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Die Venus-Statue im Enghavepark in Kopenhagen bekam als Erste ein Kleid aus Strick. © Maren Uthaug

Wenn Venus einen Pullover trägt – Däninnen bestricken Statuen

Daniela Gschweng /  Statuen spärlich bekleideter Frauen tragen in Dänemark jetzt Strick. Das soll auf ein Ungleichgewicht aufmerksam machen.

Statuen zeigen Staatslenker, Gründer oder andere historisch bedeutende Persönlichkeiten. Meist tragen sie männliche Züge. Frauen kommen deutlich seltener vor, und wenn doch, sind sie oft namenlos und spärlich bekleidet.

In Dänemark hat diese Schieflage zu einer kuschligen Protestform geführt: Seit einigen Wochen tragen immer mehr weibliche Statuen flauschige Pullover, gestrickte Kleider, Bikinis oder Schals. Die Bilder verbreiten sich auf Social Media, mehrere Medien berichteten darüber.

Die bekleidete Venus im Park

Hinter der Strick-Welle steckt eine ebenso einfache wie wirksame Idee. Begonnen hat sie bei der Dänin Louise Moerup. Moerup geht jeden Morgen mit ihrem zehnjährigen Sohn durch den Enghavepark in Kopenhagen. Dort steht eine Statue der nackten Göttin Venus, erklärte Moerup der «New York Times».

Mutter und Sohn hätten oft darüber gesprochen, warum es so wenige Statuen von «richtigen» Frauen gebe – also von Frauen, die wegen ihrer Leistungen geehrt werden. Tatsächlich sind weibliche Figuren im öffentlichen Raum oft allegorisch oder mythologisch – Göttinnen, Musen oder Akte.

Über Weihnachten griff Moerup schliesslich zu den Nadeln und strickte der Venus ein Kleid. Das Kind, das die Göttin hochhält, bekam eine grüne Mütze. Die Aktion war als humorvoller feministischer Kommentar gedacht. «Die Nacktheit stört mich nicht», sagte Moerup. Was sie störe, sei «die Abwesenheit von Frauen, die für ihr Werk erinnert werden».

Nackt und namenlos

Unterstützung erhielt sie von der Autorin Maren Uthaug, die Bilder der bekleideten Venus auf Instagram veröffentlichte. Die Idee verbreitete sich rasch. Statuen in ganz Dänemark bekamen Westen, Pullover, Kleider und Capes. Die Comiczeichnerin erhält weiterhin Bilder von «eingestrickten» weiblichen Statuen – mittlerweile auch aus dem Ausland.

Weibliche Nacktheit ist in der Kunst ein wiederkehrendes Konfliktthema. Aus politischen, religiösen, gesellschaftlichen oder auch kommerziellen Gründen haben Frauenbildnisse dabei stets zu viel oder zu wenig an. 1989 fragte eine Künstlerinnengruppe beispielsweise öffentlich: «Müssen Frauen nackt sein, um ins Museum zu kommen?». Die Stadt Rom andererseits verhüllte 2016 bei einem Besuch des damaligen iranischen Präsidenten Hassan Rohani nackte weibliche Statuen.

Moerups Aktion knüpft an Strick-Graffiti oder «Yarn Bombing» an, eine Form feministischer Street Art, bei der Laternenmasten, Bäume oder Geländer mit gestrickten Hüllen versehen werden – eine weiblich konnotierte Handarbeit als künstlerischer Kommentar im öffentlichen Raum. Beides zusammenzubringen, sei eine «brillante Idee», fand Uthaug.

Nur 43 bedeutende Frauen – aber 120 Akte

Von 1538 Denkmälern in Dänemark zeigen 484 historisch bedeutende Männer, aber nur 43 bedeutende Frauen, bestätigte eine Anfang Februar veröffentlichte Erhebung über Kunst im öffentlichen Raum. Rund 120 Skulpturen stellen weibliche Akte dar. Der Zeitpunkt der Veröffentlichung war Zufall, die Guerilla-Strickerinnen bekamen dadurch jedoch nochmals Rückenwind.

Ganz ohne Kritik blieb die Aktion nicht. Uthaug bekam tausende Kommentare, die den Strickerinnen Zensur oder Puritanismus vorwarfen. Ein Nutzer schrieb: «Schämen Sie sich, einen schönen Frauenkörper zu verhüllen.» Eine dänische Abgeordnete sprach von Vandalismus.

Der dänische Kulturminister Jakob Engel-Schmidt reagierte gelassen. Für ihn sei die Aktion eine «sehr einzigartige Art, die Gegenwart zu kritisieren, um eine gleichberechtigtere Zukunft zu schaffen». Es sei «offen gesagt absurd», dass es deutlich mehr Statuen halbnackter Frauen gebe als Denkmäler für Frauen, die die Geschichte des Landes geprägt hätten.

