Corona beschleunigt die unausweichliche Deglobalisierung

Niklaus Ramseyer © Ramseyer
Niklaus Ramseyer / 08. Jun 2020 - Wache Leute hatten die Globalisierung schon lange als gefährliche Sackgasse erkannt. Die Corona-Krise zeigt, wie recht sie haben.

… ou un amant, ou une maladie, ou une crise. (Foto: N. Ramseyer)

An Niveau-Bahnübergängen in Frankreich sieht man noch heute etwa das Schild mit der Warnung: «Un train peut en cacher un autre» (Hinter einem Zug kann sich ein zweiter verstecken). In unserem westlichen Nachbarland hat der pfiffige Volksmund die Formel längst zum geflügelten Wort variiert. Etwa so: «Un amant peut en cacher un autre.» Oder: «Une maladie peut en cacher une autre.» (Hinter einem Liebhaber kann sich ein zweiter verstecken. Oder: Hinter einer Krankheit kann sich eine andere verstecken.) Aktuell gilt das konkret bei jenen «vorerkrankten» älteren Leuten, die «an» oder «mit» Corona gestorben sind.

Vor allem aber gilt gerade generell: «Hinter einer Krise können sich gleich mehrere andere verstecken.» So wird die Corona-Pandemie zusehends zu einer wirtschaftlichen Krise – und dahinter verstecken sich einschneidende politische, ökologische und gesellschaftliche Probleme.

Corona überdeckt akut gravierendere chronische Gefahren

Die Bahnschranke ist in vielen Ländern noch halb unten. Wenn sie aber wieder ganz hoch geht und der Corona-Zug weg ist, lauern dahinter gleich mehrere und langfristig viel gefährlichere Probleme: Vorab die Klimaerwärmung. Sie ist eine Folge der fast total(itär)en, neoliberalen Profit-, Wachstums- und Verschleiss-Wirtschaft. Deren Verteidiger hatten nun schon fast gehofft, diese Probleme könnten vom Tisch sein – oder doch weg vom Bildschirm: «Keiner will mehr was von Greta wissen!» Entsprechend hat hierzulande die FDP zusammen mit Teilen der SVP und der CVP in der Corona-Sondersession noch mal Milliarden unserer Steuergelder dem Flugverkehr ohne klare Auflagen zugeschanzt. Die FDP meint, das Wichtigste sei nun das «Wiedergewinnen weltweiter Bewegungsfreiheit». Die NZZ freut sich: «Langfristig dürfte die Luftfahrt eine Wachstumsbranche mit hoher Wettbewerbsintensität bleiben, denn global erreichen immer mehr Menschen ein Wohlstandsniveau, das ihnen Geschäfts- und Ferienreisen ermöglicht.» Kurzum: Mit staatlichem Nachbrenner bald schon weiterfliegen wie zuvor!

Der Freisinn will weiter fliegen, weiter ausbeuten und weiter profitieren wie zuvor

Dass vorab der Freisinn mit allen Mitteln bis zu faktisch nutzlosen Alternativen (Bundesrätin Keller-Suters «Gegenvorschlag») versucht, die dringend nötige Konzernverantwortungs-Initiative zu bodigen, geht ins selbe Kapitel: In rohstoffreichen Ländern des Südens der verarmten, lokalen Bevölkerung das wenige, was sie noch hätte, verantwortungslos bis gewaltsam wegbaggern und mit fast steuerfreien Milliarden-Gewinnen in den Norden schaffen? Nur immer weiter so! Freihandel auch mit Palmöl aus entfernten Weltgegenden (Malaysia und Indonesien) ist wichtiger, als der Schutz des dort rasant endgültig zerstörten Regenwaldes. Und dies wiewohl es hierzulande doch alternative Landwirtschaftsprodukte (Rapsöl, Butter) gäbe. Wurstegal: Nur immer weiter so!

40'000 Flugzeuge in der Luft – 10'000 Containerschiffe auf den Meeren

Nur immer weiter so? Konkret würde das heissen, dass bis 2040 an die 40'000 Flugzeuge rund um den Globus fliegen würden, dass Millionen von Sattelschleppern immer mehr Waren über alle Kontinente hin und her führen und dass bald mehr als 10'000 riesige Containerschiffe über Tausende von Meilen die Weltmeere durchpflügen würden.

