Hauptzeuge im Fall Assange

Headline auf «stundin.is»: «Hauptzeuge im Fall Assange gibt Lügen in der Anklageschrift zu» – «Ein gewichtiger Zeuge im Verfahren des US-Justizministeriums gegen Julian Assange hat zugegeben, schwere Anschuldigungen in der Anklageschrift gegen den Wikileaks-Gründer erfunden zu haben.» © stundin.is

Schlechte und gute Nachrichten für Julian Assange

Christian Müller /  Seit bald zehn Jahren ist Julian Assange eingesperrt und noch immer fordern die USA seine Auslieferung. Aber es gibt News!

Man erinnert sich: Weil er militärische Geheimdaten der USA auf WikiLeaks publik gemacht hatte, fordern die USA schon seit Jahren seine Auslieferung. Sieben Jahre lang konnte sich Julian Assange in der Ecuadorianischen Botschaft in London vor dem Zugriff der Polizei schützen. Nach dem Machtwechsel in Quito von Rafael Correa auf Lenin Moreno im Mai 2017 liess die ecuadorianische Regierung den USA zuliebe Assange aber fallen und entzog ihm das Asyl-Recht in der Londoner Botschaft. Nun konnte er von der britischen Polizei verhaftet werden. Seither sitzt Assange in einem britischen Sicherheitsgefängnis in Einzelhaft. Die USA beharren weiter auf seiner Auslieferung, auch jetzt unter Präsident Joe Biden, um ihn für viele Jahre einkerkern zu können. Julian Assange ist vor wenigen Tagen 50 Jahre alt geworden.

Die schlechte Nachricht: Jetzt hat Ecuador ihm auch noch die ecuadorianische Staatsbürgerschaft, die Ecuador ihm noch vor dem Machtwechsel in Quito zugesprochen hatte, aberkannt – ein weiterer Liebesdienst von Lenin Moreno gegenüber den USA. 

Es gibt aber auch neue Hoffnungen: Die USA zumindest haben ein neues, unerwartetes Problem: Einer der Hauptzeugen gegen Assange, sein früherer «Verbündeter» zu WikiLeaks-Zeiten, Sigurdur Ingi Thordarson, hat eingestanden, dass er zu Assange damals den USA gegenüber Falschinformationen geliefert hat: Es waren klare Lügen, mit denen Thordarson sich selber von Strafen für seine eigene kriminelle Vergangenheit freikaufen konnte, wie das nach US-Recht möglich ist und wie es ihm zu Donald Trumps Zeiten zugestanden wurde. Das berichtet die isländische Zeitung «Stundin».

Wie lange muss Julian Assange noch leiden?

«Assange war sieben Jahre lang in einer Botschaft eingesperrt, ohne einen Fuss nach draussen setzen zu können – eine weitaus extremere Version der Covid-Einsperrungen, die wir alle kurzzeitig ertragen mussten und die die Rate der psychischen Probleme in die Höhe schnellen liessen. Seit April 2019 wird Assange in nahezu vollständiger Isolation gehalten und sogar der UN-Sonderberichterstatter für Folter erklärte, dass seine ‹Rechte seit mehr als einem Jahrzehnt schwerwiegend verletzt› wurden. Die lange Einzelhaft hat dazu geführt, dass Assange nicht mehr in der Lage ist, ‹richtig zu denken› und selbstmordgefährdet ist, was ironischerweise der Hauptgrund für die Verweigerung seiner Auslieferung an die USA ist. Dieses Ausmass an Leid sollte ausreichen, um die Angelegenheit als abgeschlossen zu betrachten und als Botschaft an alle anderen potenziellen Verräter von Staatsgeheimnissen zu senden. Die Tatsache, dass die US-Regierung diesen erbärmlichen Kreuzzug fortsetzt, spricht für den Sadismus, der in Washington seit langem ein überparteiliches Projekt ist und den Joe Biden jahrzehntelang zu seinem Spezialgebiet gemacht hat. Hoffen wir, dass das Projekt scheitert, um eben jenes ‹Anstands› willen, von dem die Establishment-Presse (in den USA) so gerne schwärmt, wenn sie über diesen Präsidenten spricht.»

Das Zitat stammt aus einem ausführlichen Bericht der US-Zeitschrift «Jacobin». Zum Nachlesen des ganzen Berichts hier anklicken.

Welche westliche Regierung macht endlich Druck auf die USA, das Auslieferungsbegehren zu annullieren und den «Fall Assange» menschenwürdig – und auch «demokratiewürdig» – zu beenden? Die Geständnisse Sigurdur Thordarsons, eines Hauptzeugen gegen Assange, wären dazu eine ideale Gelegenheit.


