Avatar in der Schule 2024

Die Schülerin und der Schüler kommunizieren im Schulzimmer mit einem Avatar – einer künstlichen Lehrkraft. © DW. Versuch im Jahr 2024

KI erobert als Lehrerersatz jetzt auch die Schulzimmer

Urs P. Gasche /  Avatare KI-Lehrer kamen fürs Home Office in der Coronazeit auf. Jetzt sollen sie Lehrkräfte auch im Schulzimmer teilweise ersetzen.

Die Mittelschule Mutschellen im Kanton Aargau will «die erste KI-Schule der Schweiz» werden. Nach den Sommerferien sollen alle rund achtzig Lehrerinnen und Lehrer mit der Software des Anbieters Pro Scola arbeiten. Das berichtete die «NZZ am Sonntag».

Ab dem ersten Sekundarschultag soll die Software das Lernen und Lehren an der Kreisschule künftig bestimmen. «Zum Beispiel müssen Lehrpersonen ihre Lektionen nicht mehr mühsam zu Hause vorbereiten», sagt Schulleiter Florian Stähli. Die «NZZ am Sonntag» beschreibt das Vorgehen: «Lehrinnen und Lehrer geben ein Thema ein, wählen per Klick einen pädagogischen Ansatz – vom traditionellen Unterricht über die Montessori-Methode bis zum spielbasierten Lernen –, worauf das Programm einen fertigen ‹Lernpfad›, basierend auf dem Lehrplan 21, generiert, samt Arbeitsblättern und Tests. Diese werden anschliessend von den Schülern entweder ausgedruckt, bearbeitet und wieder eingelesen oder direkt am Bildschirm ausgefüllt.»

Die KI korrigiert die Arbeiten der Schülerinnen und Schüler. Sie erstellt ein Profil sowohl der ganzen Klasse als auch jedes einzelnen Schülers. «Das Tool korrigiert die Prüfungen besser und schneller, als es je ein Mensch tun könnte», erklärt Schulleiter Stähli. Und die Rückmeldungen an Lehrer und Schüler seien differenziert und ausführlich. «Wir haben tausendmal so viele Informationen über die Schüler und können damit viel zielgerichteter arbeiten.»

Die KI-Revolution an Schulen wirft pädagogische und politische Fragen auf. Die «NZZ am Sonntag» zitiert den Erziehungsphilosophen Roland Reichenbach, Professor für Allgemeine Erziehungswissenschaft an der Universität Zürich: «Soll die Schule ein Ort der optimierten Produkteorientierung sein? Oder ein geschützter Raum für die menschliche Entwicklung?» Die Vorstellung, dass die Lehrerin durch die KI-Analyse die «Perspektive eines allmächtigen Psychotherapeuten» erhalte, könne für die Entwicklung des Kindes gefährlich sein.

Avatare mit KI-gesteuerten Dialogen erhöhen die Motivation und erleichtern die Arbeit von Schülerinnen und Schülern, die aus irgendwelchen Gründen zu Hause lernen müssen. Weniger klar ist, welche Rolle die KI und Avatare im Schulzimmer spielen soll und kann.


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