: Ein Steilpass fürs Ausländer-Bashing in der einschlägigen Klientel.

Dass es den Tamedia-Chefs – ob in Basel oder Zürich, ist unklar – zumindest mit der reisserischen Schlagzeile doch etwas unwohl wurde, zeigt sich darin, dass sie online nach einiger Zeit abgeschwächt wurde in die mildere Frageform: «Sind Migranten öfter wegen Corona im Spital? Das sagen Pflegende.»

Zweiter Akt: Die rechtsnationale Politik springt auf das 70-Prozent-Gerücht noch so gerne auf

SVP-Nationalrat und Fraktionspräsident Thomas Aeschi nimmt den Ball denn auch schneller auf, als er denken und prüfen kann, und setzt subito einen Tweet ab: «70 Prozent Migranten im Spitalbett.» «Hierzu sagt Alain Berset nichts. Aber mit immer noch mehr Einschränkungen bringt er immer noch mehr Schweizerinnen und Schweizer um ihre Existenz!» In der Arena von SRF gibt ihm Moderator Sandro Brotz die Gelegenheit, sich für diesen offen diskriminierenden Ausreisser zu entschuldigen. Was Aeschi natürlich weit von sich weist, mit der etwas schlichten Begründung: Es stand ja in der Presse. So geht das heute bei einem aufmerksamkeitssüchtigen Politehrgeizling, der noch Bundesrat werden möchte. Quellenprüfung, wie sie jeder Mittelschüler lernt, ist für den Fraktionspräsidenten der grössten Schweizer Partei offenbar ein Fremdwort, wenn das Gerücht ins eigene Vorurteilsschema passt.

Auch beim Bundesrat hinterlegt der flinke Rechtsausleger gleichentags mit dem Erscheinen des Print-Artikels eine dringliche Anfrage: «Gemäss verschiedenen Quellen (BAZ vom 1.12.20 „70% Migranten im Corona-Spitalbett», Pflegepersonal etc.) werden viele Schweizer Spitalbetten durch Corona-Heimkehrer aus dem Balkan und durch Wirtschaftsmigranten aus Afrika und arabischen Ländern belegt.

– Was sind die Zahlen der Corona-Fälle für Schweizer, für Schweizer mit Migrationshintergrund und für Ausländer?

– Ist der Bundesrat bereit, diese Quersubventionierung von Ausländern durch hart arbeitende Schweizer zu unterbinden?»

Geht’s bitte noch etwas populistischer?

Die Antwort des Bundesrats vom 7.12. fällt mit zwei knappen Sätzen erfreulich sec aus: «Der Bund verfügt über keine Angaben über die Nationalität der am Coronavirus erkrankten und hospitalisierten Personen. Der Bundesrat ist der Ansicht, dass der Zugang zum Gesundheitswesen für alle Bewohnerinnen und Bewohner der Schweiz gleichermassen gewährleistet sein muss.» Eigengoal Aeschi. Immerhin.

Die Saat geht allerdings auch in den Kommentarspalten der Basler Zeitung wie gewünscht auf. Über 60 Prozent der Einträge äussern sich klar fremdenfeindlich. Grundtenor: Diese Ausländer foutieren sich wie immer um alles und halten sich an keine Regeln – und wir Schweizer sind dann die Lackierten. Einmal anders gefragt: Soll man BaZ-Chefreporter Daniel Wahl einen Preis verleihen, weil er es immer wieder schafft, für Fremdenhasser solche Ventile anzubieten, die vielleicht Schlimmeres verhindern?

Selbstredend übernimmt auch Roger Köppel die ungestützte BaZ-Schlagzeile freudig grinsend in sein Weltwoche daily Video.

Wichtiger Einschub: Wenn Ausländer überproportional von Corona betroffen sind, dann ist das selbstverständlich ein Thema, das Politik und Medien beschäftigen soll. In erster Linie, um diese Bevölkerungsteile besser zu schützen, als das bisher geschehen ist. Das ist in unser aller Interesse. Fremdenfeindliche Unter- und Obertöne haben da rein gar nichts zu suchen.

