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Zu hohe Gesundheitskosten und Prämien: Seit der Analyse von 2009 hat die Ärztedichte noch stark zugenommen. Spitalbetten gibt es seither deutlich weniger, jedoch immer noch viel mehr als in Vergleichsländern. © Ringier

Klartext zu den steigenden Krankenkassenprämien

Urs P. Gasche /  Es wimmelt von faulen Ausreden und Halbwahrheiten. Niemand wagt es, das Übel der Kostenexplosion an der Wurzel zu packen.

Das Parlament berät diese Woche über zwei Volksinitiativen. Keine von beiden taugt etwas, um die Kosten und Prämien der Grundversicherung in den Griff zu bekommen. 

Die Mitte will in der Bundesverfassung eine Kostenbremse verankern. Doch diese würde leerer Buchstabe bleiben, weil das Parlament keine Gesetze dazu beschliessen muss. Kritiker reden von Augenwischerei im Hinblick auf die nächsten Wahlen. Ein am 1. Juni vom Nationalrat verabschiedeter indirekter Gegenvorschlag brächte ebenso wenig.

Die Linke macht den Vorschlag, dass kein Haushalt mehr als zehn Prozent des steuerbaren Einkommens für Prämien ausgeben soll. Wie schon bei früheren Initiativen geht es der SP um ein sozialeres Verteilen von Kosten. Doch gesenkt werden die Kosten und Prämien damit nicht.

Massnahmen, welche die Kosten senken, brächten den grössten Vorteil. Besonders stossend sind steigende Kosten und Prämien, wenn die zusätzlichen Kosten keinen zusätzlichen Nutzen bringen.


Das Schweizer Überangebot in Zahlen

Dass ein Zusatznutzen nicht evident ist, zeigen bereits folgende Tatsachen:

  1. Sogar innerhalb der Schweiz gibt es in vergleichbaren Gegenden erhebliche Kosten- und Prämienunterschiede. Im Kanton Waadt beispielsweise sind Kosten und Prämien rund zwanzig Prozent höher als im Kanton St. Gallen. Die günstigste Grundversicherungsprämie ist in der Waadt sogar 32 Prozent höher als im Kanton St. Gallen. 
    Die St. Galler sind deshalb nicht etwa weniger gesund als die Waadtländer.

  2. Verglichen mit Ländern, die eine ähnliche Bevölkerungsstruktur aufweisen und deren Bevölkerung ähnlich gesund ist, leiden die Schweizerinnen und Schweizer an einer Ärzteschwemme:

    1980: 1 Arzt/Ärztin pro 406 Einwohner
    2013: 1 Arzt/Ärztin pro 250 Einwohner
    2020: 1 Arzt/Ärztin pro 222 Einwohner

    (Nachtrag: Hier ist zu berücksichtigen, dass es im Jahr 2020 mehr Teilzeit-Ärztinnen und -Ärzte als im Jahr 1980 gab. Die FMH veröffentlicht keine Statistik in Vollstellen umgerechnet. Den Trend zu Teilzeit gibt es auch im Ausland.]
    Laut Statistik der OECD gibt es in der Schweiz 22 Prozent mehr berufstätige Ärzte und Ärztinnen pro Einwohner als im Durchschnitt der Industrieländer. Besonders extrem ist die Dichte der Spezialarzt-Praxen. Das hat Folgen: Wo die Spezialisten-Dichte besonders hoch ist wie etwa in den Kantonen Waadt, Bern und Zürich, sind auch die Kosten und Prämien höher als in anderen Kantonen.
    Die Beweislast eines Nutzens liegt bei denjenigen Spezialärzten, die viel mehr und teurer behandeln. Bis heute haben sie keinen Nutzen belegt.
    Nur Hausärzte oder Grundversorgerinnen gibt es tatsächlich besonders in ländlichen Gebieten zu wenige. Ihr Anteil an der Ärzteschaft nimmt seit Jahren ab, weil Kranke in der Schweiz im Gegensatz zu skandinavischen Ländern direkt ärztliche Spezialisten aufsuchen können und nicht zuerst einen Hausarzt als «Gatekeeper» konsultieren müssen.