Diese Schiffe sind inzwischen bis 60 Meter breit und fast 400 Meter lang. Sie können 25'000 Container-Einheiten (TEU) laden und erreichen eine Tragfähigkeit (tdw) von 200'000 Tonnen. Angetrieben werden sie durch extrem langsam laufende (unter 100 Touren/Min) Zweitakt-Dieselmotoren der Marke Wärtsilä-Sulzer von der Grösse eines Wohnblocks. Sie liefern 80'000 kW (107'000 PS) Leistung. Für 2 Meter Fahrt des Schiffes verbrauchen diese Riesen-Triebwerke 1 Liter fossilen Treibstoff.

«Viel zu viel herumgefahren und herumgekarrt»

Die schwimmenden Kolosse sind das Sinnbild der enthemmten, globalen Verkehrs- und Transport-Wirtschaft. Sie wächst seit Jahrzehnten viel schneller als die produzierende Realwirtschaft: Wie genau, das zeigt die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) gestützt auf WTO-Zahlen: Die weltweite Warenproduktion hat zwischen 1960 um den Faktor 7,3 (+ 625 Prozent) zugenommen. Gleichzeitig vervielfachte sich der transnationale Handel (Warenexport) jedoch von 1 (1960) auf den Wert 19,7 (+1874 Prozent).

Das bedeutet: Statt (lokal) produziert und konsumiert, werden die Waren immer mehr (weltweit) herumtransportiert. Auf Kosten der zusehends geschädigten Umwelt – die sich aber kaum je in den Transportpreisen niederschlagen. Und mit absurden Auswüchsen: So wird gerade Buchenholz aus Wäldern im Berner Mittelland in Containern nach China exportiert. Und der Transport dieser Container bis Basel kostet mehr, als von dort bis nach Schanghai.

Der Berner SVP-Bundesrat Adolf Ogi hatte als Schweizer Verkehrsminister vor Jahrzenten schon vor derlei Irrsinn kurz und knapp gewarnt: «Äs wirt iifach vil z viel desume gfahre u desume gcharet!» (Es wird einfach viel zu viel herum gefahren und herum gekarrt.) Seither haben gescheite Leute immer wieder und immer eindringlicher ähnliche Warnungen formuliert. Umsonst: Es ging unter dem Schutz der Welthandelsorganisation (WTO) nur immer weiter so – und immer schneller.

Globalisierung ist ein Koloss auf tönernen Füssen

Bis nun Anfang Jahr ein kleines Virus eine eher grosse Eisenstange ins Getriebe dieses wahnwitzigen Welthandels rammte – und das Ganze jählings zum Stillstand kam. Da zeigten sich sofort mehrere Fakten:

1. Die kommerzielle Globalisierung hat im Stresstest versagt: Handelsketten rissen sofort und legten in der produktiven Wirtschaft ganze Konzerne lahm (VW mit 600'000 Beschäftigten in Deutschland etwa). Regional ausgerichtete Firmen mit hoher «Fertigungstiefe» (Produktion im Haus statt modisch «outgesourced» vom billigsten Anbieter) hingegen hatten kaum Probleme. So etwa der Erntemaschinen-Fabrikant Grimme in Damme (Oldenburg, D): Die 2700 Angestellten der ehemaligen Dorfschmiede mussten nie in Kurzarbeit gehen, weil Grimme 85 Prozent der Teile seiner Kartoffel-Vollernter im Haus produziert.

2. Der beste und faktisch einzige Handlungsraum für wirksame Gegenmassnahmen ist in der Krise immer noch der Nationalstaat. In der zuvor schon angeschlagenen Brüsseler EU (Brexit, Ungarn) ging jedenfalls gleich der Krach jeder gegen jeden los. Auch gingen (Freizügigkeiten hin oder Freihandel her) alle Grenzen sofort zu. Alle Mitgliedstaaten nutzten ihre Spielräume der halt (und zu ihrem Glück) doch noch nicht so zentralistisch-mächtigen EU optimal. Und jetzt streitet man sich in Brüssel um 750 Milliarden Euro zur Wiederankurbelung der gebremsten Wachstumswirtschaft.

