Der Ensi-Chef lobt den Atom-Club

Kurt Marti © Christian Schnur
Kurt Marti / 21. Jun 2020 - Der scheidende Chef der Schweizer Atomaufsicht schickte einen letzten Gruss an den internationalen Atomfilz.

Hans Wanner, der langjährige Direktor des Eidgenössischen Nuklearsicherheitsinspektorats (Ensi), tritt am 1. Juli 2020 von seinem Amt zurück. Bereits im November 2019 trat er als Präsident der Western European Nuclear Regulators Association (WENRA) zurück, einem Zusammenschluss der europäischen Atomaufsichts-Behörden.

In seinem Abschiedsgruss an seine internationalen Kollegen sagte Wanner: «Aus meiner Sicht ist der grösste Vorteil von WENRA der Clubcharakter.» Damit traf er den Nagel auf den Kopf. Die europäische Atom-Gemeinde verhält sich tatsächlich wie ein Golf-Club.

Wanner nannte den Atomfilz «Professionalität»

Der Club-Charakter ist Wanners Credo auch bezüglich der Atom-Aufsicht in der Schweiz. Als er vor acht Jahren in seinem Club-Programm davon schwärmte, dass das Ensi seine Aufsichtsfunktion im «Einvernehmen» und «nicht mit Misstrauen» gegenüber den Atomkraftwerk-Betreibern wahrnehme, hielt er den Kritikern des Atomfilzes entgegen: «Man mag dies als Filz bezeichnen, wenn sich das Ensi im Ermessensspielraum bewegt, wir nennen das Professionalität.»

Die drei Geologen Marcos Buser, André Lambert und Walter Wildi schicken dem abtretenden Ensi-Direktor in ihrem Blog einen sarkastischen Gruss hinterher: «In seiner Eigenschaft als Ensi-Direktor und als Präsident der WENRA von 2011 bis 2019, hat Wanner gewiss besondere Verdienste erworben. Denn kein Direktor einer Aufsichtsbehörde hat den institutionellen Filz derart offen repräsentiert und gestützt wie er.»

Am 1. Juli 2020 übernimmt ein neuer Mann die Ensi-Direktion. Er kommt aus dem Departement für Umwelt, Verkehr und Kommunikation (UVEK), das für die Wahl des Ensi-Rats zuständig ist, der den Ensi-Direktor wählt. Der neue Ensi-Direktor heisst Marc Kenzelmann und ist Vize-Direktor des Bundesamtes für Energie (BFE), das Teil des UVEK ist.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Kurt Marti war früher Beirat (bis Januar 2012), Geschäftsleiter (bis 1996) und Redaktor (bis 2003) der Schweizerischen Energie-Stiftung (SES).

Weiterführende Informationen

DOSSIER: Atomaufsichtsbehörde Ensi

Meinungen / Ihre Meinung eingeben

Ähnliche Artikel dank Ihrer Spende

Möchten Sie weitere solche Beiträge lesen? Ihre Spende macht es möglich:

Mit Kreditkarte oder Paypal - oder direkt aufs Spendenkonto für Stiftung SSUI, Jurablickstr. 69, 3095 Spiegel BE
IBAN CH0309000000604575581 (SSUI)
BIC/SWIFT POFICHBEXXX, Clearing: 09000

Ihre Spenden können Sie bei den Steuern abziehen.

Einzahlungsschein anfordern: kontakt@infosperber.ch (Postadresse angeben!)

Eine Meinung

"Denn kein Direktor einer Aufsichtsbehörde hat den institutionellen Filz derart offen repräsentiert und gestützt wie er."
Maurer oder Rösti fallen mir dazu ziemlich spontan ein.
Mag Parteiisch/mein Blickwinkel sein. Dafür schämen tu ich mich aber nicht.
Claude Fontana, am 21. Juni 2020 um 14:46 Uhr

Ihre Meinung

Loggen Sie sich ein. Wir gestatten keine Meinungseinträge anonymer User. Hier können Sie sich registrieren.
Sollten Sie ihr Passwort vergessen haben, können Sie es neu anfordern. Meinungen schalten wir neu 9 Stunden nach Erhalt online, damit wir Zeit haben, deren Sachlichkeit zu prüfen. Wir folgen damit einer Empfehlung des Presserats. Die Redaktion behält sich vor, Beiträge, welche andere Personen, Institutionen oder Unternehmen beleidigen oder unnötig herabsetzen, oder sich nicht auf den Inhalt des betreffenden Beitrags beziehen, zu kürzen, nicht zu veröffentlichen oder zu entfernen. Über Entscheide der Redaktion können wir keine Korrespondenz führen. Zwei Meinungseinträge unmittelbar hintereinander sind nicht erlaubt.