  3. In der Schweiz gibt es zu viele Akutspitäler, vor allem zu viele kleine: Pro Einwohner fast viermal mehr als in Holland. Viele kleinere Spitäler führen heikle Operationen zu selten durch – das Risiko tragen die Patienten und PatientInnen.
    In Schweden gibt es pro Einwohner nur 42 Prozent so viele Intensivbetten und 52 Prozent so viele Akutbetten wie in der Schweiz. Ob es den Schweizern dank der vielen Spitalbetten besser geht, will trotz der vielen Forschungsgelder niemand untersuchen. [Während der grössten Corona-Welle erhöhten Schweizer Spitäler die Zahl der Intensivbetten um 40 Prozent, Schweden um 100 Prozent. In beiden Ländern kam es zu Personalengpässen.]

  4. Für Medikamente müssen die Krankenkassen in keinem Land Europas so viel Geld ausgeben wie in der Schweiz – trotz aller Erfolgsmeldungen zu Einsparungen von Gesundheitsminister Alain Berset. Die Krankenkassen werden gezwungen, auch viele unwirtschaftliche und unzweckmässige Medikamente zu vergüten.

  5. Zusammenfassend: Schweizerinnen und Schweizer bekommen mehr Medikamente verabreicht, liegen häufiger und länger in Spitälern und werden dort häufiger operiert als in Holland, Dänemark, Schweden und Norwegen. Gesundheitlich geht es ihnen deshalb nicht besser: In Schweizer Spitälern erleiden nach Schätzung des BAG jährlich über 120’000 Patienten und PatientInnen infolge von falschen oder verspäteten Diagnosen, Infektionen, Behandlungsfehlern oder unzweckmässiger Medikation einen gesundheitlichen Schaden, müssen nochmals operiert oder nachbehandelt werden – mit allen Kostenfolgen. Die Hälfte dieser Schäden wäre laut BAG vermeidbar.


Behörden schützen die Profiteure

Statt die Öffentlichkeit für all dies zu sensibilisieren und Remedur vorzuschlagen, sorgen Spitäler, Ärzteorganisationen, Apotheker und Pharmakonzerne mit viel Lobby-Arbeit dafür, dass sie ja keinen Anteil an den 35 Milliarden Franken verlieren, die es mit den Leistungen der Grundversicherung jedes Jahr zu verdienen gibt, Tendenz steigend.

Die Behörden machen die Vernebelungstaktik der Lobbys weitgehend mit. So begründen Bundesrat Alain Berset und das Bundesamt für Gesundheit BAG die ständig steigenden Kosten und Prämien gleich wie die Lobbys immer wieder «mit der Alterung der Gesellschaft, dem medizinisch-technischen Fortschritt und dem Mengenwachstum».

Diese Formulierung streut erheblich Sand in die Augen der Öffentlichkeit: 

  • «Alterung der Bevölkerung» oder «demografischer Wandel»: 
    Das tönt auf Anhieb plausibel und soll zeigen, dass gegen die Kostensteigerung nichts zu machen ist. Doch Statistiker sind sich weitgehend einig, dass der steigende Anteil Älterer an der Bevölkerung nur einen Fünftel der Kostensteigerung verursacht (siehe: «Gesundheitskosten: Die Alten als faule Ausrede»). Unter dem Titel «Der Faktor Alter beeinflusst die Höhe der Kosten – nicht aber das Wachstum der Kosten» kam Santésuisse in einer Datenauswertung zum Schluss, dass die von 2012 bis 2019 angefallenen Mehrkosten nur zu 22 Prozent auf die Alterung der Gesellschaft zurückzuführen ist. Eine weitere Auswertung der Statistik des Risikoausgleichs kam auf einen Anteil von 20 Prozent des Kostenwachstum wegen der Alterung der Bevölkerung.

  • «Medizinisch-technischer Fortschritt»: 
    Diesen gibt es und die meisten sind damit einverstanden, den Preis dafür zu zahlen. Einige Fortschritte führen auch zu tieferen Preisen, beispielsweise bei Operationen wie dem grauen Star oder bei Laboruntersuchungen. Eigentliche Kostentreiber sind allerdings die immer häufigeren unzweckmässigen Überbehandlungen sowie die extrem teuren Behandlungen in den letzten Lebenswochen, die häufig durchgeführt werden, auch wenn sie lediglich das Leiden verlängern.