In der eigenständigen Schweiz hatte der Bundesrat die Lage erst recht rasch im Griff – und die Bevölkerung weitgehend hinter sich. Mit Notmassnahmen und Finanzhilfen (bis 100 Milliarden Franken) haben die öffentlichen Hände entschieden und wirksam agiert, reagiert und regiert. Der kleinräumige überschaubare Rahmen unseres direktdemokratischen Kleinstaates erwies sich als erstaunlich krisenresistent.

3. Das transnationale Konzept «Sicherheit durch Kooperation» entpuppte sich hingegen als Fata Morgana: In der Not hat man nur, was man hat – helfen tut einem kaum einer. So rächte es sich, dass hierzulande die Alkoholverwaltung (EAV) Anfang 2018 leichtsinnig privatisiert und grosse Aethanol-Vorräte erst kürzlich kurzerhand verscherbelt worden waren: Die Behörden in Bern mussten in der Corona-Krise nun durchsichtig behaupten, Masken und Desinfektion nützten wenig. Die vom Virus bedrohte Bevölkerung solle lieber «Hände waschen und Abstand halten». Aber die Behörden lernen kaum dazu. Immerhin: Dieselben Deregulierungs-Politiker, welche schon die EAV privatisiert und beschlossen haben, einen Teil der staatlichen Rüstungsfirma RUAG inkl. den Bereich Ammotec (Munition) mit Firmen in mehreren Ländern zu privatisieren, sind jetzt wenigstens am Überlegen, ob sie wirklich auch die Ammotec Schweiz in Thun privatisieren wollen. Ein Staat, der selber keine Munition mehr fabrizieren will und kann, dem nützt im Notfall auch kein Gewehr und letztlich keine Armee mehr etwas.

4. Kurzum: Alle freisinnigen und sonstwie rechten Ideologen, die zuvor während Jahrzehnten das garstige Lied von der Privatisierung sangen (weil der Staat ja nichts und die Privaten alles besser könnten), mussten nun offenen Mundes zusehen, wie die Privaten gegen das Virus fast nichts können (ausser eventuell schnöde mit Wucher-Preisen für Masken und Desinfektionsmittel oder mit schlauer Finanz-Spekulation auch vom weltweiten Unglück noch zu profitieren) – während «der Staat» fast alles musste. «Staatliche Beihilfen», wie sie die EU der Schweiz erst gerade noch mit ihrem ohnehin unnötigen und nun wohl definitiv toten «Rahmenabkommen» weitgehend verbieten wollte, gab es nun plötzlich (Ausnahmeklauseln entsprechend) für alles und jeden. Peinlich dabei: Selbst einige jener oberschlauen Privatunternehmer, die zuvor vermittels «Optimierung» jahrelang möglichst keine Steuern zahlen (und also unsere solide Schweizer Infrastruktur möglichst gratis nutzen) wollten, standen «in Bern oben» nun plötzlich an, um sich von diesen «verhassten» Steuern auch noch ein wenig staatliche Beihilfe in der Not zu ergattern.

Zum Seebergsee ins Diemtigtal statt auf die Seychellen im Indischen Ozean

Das war alles interessant, unerwartet und neu. Wie auch viele Reaktionen führender Politiker: Plötzlich wurde fast allen klar, dass vorab für das Gesundheitswesen wohl vieles gescheiter wieder in der Schweiz produziert würde, als im fernen China oder in Indien. Dass zudem gleich mehrere BundesrätInnen ihre Landsleute eindringlich dazu aufrufen könnten, doch ihre Ferienreisen möglichst in der Schweiz zu planen, wäre vor nur fünf Monaten noch undenkbar gewesen: «Wettbewerbsverzerrung! Unerlaubte propagandistische Staatsbeihilfe! Nationalismus und Chauvinismus!» So hätten von der NZZ über den Freisinn bis zu den Grünliberalen alle Marktgläubigen gepoltert. Und der globalisierte rechte SP-Flügel hätte in den Chor der bürgerlichen Deregulierer eingestimmt: «Abschottung à la Blocher – geht gar nicht!»

Statt auf die Seychellen fliegen...

