Bundesrat Alain Berset

Das erste Ziel der Impfkampagne laut Bundesrat Alain Berset: «Informieren, informieren, informieren.» © SRF News

Nutzen der Covid-Impfung: «Irreführende» Darstellung des BAG

Martina Frei /  Bundesrat Berset und das BAG nennen Zahlen, ohne deren Berechnung offenzulegen. Die Angaben sind manipulationsanfällig.

mfr – Dieser Artikel ist kein Votum gegen die Covid-19-Impfung, sondern für Transparenz. Dass die Coronaimpfung die Anzahl an Hospitalisationen wegen Covid-19 senkt, ist bisher offensichtlich. Je nach Studie ersparte die Impfung mehrerer Tausend Menschen jeweils einer Person davon die Hospitalisation. Bundesrat Alain Berset und das Bundesamt für Gesundheit stellten den Nutzen sehr viel höher dar, als sie für die Impfung warben. Die Angabe, wie viele Personen geimpft werden müssen, um einen Erkrankungs- oder Todesfall zu verhindern, ist jedoch manipulationsanfälllig. Fachleute raten deshalb dazu, andere, leicht verständliche Zahlen zu kommunizieren.

Das erste Ziel der kürzlichen Impfwoche sei «informieren, informieren, informieren», sagte Bundesrat Berset an der Medienkonferenz des Bundes Anfang November 2021.

  • Pro 50 zusätzliche Impfungen könne im Durchschnitt eine Hospitalisation verhindert werden.
  • Und pro 150 Impfungen könne eine Belegung auf der Intensivstation vermieden werden.

Mit diesen Zahlen warben das Bundesamt für Gesundheit und Bundesrat Alain Berset für die Covid-19-Impfung. 

Lediglich drei Wochen zuvor hatte es auf der Website des BAG noch geheissen: «Im Schnitt kann pro 100 Impfungen eine Hospitalisierung und pro 250 Impfungen eine Belegung auf der Intensivstation vermieden werden.» Den Unterschied erklärte das BAG damit, dass diese Rechnung noch gemacht worden sei, ohne die viel ansteckendere Delta-Variante zu berücksichtigen – obwohl bereits seit etwa Mitte Juli 95 Prozent oder mehr aller Coronavirus-Infektionen in der Schweiz durch die Delta-Variante verursacht wurden. 

Doch: «Die Angabe, wie viele Personen geimpft werden müssen, um einen Erkrankungs- oder Hospitalisationsfall zu verhindern, hängt stark von den Annahmen ab», warnt Klaus Koch, Leiter des Ressorts Gesundheitsinformation des deutschen Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). 

«Viel niedriger als alle Daten, die wir dazu analysiert haben»

Das BAG legte seine genaue Berechnung auf Anfrage jedoch nicht offen. Damit sind die Zahlen des BAG nicht nachvollziehbar. Die Analysen anderer Wissenschaftler lassen Zweifel aufkommen.

«Es wäre interessant zu wissen, worauf sich diese Berechnung stützt. Denn diese Angaben sind viel niedriger als alle Daten, die wir dazu analysiert haben», gibt der Arzt und emeritierte «distinguished professor» der University of New Mexico Howard Waitzkin zu bedenken. Zusammen mit einem Kollegen berechnete er aus zwei grossen Impfstudien sowie aus einer grossen israelischen Studie, wie viele Personen man impfen müsste, um eine Hospitalisation zu verhindern. Waitzkin kam zu anderen Schlüssen als das BAG. 

Gemäss der im «New England Journal of Medicine» veröffentlichten israelischen Studie mussten zwischen 3’200 bis 5’360 Personen geimpft werden, um in den folgenden zwei Monaten einer Person die Hospitalisierung wegen Covid-19 zu ersparen. Um einen schweren Verlauf zu verhindern, mussten etwa 4’000 bis 6’700 Personen geimpft werden. Und fast 26’000 geimpfte Personen brauchte es, um einen Covid-19-Todesfall zu verhindern. Diese Zahlen sind vielfach höher als diejenigen, die das BAG und Bundesrat Berset nannten. 

