UBS-Angestellte: So stolz auf den KI-Kurs!!!
«Proud to have earned my UBS AI Citizen badge!» – «Stolz darauf, mir meinen UBS-AI-Citizen-Badge verdient zu haben»: Mit diesen Worten haben in den letzten Wochen viele UBS-Angestellte ihr Konto auf der Social-Media-Plattform Linkedin ergänzt.

Den Badge, auf den alle so stolz sind, erhalten sie für einen digitalen Selbstlernkurs, der Basiskenntnisse in Künstlicher Intelligenz (KI) vermittelt.
Absolviert haben ihn UBS-Angestellte aller Hierarchiestufen – auch die obersten Chefs, wie etwa Andy Kollegger, der seit 33 Jahren bei der UBS ist und zur Geschäftsleitung gehört.
«Andy, wie bekomme ich so einen?!»
Er schreibt: «Sehen Sie sich meine verifizierte Leistung von UBS an.» Und erhält den Kommentar: «Andy, wie bekomme ich so einen?! Herzlichen Glückwunsch!!»
Ist es ironisch gemeint? Jedenfalls wundert sich unter anderem die Online-Plattform «Inside Paradeplatz» darüber, dass «Dutzende ihr internes Kürsli als Mega-Leistungsausweis hypen».
Manche ergänzen ihre Selbstwürdigung auch noch mit überschwänglichem Lob für die UBS. So schreibt eine Kundenberaterin: «Great to see how UBS is investing in AI and to be part of this journey!» – «Grossartig, wie die UBS in KI investiert und dass ich Teil dieser Entwicklung bin!»
Infosperber wollte von der UBS unter anderem wissen, warum plötzlich so viele Angestellte ausgerechnet mit diesem Kurs ihren beruflichen Werdegang aufmöbeln. Die UBS wollte aber keine Fragen beantworten.
UBS hat eigene KI-Hilfe
Den E-Learning-Kurs zur KI sollen möglichst alle Angestellten absolvieren. Er sei «mehr als nur ein Trainingsprogramm». Er sei «eine grossartige Gelegenheit, KI-Fähigkeiten zu entwickeln» – so macht die UBS auf Linkedin ihren Angestellten das Schulungsprogramm schmackhaft.
Diese müssen lernen, mit dem firmeneigenen KI-Assistenzsystem Red zu arbeiten. Red ist eine Art Chat-GPT, das den Angestellten helfen soll, schneller zu ihren Informationen zu kommen, etwa bei der Beratung von Kunden zu Geldanlagen.
Vor ein paar Monaten hat die UBS die neue Stelle eines Chief Artificial Intelligence Officer (CAIO) geschaffen. Dieser KI-Chef, Daniele Magazzeni, soll die KI-Strategie der Grossbank vorantreiben.
Das ist aber kaum die einzige Erklärung dafür, dass plötzlich ein E-Learning-Kurs zu KI dermassen auf Linkedin hochgespielt wird. «Inside Paradeplatz» vermutet, dass derzeit viele UBS-Angestellte versuchen, «die nächste Entlassungswelle zu überleben», und hoffen, mit den «Linkedin-Beweihräucherungen über die Runden zu kommen».
Jeder Elfte wird überflüssig
Seit der Übernahme der Credit Suisse hat die UBS immer wieder Stellen gestrichen. Die nächste Entlassungswelle kommt im zweiten Halbjahr 2026, also schon sehr bald. In der Schweiz rechnet die Bank mit rund 3000 Stellen, die verschwinden müssen. Das sind fast neun Prozent der hiesigen Belegschaft. Anfang 2025 hatte die UBS noch gut 34’000 Vollzeitstellen in der Schweiz.
Ein Stellenwechsel wird fürs Bankpersonal zunehmend schwierig. Gemäss dem Arbeitsmarktindex der Bankbranche erhöhte sich die Arbeitslosenquote seit Anfang Jahr von 3,3 Prozent auf 3,5 Prozent. In der Gesamtwirtschaft liegt sie bei 3,0 Prozent.
Stellt sich noch die Frage, ob die UBS-Angestellten nicht Besseres zu tun hätten, als ihr Linkedin-Profil zu bearbeiten. Die Antwort lautet: Nein. Sie sollen sogar ihr Profil bearbeiten und dürfen das während der Arbeitszeit tun, wenn es um berufliche Erfolge geht. Die Bank verspricht sich davon Werbung für die UBS als Arbeitgeberin und fördert deshalb die Präsenz ihrer Angestellten auf Linkedin – und sei es nur mit einem Eintrag, dass man so stolz sei, einen UBS-AI-Citizen-Badge verdient zu haben.
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
Keine
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Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.









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