US-Präsident Roosevelt demontiert die Republikaner

Jürg Lehmann /  Franklin D. Roosevelt zeigt im US-Wahlkampf 1936, wie man seine Gegner entlarvt. Barack Obama sollte sich das Kurzvideo anschauen.

Rückblende: Die USA stehen 1936 im achten Jahr der Depression. Die Bevölkerung leidet schwer darunter. Die Arbeitslosigkeit steht bei 17 Prozent. Präsident Roosevelt lancierte nach seiner Wahl 1932 als Antwort auf die Krise den «New Deal» eine erste Serie einschneidender Wirtschafts- und Sozialreformen.

Jetzt kämpft der 54-jährige Demokrat um seine Wiederwahl. Die Republikaner halten den «New Deal» für unbrauchbar und Zeitverschwendung. Der 49-jährige Gouverneur und Republikaner Alf Landon aus Kansas soll Roosevelt aus dem Sattel heben.

Gelassen, sarkastisch, witzig

Im Videoclip übernimmt Roosevelt an einer Veranstaltung die Rolle seiner Gegner und verspottet sie genüsslich: Natürlich glauben wir an die Politik der sozialen Sicherheit, an Jobs für Arbeitslose und die Rettung von Eigenheimen. Aber wir mögen es nicht, wie die jetzige Administration das macht. Übergebt uns die Verantwortung, wir werden all dies weiterführen, wir werden es besser machen und wir werden noch viel mehr machen. Und das Wichtigste ist: Es wird niemanden nichts kosten – tosender Applaus.

Die Wahlen am 3. November 1936 werden für die Republikaner zum Debakel. Roosevelt holt 61 Prozent der Stimmen und 523 Wahlmänner, Landon gerade mal acht. Roosevelt wird noch zweimal wiedergewählt (das war damals noch möglich; seit 1951 darf ein US-Präsident nur aber noch zwei Amtszeiten absolvieren). Der Demokrat stirbt am 12. April 1945 im Amt und geht als einer der grössten US-Präsidenten in die Geschichte ein.

Was macht Obama im zweiten TV-Duell?

Gegenwart: US-Präsident Barack Obama kämpft um seine Wiederwahl. Das erste TV-Duell mit Konkurrent Mitt Romney vermasselte er. Vom Dienstag auf Mittwoch (ab 02.50 Uhr live auf diversen TV-Sendern) hat Obama die Chance, sich zu rehabilitieren.

Wiederbelebt hat den Clip mit Roosevelt TV-Star Jon Stewart in seiner Comedy-Sendung The Daily Show. Seitdem ist das kurze Video auf YouTube zum Renner avanciert. Wer es sich ansieht, dem ist klar: Was Roosevelt sagte, gilt auch für die Wahlen 2012.


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

keine

Zum Infosperber-Dossier:

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US-Wahlen 2012

Am 6. November wird nicht nur der Präsident, sondern auch der Kongress gewählt. Mit Folgen für die Welt.

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