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Cover einer Platte der Rolling-Stones © badgreebRecords/flickr/cc

Die Stones: Echter, nachhaltiger, wichtiger!

Niklaus Ramseyer /  Radio DRS hat uns mit einer Endlos-Serie über die Beatles belästigt. Dabei sind die Rolling Stones viel spannender und wichtiger.

Wer keine grosse Ahnung davon hat, was in den Sechzigerjahren bei der Überwindung des totalitären, miefigen Kleinbürgertums mitsamt seiner verdrückten Sexualität, der Benachteiligung der Frauen und seinem eng limitierten Lebensstil auch hierzulande wirklich abging, der unterliegt in punkto Musik etwa mal zwei fundamentalen Irrtümern: Erstens meint er oder sie, die Begleitmusik zu diesem Aufbruch, der dann in die 68er-Revolte münden sollte, hätten die Beatles gemacht. Und zweitens glauben solche Leute, «Angie» sei ein typischer Stones-Song.

Ahnungsloses Radio DRS
Den ersten Irrtum hat Radio DRS nun den ganzen Sommer über als Falschmeldung fast täglich in einer ebenso endlosen wie langweiligen Serie über die Beatles morgens kurz vor sieben verbreitet. Das Ganze war und ist völlig überrissen. Unser öffentlich-rechtliches Radio verkennt und überschätzt die Bedeutung der Pilzköpfe aus Liverpool. Denn: Natürlich liess deren Song «I Want to Hold Your Hand» manche Sekundarschülerin beim Schulabschlusstanz schon 1963 leicht erschauern und erahnen, was da noch alles kommen könnte. Und sicher sind Beatles-Titel, wie «A Hard Days Night», «Help» oder «Get Back» grossartige Musik. Dass sie Chuck-Berry -Klassiker wie «Rock n` Roll Music» oder «Roll Over Beethoven» in Europa erst richtig bekannt gemacht haben, sei den Beatles auf ewig verdankt.

Wenn die längst verschwundene Band aus Liverpool posthum jubiläumsmässig gewürdigt wird, geht das auch total in Ordnung. Hingegen zeugt es von einer Ahnungslosigkeit, in einem Jahr, in dem die weiterhin voll aktiven Rolling Stones ebenfalls einiges zu feiern haben (1. Auftritt am 12. Juli 1962), eine endlose Beatles-Mania loszutreten.
Schon Mitte der rasant unruhiger werdenden Sechziger nämlich entpuppten sich die Beatles rasch als relativ harmlose, angepasste (teils gar tanzmusikmässig uniformierte und krawattierte) Liedchensänger («Please Please Me»). Zum musikalischen «Streetfighting Man» würden diese Bubis jedenfalls nie taugen.

«Time is on My Side» – for «Satisfaction»
Doch zum Glück gab es spätestens ab 64 anderes, besseres: The Rolling Stones! Diese Burschen kamen nicht sauber frisiert daher und sangen «Happy just do Dance with you». Sie bereicherten die Gymer-Klassenfêten vielmehr mit Parolen zum Auf- und Ausbruch: «I m Free» (to do what I want – any o time). Sie zelebrierten «Abgrenzung» avant la lettre mit «Get Out of My Cloud». Und während die Beatles noch dem «ersten Mal» entgegen fieberten (I Wanna hold Your Hand), sangen die Stones schon Klartext («Let’s Spend The Night Together») und droschen ihre emotionale Gewinnwarnung aus ihren Anlagen: «This Could Be the Last Time». Sowie gar den Zusammenbruch: «19th Nervous Breakdown».
Aber sie verbreiteten auch Hoffnung mit «Time is On My Side». Und sie nahmen den späteren Reggae-Klassiker «You can get it, if you really want» voraus mit «You can make it, if you try».

