Keine Einkommenssteuern mehr zahlen? Werden Sie Milliardär!
Steuern sind heute nur etwas für normal Arbeitende.
Viele Leute mit grossen Vermögen zahlen relativ wenig oder gar keine Steuern. Milliardäre – und Reiche, deren Vermögen ein paar Hundert Millionen beträgt – können Steuern legal umgehen. Sie nutzen Schlupflöcher, die «normalen» Steuerpflichtigen nicht zur Verfügung stehen.
Wer Lohn bezieht, muss der Steuererklärung den Lohnausweis beilegen. Ein Schlupfloch gibt es nicht. Wer selbständig arbeitet, hat es etwas besser: Er kann mehr Abzüge – auch einen Verlust – geltend machen, um sein steuerpflichtiges Einkommen zu reduzieren.
Andere Regeln gelten für Superreiche. Sie können auf einen Lohn oder sonst ein steuerpflichtiges Einkommen verzichten. Dann kann der Staat keine Einkommenssteuern einziehen. Um Lohnabzüge – wie Beiträge für die Arbeitslosen – können sich Superreiche sowohl in der Schweiz als auch in Deutschland drücken. AHV-Beiträge, die auch bei sehr hohen Löhnen fällig würden, können sie durch jährliche Mindestbeiträge ersetzen.
«Zwei Klassen von Menschen»
«In den USA gibt es heute zwei Klassen von Menschen», erklärte Ray Madoff, Steuerexpertin an der Boston College Law School, der «New York Times»: «Diejenigen, die Steuern zahlen, also die meisten von uns, und die Klasse der Vermögenden. Es handelt sich um eine sich selbst erhaltende Elite, die kaum besteuerte Reichtümer von Generation zu Generation weitergibt.»
In ihrem Buch «The Second Estate: How the Tax Code Made an American Aristocracy» schreibt Madoff, in den USA könnten Milliardäre Steuern fast vollständig umgehen, ähnlich wie dies der französische Adel vor der Revolution von 1789 konnte.
Auch in Europa können Milliardäre Steuern weitgehend umgehen, indem sie Lohneinkünfte vermeiden. Ihr geerbtes oder angehäuftes Vermögen wird nur gering besteuert: Bargeld, Aktien, Obligationen, Gold, Kunstsammlungen, Häuser, Yachten und alle anderen Wertgegenstände.
Einkommenssteuern sind für Lohnempfänger
In Listen der am meisten verdienenden Manager und Verwaltungsräte fällt auf, dass Superreiche wie Jeff Bezos, Warren Buffett, Steve Jobs, Mark Zuckerberg, Peter Thiel oder Elon Musk häufig fehlen. Grund: Sie zahlen sich selber nur einen kleinen oder gar keinen Lohn. Sie gehören zu den Geringverdienern oder zu den Leuten ganz ohne Erwerbseinkommen.
Ihr Geld vermehren sie in Form von Aktien und Aktien-Optionen oder mit Wertsteigerungen ihrer Immobilien und Kunstsammlungen.
Wenn die Werte von Immobilien, Aktien oder Kunstsammlungen steigen, fällt keine Einkommenssteuer an. Erst wenn Häuser und Wohnungen verkauft werden, wird eine Grundstückgewinnsteuer fällig.
Wenn beim Verkauf von Aktien, Obligationen, Kryptowährungen und anderen beweglichen Privatvermögen Gewinne resultieren,
- kann man in der Schweiz die Gewinne unversteuert kassieren;
- kennt Deutschland eine Abgeltungssteuer von 25 Prozent. Realisierte Verluste kann man von Gewinnen abziehen;
- versteuern Erben von Aktien in den USA nur jene Kapitalgewinne, die ab dem Zeitpunkt der Erbschaft realisiert werden. Die Wertsteigerungen während des Lebens des Erblassers bleiben unversteuert.
Leben auf Kredit, während das Vermögen steigt
Superreiche sind allerdings nicht darauf angewiesen, Vermögen mit Gewinn zu verkaufen. Dann fallen auch keine Abgeltungssteuern und Grundstückgewinnsteuern können an.
Um ihre täglichen Ausgaben oder ihren Unterhalt von Yachten, Privatflugzeugen und Privatinseln zu finanzieren, nutzen sie ihre Aktien, Immobilien oder Kunstsammlungen als Sicherheiten, um von Banken günstige Kredite zu erhalten. Solange der Wert ihrer Aktien, Immobilien oder Kunstsammlungen schneller wächst als die Zinsen für die Kredite, werden sie noch reicher als vorher – ohne Steuern zu zahlen.
Die Strategie heisst «buy, borrow, die» («kaufen, leihen, sterben»). Superreiche nehmen auf ihren Wertschriftenbeständen oder anderen Vermögensteilen Kredite auf, ohne je Kapitalgewinne zu realisieren.
In den veröffentlichten Jeffrey-Epstein-Akten findet sich ein Beispiel dieser Steuerstrategie der Superreichen. Epstein zeigte dem ehemaligen Geschäftsführer Leon Black der Private-Equity-Firma Apollo Group, wie er luxuriös leben kann, praktisch ohne Steuern zu zahlen. Black konnte Hunderte Millionen Dollar ausgeben, die er in Form von zinsgünstigen Bankkrediten erhielt. Als Sicherheit für die Kredite konnten die Banken seine Kunstsammlung belasten.