… per Postauto und zu Fuss zum Seebergsee (Fotos: proxy-image)

Jetzt aber ruft sogar Wirtschaftsminister Guy Parmelin (SVP,VD) dazu auf, möglichst Schweizer Produkte (aus der Region für die Region) zu bestellen und hiesige Dienstleister zu berücksichtigen. Dabei stand lange vor Corona schon fest, dass jenen gestressten Landsleuten, die sich auf einem Ausflug zum malerischen Seebergsee im Diemtigtal nicht erholen können, auch der Langstreckenflug auf die Seychellen (oder gar bis nach Bali) kaum mehr helfen kann. Fest steht erst recht: Globalisierter Unfug, wie der Export jenes Schweizer Holzes, das wir hierzulande als nachhaltigen Energie- und Baustoff selber bestens nutzen könnten, bis ins ferne China kann keine Zukunft haben. Und wir warten auf den Aufruf oder gar Entscheid der Landesregierung zur vermehrten Verwendung inländischen Holzes – das zur Hälfte (5 Millionen Festmeter jedes Jahr) immer noch ungenutzt in den Wäldern hierzulande verfault.

Waschmaschine aus Büron, statt aus Quingdao

Aber das Umdenken hat begonnen: Dank und nach Corona sind nun Begriffe wie «Deglobalisierung» und «Relokalisierung» in aller Munde. Es geht nicht darum, sofort alles Schädliche, Unsinnige und Unnötige zu «verbieten», wie die Raubbau-Globalisierer als Totschlagargument etwa unterstellen: Es geht nur darum, vorerst die schlimmsten Auswüchse zu bremsen – wie etwa (vermittels Volksinitiative) weltweit operierende, verantwortungslose Rohstoffkonzerne. Und langfristig tendenziell zurückzufinden zu kurzen Transportwegen und zur Nutzung einheimischer und lokaler Ressourcen und Fertigkeiten.

Mit dem Fernziel: Was wir lokal gut brauchen können, sollten wir besser nicht exportieren – und was wir selber machen können, eher nicht importieren (Inländervorrang). Ferien in der Schweiz sind ein Anfang dieser neuen Tendenzen. Die nachhaltig-solide neue Waschmaschine von Wyss Mirella aus Büron (LU) oder von Huwa aus Gontenschwil (AG) statt eines etwas günstigeren Haier-Produkts aus Quingdao (China) ginge in dieselbe neue Richtung. Der Grundsatz möglichst kurzer Transportwege sollte sich aber auch innerhalb grosser Staaten zusehends durchsetzen.

Deglobalisierung ist alternativlos

Dennoch: Der Supertanker Weltwirtschaft lässt sich so schnell (wie es wegen Corona allerdings temporär nun doch geschehen ist) nicht stoppen. Aber seinem Riesendiesel etwas Schub wegzunehmen und sanft Ruder zu legen für einen neuen Kurs in Richtung Nachhaltigkeit und Respekt vor der Umwelt, ist bestimmt dringender, als jene «Wiederherstellung weltweiter Bewegungsfreiheit», von der die FDP eher partikular schon wieder träumt.

Konkret politisch bedeutet das Verzicht auf immer neue Freihandelsverträge (für den Import auch noch von Rindfleisch aus Argentinien oder von Palmöl aus Raubbau in Indonesien), und stattdessen Rückgewinnung der Souveränität über Importe und Exporte. Und ja, dies auch vermittels staatlicher Beihilfen (zur Förderung) und Zöllen (zum Schutz), welche uns die «ökologisch und sozial blinden» (Strahm) internationalen Gebilde WTO und EU immer noch verbieten möchten. Immerhin: Das Ansinnen des Bundesrats und der FDP, nun auch noch die Zölle auf Industrieprodukten abzuschaffen, hat der Nationalrat soeben zurückgewiesen.

Mit Vollgas in die Sackgasse und ungebremst gegen die Wand

Langfristig ist eine weitgehende Deglobalisierung jedenfalls «alternativlos». Der Ruf nach einem «intelligenten und solidarischen Protektionismus» ertönt in Frankreich etwa schon länger. Auch Handels- und Wirtschaftszeitungen weltweit thematisieren nun die «Relokalisierung» (Rückverlagerung) der Produktion. Teils nur unter engem, betriebswirtschaftlichem Blickwinkel (Es könnte sich lohnen). Zusehends aber auch mit breiterem Blick auf die fatalen Folgen der Globalisierung für die Umwelt und die Lebensgrundlagen sowie auf die rasch schwindenden endlichen (nicht erneuerbaren) Ressourcen.