Das alles war viel stärkerer Tobak, als jene manierlichen Beatles, die sich schon bald ihren lokalen Royals angebiedert hatten. Und mit «Satisfaction» brachten die Stones in geradezu genialer Weise die Aufbruchstimmung und worum es spätestens ab Mitte der Sechzigerjahre den Jugendlichen wirklich ging, musikalisch und lyrisch auf den Punkt – einfach, schnörkellos, brilliant. Noch bessere Stones-Songs sollten später kommen mit «Sympathy For The Devil» etwa «Honky Tonk Women» oder «Brown Sugar» und «Gimmie Shelter». Jean-Luc Godard hat über das erfrischend blasphemische Sympathy (was rythmisch übrigens ein Samba ist) in Paris einen Dokumentarfilm gedreht. Das Film-Genie wusste eben genau, was auch in der Musik-Szene wirklich wichtig ist.

Respekt vor schwarzen Bluesern
In Gesamtwerk der Stones, in dem fast alle Kenner das Doppelalbum «Exile on Main Street» (1972) als absolute Spitze und Weltklasse erkennen, ist nun «Angie» wohl einer der bekanntesten Titel – aber auch einer der atypischsten, ein wenig Beatles-Sirup eben. Dabei haben die Stones durchaus sehr schöne sanftere und bluesigere Sachen gemacht. Allen voran «Love in Vain» oder «Heart of Stone» und «Long Long While». Und sie haben stets grossen Respekt vor den Wurzeln ihrer Musik in der Blues-Kultur der unterdrückten schwarzen US-Bevölkerung gezeigt.
Von Radiostationen boykottiert
Die teils genialen schwarzen Musiker wurden in den USA ja noch bis weit in die Sechzigerjahre hinein verdrängt, von Radiostationen boykottiert und von weissen Imitatoren schamlos kopiert – auch etwa von einem gewissen Elvis Presley. Auch dagegen haben die Stones rebelliert – mit ihrer Verehrung für Muddy Waters beispielweise. Über und mit Chuck Berry haben sie sogar einen sehr schönen Dokumentarfilm gedreht («Hail! Hail! Rock’n’Roll»).
Zu Beginne einer US-Tournee fragte ein blöder TV-Reporter Keith Richards mal, was die Stones denn in den USA so sehen wollten. Der gab knapp zur Antwort: «Muddy Waters». Worauf der Mann zurückfragte: «Where’s that?» Wo ist das?

Verachtung für Macht und Establishment
Das war zu einer Zeit, als auch hierzulande das Establishment noch gegen «Negermusig im Radio» Sturm lief. Und der Vorfall erklärt, warum die Stones auch den Medien als Teil des Establishments eher mit Verachtung begegnen. Als ihn ein TV-Mann in einem Interview mal zum hundertsten Mal fragte, wie das denn mit «Drugs, Sex and Rock’n’Roll» so gewesen sei, nahm Keith Richards einen Schluck von seine Jack Daniels Flasche, grinste böse und sagte: «We invented them all three – wir haben alle drei erfunden». Und fügte dann bissig bei: «You believe anything – du glaubst ja irgendwas!»

Ähnlich bissig begegneten die Stones wirtschaftlicher Macht. Als sie der Platten-Firma Decca zur Beendigung eines veritablen Knebelvertrags 1968 noch einen Song schuldig waren, lieferten sie diesen pflichtgemäss ab. Er hiess aber «Cocksucker-Blues». Und im Refrain lautet eine Zeile: «Where can I get my cock sucked? Where can I get my ass fucked?» Logisch, dass Decca in den damals immer noch prüden Zeiten, den Song, der bis heute nur als Bootleg erhältlich ist, nie publizieren und verwerten konnte.

