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Im Urin zeigt sich, wie viel weibliches hormon-aktives Biphenol A der Körper aufgenommen hat
Aus Plastikbehältern gelangt sie ins Essen, schadet Spermien und vermindert Potenz und Lust. Verboten ist sie nur in Babyflaschen.
Die hormonaktive, dem weiblichen Sexualhormon Östrogen ähnliche Chemikalie Bisphenol A (BPA) steht schon seit Jahren im Verdacht, selbst in kleinsten Mengen die Gesundheit zu gefährden. Die Industrie produziert davon über drei Millionen Tonnen jährlich. Das entspricht rund 100'000 Vierzigtönner. BPA dient als Weichmacher von Kunststoffen und Lacken.
Unterdessen ist bei über neunzig Prozent aller Menschen in Industriestaaten BPA im Urin nachweisbar. BPA kommt in der Natur nicht vor.
Viel BPA macht Spermien schlapp
Eine amerikanisch-chinesische Studie hat letztes Jahr Männer mit und ohne BPA im Urin miteinander verglichen: Je höher der BPA-Gehalt im Urin war, desto spärlicher und unbeweglicher waren die zeugungsfähigen Spermien.
Frühere Studien hatten festgestellt, dass eine hohe BPA-Belastung auch die Potenz und Libido der Männer beeinträchtigt. Ein strikter Beweis von Ursache und Wirkung war allerdings schwierig zu erbringen.
Bereits etliche Tierstudien hatten gezeigt, dass BPA unfruchtbar machen kann.
Industrie kontert mit selber finanzierten Studien
Doch regelmässig wurden von Herstellern wie Bayer oder Dow Chemical finanzierte Studien publiziert, die keine schädlichen Wirkungen von BPA ausmachen konnten. In einigen Fällen konnten Wissenschftler nachweisen, dass die Industriestudien absichtlich so angelegt waren, dass keine Wirkung gezeigt werden konnte. So wurden wenig oder nicht empfindliche Tiere ausgewählt und Parameter wie Temperatur oder Dosierung entsprechend gewählt oder das Futter besonders zusammengesetzt. «Ergebnisse nach Wunsch», titelte die Süddeutsche Zeitung.
Ein Forscher der Universität Missouri in Columbia hat 163 Studien ausgewertet, welche die Folgen kleinster Spuren von BPA untersuchten: 138 von 152 öffentlich finanzierter Studien weisen auf mögliche Schäden hin. Dagegen fanden sämtliche elf von der Industrie gesponserten Studien keinerlei negativen Effekte auf die Gesundheit. «Das Ergebnis hängt zuverlässig davon ab, wer die Studie finanziert», stellte Umwelttoxikologe Jörg Oehlmann von der Universität Frankfurt fest.
Behörden unter dem Einfluss der Industriestudien
Im 2008 stützte sich die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA auf Induistriestudien und erklärte, der menschliche Körper würde BPA «als harmloses Abfallprodukt rasch ausscheiden». BPA sei deshalb kein Problem. Die Behörde sehe keinen Anlass, die EU-Grenzwerte zu verschärfen.
Vergeblich protestierten Andreas Gies, Leiter der Abteilung Gesundheit und Umwelt beim Berliner Umweltbundesamt und Ibrahim Chahoud von der Berliner Charité: Studien hätten schon längst bestätigt, dass Schwangere BPA übers Blut an ihre Kinder weiter geben.
Schon vorher war eine Kommission amerikanischer Toxikologen zum Schluss gekommen, dass BPA die Nerven-Entwicklung von Föten und das Verhalten von Kindern beeinflussen könnte. Es gebe auch Hinweise, dass BPA die inneren Geschlechtsorgane vor der Pubertät stören.
Merke: Von Vorsorge wollen Behörden nur etwas wissen, wenn eine Lobby an ihr verdienen kann – zum Beispiel bei der Vorsorge gegen Grippe die Hersteller von Grippe-Impfstoffen. Werden jedoch Interessen der Industrie tangiert – wie im Fall der BPA –, wollen Gesundheitsbehörden vom Vorsorge-Prinzip nichts mehr wissen.
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