«Das ist irreführend»

Doch das ist nicht das einzige Problem mit der «number needed to vaccinate» (NNV). So heisst im Fachjargon die Zahl, die angibt, wie viele Personen geimpft werden müssen, um eine Erkrankung, eine Hospitalisation oder einen Todesfall zu verhindern. Die Zahl der dafür nötigen Impfungen hängt von mehreren Faktoren ab, namentlich davon, ob ältere Menschen mit Erkrankungen geimpft werden oder junge Gesunde. Je nachdem, welche Annahmen man zugrunde legt, lässt sich praktisch jede gewünschte NNV erzeugen. 

Bei der Berechnung der NNV habe man die auf dem Dashboard publizierten Daten extrapoliert, teilt das BAG mit. Man sei ferner davon ausgegangen, dass innert kürzester Zeit fast die gesamte Bevölkerung mit dem Virus in Kontakt kommen werde, dass die Impfung dauerhaft zu über 95 Prozent schütze, dass der Schutz bei den über 70-Jährigen auf 80 Prozent absinke und dass praktisch alle Personen über 50 Jahre symptomatisch würden. 

«Pauschale Angaben zur NNV ohne Altersbezug, wie das BAG sie macht, sind mehr als wissenschaftlich unseriös. Das ist grob irreführend», sagt Professor Gerd Antes, der ehemalige Leiter von Cochrane Deutschland. Wenn man angebe, wieviele Personen geimpft werden müssten, um eine Hospitalisation zu verhindern, gehöre es zwingend dazu, auch anzugeben, auf welche Altersgruppe sich das beziehe. Genauso zwingend gehöre dazu, die Methode der Berechnung detailliert anzugeben.

Ältere Personen kommen bisher mit viel grösserer Wahrscheinlichkeit wegen Covid-19 ins Spital als jüngere: Bei den über 80-jährigen, ungeimpften Menschen wurden etwa 200 von 1’000 positiv getesteten Personen hospitalisiert, von den jungen ungeimpften Erwachsenen zirka zwei bis drei von 1’000 positiv getesteten. Weil das Risiko für einen schweren Verlauf bei den Jungen bisher klein ist, müssen also sehr viele geimpft werden, um eine Hospitalisation unter ihnen zu verhindern.

Das BAG nennt aber nur pauschal zwei Zahlen, 50 und 150, für alle Altersgruppen. Sie würden auf einer «Mischrechnung» beruhen, teilte das BAG mit. Laut dem BAG hatte die Task Force diese Berechnung bestätigt. 

Die Task Force hat darauf keine Antworten

Doch die Task Force gab Ende Oktober eine andere Auskunft. Damals bat Infosperber Professorin Tanja Stadler, Präsidentin der Task Force, um Angabe der NNV für verschiedene Altersgruppen, um eine Hospitalisierung zu verhindern. Stadler erwiderte: «Darauf hat die Task Force keine Antworten.»

«Bei den Zahlen, die das BAG angibt, wäre es auch interessant zu wissen, welche Inzidenz zugrunde gelegt wurde», sagt Professor Gerald Gartlehner, der Leiter des Departments für Evidenzbasierte Medizin und Evaluation an der Donau-Universität Krems. Denn bei hohen Infektionszahlen verändert sich die NNV.

Howard Waitzkin illustriert das an verschiedenen Beispielen1:

Wie die Inzidenz die «number needed to vaccinate» (NNV) verändert

Die NNV gibt an, wie viele Personen gegen Covid-19 geimpft werden müssen, um einer die Erkrankung (oder eine Hospitalisation oder den Tod an Covid-19) zu ersparen. Je nachdem, wie hoch die Infektionsrate ist und wie viele Personen bei einer Infektion mit Sars-CoV-2 Symptome zeigen, ändert sich die NNV. Die folgenden drei Beispiele veranschaulichen dies.

Beispiel 1: Die NNV wurde hier berechnet in der Annahme, dass die Hälfte der Infizierten Symptome hat und die andere Hälfte asymptomatisch bleibt.