Lang anhaltende Wirkung
Logisch auch, dass diese Stones unzählige gute Musiker inspiriert haben – von den Weltstars Eric Clapton und Bruce Springsteen bis hierzulande hin zu Polo Hofer oder Gölä. Und weil die Stones eben leidenschaftliche Musiker sind, die nicht anders können, gibt es sie (ganz im Unterschied zu den Beatles) nach 50 Jahren immer noch. Und immer besser. Auf die Frage, wie lange sie denn noch weiter machen wollten, sagte Richards kürzlich lachend: «Sie können davon ausgehen, dass unsere Grosskinder uns noch im Rollstuhl auf die Bühne schieben werden.»

Das wären alles spannende Geschichten zu super-schöner Musik. Wie auch die Richards-Autobiografie unter dem schlichten Titel «Life» (by Weidenfeld & Nicolson 2010) – oder eine jetzt gerade herausgekommene, neue Biografie über Jagger. Wann hören wir darüber etwas an unserem Radio DRS?

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19 Meinungen

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    am 16.10.2012 um 12:21 Uhr
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    Danke, danke, danke. Und ich dachte schon, ich sei der Depp in der Musikwelt, weil er nie verstanden hat, warum die Beatles derart hochgejubelt werden, derweil ihre Songs zwar musikalisch anspruchsvoller (Akkorde, Melodieführungen) , aber weder Sex noch Blut haben sondern (zum grössten Teil) eben Trällerliedchen sind. Vielleicht liegt das Geheimnis für grossen Ruhm darin, dass man früh stirbt (Monroe, Dean, Cobain etc.). Wer bis zuletzt sein Ding durchzieht, gehört irgendwann zum Inventar und wird verkannt.

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    am 16.10.2012 um 14:10 Uhr
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    Ebenso toller wie wahrer Bericht. Natürlich setzten auch die Beatles ihr Markenzeichen, doch die Stones sind die wahren (Musik-)helden. Dazu gabs noch die «Dritten» (Kinks), die leider kaum mehr im Äther zu hören sind. Schade einzig, dass der Bericht von NR erst jetzt kommt; die erwähnte Beatles-Serie auf DRS 1 ist nämlich Ende September zu Ende gegangen.

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    am 16.10.2012 um 16:51 Uhr
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    Ach, was für ein Quatsch! Natürlich waren die Beatles für ihre Zeit die Grössten. Ich habe sie unter scharfer Strafandrohung im Geheimen im Internat gehört. Natürlich war das für uns Revolution. Und natürlich spürte man , beflügelt durch alles ,was die Beatles ausmachte inkl. Frisur die Bestätigung für den Aufbruch, den Widerspruch, die Lust , nicht nur dauernd von Veränderung zu schwätzen, sondern sie tatsächlich zu versuchen.

    Natürlich waren die Stones dann fetziger, aber sie hatten nicht mehr diese tiefgehende Breitenwirkung. Da romantisiert Niklaus Ramseyer zu viel hinein. Den Boden breitflächig aufgerissen und bereitet – auch musikalisch – haben die Beatles. Das waren für uns eben keine Trällerliedchen. Mit «Hey Jude» war der Höhepunkt der Popularität zwar überschritten, aber unsere Gefühle und Sehnsüchte fanden wir darin wieder.

    Das angeblich «ahnungslose DRS» lag mit seinem Beatles-Festival absolut richtig. Von mir aus kann’s bei passender Gelegenheit auch ein Stones-Festival geben , aber mit wippenden Grossvätern auf der Bühne ist das eben dann doch nicht mehr ganz so heiss.Sie haben – leider – den richtigen Absprung verpasst.

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    am 17.10.2012 um 12:01 Uhr
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    Ich habe gar nichts gegen wippende Grossväter auf der Bühne (warum dürfen übrigens nur Schwarze als Blueser auf der Bühne alt werden? Warum werden alternde weisse Rocker als Grossväter belächelt?) aber ich habe etwas dagegen, dass Grossväter sich immer noch dafür prügeln, ob die Beatles oder die Stones die Grössten waren, bzw. seien. Die Stones (incl. Angie!) fahren mir immer noch in die Knochen, weil auch ich ihre schwarzen Ziehväter heraushöre, aber auch ein Song der Beatles hat immer noch mehr musikalische Substanz als eine ganze Jahresproduktion der PopulärmusikINDUSTRIE von heute. Die privaten Radiostationen (und auch Radio SRF mehrheitlich) sind meine Kronzeugen.

