Präsident Trump ernennt John Bolton zu seinem Sicherheitsberater © ard

US-Bolton und Israels Netanyahu wollen Krieg gegen den Iran

Urs P. Gasche / 18. Mai 2018 - Beide inszenierten vor fünfzehn Jahren bereits den Krieg gegen den Irak zum Sturz Saddam Husseins. Jetzt wollen sie Rohanis Kopf.

Historische Vergleiche sind häufig gewagt und unzutreffend. Doch jetzt zeigen sich erschreckende Parallelen zwischen Irak und Iran:

Präsident Trumps Sicherheitsberater John R. Bolton und Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu waren bereits vor dem Einmarsch in den Irak im Jahr 2003 an vorderster Front der Lügner. Beide verfolgten das erklärte Ziel, Saddam Hussein zu stürzen und hatten grossen Einfluss auf den damaligen US-Präsidenten George W. Bush. Heute wollen beide das «Regime der Mullahs» stürzen und haben einen grossen Einfluss auf Donald Trump.

Seit Monaten führen die USA und Israel einen Propagandakrieg gegen den Iran – wie damals gegen Saddam Hussein. Die Bedrohung des Irans wird masslos übersteigert. Die Unterstützung von Terroristen aller Art wird medienwirksam angeprangert, während von Saudiarabien keine Rede ist, das fundamentalistische Islamisten weltweit unterstützt.

Eine wirtschaftliche Blockade Irans – wie damals die Sanktionen gegen den Irak – soll in Teheran den Hardlinern Auftrieb geben und zu Massenprotesten gegen die Verknappung und Verteuerung der Güter führen. Beides kann einen Vorwand liefern, damit Israel und die USA militärisch versuchen, einen «Regime Change» zu erzwingen und dem Land zur «Freiheit» verhelfen.

«Erschreckende Parallelen» zwischen dem Vorgehen vor dem Einmarsch im Irak und den heutigen Kriegsvorbereitungen hat das ARD-Magazin «Monitor» am 17. Mai 2017 aufgedeckt.

Sicherheitsberater John R. Bolton in Fox News, nachdem Präsident Trump das Atomabkommen gekündigt hatte: «Wir müssen dieses gefährliche Regime stoppen.»

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Kurz vor dem US-Austritt aus dem Atomabkommen mit dem Iran legt Israels Premierminister Netanyahu «Beweise» vor, dass der Iran weiter an Atombomben arbeitet.

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Netanyahu bezichtigt Iran der Lüge.

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Professor Götz Neumeck vom Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik widerspricht: «Der Iran hat in die umfassendsten Inspektionen eingewilligt, die es in einem Nicht-Atombomben-Staat je gegeben hat.» Die Internationale Atomenergie-Agentur IAEA bestätigte wiederholt, dass sich der Iran an das Abkommen hält.

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John R. Bolton im Jahr 2015 in der «New York Times» über den Iran: «Die unbequeme Wahrheit ist, dass nur militärische Aktionen zum Ziel führen.»

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Benjamin Netanyahu im Jahr 2002, dem Jahr vor dem US-Angriff auf den Irak: «Wenn Sie Saddam beseitigen, garantiere ich Ihnen, es wird enorme positive Auswirkungen auf die ganze Region haben.»

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John R. Bolton als Unterstaatssekretär im US-Aussenministerium im Jahr 2002: «Trotz der Sanktionen der UNO hat der Irak weiterhin ein aggressives Atom- und Chemiewaffenprogramm.»

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Bolton am 1. Juli 2017: «Ich sage Ihnen seit zehn Jahren: Die Politik der USA sollte zum Ziel haben, das Mullah-Regime im Iran zu stürzen.»

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Das ARD-Magazin «Monitor» weist am Schluss auf die gegenseitige Aufrüstungsspirale hin und meint:

«Es gibt keine einfachen Lösungen. Aber ein Regime-Wechsel mit militärischen Mitteln? Vor fünfzehn Jahren endete das im Desaster. Es ist schwervorstellbar, dass es diesmal anders wäre.»

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Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine

Weiterführende Informationen

Zum Beitrag von ARD-Monitor vom 17. Mai 2017: «Ende des iranischen Atomdeals? Militärische Eskalation mit Ansage»
Muslim-Hasser Bolton ist «grossartig für Amerika» (Auf Infosperber)

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8 Meinungen

Tja, wenn das die Herren Bolton und Netanjahu wollen, dann muss das die übrige westliche Welt auch wollen. Echt widerwärtig.

Wie zum Teufel kann man die bloss stoppen? Ich möchte mal wirklich sehen, dass sich jemand Gedanken darüber macht und Beispiele aufzeigt, wie man solche Kriegstreiber stoppen kann! Ich weiss wirklich keine.
Marianne Mäder, am 18. Mai 2018 um 14:16 Uhr
Hätten alle Journalisten das Buch von Zbigniew Brzezinski, «Die einzige Weltmacht» gelesen, wüssten sie, dass hier eine in den 80er- und 90er-Jahren sorgfältig geplante Agenda weiter ausgeführt wird, die einzig zur Stärkung und Erhaltung der Hegemonialmacht USA/Israel entworfen wurde. Irak: erledigt. Libyen: erledigt. Syrien: in Arbeit. Iran: im Visier. Nordkorea: in Arbeit. China: in Arbeit.

