Verbotene Pestizide im Lebensmittelregal
Auf dem Acker sind sie verboten, im Regal weiter erlaubt:Pestizide, die in der EU nicht zugelassen sind, gelangen über Importe wieder zurück in die Supermärkte. Die Konsumentenorganisation Foodwatch hat untersucht, wie häufig sie sich in den Regalen finden. Dazu untersuchte sie Gewürze, Tee und Reis aus mehreren EU-Ländern auf Pestizidrückstände.
Das Labor fand in insgesamt 64 Produkten 53 verschiedene Pestizide, darunter 27, die in der Europäischen Union nicht zugelassen sind. Viele der Produkte aus Deutschland, Frankreich, den Niederlanden und Österreich enthielten mehr als einen verbotenen Wirkstoff.
Zwei Drittel der Produkte enthielten nicht zugelassene Pestizide
Insgesamt 45 Proben und damit zwei Drittel der untersuchten Lebensmittel enthielten Rückstände von in Europa verbotenen Pestiziden. Darunter sowohl Markenware von Teekanne, Meßmer und Ostmann/Fuchs als auch Eigenmarken von Aldi/Hofer, Lidl, der Jumbo-Supermarktkette aus den Niederlanden, Carrefour, Spar/Billa, Albert Heijn oder Rewe.
Besonders belastet waren die getesteten Gewürze. Die beiden Spitzenreiter, Rewe Chili Mix und S-Budget Paprika Edelsüss von Spar Österreich, enthielten jeweils 22 Pestizide, davon sieben und sechs nicht zugelassene Substanzen. Im Rewe-Chili fand sich zudem Chlorfenapyr in einer Konzentration, die 61-fach über dem Grenzwert von 0,1 Milligramm pro Kilogramm lag, der für die meisten nicht zugelassenen Wirkstoffe gilt.
Vorsicht bei Paprika, Chili und Kreuzkümmel
Alle von Foodwatch analysierten Proben von Paprika, Chili und Kreuzkümmel (Cumin) enthielten wenigstens ein nicht zugelassenes Pestizid. In mehreren Proben wurden Grenzwerte überschritten, beispielsweise bei:
- dem Cumin-Gewürz Komijnzaad (Albert Heijn, Niederlande), in dem das Herbizid Flamprop den Grenzwert von 0,1 Milligramm pro Kilogramm um das 387-Fache überschritt.
- Kania Kreuzkümmel (Lidl, Deutschland), das zwei in der EU verbotene Pflanzenschutzmittel enthielt, darunter wiederum Flamprop in Mengen, die 217-mal höher waren als der Grenzwert erlaubt.
- Fuchs Kreuzkümmel (gekauft bei Edeka Deutschland), in dem sich sechs Pestizide fanden, davon vier in der EU verbotene. Der Gehalt an Flamprop lag bei 1,65 Milligramm pro Kilogramm, also 165-fach über dem Grenzwert.
- Piment fumé La Chinata (Niederlande, Albert Heijn). Das geräucherte Paprikapulver enthielt das Pflanzenschutzmittel Anthrachinon in Mengen, die dem 159-Fachen des Grenzwerts entsprachen.
Laut dem «Spiegel», der beim deutschen Bundesinstitut für Risikobewertung nachgefragt hat, sind beide Kreuzkümmel-Produkte in Deutschland «nicht verkehrsfähig». Eine akute Gesundheitsgefahr bestehe jedoch nicht, da Gewürze üblicherweise nur in geringen Mengen gegessen würden.
Der Hersteller Fuchs bezeichnete die in seinem Kreuzkümmel gemessenen Werte laut «Spiegel» als «untypisch» und «nicht plausibel». Lidl gab an, dass Flamprop «in keinem der uns vorliegenden Prüfberichte nachgewiesen» worden sei. Man werde den Sachverhalt prüfen.
Grüner Tee fast durchgehend mit verbotenen Pestiziden belastet
Auch bei Tee fanden die Labore zahlreiche Rückstände. Von 14 untersuchten Grün- und Weisstees enthielten 13 mindestens ein in der EU verbotenes Pestizid. Deutlich besser schnitten Schwarztees ab. Mehrere Tees waren vollständig frei von nachweisbaren Pestizidrückständen.