Laut einem Bericht in «Forbes» («How Picasso, Van Gogh And Cézanne Helped Finance Epstein Client Leon Black’s Billionaire Lifestyle») stieg der Wert seiner Kunstsammlung von geschätzten 1 Milliarde Dollar im Jahr 2014 um 400 Millionen Dollar auf 1,4 Milliarden im Jahr 2017. Die Kreditzinsen waren während dieser drei Jahren deutlich tiefer als der Vermögensgewinn von 400 Millionen Dollar, so dass Black in Saus und Braus leben konnte, ohne Einkommenssteuern zu zahlen.
«In den USA besitzen die 1 Prozent Reichsten über 50 Billionen Dollar Vermögen (56 US-Trillion). Das ist mehr als das BIP der USA und China zusammen.»
Federal Reserve/NYT
Erbschafts- und Schenkungssteuern
Damit eine sich selbst erhaltende Elite die kaum besteuerten Reichtümer nicht von Generation zu Generation weitergeben kann, schlägt Professorin Ray Madoff vor, grosse Erbschaften und Schenkungen hoch zu besteuern. Die Freibeträge, die heute die meisten Menschen vor Schenkung- und Erbschaftssteuern schützen, würden bleiben.
Doch auch gegen Erbschafts- und Schenkungssteuern gibt es ein grosses Schlupfloch: Milliardäre gründen steuerbefreite Stiftungen und verschieben ihre Vermögen in diese Stiftungen. Sie haben dann immer noch eine weitgehende Macht zu entscheiden, wie die Vermögenserträge und das Vermögen ausgegeben wird. Als Stiftungsräte können später auch ihre Erben über die Vermögen steuerfrei verfügen. Stiftungen werden vorwiegend in Ländern gegründet, in denen Stiftungen am wenigsten eingeschränkt sind.
Kapitalgewinne mit 27,5 Prozent besteuert
Einkommenssteuern sollten sich in demokratischen Ländern nach der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der Besteuerten ausrichten. Wer reich ist, zahlt einen höheren Prozentsatz, als wer arm ist. Zu den Einkommen sollten allerdings nicht nur die Arbeitseinkommen zählen, sondern auch die Kapitalgewinne an den Börsen. Damit wären die Schlupflöcher für Billionäre und Mulitmillionäre im Wesentlichen gestopft – ausser sie verlegen ihren festen Wohnsitz auf ein entferntes Steuerparadies.
In der Schweiz werden Steuern auf Kapitalgewinnen mit der Ausrede bekämpft, dass es in der Schweiz eine Vermögenssteuer gebe. Doch diese ist im Vergleich zu Einkommenssteuern lächerlich tief.
Was Politiker und Medien in der Schweiz und in Deutschland kaum je erwähnen: Österreich hat schon vor fünfzehn Jahren eine hohe Kapitalertragssteuer auf Kursgewinne mit Aktien, Derivaten, Obligationen und auf eigenommene Dividenden eingeführt (unterdessen auch auf realisierte Gewinne mit Kryptowährungen). Der Steuersatz betrug anfänglich 25 Prozent und seit 2016 27,5 Prozent.
Realisierte Kursverluste können mit den Gewinnen und bestimmten Erträgen aus Kapitalvermögen verrechnet werden, allerdings nur innerhalb bestimmter Grenzen und immer nur im selben Kalenderjahr.
Wer wenig verdient und die Steuer auf seinem Einkommen weniger als 27,5 Prozent beträgt, kann die Börsengewinne und Dividenden auch zu seinem normalen Einkommen addieren.
Österreiche Banken und Broker ziehen die Steuer bei ihren Abrechnungen direkt ab und überweisen sie ans Finanzamt. Werden die Kapitalgewinne und Dividenden im Ausland erzielt, müssen die Steuerpflichtigen diese in ihrer Steuerrechnung deklarieren. Wer ausländische Kapitalerträge nicht deklariert, riskiert Nachversteuerung, Zinsen und – je nach Verschuldensgrad – erhebliche finanzstrafrechtliche Sanktionen bis hin zu Geld- und in schweren Fällen eine Freiheitsstrafe.
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
Keine
_____________________
➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren SPENDEN möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.
Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:
_____________________
Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.









Das ist m.E. wieder ein typischer, linker Neidartikel. Mit der Sache hat dies nicht mehr viel zu tun. Schade, dass sich Infosperber damit selber degradiert.
Ein Grundproblem ist hier tatsächlich die Mobilität von Kapital bzw. Kapitalisten, siehe z.B. die Norweger, die genau deshalb in die Schweiz ziehen. Wenn Kalifornien eine neue Steuer einführt, ziehen die Milliardäre eben nach Texas usw. Am wichtigsten wäre eine Bodenwertsteuer, denn der Boden kann nicht flüchten. Dann wäre das besonders schädliche Immo-Casino sofort beendet.
Neid ist kein Argument, sondern eine Unterstellung. Ich bitte Herrn Ochsner um eine Erklärung, warum der Artikel «nichts mit der Sache zu tun habe».
Es ist wichtig, dass Infosperber auf so fürchterliche Missstände aufmerksam macht.
Vielleicht müsste es wie damals nach 1968 eine alternative Ökologische- und Sozio-Ökonomische-Universität wie in Cuernavaca unter Ivan Illich und Anderen geben, welche sich dieser nach Verbesserung schreienden Problematik annimmt. Es würde das halbe Vermögen eines dieser Super-Milliardäre genügen eine entspreche Stiftung zu gründen. Wie wäre es, wenn einer Serie solche Stiftungen aus dem Boden schiessen würden, welche sich gegenseitig inspirieren könnten?
Das wäre doch was sehr Verdienstvolles!