Kleid soll künftig Repräsentation im öffentlichen Raum dokumentieren

Die eingepackten Statuen jedenfalls hatten Erfolg in der Öffentlichkeit. Dänemark will bedeutende Frauen nun sichtbarer machen. Die Regierung kündigte an, rund 1,3 Millionen Euro für neue Kunstwerke bereitzustellen, die an historisch bedeutende Frauen erinnern sollen. Jakob Engel-Schmidt betont, die Entscheidung stehe nicht in direktem Zusammenhang mit der Strick-Kampagne.

Die bestrickte Venus im Enghavepark ist inzwischen wieder leichter bekleidet. Moerups Kleid hat dennoch Geschichte geschrieben. Ein Museum in Kopenhagen hat sie gebeten, es seiner Sammlung zu stiften – als Dokument der Debatte, wer und was im öffentlichen Raum sichtbar ist. Oder eben nicht.


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5 Meinungen

  • am 13.03.2026 um 14:51 Uhr
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    BaZ Raphael Suter 26.10.2018, 09:56: «Der nackte Mensch in der Antike Eine sachlich gehaltene Ausstellung zur überbordenden #MeToo-Debatte… ..Wird der nackte Körper heute wieder zunehmend als vulgär empfunden, war er in der Antike….., völlig normal. Allerdings hatten die alten Griechen das natürlichste Selbstverständnis von Nacktheit – was von anderen Völkern eher mit Befremden aufgenommen wurde…»

    SWR Elisa Buhrke 25.7.2023, 16:00 : «Oben ohne im Schwimmbad, nackt in der Familie, bedeckt in der Sauna: Womit wir uns wohlfühlen, hängt von Erziehung, Alter, Geschlecht, Kultur und von persönlichen Vorlieben ab.»

    Könnte wohl möglich sein, dass «das natürlichste Selbstverständnis von Nacktheit» das die Griechen hatten in heutigen Zeiten aus verklemmt-ideologischen Gründen unerwünscht ist und Venus soll einen dicken Wollpulover anhaben und Jupiter wohl eine eine Badehose, um die Betrachter der Statuen zu schützen die Nacktheit zu bewundern.
    Gunther Kropp, Basel

    • am 14.03.2026 um 13:57 Uhr
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      Bei den Griechen in vorchristlicher Zeit waren nackte Männer die Regel, aber nackte Frauen die Ausnahme. Ich habe Statuen von Appolon, Apoxyromenos, Laokongruppe, Hermes, Perseus und auch Michelangelos David, etc. in Erinnerung. Die Genitalien dieser Männer sind derart detailliert ausgearbeitet – offensichtlich war dies ein Schönheitsmerkmal dieser Generationen.
      Im Vatikanischen Museum in Rom gibt es eine der ersten nackten Frauenstatuen (Venus Felix), wobei in der Regel bei Frauen die Genitalien eher verdeckt sind und die «nacktheit» vorwiegend den Oberkörper betrifft.
      Fazit: Eigentlich müsste man nun endlich die Männer in all den Museen besser bekleiden. Und die Anmerkung «Müssen Männer nackt sein, um ins Museum zu kommen?» wäre doch auch eine durchaus berechtigte Frage!

      • am 15.03.2026 um 09:35 Uhr
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        DF Jan Garvert | 25.06.2022: «Wo Frauen es weit gebracht haben, stehen Männer erst am Anfang: Bei der Emanzipation aus traditionellen Rollenbildern. ..»

        Die Emanzipation der Männer scheint wohl ein langer und steiniger Weg zu werden.

  • am 14.03.2026 um 10:42 Uhr
    Permalink

    Diese Bekleidungs-Aktionen dienen unserem Überleben null. «Leistungen» von Frauen? Etwa die von Sanna Marin, Kallas, von der Leyen, Baerbock & Co., die als Moderatorinnen (auch Trump, Fox-Animateur Hegseth, mehrere Podcast-Minister, sehe ich lediglich als PR-Nachrichtensprecher, Hypnotiseure) – mutmasslich vom männlich dominierten Deepstate gesteuert – uns in die Hölle führen?

  • am 15.03.2026 um 15:39 Uhr
    Permalink

    «La liberté guidant le peuple» ist ein Gemälde des französischen Malers Eugène Delacroix – er hat die LIBERTE‘ barbusig dargestellt und das wohl als Ausdruck der Ansicht, daß die französische Revolution ncht nur ein politisch-rationaler Akt war, sondern auch ein sehr emotionaler. Ein Mißbrauch des weiblichen Körpers? Das hat wohl keine französische Frau so gesehen. Jedenfalls sehen die Gemälde der russischen Oktoberrevolution anders aus und ganz sicher nicht aus größerem Respekt gegenüber weiblicher Blöße. Sie entsprang einem ganz anderen Denken. Und darauf kommt es an. Die moderne Werbung kann sich mit solchen Hintergründen nicht schmücken – dennoch akzeptieren auch die Däninnen deren materiellen Impetus.

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