Sehr unterschiedlich fielen die Ergebnisse beim Reis aus. Von 19 getesteten Reisprodukten waren zehn rückstandsfrei. In den übrigen neun fanden die Labore mindestens ein verbotenes Pestizid.

Am häufigsten nachgewiesen wurden die Wirkstoffe Chlorfenapyr, Bifenthrin und Spirotetramat (das in der Schweiz zugelassen ist). Ebenfalls häufig vertreten waren die drei Neonicotinoide Clothianidin, Thiamethoxam und Imidacloprid. Diese Insektizide stehen im Verdacht, Bestäuber wie Bienen zu schädigen, und sind deshalb in der EU weitgehend verboten. Mehrfach fanden die Labore zudem Rückstände des Reisfungizids Isoprothiolan.
Die geprüften Produktgruppen sind nicht ganz zufällig ausgewählt. Foodwatch hat sich für seinen Test gezielt Lebensmittelgruppen ausgesucht, die als potenziell höher belastet gelten. Ausser Tee, Gewürzen und Reis zählen dazu auch exotische Früchte sowie bestimmte Obst- und Gemüsesorten aus konventionellem Anbau wie Weintrauben, Erdbeeren, Himbeeren, Tomaten oder Paprika.
Verbraucherzentralen: Nach dem Schälen Hände waschen
Eher belastet seien auch Kräuter aus Übersee, schreibt die Verbraucherzentrale Niedersachsen. Wurzelgemüse wie Karotten, Kartoffeln und Kohl sowie weniger leicht verderbliches Obst und Gemüse seien dagegen in der Regel rückstandsärmer, genauso wie regionale und saisonale Produkte aus der EU.
Bei Obst, das geschält werden könne, etwa Bananen, Zitrusfrüchte oder Mangos, reduziere sich der Pestizidgehalt dadurch deutlich. Die Verbraucherzentrale empfiehlt, sich nach dem Schälen die Hände zu waschen, damit keine Rückstände auf andere Lebensmittel übergehen. «Unbehandelt» bei konventionell angebauten Zitrusfrüchten heisse übrigens nur, dass kein Schalenbehandlungsmittel eingesetzt worden sei. Wer beispielsweise Zitronenschalen in der Küche verwenden wolle, soll zu Bio-Ware greifen.
Die Positivliste: Tee und Reis ohne Pestizide
Trotz aller unangenehmen Botschaften hat die Untersuchung von Foodwatch auch einige Positivbeispiele zutage gefördert: Reis aus konventionellem Anbau, in dem dennoch keine Pestizide nachweisbar waren, weder zugelassene noch verbotene. Sowie Tee vom Discounter, der ebenfalls ohne nachweisbare Rückstände auskam, darunter auch ein Kindertee.
Reis ganz ohne Pestizide:
- Ben’s Original Reis (Penny Deutschland und Jumbo Niederlande)
- Bon-Ri Basmati Reis (Hofer, Österreich)
- Clever Langkornreis (Billa/Billa Plus, Österreich)
- Dr. Oetker Milchreis klassische Art (Lidl, Deutschland)
- Lassie heerlijk geurende rijst basmati (Dirk, Niederlande)
- Lassie basmati rijst (Albert Heijn, Niederlande)
- Spar Basmati Langkorn-Reis (Spar, Österreich)
- Oryza Ideal Reis (Edeka, Deutschland)
- Riz long grain (Monoprix, Frankreich)
- Vermicelles de riz Suzi Wan (Monoprix, Frankreich)
Tee ohne Pflanzenschutzmittel:
- Lord Nelson Schwarzer Earl Grey (Lidl, Deutschland)
- Mivolis Magen-Darm-Kindertee (Drogeriekette DM, Deutschland)
- Westminster Schwarztee (Aldi, Deutschland)
- Yogi Tea Biologisch Green Energy (Jumbo, Niederlande)
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
Keine
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