OrtInzidenz pro 100’000 Einwohner, September 2021Personen, die geimpft werden müssen, um einen Erkrankungsfall mit Symptomen zu verhindern (NNV)
Kerala, Indien1’204250
Los Angeles, USA472625
Ladakh, Indien2810’000

Beispiel 2: Die NNV wurde berechnet in der Annahme, dass nur 25 Prozent aller Infizierten Symptome haben.

OrtInzidenz pro 100’000 Einwohner, September 2021Personen, die geimpft werden müssen, um einen Erkrankungsfall mit Symptomen zu verhindern (NNV)
Kerala, Indien1’204502
Los Angeles, USA4721’282
Ladakh, Indien2820’000

Beispiel 3: Die NNV wurde berechnet in der Annahme, dass 80 Prozent aller Infizierten Symptome zeigen.

OrtInzidenz pro 100’000 Einwohner, September 2021Personen, die geimpft werden müssen, um einen Erkrankungsfall mit Symptomen zu verhindern (NNV)
Kerala, Indien1’204157
Los Angeles, USA472401
Ladakh, Indien286’666
Quelle: H. Waitzkin/A. Larkin

Zum Vergleich: In der Schweiz liegt der 7-Tage-Schnitt der Inzidenz gegenwärtig bei 121 pro 100’000 Einwohnerinnen und Einwohnern (Stand 24.12.2021). Zum Zeitpunkt der eingangs erwähnten Medienkonferenz des Bundes lag sie bei 28 pro 100’000. Am Höhepunkt der zweiten Welle – mit verschärften Schutzmassnahmen und Teil-Lockdown – betrug die 7-Tage-Inzidenz 93 positiv getestete Personen pro 100’000.

Deutlich höhere Zahl in einer Studie in einem US-Pflegeheim

Doch auch im Vergleich mit einer US-Studie wirken die Angaben des BAG unglaubwürdig tief. Diese Studie kam zum Schluss, dass anfangs über 600 Pflegeheimbewohner mRNA-geimpft werden müssten, damit in einem Zeitraum von etwa zwei Monaten eine Person weniger positiv getestet wird. 

Im Lauf mehrerer Monate sank die Wirkung der mRNA-Impfungen. Dann lag die NNV bei den Pflegeheimbewohnern bei über 1’100. Wären dort einzig die Hospitalisierungen gezählt worden, wäre die NNV noch deutlich höher ausgefallen.

«Das Problem ist: Wie berechnet man die NNV?», gibt Professor Helmut Küchenhoff zu bedenken, der Leiter des Instituts für Statistik an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Erstens könne sich das Infektionsgeschehen drastisch ändern. Damit ändere sich auch die NNV. Zweitens sei entscheidend, für welchen Zeitraum die NNV gelte. Denn wenn der Impfschutz mit der Zeit nachlässt, steigt die NNV. Drittens müsse man angeben, für welche Bevölkerungsgruppe sie berechnet wurde.2

Küchenhoff weist auf einen anderen Aspekt hin: «Durch die Impfung ändert sich möglicherweise das ganze Infektionsgeschehen, weil sich die Krankheit dann nicht so ausbreiten kann, wie sie sich sonst ausgebreitet hätte. Dieser Effekt ist sehr schwer zu erfassen und bei diesen Rechnungen nicht berücksichtigt.» Dadurch, dass man 18- bis 60-Jährige impfe, würden dann indirekt Ältere gerettet. Dies gilt allerdings nicht für die Impfung von Kindern. «Die Annahme, dass die Impfung bei jungen Kindern einen anhaltenden Einfluss auf die Übertragungsrate des Virus nehmen wird, ist unbestätigt», heisst es in der Presseinformation dreier deutscher Fachärztegesellschaften Ende November.

«Risiken und Wirkungen müssen auch in absoluten Zahlen dargestellt werden»

«Wenn man die Vor- und Nachteile einer Impfung oder jeder anderen medizinischen Massnahme für eine informierte Entscheidung vermitteln will, müssen Risiken und Wirkungen auch in absoluten Zahlen dargestellt werden», sagt Klaus Koch.