Der englische Philosoph John Gray nennt darum die Corona-Krise einen «Wendepunkt». Er hat am 1. April im «New Statesman» in einer grundsätzlichen Analyse gewarnt, sonst werde die endlos wachsende, globalisierte Wirtschaft «den Planeten in eine Müllhalde verwandeln».

Gray stellt fest: Mit zunehmender Globalisierung habe auch das Risiko der Ausbreitung gefährlicher Krankheiten zugenommen. Er schreibt: «Für globale Probleme gibt es nicht immer eine globale Lösung.» Denn die Idee, dass diese Krise durch einen «nie dagewesenen Ausbruch internationaler Kooperation gelöst werden könnte», habe sich «als Wunschdenken in der reinsten Form» erwiesen. Die Corona-Krise habe ganz im Gegenteil gezeigt: «Der Nationalstaat ist zunehmend die stärkste Kraft, um in solchen Zeiten breite Gegenmassnahmen zu organisieren». Generell habe «die Globalisierung ihren Höhepunkt überschritten». Wie auch «der Glaube, dass der Mensch nicht mehr Teil der natürlichen Welt sein müsse, sondern sich ein autonomes Ökosystem unabhängig von der Biosphäre schaffen könne». Gray dazu: «Covid-19 zeigt uns gerade, dass das nicht geht.»

Das schert die unbelehrbaren Wachstums-Wirtschafter in den Chefetagen weltweit ebenso wenig wie hierzulande die NZZ oder den politischen Freisinn: Wie jugendliche «Autoposer» spielen sie vor der nun schon halboffenen Corona-Schranke nervös in ihren Mercedes-, BMW- oder Bentley-Limousinen mit dem Gaspedal, um dann hinter dem abgefahrenen Corona-Zug hindurch gleich weiter hinein in die Sackgasse namens Globalisierung zu rasen – und an deren bitterem Ende ungebremst gegen die Wand.

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Nachtrag der Redaktion:

In Anbetracht der sehr unterschiedlichen Grössen der europäischen «Nationalstaaten» – San Marino mit 33'000 Einwohnern, Deutschland mit 83 Millionen – , der teilweise sehr grossen innerstaatlichen Distanzen – von Malmö nach Kiruna in Schweden sind es 2500 km – und der sehr unterschiedlichen Strukturen – Finnland mit 18 Einwohnern pro Quadratkilometer, die Niederlande mit über 500 – ist der «Nationalstaat» als Regelungsraster für eine Relokalisierung der Wirtschaft umstritten. Der ehemalige Infosperber-Autor Philipp Löpfe plädiert zum Beispiel für ein «Europa der Regionen».

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Weitere Artikel zu diesem Thema auf Infosperber:

- DOSSIER: "Führt Wachstum zu Glück oder Crash"

- DOSSIER: "Pro und contra Freihandelsabkommen"

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine

Weiterführende Informationen

Seychellen
Seebergsee
Un train peut en cacher un autre

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11 Meinungen

Ihre Worte in Gottes Ohr, Herr Ramseyer! Ich freue mich schon auf die Stellungnahme von Frau BR Keller-Suter und SR Ruedi Noser! Am besten in der NZZ.
Zu den kritisierten Globalisierungsvisionen habe ich noch eine Ergänzung. «Die Natur lässt exponentielles Wachstum zu, aber Knappheit und Seuchen korrigieren immer». Das können wir seit Darwin wissen. Alles wächst, nur der Planet nicht!
Aber sämtliche mir bekannten liberalen Wirtschaftstheorien basieren auf Wachstum. Auch die 8 Milliarden Menschen sollen auf 12 Milliarden wachsen, alle in Glück und Vollbeschäftigung und mit intakter Umwelt und stabilem Klima. Mit Atombomben schaffen wir nicht rentable Populationen leicht weg, wenn es kritisch werden sollte. Wie wir gegen lästige Wachstum bremsende Viren vorgehen, daran studieren wir gerade noch. Die Lösung kennen wir, aber sie verspricht noch keine Gewinne.
Walter Schenk, am 08. Juni 2020 um 12:53 Uhr
Die Krise als Chance

Wie man zufriedenstellend wirtschaften könnte ohne Wachstumszwang als Antrieb, das wurde zwar schon öfters in kleinem Massstab durchexerziert, in Klöstern etwa, in quasi utopischen Ansiedlungsprojekten, bei Urvölkern. In grossem Massstab hingegen haben wir es noch nicht gelernt. Vielmehr wurde in jeder Krise einfach so schnell wie möglich wieder Wachstum angekurbelt (oder dann, wie im Sowjetkommunismus, die
Schraube angezogen).

