Das neue Buch «Komplementärmedizin» von Daniel Bouhafs © rüegger

Das neue Buch «Komplementärmedizin» von Daniel Bouhafs

Komplementärmedizin: Von Erfolgen bis Hokuspokus

R. L. / 05. Jan. 2012 - Ein Buch, das alternative Methoden – und auch die Schulmedizin – ohne Vorurteile beurteilt, mit allen Vor- und Nachteilen.

(Red.) Homöopathie, Phytotherapie, traditionelle chinesische Medizin TCM und Neuraltherapie gehören ab 1. Januar 2012 erneut zu den kassenpflichtigen Leistungen. Buchautor Daniel Bouhafs analysiert differenziert, wie wirksam und zweckmässig diese komplementären Heilmethoden sind, und wann sie sich am besten eignen.

Bouhafs befasst sich jedoch auch mit umstrittenen Methoden, bis hin zur Scharlatanerie und Quacksalberei.

Bouhafs Buch über die Komplementärmedizin deckt die handfesten Interessen der Pharmaindustrie auf, welche den Streit um die Zweckmässigkeit solcher Methoden schüren. Ohne Scheuklappen klärt der Autor auf, wo die Schulmedizin unverzichtbar ist, wo aber auch die Schulmedizin mit unwissenschaftlichen Versprechen arbeitet.

Im folgenden bringt Infosperber einen Auszug aus dem Kapitel «Scharlatane» mit einer Checkliste, die hilft, ruchlose und vollmundige Geschäftemacher sofort zu entlarven.

----

Gute Geschäfte mit der Hoffnung

«Was Ihnen Ärzte nicht sagen können, dürfen und wollen: Die Schulmedizin befasst sich mit Symptomen, die Germanische Neue Medizin GNM kennt die Ursachen einer jeden sogenannten Krankheit, die gleich die Therapie miteinschliesst!» Dieses anmassende Zitat stammt von einem gewissen Ryke Geerd Hamer. Für seine Anhänger ist der ehemalige Arzt ein Heilsbringer. Seine «Theorie»: hinter jedem Krebs und jeder Krankheit stecke ein «akuter Konflikterlebnisschock». Hamers Schweizer Jünger, die Patientinnen und Patienten grauenvoll zu Grunde gehen lassen, haben ihren Vereinssitz im thurgauischen Weinfelden. Von dort aus verbreiten Harald Baumann, ein ehemaliger Bauarbeiter und die Naturärztin Arlette Büchel ihre kruden Thesen. Von dort aus organisieren sie Briefkampagnen, Demonstrationen und vor allem Vortragsabende, die sie landesweit in verschiedenen Gaststätten durchführen. Vor Ort indoktrinieren sie das Publikum mit Sätzen wie: «Chemotherapie ist ein Gift, welches das Gegenteil des Gewünschten bewirkt.» Oder: «Die Schulmedizin ist von der Chemo-Mafia unterwandert und für den Tod von Hunderttausenden von Menschen verantwortlich.» Metastasen gebe es genauso wenig wie Hirntumore, wird behauptet.

«Heilende Hände», die nach dem Geldbeutel greifen

Das Angebot an alternativen Heilmethoden gleicht einem unüberschaubaren Jahrmarkt, in dem Scharlatane ein allzu leichtes Spiel haben. Alleine in der Schweiz tummeln sich einige Tausend esoterischer «Therapeuten», Heiler, spirituelle Meister und Medien. Sie versprechen ihren Klienten und Anhängerinnen den Aufstieg ins kosmische Licht, die vollständige Genesung von ihren Leiden und die spirituelle Transformation in ein höheres Bewusstsein, kurz: übersinnliche Wunder. In unserer Zeit des Machbarkeitswahns wecken wundersame Versprechen ungestillte Sehnsüchte und fallen bei vielen verunsicherten Personen auf einen fruchtbaren Boden. Kann sie der Schulmediziner nicht mehr erfüllen, tritt der Spiritualist noch so gerne in die Lücke. Schamlos machen sie Geld mit der Angst und den Schmerzen ihrer Opfer.