Für ein breites Publikum seien dabei einfache natürliche Häufigkeiten besser verständlich als eine NNV. Die Angabe zum Beispiel, wie viele von 10’000 Personen mit oder ohne Impfung erkranken, transportiere auch die wichtige Botschaft, dass ohne Impfung innerhalb eines bestimmten Zeitraums nicht alle erkranken würden. «Diese Information mag für jemanden, der eine Impf-Kampagne betreibt, kontraproduktiv erscheinen. Oft herrscht der Glaube, dass Risiken einer Erkrankung und der Nutzen von Gegenmassnahmen möglichst gross dargestellt werden müssten, um Motivation zu erzeugen.»

Das sei aber häufig eine kurzsichtige Fehleinschätzung, «weil Übertreibung leicht zum Bumerang wird und dann das Vertrauen untergräbt. Eine nachhaltige Kommunikation lässt Zahlen erst einmal so für sich sprechen, wie sie sind», sagt Koch.

Er stützt sich auf die «Leitlinie evidenzbasierte Gesundheitsinformation». Sie rät seit 2017 davon ab, in der Kommunikation mit Laien Angaben wie die NNV einzusetzen.

Wo man leicht verständliche Informationen findet

Behörden und Politiker, die um Transparenz bemüht sind, sollten besser mit einfachen Vergleichen von natürlichen Häufigkeiten argumentieren, empfiehlt Koch und verweist auf die Website www.gesundheitsinformation.de. Dort stehen leicht verständliche Informationen zu allen in der EU zugelassenen Impfstoffen. Infosperber hat bereits früher darauf aufmerksam gemacht.

Zur Vakzine von Pfizer/Biontech beispielsweise steht dort, dass in der grossen Impfstudie von 10’000 ungeimpften Personen innert sechs Monaten zehn schwer an Covid-19 erkrankten und von 10’000 geimpften Personen weniger als eine. (Das ergibt die weit herum berichtete Verringerung um circa 96 Prozent.)

Doch auch bei dieser Darstellung gibt es einen gewichtigen Einwand: Es ging in der Impfstudie nur um eine Beobachtungsdauer von sechs Monaten – und die Schutzwirkung der Impfung lässt mit der Zeit (und je nachdem auch mit dem Aufkommen neuer Virusvarianten) nach.

Irgendwann werde fast jeder Mensch mit Sars-CoV-2 in Kontakt kommen, sagt Koch. «Man muss sich entscheiden, ob man bei diesem Kontakt geimpft oder ungeimpft sein will.»

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1 Ihre Analyse ist noch nicht von Fachleuten begutachtet worden. 

2 Für die Kalenderwochen 42 bis 45 errechneten Professor Helmut Küchenhoff und seine Kollegen in ihrem «CODAG Bericht Nr. 23» folgende Risiken für die deutsche Bevölkerung:

Risiko für Hospitalisierungen bei 18- bis 59-Jährigen: Zirka 9-faches Risiko bei Ungeimpften, verglichen mit Geimpften. Das heisst in anderen Worten: Risiko bei Ungeimpften ist um etwa 800 Prozent erhöht.

Risiko für Hospitalisierungen bei über 60-Jährigen: Über 7-faches Risiko bei Ungeimpften. Oder anders gesagt: Das Risiko bei Ungeimpften ist um rund 600 Prozent erhöht.

Hospitalisierung auf Intensivstation bei 18- bis 59-Jährigen: Etwa 19-faches Risiko bei Ungeimpften, verglichen mit Geimpften. Das Risiko bei Ungeimpften ist also um etwa 1800 Prozent erhöht.

Hospitalisierung auf Intensivstationen bei über 60-Jährigen: Fast 10-faches Risiko bei ungeimpften Personen. Ihr Risiko ist um 900 Prozent erhöht.

3  Die NNV wird berechnet, indem man 1 durch die ARR teilt, in diesem Fall also 1 : 0,7

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Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

Keine.
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Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.
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➞ Lesen Sie demnächst: Je nach Absicht, wird der Nutzen einer Impfung anders dargestellt.

Zum Infosperber-Dossier:

Coronavirus_1

Coronavirus: Information statt Panik

Covid-19 fordert Behörden und Medien heraus. Infosperber filtert Wichtiges heraus.