Der gegenwärtige globale Abschwung mit seiner Vielzahl von Quarantänemassnahmen, die lokalen Stillstand zur Folge haben, bietet nun Anschauungsunterricht für ein „Wirtschaften ohne Wachstum“. Was wir daraus für Erfahrungen ziehen, wird für die Zukunft nicht gleichgültig sein. Wird man wieder zur gedankenlosen Vielfliegerei zurückkehren, nachdem man gelernt hat, mit den vielfältigen Kommunikationsmitteln moderner Elektronik zu verkehren? Müssen wir jeden Leerlauf des Massentourismus wieder in Gang setzen, der doch nur die Paradiese zerstört, die er den Teilnehmenden verspricht? Ist soziale „Besitzstandwahrung“ ehrlicherweise überhaupt noch allgemein zu garantieren? Die Triage vor dem Beatmungsgerät ist vermutlich bloss die Spitze eines Berges von Verknappungen, die uns noch bevorstehen werden. Übrigens: Zur Definition von „Intelligenz“ gehört die Fähigkeit, mit neuen Situationen zweckmässig umzugehen.

René Hauswirth, Wiesenstrasse 30, 8700 Küsnacht

hauswirthr@bluewin.ch
René Hauswirth, am 08. Juni 2020 um 14:54 Uhr
Ob dem Autor wohl bewusst ist, dass sich die winzigen Kantone in der Schweiz vor wenigen hundert Jahren noch als Staaten verstanden? Wie dörfisch das Leben damals war, kann man sich kaum mehr vorstellen. Zu Zeiten Marx gab es die Idee die europäische Gesellschaft in Nationen zu spalten und selbst die schwachen Makrostrukturen der Reiche abzuschaffen. Doch mit erhöhter Mobilität und Kommunikation kam die Vergrösserung der organisierbaren Bevölkerungsgrenze. Das zu verbieten aus ideologischen Gründen hat noch jedes mal zu Krieg geführt. Ich bin ganz für Dekarbonisierung. Aber dem Afrikaner erklären warum der Weisse zwar in Südafrika und Australien sein kann, der Schwarze nun aber endlich reicher werdend dann nicht mehr reisen darf, wegen Verschmutzung die die Weissen zuvor hinterlassen haben, das möchte ich nicht erklären müssen; auch nicht den Chinesen. Heute kann man nicht über Globalisierung reden, ohne die China-Afrika Beziehungen. Europa kann sich zurückziehen, wie Qing China das vor 500 Jahren tat. Aber Europa kann dem Rest der Welt nicht verbieten, sich weiter zu vernetzen.
Harald Buchmann, am 08. Juni 2020 um 15:08 Uhr
Die im Artikel enthaltenen Info's finde ich interessant und lesenswert. Für mich stellt sich nur die Frage, ob der Autor irgendwie SVP-lastig ist, was mich doch sehr erstaunen würde. Viele Positionen vertritt - mit vielleicht etwas anderen Worten - ja genau auch die SVP. Dass auf die Positionen der FDP eingedroschen wird finde ich - als ehemaliger FDPler - absolut richtig, auch wenn es nicht einfach DIE FDP gibt, da sind nur bestimmte Wirtschaftsvertreter sehr laut.

Aber wo bleiben den die Cüpli-Sozis und die Grünen (die eigentlich niemand mehr ernst nehmen kann)? Wo bleibt Greta? (Greta who?) Von beiden Gruppierungen hat man in der ganzen Zeit sehr wenig gehört. Einfach abgetaucht oder mit genauso unbrauchbaren, ideologisch verblendeten Ideen, wie sie der FDP angelastet werden, an die Öffentlichkeit gelangt. Fürwahr, stolze Leistungen!

Mich freut, dass die Behörden weit mehr die wissenschaftlichen Fakten als die ideologischen Argumente berücksichtigt haben und entsprechend agiert haben. Ein soooo schlechter Job wurde da nicht gemacht (Fehler können immer passieren). Auch die Schweizer Bevölkerung hat sich sachlogisch richtig verhalten und sich weder von rechten noch linken Ideologen vereinnahmen lassen.