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    am 17.10.2012 um 18:29 Uhr
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    @)Bruno Gut: Da stimme ich Ihnen zu. Wenn ich im Auto unterwegs bin und Zeit für Musik hätte, quäle ich mich stattdessen durch jede Menge Sender und höre überall Dasselbe und langweile ich ziemlich.

    …und lassen Sie uns Grossväter ruhig ein wenig auf einander einprügeln. Wir vertragen das. Wir haben sie ja alle von ihren Anfängen an erlebt. Was jungen Leute heute etwas schwerfällt zu akzeptieren (ich weiss das von meinem Sohn): Die Grossväter haben eine ganze Menge erlebt, von dem sie bis heute zehren, es bis heute engagiert verteidigen und von dem sie sich wünschen, die Jungen könnten es in ähnlicher Freiheit aus- und erleben. Ehrlich: Es war eine tolle Zeit! Und SRF hat ein Stück davon zurückgeholt.

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    am 17.10.2012 um 20:59 Uhr
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    Der Unterschie zwischen den Beatles und den Stones ist die Musik, wärend die Beatles viel von Melodien verstehen machen es die Stones mit mehr Lärm. Für die, die kein Musikgehör haben die hören natürlich die Stones. Auf alle Fälle gefallen mir die Beatles die Stones waren nie meine Band.

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    am 20.10.2012 um 11:56 Uhr
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    Niklaus Ramseyer ist sich offenbar nicht bewusst, dass er einem bereits vor 30 Jahren entlarvten Klischeeverständnis anhängt und Geschichtsklitterung treibt. Diedrich Diedrichsen hat in der Zeitschrift sounds analysiert, wie die Stones laufend die Entwicklungsideen der Beatles abgekupfert haben und dann 1982 (!) im Spiegel eine perfekte Replik zu diesem Ramseyer-Beitrag verfasst. http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-14339066.html

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    am 20.10.2012 um 22:57 Uhr
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    …und sie streiten immer noch, erbittert und verbissen, die Opas, weil es sie nicht wirklich interessiert, was vor und danach und neben und trotzdem oder nicht alles passierte und wie alles zusammenhängt und sich gegenseitig beeinflusst. Eine 30 Jahre alte Polemik von DD, die damals schon mehr über den Autor (den ich sonst schätze) selbst aussagte, als sie Fakten verbreitete, würde wohl auch von ihm nicht mehr so formuliert, der letzte Satz deutet es an: «Beatles-Fans, die die Weisheit mit Löffeln [gell, Herr Koller] gegessen haben, und Stones-Fans, denen eh nicht zu helfen ist.» Ich lass mir gerne nicht helfen und halte es mit dem Satz: Wer n u r von den Beatles etwas versteht, versteht auch sie nicht. Das gilt auch für die Gegenseite.

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    am 20.10.2012 um 23:06 Uhr
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    Ein Nachsatz noch: Natürlich ist der Satz im Lead von N. Ramseyer ausgesuchter Quatsch: «Dabei sind die Rolling Stones viel spannender und wichtiger."

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    am 21.10.2012 um 13:22 Uhr
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    …@ Bruno Gut: Es geht uns streitbaren Opas doch nicht um «n-u-r". Aber die Rangfolge wollen wir, bitteschön, eingehalten haben. Da sind wir eigen. Es ist ein Teil unserer Geschichte (und die war nicht langweilig), und an der lassen wir uns von recht schnell gelangweilten Enkeln nicht einfach freihändig herumbasteln und -deuteln. Sonst müssen sie mit erheblichem Gegenverkehr rechnen.