Unstatistik_Mit_Hintergr

Fragwürdige Statistiken aus Medien

Mit Statistiken und Grafiken sollten Medien besonders sorgfältig umgehen. Beispiele von Unstatistiken.

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14 Meinungen

  • am 31.12.2021 um 12:43 Uhr
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    Die Bewertung eines Artikels fällt mir oft schwer, besonders bei «hochkomplexen» oder «schwer verständlichen» Sachverhalten, so auch bei Covid-19.
    Den Nutzen von Teilaspekten eines Artikels werte ich oft unterschiedlich.
    (welcher ?, nur der ganz direkte persönliche Nutzen ?)
    Wie soll dann der Gesamtartikel beurteilt werden ?

    «Zahlen» sind keine «Informationen» und EMPIRIE selbst ein «schwer verständlicher» Sachverhalt. Oder ist die Zahl nur ein INDIKATOR, dessen Problematik man näher kennen müsste ?

    Schwer verständliche Sachverhalte, mit empirisch generierten Zahlen/Indikatoren, durch «andere, leicht verständliche Zahlen zu kommunizieren» ist ein frommer aber sinnloser Wunsch.
    Kommunizieren gerade mit [scheinbar] leicht verständliche Zahlen, Texten, Gerede, blossen Meinungen und unaufrichtigen Reden führen meistens zu Desinformationen.

    Erkenntnis- und Wissenschafts-Theorie ist auch ein schwer verständlicher Sachverhalt.
    Mit der allzu leicht verständlichen Theorie «Nur die Praxis ist wichtig» kommt es auch zu Desinformationen. Ein Teil der Fertigkeit verständig zu denken und zu handeln ist angeboren.
    Die Fähigkeit mehr oder weniger verständig denken und handeln zu können wird dann mit richtigen Informationen «IN FORM» gebracht. Bestimmt nicht mit wie auch immer verfälschten Informationen.

    «42» ist eine einfache wenn auch bedeutende Zahl, in einem bestimmten Sachverhalt.
    Wie lautet die Information ?

    0
  • am 31.12.2021 um 13:09 Uhr
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    Wenn ich (meine Behörde) weiss, dass ein medizinischer Notstand nur durch eine höhere Impfquote vermieden werden kann, bin ich dann nicht moralisch (oder per Arbeitsvertrag) dazu verpflichtet, die Informationen so auszuwählen und darzustellen, dass sie den Impfwillen fördern und Zweifel zerstreuen?
    Andererseits: Kann ich einer Behörde, die offenbar im drohenden Notstandsmodus tickt, noch voll vertrauen? Und müsste sich nicht auch der Bundesrat diese Frage stellen?

    6
    • am 10.01.2022 um 01:48 Uhr
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      Sie haben die Situation vollkommen verkannt: Die Impfquote in der Bevölkerung hat keinen Zusammenhang mit der Frage, ob die Risikopersonen wirkungsvoll geschützt sind.
      Die aggressiv tödliche Delta-Variante dominierte in der Schweiz ab 20. Juli 2021 mit 96% sämtlicher sequenzierten Infektionen. Seit August wussten wir von den Israeli, dass kein verfügbarer Impfstoff die Infektion mit der Delta-Variante verhindert und dass auch Geimpfte diese weiterverbreiten. Erst die ab November 2021 verfügbare Drittimpfung konnte die Infektion und Verbreitung der Delta-Variante verhindern und schon ab 5. Januar 2021 war die Delta-Variante in der Schweiz faktisch ausgestorben, weil von der Omikron-Variante verdrängt.
      Aktuell gibt es KEINEN Impfstoff, der die Ansteckung mit Omikron oder dessen Ausbreitung bremsen könnte.

      0
  • am 31.12.2021 um 14:13 Uhr
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    Die Politik von Bundesrat und BAG ist einfach: Impfung ist gut. Das zeigt sich bei den Massnahmen (2 G), es zeigt sich auch in der hier kritisierten irreführenden Kommunikation. Der Preis dieser Politik ist, dass kritische Beobachter das Vertrauen in Bundesrat und BAG verlieren. Das ist ein sehr hoher Preis.