Was es in einer solchen Geschichte braucht, ist einordnender Journalismus, wie ihn das neue Online-Medium bajour bereits einen Tag nach der dubiosen BaZ-Veröffentlichung lieferte, durch ein sehr erhellendes Interview mit der Soziologin Sarah Schilliger, in dem die sozioökonomischen Ursachen des Ansteckungsrisikos vertieft ergründet werden. Ein kurzer Auszug: «Untersuchungen aus OECD-Ländern zeigen, dass Migrantinnen und Migranten klar überrepräsentiert sind bei den Covid-19-Fällen und bei der Sterblichkeit. So ist in Kanada, Dänemark, Norwegen, Portugal und Schweden das Infektionsrisiko für Menschen, die nicht in dem jeweiligen Land geboren sind, doppelt so hoch. In den USA ist die hohe Sterblichkeit von schwarzen Menschen auffällig.»

Dritter Akt: Schiebe einen heuchlerischen Kommentar nach!

Zwei Tage nach dem bajour-Interview schiebt Redaktor Wahl in der BaZ einen Kommentar nach, der hauptsächlich die dünnen Thesen des vorausgegangenen Artikels wiederholt und die 70-Prozent-Behauptung wieder in den Titel nimmt, aber im Schlussteil immerhin ein paar sozioökonomische Stichworte zur Korrelation von Corona-Infektion und «Migrationshintergrund» anführt. Diese Stichworte wirken wie abgekupfert aus dem bajour-Interview. Es stellen sich einige Fragen: Wie ist die plötzliche partielle Kehrtwende von Wahl zu erklären? Warum erschien dieser Kommentar, wenn er denn ernstgemeint sein sollte, nicht gleichzeitig mit dem Artikel vom 2. Dezember? Oder ist der BaZ-Chefreporter erst nachträglich zur Besinnung gekommen? Haben ihm vielleicht Kollegen die Kappe gewaschen? Oder hat wenigstens im Nachhinein doch noch die Chefredaktion interveniert? – Nichts von alledem. Wahl räumt auf Nachfrage einzig ein, dass es wohl geschickter gewesen wäre, den Kommentar gleichzeitig mit dem einseitigen Ursprungsartikel zu veröffentlichen.

Das ist nachvollziehbar. Weniger glaubwürdig wirkt die plötzliche Umkehrung des Twists in der Ausländerfrage. Zudem fällt auf, dass die ausländerfeindlichen Kommentare auf diesen nachgeschobenen Kommentar auf rund 80 Prozent zunehmen. Interessanterweise geht auch das SVP-Passspiel für diesen zweiten Artikel munter weiter. In der Fragestunde des Parlaments spielt SVP-Landrat Weibel dem SVP-Regierungsrat Weber eine Frage zu, die dieser nutzt, um einen anonymen Chefarzt des Kantonsspitals Baselland zu zitieren, der die 70 Prozent Corona-Patienten «mit Migrationshintergrund» bestätigt habe. Redaktor Wahl schnauft auf, scheint damit ein bisschen aus dem Schneider zu sein und nimmt das prominente Votum natürlich gerne in seinen Artikel auf. Das Problem dabei ist nur: Trotz zahlreicher Nachfragen auf allen Ebenen des Kantonsspitals kann niemand diese Zahl bestätigen noch die angewandte Methodik nennen. Die Antwort lautet durchs Band: «Wir führen keine Statistik über «Migrationshintergründe», weder bei COVID-19 noch bei anderen Behandlungen.» Kurz und gut, seriöse Belege für die zitierte Behauptung kann es gar nicht geben, da keine entsprechenden Daten erhoben werden.

Ständig wechselt bei Daniel Wahl auch der Fokus. Mal sind es Intensivbetten, mal Betten auf normalen Pflegestationen, mal einfach Corona-Infizierte, auf die er sich bezieht. Aber immer geht’s um die 70 Prozent! Wichtig ist nicht Genauigkeit, wichtig ist nur der aufhetzende Wirbel. Und vielleicht ist es auch noch ganz gut zu wissen, dass SVP-Regierungsrat Weber jener ist, der sich im Regionaljournal so offen wie unbedarft für die coronaskeptische «Querdenker»-Bewegung stark gemacht hat mit der Bemerkung: «Querdenker sind willkommen. Ich glaube, in der jetzigen Situation sind Querdenker wichtiger denn je.» Offenbar wichtiger als belegbare Fakten.

Vierter Akt: Hab keine Angst vor Qualitätskontrolle!

