Acht Kilo Plastik hinderten diesen Wal an der Nahrungsaufnahme © cc

Warnruf: Wal erwischte acht Kilo Plastikabfälle und starb

Red. / 14. Jun 2018 - In den Weltmeeren hinterlassen heutige Generationen bald mehr Plastikabfälle als Fische. Wo bleiben Verantwortung und Gewissen?

Nach einem fünftägigen Todeskampf starb dieser Wal in Thailand einen grausamen Plastiktod. Im Bauch des Wals steckten über 80 grössere Plastikteile. Der Plastikmüll aus dem Magen des Pilotwals wog über acht Kilogramm.

Der Wal wurde Ende Mai in einem Kanal in der Provinz Songkhla im Süden von Thailand entdeckt. Tierärzte behandelten ihn. Am 1. Juni spuckte er fünf Plastiktüten aus und starb wenig später. «Der Plastikmüll machte den Wal krank und unfähig zu jagen», erklärte die thailändische Behörde für Meere und Küsten.

Bericht über den Plastik-Tod des Wals

Von 1950 bis 2015 wurden 8'300 Millionen Tonnen Plastik produziert. Der grösste Teil davon ist immer noch da. Zwischen fünf und dreizehn Millionen Tonnen Plastikteile gelangen jedes Jahr in die Ozeane, fanden Wissenschaftler in einer Studie. Mikroplastik, das vor allem aus Kleidungsfasern stammt, findet sich mittlerweile in so gut wie allen Oberflächengewässern.

Es sterben viele Meereslebewesen. Kleinste Plastikteile gelangen in die Nahrungskette bis zum Menschen.

Die Hälfte des Plastikmülls besteht aus Verpackungen

Von den nicht-fasergebundenen Kunststoffen, die 2015 produziert wurden, waren 42 Prozent Verpackungsmaterial und haben den globalen Müllberg inzwischen erweitert: Mehr als die Hälfte des weggeworfenen Plastiks im selben Jahr bestand aus Verpackungen, die normalerweise weniger als ein Jahr lang benutzt werden.

Der sichtbare Teil der Plastikabfälle. Der grösste Teil der Kunststoff-Abfälle zersetzt sich im Meer zu Mikroplastik, das in die Nahrungskette gelangt.

Die «NZZ am Sonntag» zitierte am 10. Juni Rudolf Koopmans, Direktor des 2016 geschaffenen «Plastics Innovation Competence Center» an einer Fachhochschule in Freiburg im Breisgau: «Das Prinzip der Industrie war bisher, das Plastik-Problem weiterzureichen – an Konsumenten und die Müllabfuhr.» Die weltweite «Entsorgung» der Kunststoffabfälle illustrierte die Zeitung mit folgender Grafik:

Grafik: NZZ am Sonntag

Koopmans begrüsste eine Verschärfung des Verursacherprinzips durch die EU. Das Ausweichen auf sogenannten Bio-Plastik, wie es die Konzerne Nestlé, Danone und Coca-Cola versprechen, helfe wenig. Fredy Dinkel, Umweltfachmann der Firma Carbotech meinte dazu in der «NZZ am Sonntag»: «Plastik aus landwirtschaftlich angebauten Rohstoffen belastet Böden und Gewässer meist stärker als fossile Kunststoffe.»

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  • Überblick im Infosperber-DOSSIER: «Plastik-Abfälle für die Ewigkeit»

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Eine Meinung

Rudolf Koopmans: «Das Prinzip der Industrie war bisher, das Plastik-Problem weiterzureichen – an Konsumenten und die Müllabfuhr.»

Das Problem an die Müllabfuhr weiterzugeben, ist auch mein Prinzip. Das ist zwar nicht in allen Belangen eine perfekte Lösung, für das hier beschriebene Problem aber immerhin eine taugliche. Manchmal könnte man den Eindruck kriegen, gewisse NGO's wollten vor allem das schlechte Gewissen der Leute bewirtschaften wie weiland die katholische Kirche.
Walter Helbling, am 15. Juni 2018 um 00:21 Uhr

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