Fünfzehn Jahre für Infosperber

«Du arbeitest immer noch?»
Ich hasse die Frage. Sie erinnert mich wenig charmant an mein Alter.
Ja, ich bin älter geworden. Aber soll ich deshalb nicht mehr arbeiten? Wirklich? Was verstehen solche Frager überhaupt unter «Arbeit»?
Falls sie nur bezahlte Jobs meinen, kann ich sie beruhigen. Mein Einsatz ist unbezahlt.
«Pensioniert» oder «im Ruhestand»? Für mich klingt das, als wäre ich auf Kreuzfahrten oder beim Golfspielen.
Damit will ich ältere Golfer nicht beleidigen. Mein Onkel ging mit 65 in Pension und spielte die nächsten 25 Jahre Golf. Wenn ich ihn traf, erzählte er begeistert davon und nahm mich auch mal mit.
Aber ich spiele kein Golf. Und ich gehe auch nicht auf Kreuzfahrten.
Meine Tante verbrachte ihre Tage nach der Pensionierung vor dem Fernseher. Tagsüber schaute sie «Treffpunkt» mit Eva Mezger-Haefeli oder «Musigplausch» mit Sepp Trütsch. Abends «Benissimo» mit Beni Thurnheer oder «Fascht e Familie» mit Walter Andreas Müller. Auch Tennis und Radsport verfolgte sie.
Wenn ich bei ihr war, langweilte ich mich.
Ich erinnere mich nicht, dass meine Mutter oder meine Grossmutter je gefragt worden wären, ob sie im Pensionsalter «noch arbeiten». Lag es an der sexistischen Annahme, dass sie keine Karriere ausserhalb des Hauses gemacht hatten und Hausfrauen nie pensioniert werden?
Als Journalist werde ich weitermachen: solange ein nuklearer Winter droht, Kriege ausbrechen, die Erde vermüllt wird, Schattenbanken unser Geld ruinieren, die Demokratie zur Plutokratie verkommt und der militärisch-industrielle Komplex uns als Geiseln hält. Ich werde weiter darüber informieren – soweit es mir möglich ist.
Und wenn mich das nächste Mal jemand fragt, ob ich «noch arbeite», sage ich, die Antwort stehe im Netz – auf infosperber.ch.
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
Keine. Der Autor hat die «Schweizerische Stiftung für unabhängige Information» gegründet, welche die Online-Zeitung «Infosperber» herausgibt. Heute vor 15 Jahren war der Start.
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Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.








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