«Geheimnis der lebenslangen Gesundheit»

Längst hat sich ein Teil der Heilerszene in einen therapeutischen Supermarkt verwandelt, in dem Gesundheit und Erfolg sozusagen per Knopfdruck angeboten werden. Eine Ikone, die für solchen Instanterfolg steht, ist der äusserst umtriebige Deutsche Kurt Tepperwein, der sich bis 2006 mit einem gekauften Professorentitel schmückte. Der ehemalige Schreiner und angebliche Unternehmensberater ist heute als Heilpraktiker, Buchautor, CD-, Video-Produzent, Seminarreferent, «Mentaltrainer» und «Lebensmeister» tätig. Wer seine teuren Kurse absolviert hat, glaubt, dass nur «negative Gedanken» für Krankheit und Misserfolg verantwortlich sind. Und wie man solche in den Griff oder weg bekommt, erläutert Tepperwein in Seminaren mit Titeln wie: «So aktivieren Sie ihre Selbstheilungskräfte» oder «Die geistigen Gesetze des Erfolgs – wie man vom Leben bekommt, was man will.»

Lieber «hausgemacht» als importiert

Sind nun paramedizinische oder esoterische Methoden wie das Geistheilen einfach nur Humbug? Nein. Nur, weder geistige Energie noch Geistwesen lassen sich unter das Mikroskop klemmen oder in der Zentrifuge schleudern. Inzwischen belegen aber zahlreiche Studien, dass beispielsweise schamanische Rituale durchaus eine Heilwirkung entfalten – allerdings mit einer gewichtigen Einschränkung: Sie schlagen bevorzugt dort an, wo sie kulturell und traditionell zu Hause sind; in Südamerika, Asien, Polynesien oder Afrika. Doch der Import exotischer Therapiemethoden in den westlichen Kulturkreis mit all ihren Hausgöttern oder Feldgeistern birgt mehr Gefahren als Nutzen.

----

Daran erkennen Sie Scharlatane – CHECKLISTE

Das ist unseriös und sollte Sie misstrauisch stimmen.

1. Wenn ein Heiler mit einem Repertoire an Behandlungen protzt: Neben Bachblüten- und Vitalenergietherapie, bietet er beispielsweise Rückführungen in vergangene Leben an, legt Tarotkarten, ist Geistheiler.

2. Wenn sich die Heilerin als «Channelmedium» ausgibt, die einen göttlichen Draht zu einem aufgestiegenen (verstorbenen) Meister oder anderen Wesenheit hat, von der sie angeblich Anweisungen oder Heilenergie erhält.

3. Wenn ein Therapeut schnelle und nachhaltige Heilung innert kurzer Zeit verspricht – selbst bei schweren Erkrankungen wie Krebs oder Aids. Es gibt bei einer Krankheit nie eine Garantie auf Heilung.

4. Wenn er von «effizientem Heilen» und «Bewusstseinstraining» oder «Mentaltraining » spricht und Sie auch noch von «fremden Energien» befreien will. Geistheilen setzt viel Demut voraus. «Effizientes» Heilen gibt es nicht. Wer das Gegenteil behauptet, betreibt Gehirnwäsche mit dem Ziel, Patientinnen und Patienten mental und finanziell abhängig zu machen.

5. Wenn die Therapeutin sich abschätzig über die Schulmedizin äussert oder gar von schulmedizinischen Therapien und der Einnahme von Medikamenten abrät. Dasselbe gilt auch, wenn sie sich gegenüber anderen alternativen Methoden ablehnend äussert.

6. Wenn ein Therapeut Ihnen mit einer Verschlimmerung Ihres Leidens oder gar anderen Erkrankungen droht, falls Sie sich nicht auf ihn einlassen oder sich nicht von ihm weiterbehandeln lassen wollen.

7. Wenn es zum direkten Körperkontakt an intimen Stellen kommt.

8. Wenn der Heiler mit Gütesiegeln wie Diplomen, Anerkennungen, Zulassungen und Prüfungen zu beeindrucken versucht – in der Hoffnung auf Ihre Unkenntnis, dass es gegenwärtig kein einziges auch nur halbwegs wissenschaftlich abgesichertes Prüfverfahren für Geistheiler gibt. Meiden Sie Heiler, aber auch andere Therapeuten mit dubiosen akademischen Titeln.

9. Wenn hervorragende Ergebnisse bei völlig nebenwirkungsloser und schmerzloser Behandlung versprochen werden. Oft wird ein wunderbarer wissenschaftlicher Durchbruch verkündet, der sich bisher aber nicht habe durchsetzen können, weil der Durchbruch vom Establishment, gemeint ist die Schulmedizin, bekämpft werde.

10. Wenn Diagnostik oder Behandlung auf einer ungeprüften Theorie beruht und bei kritischem Einwand immer wieder entsprechend neu angepasst wird.

11. Wenn ein Therapeut mit paramedizinischen Diagnoseverfahren aufwartet: Dazu zählen Kinesiologie, Irisdiagnostik oder das Pendeln.

12. Wenn ohne ausführliches Erstgespräch eine Behandlung durchgeführt wird.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Autor des neuen Buchs «Komplementärmedizin. Alternative Heilmethoden unter der Lupe».

