Anti-Falten-Creme faltet höchstens das Portemonnaie
In den meisten Badezimmerschränken stehen sie in einer Reihe: Tagescreme, Nachtcreme, Augencreme. Dazu kommt Anti-Aging-Serum, Make-Up und Sonnenschutz, um die empfindliche Gesichtshaut nicht vor der Zeit knittern zu lassen. Aber bringt das alles auch etwas?
Wenige Fragen treiben Konsumentinnen und auch immer mehr Konsumenten so um, wie die, ob sich Anti-Aging-Produkte wirklich lohnen. Keine ganz banale Frage. Kosmetika dienen weit mehr als der Körperpflege. Wer als attraktiv wahrgenommen wird, ist erfolgreicher, verdient mehr und ist glücklicher. Das bestätigen etliche Studien. «Attraktiv» wiederum heisst landläufig: möglichst frisch und jugendlich. Eine Anti-Falten-Creme ist so gesehen eine Investition ins Lebensglück.
Die sich in den meisten Fällen nicht lohnt. Zu diesem Schluss kommt das deutsche Konsumentenmagazin «Öko-Test», das regelmässig Cremes, Lotions und Ähnliches testet. Die Redaktion hat sich in der Oktober-Ausgabe 32 «reichhaltige» oder «nährende» Gesichtscremes vorgenommen, darunter sieben mit sogenannten Wirkversprechen. Dazu zählen Angaben wie «reduziert Falten» oder «strafft die Haut». Behauptungen, die die Hersteller auch belegen müssen.
Hersteller konnten Anti-Falten-Effekt nicht belegen
Nur drei der sieben Hersteller konnten allerdings entsprechende produktbezogene Studien vorlegen. Diese belegen nach Ansicht der Testenden «nicht ausreichend einen Vorteil gegenüber einer einfachen Creme». Die Cremes mussten sich nicht einmal gegen ein Vergleichsprodukt, sondern nur auf unbehandelter Haut beweisen. Schon vor zwei Jahren kam «Öko-Test» zum Schluss, dass Hersteller von Anti-Aging-Cremes ihre Wirkversprechen nicht belegen können.
Zwei der aktuell getesteten Anti-Aging-Cremes bewerteten die Testerinnen und Tester dazu als «ungenügend», weil sie den synthetischen Moschusduft Galaxolid enthalten. Dieser steht in der Kritik, weil er sich im Fettgewebe anreichert und vermutlich das Hormonsystem beeinflusst. Eine Creme ist sogar als Naturkosmetik-Produkt zertifiziert, das gar keine künstlichen Duftstoffe enthalten dürfte.
Auch sonst lohnt sich ein tiefer Griff ins Portemonnaie eher nicht, zeigt der Test. Eine gute Gesichtscreme gibt es schon für unter zwei Euro pro 50 Milliliter. Wer Wert auf Naturkosmetik legt, bezahlt etwa einen Euro mehr. Von den 14 konventionellen Cremes und 11 Naturkosmetikprodukten ohne Wirkversprechen im Test schnitten auffallend viele günstige Produkte «sehr gut» ab.
Bestnoten für Discounter-Kosmetik
Die Bestnote bekamen beispielsweise die Naturkosmetik-Cremes «Alterra Aloe Vera Tagescreme» von Rossmann und «Alverde Reichhaltige Tagescreme Wildrose» von der Drogeriemarktkette DM. Unter den günstigen konventionellen Cremes finden sich «Balea Reichhaltige Tagescreme» (ebenfalls DM), «Cien Tagespflege Reichhaltig» (Lidl) und «Lacura Skin Reichhaltige Tagescreme» (Aldi).
Befriedigend, ausreichend und ungenügend schnitten dagegen drei deutlich teurere Produkte von L’Occitane, Kiehl’s, Lancôme und L’Oreal ab. «Öko-Test» wertete dabei Inhaltsstoffe wie das Konservierungsmittel Chlorphenesin ab («L’Occitane Shea Butter Leichte Gesichtscreme»). Ebenfalls zu Abwertung führten aromatische Mineralölbestandteile (Mineral Oil aromatic Hydrocarbons, MOAH), die krebserregende Bestandteile enthalten können. Betroffen ist beispielsweise «Lancome Nutrix Reichhaltige Creme». In mehreren Produkten fand «Öko-Test» PEG-Verbindungen. Diese wirken als Emulgatoren und können die Haut durchlässiger machen. Auffallend im gesamten Test sei das schlechte Abschneiden der teuren Cremes.
Sonnenschutz in der Tagescreme meist zu gering
Aus Umweltsicht ärgerlich sei der häufig anzutreffende Umkarton um Tube oder Tiegel, bemängelt die «Öko-Test»-Redaktion noch. Für Käuferinnen und Käufer ebenfalls interessant: Den bei Tagescremes häufig zugesetzten UV-Schutz stuft «Öko-Test» als unzureichend ein. Ein Lichtschutzfaktor von 15 mache wenig Sinn, legt das Magazin dar. Für einen trüben Wintertag sei das zu viel, für Sonnentage draussen zu wenig. Sinnvoller sei es, eine spezielle Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor zu verwenden.
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
Keine
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