Dass der hetzerische Wahl-Artikel vom 2. Dezember redaktionsintern durchgewunken wurde, scheint eher zu belegen, dass es in der BaZ gar keine ernstzunehmende Qualitätskontrolle gibt. Insider geben das offen zu. Andere behaupten, selbstverständlich werde jeder Artikel redaktionell gegengelesen. Falls das so ist, kann man auch diesen Kollegen kein gutes Zeugnis ausstellen, denn was da durchgeht, ist sowohl inhaltlich wie auch sprachlich oft unterirdisch.

Chefredaktor Marcel Rohr, mit dem Infosperber unter anderem über Qualitätskontrolle sprechen wollte, hat ein solches Gespräch, auch grammatikalisch eigenwillig, verweigert: «Ich habe kein Bedarf für ein Gespräch.» Kann passieren in der Hitze der Überforderung. (Es geht allerdings gar nicht um seinen Bedarf, es geht um den Bedarf der Öffentlichkeit.) Tragischer ist, dass der ehemalige Fussballreporter Rohr von niemandem auf der Redaktion ernstgenommen wird, wie Insider bestätigen. Er könne weder führen noch intelligent schreiben. Ein ehemaliger Lokalchef und späterer Kolumnist der BaZ sagt es so: «Marcel Rohr ist der schlechteste Chefredaktor, den die Basler Zeitung je hatte. Meine Prognose fürs 2020: Er wird im Verlaufe des Jahres ausgewechselt.» Das hat sich bis jetzt noch nicht bestätigt.

Spricht das für die Tamedia-Chefs in Zürich? Oder halten sie ihn genau deshalb im Amt, weil er so schwach und lenkbar ist?

Markus Wüest, stellvertretender Chefredaktor der BaZ, erklärt, Qualitätskontrolle sei eine übergeordnete Aufgabe der Tamedia-Zentrale. Nachträglich will er diese Aussage wieder zurückziehen. Fragt man beim Tamedia-Ombudsmann Ignaz Staub nach, lautet die Auskunft: «Auf jeden Fall gilt meines Erachtens, dass die Qualitätskontrolle von Artikeln in erster Linie auf der Redaktion stattfinden muss. Outsourcen lässt sich diese Verantwortung nicht. Ein anderes Vorgehen wäre wohl unrealistisch und nicht praktikabel.» Was gilt nun? Management by chaos?

Infosperber hat auch bei Tamedia-Chefredaktor Arthur Rutishauser nachgebohrt mit mehreren Fragen zum Wahl-Artikel und zur konkreten Qualitätskontrolle des Unternehmens. Seine Antworten bleiben etwas kursorisch und ausweichend. Den fremdenfeindlichen und hetzerischen Charakter des Ausgangsartikels scheint Rutishauser nicht wahrnehmen zu wollen. Auch die extrem dünne Quellenlage scheint ihn nicht zu stören, das Thema biete schliesslich «grosses Diskussionspotential»; einzig den Titel findet er «unglücklich gewählt». Hier die vollständige Stellungnahme:

«In der Regionalberichterstattung ist die Basler Zeitung autonom und kann ihre redaktionellen Inhalte innerhalb der Tamedia-Qualitätsrichtlinien selber bestimmen. Der Artikel behandelt unbestritten ein heikles Thema, das ein grosses Diskussionspotential in sich birgt und das man deshalb auch ansprechen soll. Es ist tatsächlich für die Behörden nicht ganz einfach, die Migranten anzusprechen, und zudem sind sie oft von Corona-Massnahmen überproportional betroffen.

Was den Artikel betrifft: Die Aktualität und der Newswert sind gegeben. Der Autor unterscheidet auch zwischen Meinung und Fakten. Der ursprüngliche Titel hingegen war unglücklich gewählt, deshalb wurde er auch geändert (Link). Was auch geändert hat, ist die Sichtweise auf die Krise. Inzwischen wissen wir, dass wir Schweizer generell nicht sehr gut mit der Corona-Krise umgehen.»

Es sieht so aus, dass bei der Basler Zeitung eigentlich jeder machen kann, was er will. Echte journalistische Qualität ist nicht gefragt. Was diese Basler da am Rheinknie rumschreiben, interessiert Tamedia in Zürich nicht wirklich. Wichtig war der Kauf der Basler Zeitung nur ökonomisch zur Arrondierung der Werbeplattform Zürich – Bern – Basel. Publizistisch so traurig wie wahr. (Bei dieser Gelegenheit kann man auch auf die interessante Tamedia-Serie hinweisen, die gegenwärtig bei der Republik veröffentlicht wird.)