    1
  • am 31.12.2021 um 16:24 Uhr
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    Schön erklärt. Viele der Kennziffern, denen man im Zusammenhang mit der Pandemie begegnet, sind keine Naturkonstanten, sondern von den konkreten Bedingungen zur Zeit ihrer Ermittlung abhängig.

    Wünsche einen guten Rutsch!

    0
  • am 31.12.2021 um 17:32 Uhr
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    Diese Kommunikation passt auch zur sog. Impfwoche Anfangs November- wer auf diese Weise kommuniziert, soll sich nicht wundern, wenn er als zunehmend unglaubwürdig aufgenommen wird.-

    Etwas anderes das mich wundert: Ab Woche 45 ist eine massiv zunehmende Übersterblichkeit bei 65+ zu beobachten, welche die Anzahl an/mit Covid verstorbener Personen markant übersteigt. In Zahlen zu den Wochen 45-50: Gemäss BFS, Erwartungswert der Todesfälle 6995, vorläufig gemeldet ca 8620 (d.h. 23% Übersterblichkeit!), davon gemäss BAG Covid 774. Die an/mit Covid verstorbenen Personen machen damit rund 47% der insgesamt mehr als erwartet gestorbenen Personen aus. Da läuft also noch etwas ganz anderes ab.
    Wurde dies vom BAG jemals angesprochen, und mir ist das entgangen?
    Wenn ja, wie wurde dies erklärt? Wetterumschwung? Covid-Dunkelziffer (aber nur ab Anfang November..)? Grippe? ….?

    2
    • am 2.01.2022 um 09:41 Uhr
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      Im Herbst 2020 war die Übersterblichkeit ohne Coronatote noch höher.
      z.B. KW 45 Erwartung 1’295 TdF.
      Laut Statistik 2’068 TdF – 560 C-Tote = 1’508 netto TdF in KW 45/2020.
      Die netto Übersterblichkeit ohne C-Tote waren in KW 45/2020 demzufolge 213 TdF.

      0
  • am 31.12.2021 um 20:34 Uhr
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    Vielen Dank, Frau Frei! Ich hatte auch vom BAG keine Auskunft bekommen zu seiner Meldung vom 3.11.2021, dass sich im Schnitt pro 50 Impfungen eine Hospitalisierung vermieden liesse.
    Ich versuchte die Zahlen zu überprüfen. Es gab für den 3.11.2021, dem Datum der Medienmitteilung, gemäss BAG-Daten 7245 neue vollständig Geimpfte pro Tag und 28.86 neue Laborbestätigte Covid-Hospitalisierungen pro Tag. 7245 / 28.86 = 251. Das sind also 5 x mehr als das BAG und der Bundesrat angeben.
    Allerdings gibt es ja einen zeitlichen Verzug zwischen Impfungen und (Nicht)-Hospitalisierungen. Wenn wir also z.B. den Wochenschnitt vom 3.11. mit 29 neu hospitalisierten Personen annehmen, und wir wollen die Zahl 28 sehen, also eine davon verhindert haben, müssten in der Vergangenheit, sagen wir vor 2-4 Wochen, X zusätzliche Personen geimpft worden sein (bei sonst allen anderen Faktoren gleichbleibend). Das BAG sagte ohne Beleg X = 50 Personen. Aber gemäss seinen Daten komme ich auf noch mehr als vorher. Je nach Wahl der Vorlaufzeit bis über 500, also eine Grössenordnung mehr! Und selbst wenn man zurück in den September zu günstigern Daten ginge, bräuchte es immer noch mindestens 100 Geimpfte pro verhinderte Hospitalisierung.
    Ich weiss nicht, ob meine Rechnung stimmt, aber den Aussagen des BAG und somit auch des Bundesrats, kann ich nicht vertrauen; auch bei anderen Dingen haben sie falsche Angaben gemacht.

    1
  • am 1.01.2022 um 15:12 Uhr
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    Solange wir nicht zwischen An-Covid und Mit-Covid unterscheiden können, sind das doch nur Zahlenspiele.