  • «Mengenwachstum»: 
    Dieser an dritter Stelle genannte Grund für die Kostensteigerung sollte an erster Stelle kommen und im Klartext als «Überbehandlungen» bezeichnet werden (siehe oben).
    (Korrektur: Hier muss es heissen: Die Steigerung der Kosten und Prämien ist nur zu einem kleineren Teil auf Mengenausweitung zurückzuführen. Die Menschen in der Schweiz werden heute zwar noch häufiger operiert und schlucken noch mehr Medikamente als vor zehn Jahren, aber doch nicht so viel häufiger. Die Überbehandlungen (Behandlungen ohne Nutzen, nur mit Risiken für die Patienten), gibt es bei uns wegen falscher finanzieller Anreize schon lange. Sie sind ein wesentlicher Grund, dass Kosten und Prämien in der Schweiz (und in Deutschland) viel höher sind als in Skandinavien oder in Holland.


Falsche finanzielle Anreize in den Spitälern

Die Behörden warnen heute nicht genügend vor den vielen Überbehandlungen ohne Nutzen, die den Betroffenen nur Nebenwirkungen und Risiken überlassen und zudem unnötige Kosten verursachen. Noch immer gibt es Chirurgen in Schweizer Spitälern, die einen Bonus erhalten, wenn sie häufiger operieren. Diese «leistungsabhängigen Prämien» können bis zu einem Viertel des Lohnes einiger Chefärzte ausmachen. Solche «finanziellen Anreize medizinisch unnötiger Untersuchungen oder Operationen» sind laut FMH in Deutschland verboten. Warum nicht in der Schweiz?
Die Folge solcher falscher finanzieller Anreize sind unzweckmässige Operationen – welche Chirurgen an ihren Verwandten und Freunden nie durchführen würden –, unnötige Untersuchungen mit Herzkathetern, Röntgenbildern, Computertomographien, Blutentnahmen und so fort. 
Mit anderen Anreizen und Entschädigungsformen könnten die kantonalen und eidgenössischen Behörden dafür sorgen, dass die Schweizerinnen und Schweizer nicht mehr häufiger und länger im Spital liegen müssen als die Holländer, Norwegerinnen oder Schweden. 

Falsche finanzielle Anreize für Ärztinnen und Ärzte

Das bei uns übliche Honorieren der Praxisärzte für jede Einzelleistung ist ein absurder Anreiz: Mit jeder Einzelleistung erhöhen Ärzte ihr Einkommen – je mehr und länger die Patienten krank sind und sich behandeln lassen, desto mehr verdienen Arztpraxen. Ein Urologe, Pneumologe, oder Dermatologe, dem es gelingt, seine Patienten schneller gesund zu bekommen als andere, wird mit einem geringeren Einkommen bestraft. Weil Ärzte und Spitäler finanzielle Anreize haben, ihre Behandlungen mengenmässig auszudehnen, wird es nach der Lesart von Ärztegesellschaften, Gesundheitsdirektoren und vielen Politikern, die mit der Gesundheitsindustrie verbandelt sind, bei uns immer einen «Ärztemangel» geben. 

In Holland und den meisten andern Ländern Europas sind die Ärzte im Monatslohn angestellt oder pro Kopf der behandelten Patientinnen und Patienten pauschal bezahlt. Sie können ihr Einkommen nicht mit Überbehandlungen aufbessern.

Kranke möchten möglichst bald gesund werden

Alle Menschen möchten, dass sie möglichst rasch gesund oder ihre chronischen Kankheiten nicht schlimmer werden. Was sie sicher nicht wollen, ist eine maximale Versorgung im Sinne überflüssiger Behandlungen. Doch zu viele Anbieter von Gesundheitsleistungen möchten an Kranken mehr verdienen, als nötig ist.

Die Kassen müssen alle Rechnungen begleichen

An den übermässig steigenden Prämien der Grundversicherung sind die Kassen am wenigsten schuld. Denn in der obligatorischen sozialen Grundversicherung funktionieren die Krankenkassen lediglich als Zahlstellen. Sie sind gesetzlich verpflichtet, zu fixen Preisen sämtliche Grundversicherungs-Leistungen ohne Ausnahme zu vergüten, welche Ärzte oder Spitäler in Rechnung stellen. Nimmt die Menge der erbrachten Leistungen zu oder erhöhen sich die Preise, dann steigen auch die Prämien. Die Kassen haben darauf praktisch keinen Einfluss. Aus den Prämieneinnahmen der Grundversicherung dürfen sie keinen einzigen Franken Gewinn abschöpfen. Gewinne dürfen sie nur mit den freiwilligen Zusatzversicherungen erzielen.