Fünfter Akt: Produziere zwei, drei, viele Ausreisser! Es wird dir nichts passieren.

Daniel Wahl ist noch von Markus Somm zur BaZ geholt worden und wurde «journalistisch» von ihm sozialisiert als Schreibsoldat gegen staatliche Institutionen, die bekanntlich immer des Teufels sind. Diesen antrainierten Kampfmodus der kalkulierten Einseitigkeit – der natürlich Klicks generiert – kann er auch unter der neuen Tamedia-Herrschaft nicht ablegen. Ob gegen Sexualkundeunterricht an der Schule, ob gegen die Kesb, ob gegen die vermeintliche Einladung von Angehörigen zum «Schwedenreisli» des Basler Baudepartements – ein Rohrkrepierer par excellence – , der evangelikale Freikirchler Wahl muss sich immer radikal einseitig als Held, Entlarver und Opfer-Retter in Positur werfen und verstösst dabei oft gegen grundsätzliche journalistische Regeln und Standards. Schon mehrfach musste er deshalb für seine Artikel vom Presserat gerügt werden. Aber er bleibt der boulevardeske Thesenschreiber, der als Adrenalin offenbar die Gratwanderungen auf der schmalen Kante des vielleicht gerade noch knapp Erlaubten liebt und braucht. Auffällig oft wird er dabei von externen Zuträgern gefüttert, wie zum Beispiel vom Anwalt und als SVP-Regierungsrat-Kandidat eben gescheiterten Stefan Suter.

Von aussen betrachtet versteht man nicht recht, dass nicht wenigstens die Redaktionskollegen ihn etwas zügeln können, wenn es die Leitung schon nicht tut; denn mit seinem kruden Einseitigkeits-Furor schadet Wahl auch den seriös arbeitenden Journalisten der Basler Zeitung – und dem Berufsbild generell.

Die Hauptverantwortung dafür liegt selbstverständlich bei den Chefs in Basel und Zürich. Aber eben.

Hier trotzdem ein möglicher Impuls für die Zukunft: SRF/SRG müssen als öffentlich-rechtliche Medienanstalten, die von Gebührengeldern finanziert werden, auch das Gebot der Sachgerechtigkeit einhalten. Für private Medienunternehmen gilt dies nicht. Deshalb kann sie der Presserat bei Verstössen in diesem Punkt auch nicht abmahnen. Im Hinblick auf eine wünschbare Presseförderung, die Steuergelder als Subventionen auch privaten Medien zukommen lassen würde, wäre vielleicht zu überlegen, ob man dann diese Gelder ebenfalls an die Bedingung knüpfen sollte, dass das Gebot der Sachgerechtigkeit eingehalten werden muss.

Der Qualität des Journalismus würde das wohl kaum schaden. Radikale Einseitigkeit und Hetze könnten so jedenfalls abgestellt werden.


Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Alfred Schlienger, ehem. Prof. für Literatur, Philosophie und Medien an der Pädagogischen Hochschule; Mitbegründer der Bürgerplattform Rettet-Basel!; schreibt in verschiedenen Medien über Film, Theater, Literatur, Gesellschaft, Kultur und Medien; lebt in Basel.

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2 Meinungen

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    am 18.12.2020 um 23:03 Uhr
    Permalink

    Danke für diesen Bericht. Bei diesen Medienkonzernen geht es einzig um die Profitmaximierung (siehe die verlinkte laufende Serie in der Republik – sehr lesenswert). Journalismus und Journalisten sind bestenfalls ein Mittel zum Zweck. Dass da die Qualität auf der Strecke bleibt, ist nur konsequent; faktische Richtigkeit und Belege sind schmückendes Beiwerk, Sprachkultur auch – ich kann der Akkusativ immer weglassen. Korrektorat ist wie die Journalisten vor allem ein Kostenfaktor.

    Wenn die Swiss (die mit den Flugzeugen) Steuergelder bedingungslos zugeschoben erhält (und subito als Boni ans Management verteilt – sorry, das war natürlich für 2019, das zählt anders), ist es nur konsequent, wenn auch Konzerne wie dieses TX-Geschwür für ihre Millionendividenden an die Eigentümerfamilie mit Steuergeldern gefördert werden. Dass unser Parlament das an irgendwelche Bedingungen knüpft, glaube ich, wenn ich es sehe.

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