Wenn jetzt nicht der Zeitpunkt gekommen ist, die Globalisierung für die Schweiz in sinnvollere Bahnen zu lenken, wann dann?
Roland Hausin, am 08. Juni 2020 um 18:00 Uhr
Wie meist eine gute Analyse. Aber diese Schlussfolgerung ist zum Heulen. Die «alternativlose» Deglobalisierung ist doch keine Lösung! Denn nicht die Boshaftigkeit der Monopolisten, oder die Gier des Freisinns haben zu diesem Irrsinn geführt, sondern einzig und allein der Zwang zum (kurzfristigen) Maximalprofit. Wie soll denn dieser erzielt werden, wenn man nur im eigenen Gärtli fuhrwerken soll? Wenn überhaupt etwas alternativlos ist, dann ist es ein radikaler Systemwechsel. Statt Marktchaos menschlich vernünftige Planwirtschaft zum Wohle des ganzen Volkes! Auf zu den vereinigten sozialistischen Staaten der Welt!
Paul Jud, am 08. Juni 2020 um 18:54 Uhr
Das Problem ist leider, nur Herr Ramseyer, dass der Nationalstaat gegenüber der Klimakatastrophe machtlos. Deglobalisierung mag die Transportwege verkürzen, aber sie wird die Öl- und Gasförderung trotzdem nicht rechtzeitig genügend drosseln können. Das Problem ist nicht internationale Kooperation und Kommunikation per se, sondern die anhaltende slash and burn Wirtschaft.
Matthias Vogelsanger, am 09. Juni 2020 um 22:17 Uhr
Super!
Ich habe die Abschaffung des Nationalstaates immer für eine blödsinnige Idee gehalten. Man hat jedenfalls in der Schweiz keine schlechten Erfahrungen damit gemacht. Die Franzosen wohl auch nicht. Aber eventuell andere.
Die Wachstumsideologie von immer schneller, immer billiger, immer grösser, immer mehr kam mir vor wie ein Hamsterrad. Ganz besonders Transport und Welthandel funktionieren wie ein Irrenhaus.
Vielleicht ändert sich nun etwas, oder vielleicht bleibt man in alten Ideologien gefangen.
Ruth Obrist, am 09. Juni 2020 um 22:28 Uhr
So wird gerade Buchenholz aus Wäldern im Berner Mittelland in Containern nach China exportiert.

Wer sind die dafür Verantwortlichen? Sind die noch ganz bei Sinnen oder sollte man denen die Verantwortung schlicht nehmen und jemanden abseits der heute üblichen neoliberalen Dogmen einsetzen. Die hiesigen Wälder sind eine einzige riesige ökologische aber eben marktfähige Katastrophe frei zur effizienten Plünderung.

Kriminell ist auch, das Abholzungen nicht als Verlust an Wald deklariert werden obwohl enorme Flächen für Jahrzehnte verheerend aussehen. Verlust an Waldfläche gibt es statistisch nur durch Rodungen die kaum bewilligt werden. So kann man die Bevölkerung über Jahre an der Nase herum führen und erzählen das der hiesige Wald wächst obwohl abgeholzt wird bis zum geht nicht mehr.

Marktfähig muss er sein der Wald genau so wie alle anderen Bereiche unseres Zusammenlebens.
Uwe Borck, am 10. Juni 2020 um 20:07 Uhr
@Schenk: Die Stellungnahmen werden kaum ändern. Dazu braucht es mehrere Krisen: Vielleicht genügen 3, aber vielleicht braucht es 10. Aber die Krisen werden in kürzeren Abständen auftreten und die Menschen werden umdenken (oder verschwinden). Noch haben die Menschen die Wahl, wahrscheinlich.
Markus Ursprung, am 11. Juni 2020 um 09:52 Uhr
Wir bauen ein Haus mit 100% Schweizer Holz (soweit zulässig): synergieplus.ch trotz vielen Herausforderungen.
Markus Ursprung, am 11. Juni 2020 um 10:05 Uhr
Eine gute Ergänzung zu diesem Artikel ist jener in der heutigen NZZ: Ist die Globalisierung jetzt Geschichte?
https://www.nzz.ch/wirtschaft/ist-die-globalisierung-jetzt-geschichte-nzz-global-risk-ld.1560809
Markus Reichmuth, am 12. Juni 2020 um 10:31 Uhr

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