«Alle müssen noch mehr tun»: ein frommer Spruch

Um das Kostenwachstum zu dämpfen, wiederholt Bundesrat Alain Berset gerne, seien alle Akteure gefordert: Ärzte, Spitäler, Pharma-Unternehmen und auch die Patientinnen und Patienten: «Alle müssen noch mehr tun.» Doch konkrete, einschneidende Vorschläge lassen seit Jahrzehnten auf sich warten. 

Berset und das Bundesamt für Gesundheit sollten der Öffentlichkeit reinen Wein einschenken: Wirksame Massnahmen, welche für Spitäler, Ärzte, Pharmaindustrie, Prothesenhersteller und Apotheken weniger Einnahmen bedeuten würden, haben im Parlament keine Chance. Deren Lobbys sind viel zu stark. 

Im Klartext: Diese mächtigen Lobbys haben Regierung und Parlament seit langem in Geiselhaft genommen.

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Dieser Beitrag ist die aktualisierte Fassung einer Analyse vom September 2016 des gleichen Verfassers.


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

Keine
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Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.

Zum Infosperber-Dossier:

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Gesundheitskosten

Jeden achten Franken geben wir für Gesundheit aus – mit Steuern und Prämien. Der Nutzen ist häufig zweifelhaft.

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Preise von Medikamenten

Medikamente verschlingen jeden vierten Prämienfranken. Warum müssen die Kassen viel mehr zahlen als im Ausland?

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14 Meinungen

  • am 2.06.2022 um 10:36 Uhr
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    Geschätzter Herr Gasche,
    Ihr letzter Satz stimmt 100 %. Diese Geiselhaft durch Lobbyisten findet sich in vielen Polit-Bereichen. Deshalb bezeichne ich die Schweiz nur noch bedingt als Demokratie.

    0
  • am 2.06.2022 um 11:22 Uhr
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    Die Lobby ist aber nur stark, weil sich Parlamentarier:innen kaufen lassen. Und wer wählt den diese Leute?

    0
    • am 3.06.2022 um 10:57 Uhr
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      Wer will, weiss von dem. Deshalb frage ich mich seit Jahrzehnten, wer diese Wirtschafts-VertreterInnen in SR und NR wählt…und vor allem warum. Zu naiv, zuwenig Rückgrat, Angst vor Veränderungen, zu gutgläubig ?

      0
  • am 2.06.2022 um 11:36 Uhr
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    Das Kernproblem ist, dass die Medizin zum grossen Geschäft verkommen ist wo es nicht mehr um Gesundheit, sondern um Märkte geht, wie es diese ehemalige Pharma Mitarbeiterin treffend formuliert:

    https://odysee.com/@GermanyOnFire:2/Heilung-Märkte:8

    Auch bei Stents und Herzklappen geht es um’s grosse Geschäft, diese verhindern keinen Herzinfarkt weiss dieser Arzt:

    http://www.herzinfarkt-alternativen.de/warum-brauchen-wir-alternativen-zur-schulmedizin/

    Auch am Sterbebett wird noch behandelt wie verrückt, oft auch wenn es keinen Sinn mehr macht:

    Sterben verboten? Zwischen Therapie und Übertherapie

    https://www.zdf.de/verbraucher/wiso/uebertherapie-100.html

    Es gab auch noch andere als im Artikel erwähnten Vorschläge, die Krankenkasse «Light» von Yvette Estermann wo die Prämien niedriger sind wenn man auf gewisse Leistungen z.B Chemotherapie verzichtet. Aber der Bundesrat will davon nichts wissen.

    https://www.luzernerzeitung.ch/schweiz/krankenkasse-light-statt-pramienschock-ld.1104889

