Ringiers Oberchefredaktor prostet auf Hitzfeld

Christian Müller / 25. Mrz. 2011 - In der Welt des Sports zählen nur die Resultate, denkt man. Doch auch Sportler sind Menschen und haben bei den Medien ihre Freunde.

Goals können gezählt werden. Auch andere Treffer. Und wo es um die Zeit geht, entscheiden mittlerweile die Hundertstelsekunden. Da gibt es keine «Spielräume», keine Verfälschungen und Verzerrungen. Alles ist objektiv, alles korrekt.

Falsch. Korruption ist bis in die obersten Gremien der Fifa aktenkundig. Und sogar in Deutschland sind etliche gerichtliche Untersuchungen im Gang, wie die Resultate von Fussballspielen mit Geld beeinflusst wurden.

Und dann gibt es noch einen Bereich, wo nicht so genau gemessen wird. Ort des Geschehens ist dann keine Fussball-Arena und keine Abfahrtspiste, sondern - zum Beispiel - ein Nobelhotel. Gezählt werden dort nicht die Goals, nicht die Treffer und nicht die Hundertstelsekunden. Gezählt werden dort die Champagner-Flaschen.

Die NZZ hat am 25. März 2011 über einen interessanten Anlass in der Zürcher Nobelabstiege «Dolder Grand» berichtet. Es ging um die Beziehungen zwischen den Göttern des Sports und den Allmächtigen der Medien.

Zwei Wochen vorher hatten Champagnerproduzenten unseren Nati-Trainer Ottmar Hitzfeld für sein «herausragendes Lebenswerk» mit der «Perle du champagne» geehrt. Zur Ehrung Hitzfelds waren im «Dolder Grand» nicht nur Hoeness aus München, Oliver Kahn, Stéphane Chapuisat oder Köbi Kuhn geladen, sondern auch der Ringier-Mann Marc Walder, Chef aller Ringier Chefredaktoren. Originalton NZZ: «Der 46-jährige CEO von Ringier schüttelte Hände, herzte innig Kuhn, klopfte Hitzfeld auf die Schulter, stand als Jurymitglied der «Perle du champagne» auf dem Podium und wurde von Hitzfeld in dessen Dankesrede als 'langjähriger Freund' bezeichnet.»

»Was Wunder, perlte danach die Berichterstattung auf den verschiedenen (Bild)Kanälen der Ringier Medien, als würde feinster und teuerster Champagner die Kehle erfreuen», so die NZZ wörtlich. Und weiter: «Die 'Schweizer Illustrierte' holte zu einer Hitzfeld-Eloge aus, die nicht zu toppen ist. Dazu auf vielen Kanälen Bilder, mit Hitzfeld, Hoeness und Walder und nur einer Botschaft: Alles ist gut, alles ist top.»

Zur Erinnerung: Noch vor wenigen Jahren war es eine ungeschriebene Regel, dass Journalisten und Verlagsprofis zur Polit-, Wirtschafts- und Sportprominenz eine gewisse Distanz wahren sollten, um eine objektive - sagen wir: unabhängige - Berichterstattung zu gewährleisten. Tempi passati. Der Trend geht in die umgekehrte Richtung.

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Keine

Weiterführende Informationen

Ottmar Hitzfeld und Ringier

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