    1
  • am 1.01.2022 um 17:00 Uhr
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    Danke für den Artikel. Dieser zeigt wie wichtig wirklich unabhängiger Journalismus ist. Selbst die meisten (zum Glück nicht alle) Exponentinnen und Exponenten meiner Grünen Partei teilen leider die Meinung, die Behörden würden nur eine evidenz- und faktenbasierte Coronapolitik betreiben. Hier einmal mehr ein Indiz oder sogar Beweis vom Gegenteil. Ist diese Manipulation berechtigt? Ich meine klar Nein. Das Vertrauen schwindet und schwindet….
    Felix Lang, Lostorf, Altkantonsrat Grüne

    0
  • am 1.01.2022 um 18:02 Uhr
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    Leider ist die „irreführende“ Darstellung des BAG, um die es in diesem Artikel geht, nur eine von vielen Falschdarstellungen in Bezug auf die Covid-Impfung durch verschiedene Seiten.
    Wir hatten z.B. Begegnungen mit Ärzten, die offensichtlich keine grosse Ahnung von der Wirkungsweise dieser Impfungen haben und sogar behaupten, es handele sich schlicht um Totimpfstoffe. Selbst die Schweizerische Multiple Sklerose Gesellschaft, um ein Beispiel zu nennen, versichert auf ihrer Website, Zitat: «Die beiden derzeit in der Schweiz zugelassenen mRNA-Impfstoffe sind Totimpfstoffe» (zu lesen in einer Meldung vom 11.10.2021).
    Ohne eine Wertung der einzelnen Impfstoffe vornehmen zu wollen, scheint mir der Vergleich eines Totimpfstoffs mit einem mRNA-Impfstoff sachlich völlig unangemessen zu sein.
    Ich frage mich, aus welchen Kreisen dieser offensichtlich irreführende und suggestive Vergleich, den ich für höchst manipulativ empfinde, stammt.

    0
  • am 1.01.2022 um 18:33 Uhr
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    Vorausgeschickt, dass sowohl BAG wie der BR mein Vertrauen in dieser Sache längst verloren haben.
    Wenn nun also BAG und BR behaupten, dass pro 50 zusätzliche Impfungen eine Hospitalisation und pro 150 Impfungen eine IPS-Belegung verhindert werden, andere Länder und Statistiken mit grösseren Zahlen aber weit geringeren Nutzen nachweisen, ist das nicht besonders vertrauenswürdig.
    Zu erinnern sei auch, dass frühere «Modellrechnungen» des BAG hinsichtlich IPS-Belegung wie auch Todesfällen zu hoch lagen, aber einflossen in die Entscheidung des BR für den Lockdown.
    Was mir hierbei fehlt, ist die institutionelle und persönliche Übernahme von Verantwortung für solche Fehlrechnungen und deren massiven wirtschaftlichen Konsequenzen.
    Und was ebenfalls fehlt, ist eine Gesampt-Nutzen/Schaden-Analyse.
    Die Spätfolgen der Impfung (mit Blick auf Schweinegrippen- Impfung und deren Spätfolgen nach ca 2 Jahren) sind auch nicht eingepreist.

    0
  • am 8.01.2022 um 23:20 Uhr
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    Der Artikel & die gegenwärtigen Berichte zu den Covid-Hospitalisatons-Zahlen zeigen auch, wie dürftig Evidenz-basiert die scharfen Massnahmen gegenüber den Impf-Freien sind!
    Ausserdem gibt es zahlreiche weitere Vorsorgemassnahmen gegen Covid19, neben der Impfung!
    Darüber wird ebenfalls nicht informiert, aufgeklärt & geworben.

    0
  • am 9.01.2022 um 14:31 Uhr
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    Der Nutzen der Impfung für u65 ist sehr gering und geht mit tieferem Alter gegen Null. Dem gegenüber sind seltene aber heftige Kurzzeitnebenwirkungen (Thrombosen, Herzmuskelentzündung), die mit tieferem Alter zunehmen und Langzeitfolgen die unbekannt sind. Unbekannt ist NICHT Null. Asbest und Mikroplastik lässt grüssen. Ich nehme die Impfung in dieselbe Liste auf. Bin 60, ungeimpft problemlos genesen. Über Long Covid reden wir in 5 Jahren.

    0

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