    0
    • am 4.06.2022 um 02:41 Uhr
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      @Paolo Ermotti Da gebe ich Ihnen recht. Ich denke, wir sollten ganz hinunter zur Ursache gehen, denn dann würden sich auch andere Probleme lösen. Die Verkommenheit von Menschen, durch unbegrenztes Anhäufen von Kapital, um damit Macht und Erhabenheit über jede Moral, über jeden Ethos, über jeden anderen Menschen, ja sogar über das Gesetz zu erlangen, hat dramatisch zugenommen. Der Kapitalismus als Privatbesitz muss nach Oben reguliert werden. Warum sollen Menschen soviel besitzen, um damit Medien, Richter und Henker kaufen zu können? Die rechte Hand der Superreichen sind Marketingbüros, welche nahezu jeden Auftrag auf ihre Art ausführen. Diese Arbeiten mit ihren professionellen Lobbyisten und verdeckten Spendengebern grenzübergreifend, was eine Ahndung unlauteren Verhaltens schwierig macht. Diese schrecken vor schlimmsten Handlungen nicht zurück. Wieviel braucht ein Mensch, um seine Lebensbedürfnisse z.B. zehnfach ausreichend erfüllen zu können bis zu seinem Tod? Mehr bräuchte er nicht.

      0
  • am 2.06.2022 um 11:47 Uhr
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    «Behörden schützen die Profiteure» – ist nicht mehr wie logisch, unterstehen diese doch in der Regel den Wirtschaftslobbyisten unserer bürgerlichen Parteien.
    Ein effizientes, kostengünstiges Gesundheitswesen würde bedingen: quartier- oder ortsbezogene Gesundheitszentren mit angestellten ÄrztInnen, die eine erste ambulante Behandlung garantieren und, wenn nötig, PatientInnen an Spitäler vermitteln. SpezialärztInnen werden mit einem vertraglich festgelegten Tariflohn entschädigt und Hersteller von Medikamenten zu transparenter Rechtfertigung ihrer Preise verpflichtet.

    1
  • am 2.06.2022 um 12:46 Uhr
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    Was nicht erwähnt wird:
    – Wir leisten uns 26 Gesundheitsregionen, dabei würden 6 ausreichen (Konzept von Avenir Suisse)
    – Die Kantone sind Spitalplaner, -betreiber und -finanzierer und haben null Interesse, die Spitalstruktur neu zu definieren.
    – Ambulant vor stationär heisst, dass die Kassen bei ambulanten Aufenthalt 100% der Leistungen zahlen, bei stationären Leistung nur rund die Hälfte. Nicht immer ist aber ambulant nur halb so teuer.
    Und die Kantone haben dann leere Akutbetten.
    – Die Auflistung ist spannend. Aber es fehlt die Gewichtung. Und: Das Gesundheitswesen generiert rund 40 Mrd. Wertschöpfung, ist der grösste Arbeitgeber und ein wichtiger Wirtschaftsfaktor.
    – Die Prämien werden politisch «gelenkt». Jeder wusste, dass Corona die Kassen belastet, die Prämien 2021 zu senken war – Pardon – Blödsinn. Die Zeche zahlen wir jetzt.
    – Palliative Care ist nach wie vor nicht etabliert. Grund: die Kantone kümmern sich nicht darum.
    – Es fehlt der ganzheitliche Ansatz.

    2
  • am 2.06.2022 um 15:37 Uhr
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    Sehr geehrter Herr Gasche
    Zunächst einmal muss man unterscheiden zwischen Kostenwachstum und Prämienwachstum. Diese beiden Kurven zeigen eine deutliche Divergenz. D.h. die Prämien sind stärker gewachsen als die Gesundheitskosten. Dies liegt daran, dass immer mehr Leitungen über Prämien finanziert werden müssen (zum Beispiel Operationen die heute gegenüber früher ambulant durchgeführt werden). Aktuell ca. 38% der Gesundheitskosten. Rund 62% der Kosten werden nicht über die Krankenkassenprämien finanziert (Staat, privat, etc). Abhilfe könnte eine einheitliche Finanzierung ambulanter und stationärer Therapien sein.
    Zweitens die Anzahl Ärzte ist nicht mit der Ärztedichte identisch. In der CH haben wir eine überdurchschnittliche Zahl ÄrztInnen im Teilzeitpensum. Zudem haben (relativ) neue Arbeitsgesetze dazu geführt, dass Spitäler deutlich mehr ärztliches Personal verpflichten müssen um diese Gesetze einhalten zu können.
    Dies nur 2 Beispiele für eine differenziertere Betrachtung