Das «The Project for the New American Century (PNAC)» und die damit verbundenen geplanten Militärausgaben in den USA sind die «Ausführungsbestimmungen», um der Agenda, wie sie Brzezinski vorgelegt hat, zum Erfolg zu verhelfen.

Ich verstehe echt nicht, wie naiv die westlichen Journalisten, vor allem bei den Mainstream Medien, mit dem ganzen Themenkreis umgehen.
Elisabeth Heer, am 18. Mai 2018 um 14:55 Uhr
Die Frage bleibt immer die gleiche: Wie lassen sich solche Verrückte stoppen? Gegen den Irakkrieg haben weltweit über 10 Millionen Menschen demonstriert. Genutzt hat das nicht. Wir brauchen eine weltweite Initiative. Wo gibt es die Ansätze dazu?
Michel Mortier, am 18. Mai 2018 um 15:17 Uhr
Lieber Herr Gasche, danke für Ihren Artikel, ich bin voll Ihrer Meinung. Während die israelische Armee an der Grenze zu Gaza Zivilisten abschlachtet, welche gegen die gezielte Provokation der Verlegung der US-Botschaft nach Jerusalem protestieren, planen Netanyahu und Trump einen Angriffskrieg auf den Iran, wie seinerzeit Bush auf den Irak. Die USA und Israel sind momentan die grösste Gefahr für eine weitere Eskalation im Nahen Osten. Damit soll die Rolle der Türkei und von Russland in Syrien nicht verniedlicht werden.
Schlimm finde ich, dass es auch in der Schweiz Kreise aus der rechtsnationalistischen Ecke gibt, die eine Verlegung der Schweizer Botschaft nach Jerusalem fordern, federführend sind die religiös-fundamentalistische EDU und natürlich Teile der SVP. Dümmer ist schwierig.
Alois Amrein, am 18. Mai 2018 um 22:24 Uhr
Mich irritiert folgender Satz:
"Eine wirtschaftliche Blockade Irans – wie damals die Sanktionen gegen den Irak – soll in Teheran den Hardlinern Auftrieb geben und zu Massenprotesten gegen die Verknappung und Verteuerung der Güter führen."
Sollen damit Menschen im Iran, die sich gegen die religiös verbrämte Gewaltherrschaft wehren, als «Hardliner» verunglimpft werden?

In vielen Punkten bin ich ja mit dem Artikel und den Kommentaren völlig einig: Das Vorgehen von Trump, Bolton, Netanyahu & Co ist brandgefährlich und dumm. Das macht aber das Regime in Teheran noch lange nicht zu menschenfreundlichen Friedensstiftern.

Wäre das denn intellektuell so schwierig zu bewältigen? Zu begreifen, dass in einem Konflikt, wenn die eine Seite böse ist, die andere Seite durchaus auch böse sein kann? Muss man immer gleich Partei für eine Seite ergreifen? Oder mit Mani Matter: Es kommt sogar recht häufig vor, dass «E Löl, e Glünggi, e blöde Siech un e Sürmel» einander «uf e Gring» geben.
Daniel Heierli, am 21. Mai 2018 um 16:52 Uhr
@Heierli. Vielleicht ist der Satz zu wenig klar formuliert. Gemeint sind die Hardliner der Mullahs. Bekanntlich gibt es im Iran eine intensive Auseinandersetzung zwischen gemässigten und fundamentalistischen Lagern. – Der Boykott führt zu wirtschaftlichen Engpässen, welche Massenproteste verursachen können. Diese wiederum werden – wie es andernorts der Fall war – zum Vorwand, eine illegale Einmischung vom Ausland mit zu rechtfertigen. Im Völkerrecht sind Gewaltherrschaften keine Rechtfertigung für militärisches Eingreifen der USA oder der Nato oder einer andern Grossmacht.
Urs P. Gasche, am 21. Mai 2018 um 17:06 Uhr
Unheimlich, aber wahr, die Parallelen zum Ūberfall auf den Irak 2003.
Und ausserdem verpassten die USA dem Iran schon im Jahr 1953 einmal einen Regime-Wechsel.
Ich hatte Brzezinki schon zwei Jahre vor 9/11 gelesen und wundere mich seither nur noch ūber die offiziellen Berichterstattungen. Gottseidank gibt es bessere als die offizielle, jedoch die grosse Mehrheit der Bevölkerung betet immer brav nach, was ihnen Mainstream predigt.
Danke für den Beitrag von „Monitor“.
Ruth Obrist, am 21. Mai 2018 um 20:45 Uhr
@ Urs P. Gasche: Ja, so gelesen macht es Sinn. Im inneriranischen Machtkampf profitieren die fanatischsten Amerika-Gegner. Das Kalkül mit den Massenprotesten hingegen ist nicht aufgegangen, und dürfte auch künftig kaum aufgehen. Das Regime hat die Demonstranten ziemlich unter Kontrolle.
@ Ruth Obrist: Interessanter Hinweis auf den Sturz von Mossadegh! Die Interventionen der USA sind immer wieder fürchterlich in die Hose gegangen, so dass am Ende nicht einmal die USA ihre eigenen egoistischen Ziele erreichen konnten...
Daniel Heierli, am 23. Mai 2018 um 13:27 Uhr

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