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Flugblatt des WEF-kritischen Komitees «Davos, wie weiter?»

WEF-Abstimmung: In Davos ist der Teufel los

Kurt Marti / 14. Sep 2018 - Ein Davoser verschickt ein kreatives Schreiben gegen die WEF-Subventionen und erntet auf Facebook von der SVP Pech und Schwefel.

Die SVP Davos ist empört über die Unverschämtheit des «World Economic Forums» (WEF), für die Sicherheit des WEF von jedem Davoser Haushalt 188 Franken Subventionen zu verlangen, obwohl im WEF-Tresor eine Mega-Reserve von 285 Millionen schlummert und obwohl das WEF-Gesamtvermögen 565 Millionen beträgt.

Diese Meldung ist leider falsch. Sie geht anders herum: Die SVP Davos ist empört über eine «WEF Sicherheitskostenabrechnung 2019», die das WEF-kritische Komitee «Davos, wie weiter?» im Hinblick auf die Abstimmung vom 23. September an alle Davoser Haushalte verschickt hat. Darin wird der Davoser Beitrag an die WEF-Sicherheitskosten in der Höhe von rund einer Million Franken auf alle 5425 Haushalte verteilt, was pro Haushalt 188 Franken ergibt.

In einer separaten Medienmitteilung wies der frühere grüne Davoser Gemeindeparlamentarier Rolf Marugg zudem auf die «Sicherheitskostenabrechnung» hin und führte die beiden wichtigsten Argumente gegen die WEF-Subventionen an: Der letztjährige Verkehrskollaps und der prallvolle WEF-Tresor.

Künstliche Aufgeregtheit der SVP

Die «Sicherheitskostenabrechnung» ist auf den ersten Blick als nicht-offiziell erkennbar:

  • Sie wurde nicht in einem offiziellen Umschlag verschickt, sondern als loses Flugblatt.
  • Sie ist nicht persönlich adressiert.
  • Der Absender im Briefkopf lautet auf «Davos, wie weiter?».
  • Die Farben des Davoser Wappens sind falsch.
  • Der Einzahlungsschein lautet auf «Davos, wie weiter?».
  • Am Schluss heisst es fett gedruckt: «Bis zum 23. September haben Sie die Möglichkeit, gegen diese Rechnung ein NEIN in die Abstimmungsurne zu legen».

Was als kreativer Abstimmungs-Prospekt bezeichnet werden könnte, erzürnt die SVP Davos, namentlich Valérie Favre Accola, die im Davoser Kleinen Landrat, der Gemeindeexekutive, sitzt und sich als glühende Anhängerin des WEFs präsentiert. Ähnliche Rechnungen würden «beim Kassensturz als BETRÜGERISCH klassifiziert», und sie warnt: «Dies ist keine RG der Gemeinde und die RG muss NICHT bezahlt werden.»

Und Favre Accola gibt sich besorgt: «Ja, es ist eine FAKE-Rechnung. Aber ob gerade die ältere Generation dies als Fake erkennt, ist nicht sicher ...» Weitere besorgte Facebooklerinnen melden sich: «Dankä vielmal für d Info sus hedsa mini Tochter no zahlt. Da meine Tochter auch erst seit 1.7. in Davos wohnt, sind wir sehr dankbar für solche Infos.» Ein Mann macht sich über die künstliche Aufgeregtheit lustig: «I wett au e Tochter wo mini Rechniga zahlt...»

Kreative SVP-Gemeinschaft

Und so geht es weiter in der Sorge um Neuzuzüger, ausländische Staatsbürger und Personen mit Leseschwächen:

  • «Liebe Valerie, ich danke dir für die für mich als Neuzuzüger wertvolle Info.»
  • «Diese Rechnung bekommen wahrscheinlich auch ausländische Staatsbürger die in Davos wohnen und arbeiten in ihre Briefkästen und könnten mangels Sprachkenntnisse diese für eine offizielle Amtsrechnung halten und darauf reinfallen.»
  • «Ich will nicht wissen, wieviele ältere Personen oder Einwohner mit Leseschwächen diese Rechnung bezahlen!»

Wertvolle Schützenhilfe bekommt die Gemeindepolitikerin und SVP-Grossrätin Favre Accola vom Davoser SVP-Gemeindeparlamentarier Kevin Dieth: «So etwas macht man nicht!!! Shame on you Mr. Marugg!» Zwei andere doppeln nach: «Vollpfosta dä Rolf Marugg» und «Ma chönt am eina inabrenna!!!»

Zudem hat Dieth einen guten «TIPP an alle Einwohner»: «Schreibt Fr. 0.05 auf den Einzahlungsschein und bezahlt ihn am Postschalter ein. Er muss die Gebühren dann bezahlen.»

Worauf ihm Favre Accola antwortet: «Super Tipp! Zusätzlich eine Mitteilung anbringen, dann kostet es noch mehr;-).»

Doch damit ist die Kreativität der SVP-Gemeinschaft noch keineswegs erschöpft. Ein Mann schreibt: «I spenda 5 Stutz... Chan miar öppert 100 Izahligsschii organisiera?» Und SVP-Volksvertreter Dieth antwortet: «Du kannst Sie auch kopieren. Sollte auch gehen. Pro 0.05 Fr Einzahlung werden ca 1.55 verrechnet.»

WEF-Direktor: Immer auf Überraschungen gefasst

Die Empörungswelle gegen die Kritiker der Subventionen für den WEF-Krösus macht keineswegs vor den Toren der SVP halt, denn auch der Davoser GLP-Präsident und Bündner GLP-Grossrat Walter von Ballmoos meldet sich zu Wort: «Bin dankbar, wenn ‹Grün› nicht mit ‹grünliberal› gleichgesetzt wird. Die GLP politisiert progressiv in der Mitte. Die Davoser GLP hat einstimmig die Ja-Parole zur Davoser Sicherheitskosten-Vorlage beschlossen.»

In Davos ist wirklich der Teufel los. Statt über die WEF-Reserven von 285 Millionen zu diskutieren, schlagen sich die SVP-PolitikerInnen mit 5-Räpplern herum. Dabei haben nun sogar die beiden Somedia-Zeitungen «Südostschweiz» und «Bündner Tagblatt» dem WEF-Direktor Zwinggi auf der Grundlage der Infosperber-Recherchen auf den Zahn gefühlt. Zwinggis Schlussfazit zur bevorstehenden Abstimmung in Davos: «Selbstverständlich muss man sich immer auf Überraschungen gefasst machen

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

keine

Weiterführende Informationen

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