Trotz Bio-Label: Viele PFAS-Chemikalien in der Milch
Wie die giftigen PFAS-Chemikalien in die Milch kommen, lässt sich derzeit nur vermuten. Der Schweizer Bauernverband geht davon aus, dass «frühere Klärschlamm-Düngungen» eine der Ursachen sind.
Bedenklich ist, dass das Konsumentenmagazin «K-Tipp» bei einem Test von 15 Vollmilch-Proben keine einzige gefunden hat, die frei ist von den schädlichen Stoffen. Selbst die sieben untersuchten Bio-Milch-Produkte enthielten Perfluoroktansulfonsäure (PFOS), Perfluoroktansäure (PFOA) oder Trifluoressigsäure (TFA) – eine sogar den höchsten im Test gemessenen PFOS-Wert.
Derzeit gibt es in der Schweiz und in der EU keine Grenzwerte zu PFAS-Chemikalien in der Milch. Deshalb stellt sich die Frage, wie die Resultate einzuordnen sind. Anhaltspunkte dazu gibt es:
Die EU hat einen Richtwert für PFOS von 20 Nanogramm pro Kilo Milch.
Keine Milch, die der «K-Tipp» testete, überstieg diesen Wert. Aber die am stärksten belastete Milch – eine Bio-Milch aus einer Ostschweizer Molkerei – enthielt immerhin 12 Nanogramm PFOS.
Für die genauso giftige PFOA liegt der Richtwert bei der Hälfte, nämlich bei 10 Nanogramm.
Von diesem Schadstoff fand das Labor 3 Nanogramm in einer Milch – auch diese eine Bio-Milch.
USA bald mit PFOS-Grenzwert von 4 Nanogramm für Wasser
Wesentlich strengere Massstäbe als die EU will künftig die amerikanische Umweltbehörde EPA setzen. Sie fordert sogar für Wasser einen PFOS-Grenzwert von 4 Nanogramm pro Liter. Zum Vergleich: Nur 4 der 15 getesteten Milchproben lagen unter diesem Wert.
Dänemark hat für TFA im Wasser einen Grenzwert von 9000 Nanogramm pro Liter festgelegt. Keine der Milchproben erreichte diesen Wert, aber immerhin 4 davon enthalten über 5000 Nanogramm TFA – wiederum allesamt mit einem Bio-Label.
Auffällig oft aus der Ostschweiz
Offenbar hängt die PFAS-Belastung der Milch nicht mit der Bio-Produktion zusammen. Auffällig ist aber die Herkunft der Milchproben, die am meisten PFAS enthielten: Sie stammen von Ostschweizer Molkereien. Hingegen enthielt die Milch von Molkereien aus Bern, Freiburg und Graubünden wenig Chemikalien.
Das passt zu einer Untersuchung der Kantonschemiker. Sie haben letztes Jahr Milchproben untersucht. Im März kam heraus: In Appenzell Ausserrhoden lag bei jedem dritten der untersuchten Betriebe der PFAS-Gehalt in der Milch über den EU-Richtwerten, teilweise sogar massiv.
Die betroffenen 67 Betriebe sollen nun die Ursachen für die erhöhten PFAS-Werte genauer klären.
Für PFOA und PFOS ist erwiesen, dass sie Krankheiten auslösen, das Krebsrisiko erhöhen, das Immunsystem und die Fortpflanzung beeinträchtigen.
TFA ist noch weniger gut erforscht. Die EU-Chemikalienbehörde hat TFA zwar als fortpflanzungsschädigend eingestuft. Praktische Folgen hat das vorerst aber nicht.
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
Keine
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