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

Zum Autor Christian Müller deutsch und englisch.
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Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.

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6 Meinungen

  • am 29.07.2021 um 11:38 Uhr
    Permalink

    Ich bin völlig einverstanden mit der Schlussfolgerung, aber sind wir viel besser, wenn auch wir bestimmte Flüchtlinge in den fast sicheren Tod ausliefern? Einzelfälle, wie auch Assange, welche mächtige Kriegsverbrecher und Folterknechte entblösst haben.

    1
  • am 29.07.2021 um 12:21 Uhr
    Permalink

    Menschenverachtend, gewalttätig, dominant, faschistisch wird dieser Mensch von der US Justiz behandelt, welche das Recht als Racheakt missbraucht in diesem Fall. Christen nennen sich die meisten dieser Justizmenschen in den Usa, aber sie sind es oft nicht. Herr Assange sollten alle dankbar sein, er hat Fehler und Kriegsverbrechen aufgezeigt, und durch Bloss-Stellung viel weiteres Leid verhindert. Wo sind die guten Werte für die die Usa einst stand.? War das alles nur Propaganda? Herzlos und unmenschlich wie die Folterungen in Quantanamo. Heute gibts Medikamente damit Menschen die gefährliche Dinge tun die Wahrheit sagen, unter der Folter sagen Menschen nur das, was die Folterer hören wollen. Was ist nur aus den Usa geworden? Eine sehr traurige und lebensfeindliche Elite aus Macht und Geld scheint vom vielen Töten den Verstand verloren zu haben.

    1
    • am 30.07.2021 um 17:15 Uhr
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      Lieber Herr Gubler,
      Sie stellen eine Frage und beantworten sie selbst, und zwar ganz richtig:
      » Wo sind die guten Werte für die die Usa einst stand.? War das alles nur Propaganda? »
      Lesen Sie dazu: «Die Weltbeherrscher» von Armin Wertz. Ihnen werden die Haare zu Berge stehen.
      Interessant auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Henry_Kissinger

      0
  • am 30.07.2021 um 00:05 Uhr
    Permalink

    @Beatus Gubler
    «Christen nennen sich die meisten dieser Justizmenschen in den USA, aber sie sind es oft nicht.»
    Die handelnden Personen in den USA sind gross mehrheitlich Freimaurer. Freimaurer sind keine Christen und wenn einer dies vorgibt, dann höchstens privat…
    Warum: Das Primat des Handelns der Freimaurer ist nicht Nächstenliebe gegenüber der Allgemeinheit. Sie beziehen sich nur auf sich selbst. Ihr Codex ist die Basis für die meisten Sekten. Warum das so ist überlasse ich ihnen herauszufinden… (Tip kath. Kirche = Sekte)
    Assange ist ein Opfer der Freimaurer weil er aufgezeigt, wie man ihre Geheimnisse knacken kann und weil er sie (die selbst ernannten Gott/Über- Menschen) blossgestellt hat.

    Es gab auch Zeiten wo die Freimaurer staatstragend und wenig eigennützig waren. Doch das ist seit über 50 Jahren vorbei. Heute zählt nur noch Geld und/= Macht.

    2
  • am 1.08.2021 um 10:41 Uhr
    Permalink

    Wer sich näher mit den verbrecherischen Handlungen und Einstellungen der Regierungen Schwedens, Grossbritanniens und der USA und der von ihnen wie Marionentten gelenkten Richterinnen (ja, zu allem Elend sind es immer Frauen!!), dem empfehle ich das sehr gut geschriebene und auf gründlichsten Nachforschungen beruhende Buch des (Schweizer) Sonderberichterstatters für Folter, Nils Melzer. Es ist zum Heulen und Zähneknirschen; aber zum Glück gibt es noch solche mutigen, geradlinigen und sich klar äussernde Menschen. Aber eben, die Macht ist in den Händen von Verbrechern!

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  • am 6.08.2021 um 12:38 Uhr
    Permalink

    @Christian Müller

    Leider wird die Amtsbezeichnung von Nils Melzer in deutschspr. Texten meist FALSCH und irrwitzig verfremdend übersetzt. Der Titel lautet «Special Rapporteur on Torture and Other Cruel, Inhuman or Degrading Treatment or Punishment)», demzufolge müsste es korrekt heißen: » UN-Sonderberichterstatter über Folter». Also ÜBER Folter, nicht FÜR Folter.

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