Keine Konsumgesellschaft ohne Containerschiffe – der Preis dafür ist hoch © SWR

Keine Konsumgesellschaft ohne Containerschiffe – der Preis dafür ist hoch

20 Schiffe – so dreckig wie eine Milliarde Autos

Christof Moser / 04. Apr 2016 - Der globale Welthandel funktioniert nur dank Containerschiffen. Eine Dokumentation zeigt die immensen Kosten für die Umwelt.

90 Prozent von allem, was wir konsumieren, wird mit Containerschiffen transportiert. Containerschiffe sind die treibende Kraft des globalen Welthandels. 18 Millionen Container sind jährlich auf den Weltmeeren unterwegs. Mit ihnen werden zum Beispiel Fische aus Schottland zum Filetieren nach Vietnam transportiert, um die Filets dann ebenfalls wieder auf dem Schiff zurück nach Schottland zu bringen. Möglich macht dies die niedrigen Transportkosten, von denen wir auch als Konsumenten profitieren.

Doch die versteckten Kosten dieser Transporte sind enorm. Die 20 grössten Containerschiffe der Welt – betrieben mit Schweröl – stossen mehr Schwefeloxide aus als die Milliarde Autos auf dem Planeten. Und auf den Weltmeeren sind jährlich 60'000 Frachtschiffe unterwegs. Das sind Fakten, die in der Dokumentation «Seeblind – der wahre Preis der Frachtschifffahrt» (hier verfügbar auf Youtube) erstmals einem breiten Publikum zugänglich gemacht werden.

5000 Tonnen Giftmüll landen pro Jahr im Meer

Zum Vergleich: Für den Schiffsbetrieb zugelassenes Schweröl hat einen Schwefelgehalt von 3000 bis 3500 ppm (parts per million). In der EU dürfen Autos maximal 15 ppm Feinstaub-Ausstoss haben.

An den Klima- und Umweltkonferenzen ist die Schifffahrt kein Thema – die Lobby der Reeder verhindert erfolgreich, dass ihre Dreckschleudern zum Thema werden. Die Länder mit den grössten Schiffsflotten finanzieren die Aufsichtsbehörde gleich selber.

Zum Schadstoffausstoss kommt die Verklappung – das Reinigen der Schiffe, das jährlich 5000 Tonnen Giftmüll ins Meer spült. Die Havarien von Schiffen und Tankern – im Durchschnitt alle drei Tage ein Untergang, ohne dass die Weltöffentlichkeit Notiz davon nimmt – tun ihr übriges für die fortlaufende Verschmutzung der Meere.

Vom immensen Lärm der Schiffe, der Meeressäugern die Orientierung raubt, noch gar nicht zu reden.

«Wir steuern auf einen Abgrund zu. Wir sind schon sehr nah daran, die Möglichkeiten für unser menschliches Dasein zu zerstören. Das ist eine nahezu unvermeidliche Konsequenz marktwirtschaftlicher Prinzipien», sagt Globalisierungs-Kritiker Noam Chomsky in dieser äusserst sehenswerten Dokumentation.

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Keine.

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4 Meinungen

Sehr schlimm, das muss sofort geändert werden, sonst nimmt die Luft- und Meeresverschmutzung unkontrollierbare Ausmasse an. Ein weiteres Problem, das hier nicht erwähnt ist: Jedes Jahr landen Mio. von Tonnen Plastikabfall im Meer. Am schlimmsten ist die Situation in Indien und Südostasien, wo die Flüsse reinste Kloaken sind, gefüllt mit jeder Menge Abfall der unkontrolliertiert im Meer landet. Eine grosse Gefahr für Fische und Schildkröten.
Alois Amrein, am 04. April 2016 um 19:12 Uhr
Ein weiteres Beispiel wie unfassbar dumm und ignorant die neoliberale Ideologie doch ist die alles, alle i
unsere Lebensbereiche nach Profit, Verlust, Preis geordnet haben will. Wie wirklich unerträglich dumm das doch ist wenn externalisierte Kosten in keiner Bilanz ihr Echo finden.

Das ganze ist so dermassen dumm das man glaubt voll belegte Spitäler sind eine Errungenschaft (die genauso blöde nur in den Bilanzen und Finanztickern gefeiert werden sonst nirgends) anstatt diese möglichst leer zu bekommen. Mit staatlich regulierten Lebensmitteln, Gesundheit, Lebenstil anstatt liberalisierten Tiefstpreisindustrielebensmitteln die gruusiger und billiger kaum sein können.

Erinnert man sich das einst die ILO für die Ausarbeitung der Globalisierung gewählt wurde und diese dann durch das MAI und dies widerum durch die WTO ersetzt wurde versteht man auch wie ausserordentlich primitiv liberalisierte Märkte sind.

Durch das erhebliche Misstrauen aller Teilnehmer die zu allem Unfug auch noch pervertiertem Zwangsdauerwettbewerb ausgesetzt werden ist eine gigantische Bürokratie nötig geworden. Diese Mess- Kongroll- Strafsysteme ersetzen einstiges Wohlwollen und Wertschätzung aller... trotz Konkurrenz was nicht das gleiche ist wie totalitärer Wettbewerb.

Die Kollateralschäden die durch liberalisierte Märkte völlig gratis ermöglicht werden sind ein hoher Preis der sich u.a. stark steigenden psychisch Kranken zeigt die damit nicht mehr gesund leben können.
Uwe Borck, am 04. April 2016 um 19:50 Uhr
Das Verrückte ist, dass ein viel sauberer Betrieb dieser Schiffe problemlos möglich wäre. Die Verteuerung des Transportes wäre unbedeutend. Aber die Spielregeln des freien Marktes bestrafen jeden Reeder, der auch nur ein kleines bisschen in ökologischere Schiffe investiert.
Auch wenn die Schweinerei in internationalen Gewässern stattfindet, könnten Akteure wie die EU oder die USA durchaus Einfluss nehmen. Grenzwerte für Schiffe, die in irgend einem Hafen der EU verkehren, könnten einseitig in Kraft gesetzt werden. Die Schifffahrtsgesellschaften hätten keine Möglichkeiten zur Umgehung solcher Grenzwerte. Man müsste bloss den Mut haben, das Dogma des freien Handels ein wenig anzutasten.

P.S. Schade, dass der Artikel mit dem unkommentierten Vergleich von Schwefelgehalt mit Feinstaubausstoss Zweifel an seiner Seriosität sät.
Daniel Heierli, am 05. April 2016 um 11:27 Uhr
Für Träumer wie ich gibt es alternative Projekte, z.B den Ecoliner:
http://www.dykstra-na.nl/designs/wasp-ecoliner/
http://windjammer-shipping.de/wordpressde/sv-ecoliner

Ich habe vor 30 Jahren versucht Drachensegel für Frachter zu entwickeln (daraus wurde das Kitesurfen) und schon damals gab es Projekte für moderne Grosssegler z.B. mit dem gezeigten Dynarig. Gebaut wurde mit damit offenbar erst eine Luxusyacht: http://www.dykstra-na.nl/designs/maltese-falcon/

Eigentlich sind grosse Schiffe die weitaus effizienteste Methode, Güter zu transportieren. Auch eine sauberer Motorbetrieb wäre leicht möglich. Es scheitert nicht an der Technik, sondern an der neoliberalen Weltordnung, welche die Kosten der Allgemeinheit und der Natur aufbürdet.
Theo Schmidt, am 06. April 2016 um 14:41 Uhr

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