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    am 21.10.2012 um 20:28 Uhr
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    Liebe Leserschaft!

    das rege Interesse an meinem fundierten Elaborat hat mich erstaunt und sehr erfreut. Ich hätte mir allerdings doch etwas mehr argumentative Substanz erhofft. Ich jedenfalls «prügle» mich hier nicht herum. Ich liefere Fakten für das was ich Rock- und Bluesmässig seit 1962 erlebt und mir in Übungskellern und auf Bühnen (am Fender Jazz-Bass von 1963 über einen Sovtek-Amp) erspielt habe.
    (Verschiedene sehr gute Beatles-Songs wie etwa Get Back gehörten auch dazu.)
    Aber so wie weiland (seit 1982 ist auch schon wieder eine «Long long while» vergangen!) Herr Diedrichsen sich selber entlarvt hat, qualifiziert sich heute erst recht selber brutal, wer Brown Sugar, Satisfaction, Honkytonk Women und die ganze Exile on Mainstreet einfach als «Lärm» abtut. Das ist etwa das Niveau auf welchem in den Sechzigern an Stammtischen gegen «Negermusig am Radio» losgeprügelt wurde. Ich war der Meinung, das sei nun definitiv überwunden. Aber man lernt nie aus.
    Was nun der Meinungsautor mit seiner Abscheu vor «wippenden Grossvätern» angeht, so ist der Mann ganz offensichtlich noch nie an einem Stones-Konzert gewesen (Dübendorf!!!). Und apropos Spiegel kann ich auch www. Nämlich: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-86679262.html
    Da findet der interessierte Leser/Musiker ganz aktuell vom 2. Juli dieses Jahres als «weiterführende Literatur» einen hervorragenden Artikel (viel besser als meiner) , der so anfängt:

    "LEGENDEN
    Die Letzten ihrer Art

    Von Diez, Georg und Hüetlin, Thomas

    Sie lieferten den Sound zur sexuellen Revolution, zum Studentenprotest und zum Drogenrausch. Seit 50 Jahren tun die Rolling Stones Dienst, immer noch als die größte Band der Welt.

    Mick und Keith, was soll man dazu sagen: zwei Helden, zwei Irre, zwei Untote? Der eine ein teuflischer Engel, der andere ein Gitarrist wie eine rauchende Lunte. Narziss und Totenkopf. Eines der großen Paare des 20. Jahrhunderts.

    Sie passen im Grunde nicht zusammen, der ehemalige Student und der Arbeitersohn, der Geschäftsmann und der Selbstzerstörer. Gemeinsam veränderten sie den Lauf der Dinge."

    SO!

    Dem habe ich nichts beizufügen. Die Spiegel-Autoren hingegen noch sehr viel hoch Interessantes.
    Es lohnt sich sehr! Mit Gruss und Dank! Niklaus Ramseyer

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    am 21.10.2012 um 21:18 Uhr
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    @) Niklaus Ramseyer: Der «Meinungsautor» (?) hat nur einen kleinen Nachtrag: Natürlich war ich an Stones-Konzerten, einmal in einem Riesenstadion in Hannover, mit weit mehr Menschen als in Dübendorf. Die Atmosphäre war super. Aber trotzdem fand ich die wippenden Grossväter auf der Bühne , naja, leicht albern, aber von «Abscheu» keine Rede, wie käme ich dazu? Meine Begleiterin war übrigens hingerissen von den Grossvätern, was die in ihrem Alter noch alles hinkriegen, «und kein Gramm Fett"! Und das war natürlich schon eine Herausforderung für mich. Als Grossvater. Aber wie gesagt: Ich erhebe keinerlei Absolutheitsansprüche auf meine Meinung. Ich sag sie halt einfach.

