Die Banken bleiben unantastbar!

Christian Müller © aw
Christian Müller / 12. Mai 2016 - Milliarden-Verluste, Millionen für die Chefs. Aber noch immer dürfen Banken Geld ausleihen, das sie nicht haben.

Am 10. Mai 2016 schrieb Tommaso Manzin in der «Nordwestschweiz»: «Im April 2008 meldete die UBS allein für das erste Quartal zwölf Milliarden Franken Verlust und Abschreibungen von 19 Milliarden Dollar auf Positionen im US-Immobilienmarkt. Damit erhöhten sich die Abschreibungen auf 40 Milliarden Franken. Die UBS musste im selben Jahr von Bund und Nationalbank gerettet werden».

Tommaso Manzin weiter unten im Text: «Die 2008 ausgebrochene Krise hatte ihren Ursprung im Häusermarkt. Ihren Verlauf aber prägten die Banken. Nicht nur waren sie es, die Hypotheken in komplexe Finanzinstrumente verpackten, die das Geheimnis ihres Werts hermetisch in sich wahrten. Als diese Papiere als toxisch erkannt wurden, waren es wieder die Banken, die damit vollgesogen waren. Kein Institut lieh dem andern mehr Geld, die Notenbanken mussten für Liquidität sorgen, um einen Dominoeffekt und die Kernschmelze im System abzuwenden.»

Ist die Gefahr einer Krise definitiv vorbei?

Keineswegs! Tommaso Manzin weiter: «Bankenkrisen hat es immer gegeben, besonders nach Immobilienkrisen. In der Schweiz zuletzt in den 1990er-Jahren. Doch noch nie waren Banken so hoch verschuldet, noch nie hatten sie also so wenig Eigenmittel im Verhältnis zur Bilanzsumme. Und daran hat sich trotz all den Diskussionen der letzten Jahre wenig geändert. Zum Vergleich: Auf dem KMU-Portal schreibt die Bundesverwaltung, dass in der Schweiz die 450'000 im Handelsregister registrierten Gesellschaften im Schnitt ‹bloss› 25 Prozent Eigenkapital aufweisen. Als gesund gelte eine Quote von 30 bis 60 Prozent eigene Mittel.

Bei den Banken ist der Bund jedoch viel weniger anspruchsvoll. Diese müssen auch nach den neuen Vorschriften bis 2019 Eigenmittel über rund 13 Prozent der risikogewichteten Eigenmittel halten. Setzt man das Eigenkapital einfach ins Verhältnis zur Bilanz, schaut man die Leverage Ratio an, braucht es nur 5 Prozent. Das heisst: Verlieren alle Aktiven 5 Prozent an Wert oder verliert — wie 2008 bei der UBS die Immobilienpapiere — eine einzelne grosse Position prozentual mehr, ist das ganze Eigenkapital ausgelöscht.»

Tommaso Manzin beschreibt dann weiter, dass die Eigenkapitalbasis der Banken in den USA seit 1834 konstant abgenommen hat, und andernorts war es nicht anders. (Der Artikel ist online nicht verfügbar und darf aus Copyright-Gründen hier nicht übernommen werden. Schade.)

Man hat nichts gelernt!

Jeder kleine Fabrikationsbetrieb, der eine neue Maschine braucht, muss mindestens 20 Prozent des Investitionsvolumens selber zur Verfügung haben. Jeder Privatmann, der ein Haus bauen will, muss mindestens 20 Prozent der Gestehungskosten selber einbringen. Nur die Banken dürfen mit Geld spielen, wie sie wollen – mit Geld notabene, das sie gar nicht haben.

Die UBS musste 2008 vom Staat gerettet werden, mit über 60 Milliarden Franken, die eingeschossen wurden. Und wie sind die Verhandlungen zwischen den Grossbanken und dem Staat seither verlaufen, um ähnliche Vorfälle zu vermeiden? Wie zu erwarten war: Die Banken haben sich weitestgehend durchgesetzt. Sie sind in der Kathedrale des Money-Glaubens halt einfach unantastbar. Siehe dazu einen aktuellen Bericht in der «NZZ» vom 11. Mai 2016.

* * *

PS: Dass in dem Zusammenhang einmal mehr von der Vollgeld-Initiative, bei deren Annahme die Banken an eine kürzere Leine genommen würden, kein Wort geschrieben wird, verwundert nicht mehr. Die privaten Medien können sich das einfach nicht leisten. Die Banken sind zu mächtig.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine

Weiterführende Informationen

Empfehlenswert: «Im Würgegriff der Banken» (auf Infosperber)
Sie machen Geld mit Geld, das sie nicht haben (auf Infosperber)
Der nächste Crash ist programmiert (auf Infosperber)

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