    2
    • am 2.06.2022 um 18:21 Uhr
      Permalink

      Es ist richtig, dass die Prämien prozentual etwas stärker gestiegen sind als die Kosten. Zum Beispiel wegen mehr ambulanter OPs, welche voll zu Lasten der Kassen abgerechnet werden, wie Sie richtig erwähnen. Aber dafür stieg der steuer- und/oder eigenfinanzierte Anteil stärker. So oder so: Die Kosten sind in der Schweiz viel höher als in den erwähnten vergleichbaren Ländern. Und das ist das Hauptthema des Artikels.
      Zur Ärztedichte: Es stimmt, dass die heutige Statistik der Zahl Ärzte pro Einwohner mit früher nicht ganz vergleichbar ist, weil die FMH aus unerfindlichen Gründen keine Statistik mit Vollstellenäquivalenten veröffentlicht. Ich habe dies in einem Nachtrag vermerkt. Doch die Vergleiche mit dem Ausland sind trotzdem annähernd richtig. Oder worauf stützen Sie Ihre Annahme, dass es in der Schweiz heute prozentual mehr Ärzte und Ärztinnen mit Teilzeitpensum geben soll als in Holland, Schweden, Norwegen oder Dänemark? Der Trend zur Teilzeitarbeit ist in diesen Ländern ähnlich.

      0
  • am 2.06.2022 um 18:27 Uhr
    Permalink

    Wenn man bei einem Arzt einen Termin will, sind alle überlastet und man kann bis zu 2-4 Wochen warten. Insofern stimmt die Kernaussage dieses Artikel nicht.

    Oder tun alle Arztpraxen nur so?

    3
    • am 2.06.2022 um 18:32 Uhr
      Permalink

      Im Artikel ist begründet, weshalb es in der Schweiz einen Ärztemangel gibt und immer geben wird, so lange die Anreize das Mengenwachstum begünstigen.

      0
  • am 2.06.2022 um 18:58 Uhr
    Permalink

    Die Gier, der Kampf und das Buhlen um Geld, noch mehr Geld, und noch mehr Geld, dank dem nach Oben unregulierten Kapitalismus im Bereich Privatbesitz, ist das grosse Übel der Welt, und bald auch unserer Nation. Viele möchten wie Bill Gates soviel Privatbesitz inne haben, dass sie damit in die erlauchten Kreise der Hochfinanz aufgenommen werden, welche als Global Players im Hintergrund unbegrenzt alles kaufen und verkaufen können, was sie möchten. Gleichzeitig entsteht durch dieses Verhalten eine Not bei denjenigen welche sich nicht verteidigen können gegen diese Übermacht, so entsteht Korruption. Am Schluss haben wir einen Globus, eine Weltherrschaft der Superreichen. Sie können Zeugen kaufen, jedes Verbrechen kaufen, wir stehen am Beginn von Leibeigenschaft. Siehe Usa und die dortigen Superreichen, welche aktuell alles tun um Europa zu brandschatzen. Es gibt genug Literatur über diese Entwicklung, z.B. Endgame, Game Over, usw. Doch es ist mir klar, es interessiert fast niemanden.

    1
  • am 3.06.2022 um 09:43 Uhr
    Permalink

    Das System der DDR: Polikliniken mit fest angestellten Fachärzten nehmen die ambulante Versorgung war und teilen sich Gebäude, allgemeines Personal, Verwaltung und Geräte. Es gibt keine Terminvergabe, sondern eine Behandlung nach Eintreffen. Der Patient hat bei Überweisung keine zusätzlichen Wege und kann teilweise bereits in der Poliklinik operiert werden. Gewinnanreize, die zu unnötiger Medikation und Behandlung führen könnten fallen für die Fachärzte weg. Wie wäre es damit?

    0
  • am 3.06.2022 um 18:52 Uhr
    Permalink

    Es ist einiges faul in unserem Gesundheitswesen! Und wenn dieses als «Wirtschaftsmotor» gesehen wird, dann ist eine Kostenexplosion wirklich nicht erstaunlich, weil sie von wichtigen Akteuren aktiv gefördert wird.
    Ein bisschen sind aber wohl auch die Patienten schuld. Ich erlebe recht häufig eine ausgeprägte Anspruchshaltung. Mit jedem Boboli zum passenden Spezialisten. Dank Google hat man sich schon komplexe Theorien zurechtgelegt, und die müssen dann weiterverfolgt werden.
    Wenn es aber darum ginge, die Übungen, die der Physiotherapeut gezeigt hat, auch tatsächlich jeden Tag auszuführen, ist die Energie vieler Patienten deutlich geringer.

    0

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