Weiterführende Informationen

Zum Buch

Meinungen / Ihre Meinung eingeben

Ähnliche Artikel dank Ihrer Spende

Möchten Sie weitere solche Beiträge lesen? Spenden an unsere gemeinnützige Stiftung SSUI machen es möglich. Spenden Sie 5 CHF per SMS mit dem Keyword Infosperber 5 an 9889 («Infosperber 5» an 9889).

Grössere Spenden via PayPal oder direkt aufs Spendenkonto IBAN CH0309000000604575581 (SSUI)
BIC/SWIFT POFICHBEXXX
Clearing-Nummer 09000

Ihre Spenden können Sie von den
Steuern abziehen.

Spende von den Steuern abziehen

Sie können Ihre Spende von Ihrem steuerbaren Einkommen abziehen. Für Spenden über 5 CHF erhalten Sie eine Quittung zu Handen der Steuerbehörden. Die Spenden gehen an die gemeinnützige «Schweizerische Stiftung zur Förderung unabhängiger Information» SSUI, welche die Informations-Plattform «Infosperber» ermöglicht. Infosperber veröffentlicht Recherchen, Informationen und Meinungen, die in der grossen Presse wenig oder gar keine Beachtung finden. Weitere Informationen auf der Seite Über uns

Wir danken Ihnen herzlich für Ihre Spende!

schliessen

Noch keine Meinungen

Ihre Meinung

Loggen Sie sich ein, um Ihre Meinung zu äussern. Wir möchten Missbräuche anonymer User möglichst vermeiden. Hier können Sie sich registrieren.
Sollten Sie ihr Passwort vergessen haben, können Sie es neu anfordern.

 

Am meisten gelesen

Am meisten Reaktionen

Aktuelle Dossiers

Die Euro- und Währungskrise

Euro-Münzen

Noch mehr Geldspritzen und Schulden bringen die Wirtschaft nicht mehr zum Wachsen. Sie führen zum Kollaps.
Dossier anzeigen

Cartoons von Patrick Chappatte

Patrick Chappatte

Der Genfer Karikaturist Patrick Chappatte nimmt mit spitzer Feder die Politik im In- und Ausland aufs Korn.
Dossier anzeigen

Die Politik der Pharmakonzerne

Pillen

Sie gehören zu den mächtigsten Konzernen der Welt und haben einen grossen Einfluss auf die Gesundheitspolitik.
Dossier anzeigen

Alle Dossiers anzeigen

Newsletter

Newsletter

Kreuzen Sie Themen an, die Sie interessieren. Den Newsletter dazu senden wir täglich oder wöchentlich. Gratis bestellen

IN KÜRZE: STEUERHINTERZIEHUNG ALS DELIKT

Philosophencafé

Noch vor zehn oder zwanzig Jahre wäre der neue BDP-Präsident mit seiner Aussage in die linke Ecke gestellt worden.
weiter

IN KÜRZE: Medien als Sprachrohr der Finanzmärkte

zvg

Kritik an deutschen Medien, welche die Wahlergebnisse in Frankreich und Griechenland im Gleichklang mit den Banken kritisieren.
weiter

BEVÖLKERUNG IN DER SCHWEIZ: PLUS 82'400 MENSCHEN

James Crydland Flickr / Creative Commons

Die Umweltvereinigung Ecopop macht sich Sorgen, weil die Bevölkerung in der Schweiz im Jahr 2011 stark zugenommen hat.
weiter

HÖCHSTE AUSZEICHNUNG FÜR PATRICK CHAPPATTE

ss

Der in Genf lebende Karikaturist Patrick Chappatte bekam in den USA den renommierten Thomas-Nast-Preis verliehen. Wir gratulieren!
weiter

SWISS WIRBT FÜR FRESSTOUR NACH NEW DELHI

ToastyKencc/upg

Zum «Crazy Food Walk» nach Delhi ködert die Swiss Kunden für 839 CHF. Indische Restaurants bei uns bieten dasselbe – ohne CO2.
weiter

Wer weiss die Antwort?

Was kann ich tun, damit meine Firma möglichst keine Steuern zahlen muss?

Es ist bereits 1 Antwort eingegangen.

Die Qualität unserer gesundheitlichen Versorgung ist schlechter als im Durchschnitt Europas. Das zeigt eine Studie aus Schweden.
weiter

Eine Werbekampagne gegen die Gratis-Zeitungen. Leider ist sie nur von der Solothurner Zeitung ins Blatt gesetzt worden...
weiter

Diese Rubrik enthält noch keinen Artikel