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    am 22.10.2012 um 20:16 Uhr
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    Totaler Schwachsinn. Erstens wieder die sog. Trennung zw. Beatles und Stones-Fans gross zu schreiben. Das ist ein Mythos. Zweitens sind die Beatles DIE, die in den 60ern alles lostraten. Wenn ich an die haarigen Geschichten denke… wenn ich ich an Sergant Pepper (!!!) denke ….
    Also, wenn der Schreiber zu jung war damals, dann soll er sich mit den Alten unterhalten, die das persönlich erlebten, wenn er jedoch selber alt ist, dann soll er mal sein Gedächtnis checken lassen…. 😉
    Nichts für ungut, aber Beatles UND Stones gehörten dazu (wie viele, viele andere, Beach Boys!) – und es war WUNDERBAR! Wie auch wunderbar, dass Radio DRS die Beatles täglich porträtierte! Und noch gut dazu!
    Ich hoffe, sie machen es 2013 auch mit den Stones, mein lieber Schreiber!
    Alles Gute!

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    am 24.10.2012 um 13:00 Uhr
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    Taj, Herr Leemann: Ihr Beispiel zeigt einiges. Wären Sie mir nun etwa mit The Who, Kinks, Doors, Hendrix, Ten Years After oder gar auch mit CCR gekommen…ja dann. Aber Beach Boys? Wohlverstanden, gar nichts gegen sauberen Surf-Sound (Little Honda, Sloop John B)! Dass aber eine Band, die 1985 in Frack und Fliege gekleidet einem gewissen Herrn Ronald Reagan öffentlich die Ehre bezeugt und ihn als «Quelle ihrer Inspiration» bejubelt hat, dass diese clean cut boys 20 Jahre früher die 68-er Revolte begleitet und befeuert haben sollen … Da verwechseln Sie wohl einiges. Zum Beispiel dies: Die 60er waren auch die Anfänge der Konsumgesellschaft – und auch die eröffnete cleveren Musikern lustige Marktlücken. Mit Gruss! N.R.

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    am 24.10.2012 um 15:07 Uhr
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    Hoppla, da wird ja ein richtiges Seminar draus:… «dass diese clean cut boys 20 Jahre früher die 68-er Revolte begleitet und befeuert haben sollen …» – Natürlich war das so! Auch wenn die Beatles unpolitisch waren, in ihrer frühen, aktiven Phase markierten, flankierten, begleiteten sie (wie immer Sie das nennen wollen) eine kreative Phase des erst aufkeimenden zivilen Ungehorsams gegen überholte Strukturen, Verhaltensregeln und vorgestrigen Personen. Ihre Musik verband eine Generation, was es übrigens bei Elvis auch schon gab, aber nicht mit dieser Breitenwirkung. Der Massenerfolg der Beatles markiert eine Zäsur.

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    am 24.10.2012 um 16:01 Uhr
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    Meine ja auch gar nicht die Beatles, sondern die Beach Boys (nuance!). Beatles und Elvis habe ich in meiner Analyse gebührend erwähnt. Und wenn ich schon wieder drin bin: Wer hat denn im April 67 mit fetzigem Vorspiel zu den 68-Revolten die Jugend zu Begeisterungsstürmen NZZ zur publizistischen Weissglut getrieben? War dabei, habe noch SW-Fotos… Aber mit «Fans» habe ich nichts am Hut! N.R.

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    am 24.10.2012 um 16:39 Uhr
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    Bingo, die Beach Boys sind eine andere Kategorie. Die NZZ sah damals schon wegen viel, viel harmloserer Ereignisse den Untergang des Abendlandes heraufziehen. Und «68» fing nicht mit einem Paukenschlag in Züri an, das hatten einen viel längeren Vorlauf.

