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Öffentliche Sender haben den Auftrag, ohne politische Präferenzen zu informieren. © johnhain

Die BBC engagiert Unparteilichkeits-Prüfer

Rainer Stadler /  Externe Experten sollen klären, ob die BBC unparteilich informiert. Den Auftrag erteilt der öffentliche britische Sender.

Auch in Grossbritannien gibt es regelmässig Diskussionen über die Rolle und die publizistische Leistung der vor 99 Jahren gegründeten British Broadcasting Corporation. Dicke negative Schlagzeilen machte die Sendergruppe im vergangenen Mai, als ein Untersuchungsbericht offenlegte, wie sich ein ehemaliger BBC-Mitarbeiter durch Betrug ein Interview mit Prinzessin Diana erschlichen hatte. Diesen Skandal hatte die BBC jahrelang vertuschen wollen.

Die politischen Diskussionen um die BBC drehen sich aber auch oft um die Frage, wie unparteilich der gebührenfinanzierte Sender über Ereignisse informiert. Kritik äussern vornehmlich konservative Exponenten. Die Regierung von Boris Johnson übt nun zusätzlich Druck auf die BBC aus, indem sie mit Personalentscheiden im Aufsichtsbereich Veränderungen in ihrem Sinn herbeiführen will. Dieser Tage sagte etwa die Kulturministerin Nadine Dorries, die Sendergruppe sei zu linksliberal und zu sehr auf London fokussiert.

Die BBC-Führung unternimmt nun einen Entlastungsversuch. Ende der vergangenen Woche gab Generaldirektor Tim Davie bekannt, alle Angebote von externen Experten auf ihre Unparteilichkeit hin prüfen zu lassen. Wie der «Guardian» schreibt, werden sie klären, ob die BBC eine genügende Vielfalt an Perspektiven und Ansichten reflektiert. In einer ersten Untersuchung soll analysiert werden, wie die Journalisten über Steuern und öffentliche Ausgaben im Vereinigten Königreich informieren. Mit Themen wie Rassismus, Migration, Kulturkämpfe oder Gender wird es reichlich Stoff für weitere Überprüfungen geben. Vertreter von gesellschaftlichen Gruppen werden dabei Gelegenheit bekommen, ihre Meinung zu den Ergebnissen zu äussern.

Für Generaldirektor Davie ist die Gewährleistung von Unparteilichkeit ein zentraler Faktor für die weitere Zukunft der BBC. Der heikelste Punkt wird für ihn die Auswahl der Experten sein. Denn diese könnte ihrerseits mit der Kritik konfrontiert sein, sie sei zu wenig unparteiisch. Die Auseinandersetzungen um den öffentlichen Rundfunksystem sind immer auch von Machtinteressen geprägt. Entsprechend gross ist die Wahrscheinlichkeit, dass auch solche Expertenberichte zwischen den politischen Fronten zerrieben werden. Man wird sehen, ob die Initiative der BBC dennoch in anderen Ländern mit öffentlich finanzierten Sendern Nachahmer finden wird.

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Eine Meinung zu

  • am 3.11.2021 um 06:01 Uhr
    Permalink

    ‹Für Generaldirektor Davie ist die Gewährleistung von Unparteilichkeit ein zentraler Faktor für die weitere Zukunft der BBC.›
    Dann hat die BBC keine Zukunft. Subjektive Kriterien wie Unparteilichkeit lassen sich nicht operationalisieren. Die fortschreitende Subjektivierung des öffentlichen Raumes treibt immer lächerlichere Blüten. Wenn man das durchhalten will, wäre es unumgänglich, öffentlichen Personen z.B. in Politik und Medien eine fundierte ontologische und epistemologische Ausbildung angedeihen zu lassen.

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