Kubas Gesundheitssystem bricht zusammen
Es mangelt an Schmerzmitteln, Antibiotika, Wundkompressen, Handschuhen, Masken. Kein Licht in den Spitälern, kein Strom für Röntgen- oder Ultraschalluntersuchungen. Strahlentherapien gegen Krebs, Patienten in kritischem Zustand, Operationen an Knochen oder Eingriffe am Herzen – ungewiss. Schmutzige Bettwäsche, keine Ventilatoren, keine Telefonverbindungen, weder per Handy noch per Festnetz. Kein Essen für die Spitalangestellten, manchmal nicht einmal Trinkwasser. Und kein Treibstoff, weder für Sanitätsfahrzeuge noch damit die Spitalmitarbeiter ihre Arbeitsstellen überhaupt erreichen können. So beschreibt das «British Medical Journal» (BMJ) die Zustände.
«Das Gesundheitssystem ist völlig zusammengebrochen. Es fühlt sich an wie ein Land im Krieg», sagte ein Arzt, der anonym bleiben will, dem «BMJ». Fast das Gleiche sagte der kubanische Gesundheitsminister am 20. Februar: Das Gesundheitswesen sei wegen der von den USA verhängten Einfuhrsperre von Erdöl kurz vor dem Kollaps. Fünf Millionen Kubanerinnen und Kubaner mit Krebs- oder anderen chronischen Erkrankungen seien betroffen.
Ungewöhnlich viele Virusinfektionen
Vorangegangen war dem eine der schwersten Infektionswellen, die Kuba in den letzten Jahrzehnten heimgesucht haben. Die durch Mücken übertragenen Krankheiten Chikungunya, Dengue und das Oropouche-Fieber breiteten sich im heissen, feuchten Wetter aus, begünstigt durch schlechte Sanitär- und Wasserversorgung nach einem Hurrikan Ende Oktober 2025. Es fehlte auch an Diagnostika. Offiziell waren es 38’000 Verdachtsfälle. Inoffizielle Stimmen berichteten jedoch, dass die Spitäler, Leichenhallen und Bestatter überschwemmt worden seien.
«Wir vermeiden es, in Spitäler zu gehen. Die Zustände dort sind schrecklich und es gibt keine Medizin», sagte ein Student dem «BMJ». Die meisten Menschen würden entweder Alternativmedizin benützen oder sie versuchen, auf dem Schwarzmarkt oder über Verwandte im Ausland an Medikamente zu kommen. Seit 2021 hätten etwa 30’000 Spitalmitarbeiterinnen und -mitarbeiter ihren Job quittiert.
Auf Druck aus Washington Zusammenarbeit beendet
Früher rühmte sich Kuba, mit 9,5 Ärzten pro 1000 Einwohner eine der weltweit höchsten Arztdichten zu haben. Das Land habe zehntausende von Ärzten nach Afrika, Lateinamerika und den Nahen Osten geschickt, «im Austausch für Devisen und diplomatisches Wohlwollen», so das «BMJ». Im Juni 2025 hätten die Bahamas «nach Diskussionen mit Washington» angekündigt, kein kubanisches Gesundheitspersonal mehr zu nehmen. Guatemala, wo über 300 kubanische Ärztinnen und Ärzte arbeiten, zog am 10. Februar 2026 nach und will die jahrzehntelange Tradition beenden.
Die Covid-Pandemie hatte die Wirtschaftskrise in Kuba noch angeheizt. Damals blieben die Touristen aus und mit ihnen die dringend benötigten Devisen. Die aktuelle US-Sanktionspolitik gibt dem Land nun den Rest. «Seit Wochen sind keine Tanker mit Öl- oder Kraftstofflieferungen in Kuba mehr angekommen», berichtete «Der Spiegel» Ende Februar.
Angeblich aus «Solidarität mit dem kubanischen Volk» kündigte die US-Regierung vor wenigen Tagen an, dass sie das Ölembargo nun lockern wolle: Firmen dürften Öl an Private verkaufen, nicht aber an die Regierung Kubas. Der US-Präsident sehe Kuba «in grossen Schwierigkeiten», schrieb «Die Zeit». «Es könnte zu einer ‹freundlichen Übernahme› kommen.»
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
Keine
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