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    am 24.10.2012 um 20:01 Uhr
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    Nanana – die Beach Boys waren Klasse! Und zwar waren sie, bzw. von den 3 Bands diejenigen mit den unendlich viel besseren Vocals! Da lassen sie beide anderen weit hinter sich, besonders den Stones.
    Und Pet Sounds, mein Lieber, pet sounds…. eines der grössten Alben der Geschichte!
    Da ich von der Latino-Seite komme, waren mir die melodiösen Stücke bekannter und deshalb wohl lebbarer, in der Zeit.
    Ich denke mir, dass Sie, Herr Ramseyer, die Stones als die Band grossreden wollen, die 68 «machten". Da täuschen Sie sich gewaltig. Hallenstadion ist Hallenstadion, nicht mehr. Vielleicht hätte ein Frauenfurz alles in die Luft gejagt, an diesem Abend! Die Zeit war reif!
    Das Ganze lässt sich doch nicht auf Musik allein zurückbuchstabieren, da ging doch viel mehr ab, auf vielen andern Levels. Ich und meine Mitschüler, zum Beispiel, wurden nicht plötzlich «unregierbar", weil die Stones diesen oder jenen anderen Hit lanciert hatten. Wir sind unregierbar geworden, weil unendlich viel GLEICHZEITIG passierte und wir den Mut entwickelten, der Welt die Stirn zu bieten.
    Der Takt der «kulturellen Revoltenmusik» war nicht von den Stones allein getrommelt, sondern von allen diesen Bands, die Sie erwähnt haben, aber noch viele mehr. Von Radio Luxemburg, von Filmen, von Gesprächen, von Nachrichten etc etc etc
    Ich mag mich an einen Freund erinnern, der die Kinks als das Grösste ansah. Und ich konnte mit deren Musik wirklich gar nichts anfangen, ausser mit ein paar melodiösen Stücken. Also bitte, bis heute finde ich Kinks lachhaft. Doors waren eher post-68, depro, Hendrix starb bald mal, wie Janis, spielte mir völlig unverständliche «Musik» (wie soll man kreischende Guitarrensoli geniessen können – ohne Drogen?) und 10 Years After hatten ein paar Songs und das wars dann.
    Aber das ist sehr subjektiv, ist ja klar.
    Eric Burdon & War, Julie Driscoll …. baaahhhh, das genoss ich, wie auch Soul (da konnte man schmusen, zwar nicht Steine werfen, aber schmusen, mein Lieber, schmusen), vor allem aber Funk (nach dem Schmusen gings wieder ab)!
    Ich mochte noch nie, bis heute nicht, gewisse Arten von Rock, gehen mir nicht ins Herz, berühren meine Seele nicht, thats it. Ich will Melodien. Und manchmal was anderes, da sind die Rocker dann gut, aber nicht für immer.
    Das ist unser grosser Unterschied, Herr Ramseyer. Sie mochten sicherlich auch Vanille Fudge (Horror)…
    Ich denke mir, Menschen brauchen nicht die gleiche Musik, um aufzuwachen und dagegen zu halten. Das geht mir fast allen Musiken dieser Welt. Um zu get-uppen und für seine Rechte oder Wünsche zu fighten, braucht es vor allem Herz. That’s enough!

    P.S. Heute habe ich after math im Auto gehört. Da hat es so viel Schrott und ich habe an Sie gedacht. Es gibt wohl kein einziges Beatles-Album das diese Anzahl Schrotttitel aufweist. Auch das ist Stones, den gleichen banalen Rock-drive und die Texte….mann-o-mann… ein bisschen intelligenter ginge doch, oder?
    Trotzdem – ich liebe Musik und zwar sehr viele verschiedene Stile und ich würde niemals sagen, dass es diese oder jene war, die in der Geschichte «besser» war als eine andere. Sie waren Kinder ihrer Zeit und hatten verschiedene Charaktere, die sie auch bedienten. Da ich meine Gustos oft wechsle, sogar mehrmals täglich, wurde ich BESTENS von allen bedient!
    Liebe Grüsse!
    Ein bisschen Altersmilde, mein Lieber – trotz aller hasta la victoria, siempre!

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    am 24.10.2012 um 20:05 Uhr
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    korrigenda – «besonders DIE Stones» …. sorry.

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