AHV: Die Polemik geht weiter
Die Niederlage im Kampf gegen die 13. AHV-Rente haben viele Journalisten auch ein Jahr nach der Abstimmung ganz offensichtlich noch nicht verdaut. Die Tamedia-Zeitungen schrieben diesen Frühling von einem «steigenden AHV-Defizit», obwohl die AHV solide Gewinne schreibt. Ein paar Wochen davor hatte «NZZ»-Chefredaktor Eric Gujer die Schweizer als «Staatskonsumenten» beschimpft. Und ein «NZZ»-Wirtschaftsredaktor hatte suggeriert, die Einwanderung fördere den Egoismus.
Begonnen hatte die Polemik ja schon lange vor der Abstimmung. Die «Sonntags-Zeitung» hatte Leute wie UBS-Chef Sergio Ermotti bemitleidet: «Jetzt werden die Superverdiener zur Kasse gebeten.» Der damalige Chefredaktor von «Bund» und «Berner Zeitung», Simon Bärtschi, hatte die Befürworter der 13. Rente als «unanständig» bezeichnet. Und der «Blick» druckte ein Loblied auf die Pensionskassen ab.
Mehr Vertrauen in die AHV
Aber die Stimmberechtigten haben mittlerweile gemerkt, dass die Pensionskassen die Umwandlungssätze laufend senken. Und damit auch die Renten, die dereinst ausbezahlt werden. Die Stimmberechtigten haben ganz offensichtlich mehr Vertrauen in die AHV. Das haben sie mit dem Ja zur 13. AHV-Rente gezeigt.

Doch nach der Abstimmung ist vor der Abstimmung. Die Mitte fordert mit ihrer «Fairness-Initiative», dass Ehepaare zwei volle Renten erhalten statt bloss anderthalb. Dagegen beginnen manche Journalisten schon wieder Stimmung zu machen. Zum Beispiel die Tamedia-Zeitungen mit ihrer Bildauswahl. Unter dem Titel «Ehepaare sollen höhere AHV-Renten erhalten» bilden sie ein Ehepaar ab, das eine höhere Rente ganz offensichtlich nicht nötig hat.
Stichwort: «Reichtum»
Das Bild stammt vom Fotografen-Kollektiv Westend 61. Es ist unter anderem mit Stichworten wie «Champagner», «Eleganz», «Feier», «Food and Drink», «Genuss», «Glück», «Hochzeitstag», «Lifestyle», «Luxus», «Reichtum», «Wohlstand» und «Zufriedenheit» zu finden. Ob das durchschnittliche Rentner-Ehepaar so aussieht? Eher nicht.
Die Renten schrumpfen – wegen der Pensionskassen
2002 konnte ein 55-Jähriger mit einem Jahreslohn von 120’000 Franken nach der Pensionierung mit einer Rente von 74’920 Franken rechnen. Ein heutiger 55-jähriger wird voraussichtlich 62’860 Franken erhalten. Das hat das Vermögenszentrum (VZ) berechnet. Der Rückgang beträgt über 16 Prozent.
Schuld daran sind die Pensionskassen. Sie senkten die Renten um 40 Prozent, während die Renten der AHV um 33 Prozent stiegen (siehe unten stehende Grafik).
Interessant: Eigentlich müssten AHV und Pensionskasse 60 Prozent des letzten Einkommens abdecken. Der 55-jährige von 2002 konnte noch damit rechnen (62 Prozent), der heutige nicht mehr (52 Prozent).

Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
Keine
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Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.
Blick Danny Schlumpf 06.02.2022 12.52: «Parlament tut nichts gegen PK-Abzocke «Zu viele Politiker verdienen selber mit» Die Renten der Versicherten sinken. Die Finanzindustrie kassiert ab. Und die Politik schaut zu – nicht zuletzt, weil viele Parlamentarier davon profitieren….Jedes Jahr schöpft die Finanzindustrie Verwaltungsgebühren in Milliardenhöhe aus den Pensionskassen ab. «Die massiven Geldabflüsse auf Kosten der Versicherten sind ein zentrales Problem der zweiten Säule»,»
Beachtenswerte Aussage im Artikel: «..2002 konnte ein 55-Jähriger mit einem Jahreslohn von 120’000 Franken nach der Pensionierung mit einer Rente von 74’920 Franken rechnen. Ein heutiger 55-jähriger wird voraussichtlich 62’860 Franken erhalten…»
Salopp ausgedrückt: die Pensionskassen wurden erfolgreich abgezockt zum Wohle der Beitragszahler, damit die im Rentenalter weniger Steuern zahlen müssen.
Gunther Kropp, Basel