In der Welt des Sports zählen nur die Resultate, denkt man. Doch auch Sportler sind Menschen und haben bei den Medien ihre Freunde.
Goals können gezählt werden. Auch andere Treffer. Und wo es um die Zeit geht, entscheiden mittlerweile die Hundertstelsekunden. Da gibt es keine «Spielräume», keine Verfälschungen und Verzerrungen. Alles ist objektiv, alles korrekt.
Falsch. Korruption ist bis in die obersten Gremien der Fifa aktenkundig. Und sogar in Deutschland sind etliche gerichtliche Untersuchungen im Gang, wie die Resultate von Fussballspielen mit Geld beeinflusst wurden.
Und dann gibt es noch einen Bereich, wo nicht so genau gemessen wird. Ort des Geschehens ist dann keine Fussball-Arena und keine Abfahrtspiste, sondern - zum Beispiel - ein Nobelhotel. Gezählt werden dort nicht die Goals, nicht die Treffer und nicht die Hundertstelsekunden. Gezählt werden dort die Champagner-Flaschen.
Die NZZ hat am 25. März 2011 über einen interessanten Anlass in der Zürcher Nobelabstiege «Dolder Grand» berichtet. Es ging um die Beziehungen zwischen den Göttern des Sports und den Allmächtigen der Medien.
Zwei Wochen vorher hatten Champagnerproduzenten unseren Nati-Trainer Ottmar Hitzfeld für sein «herausragendes Lebenswerk» mit der «Perle du champagne» geehrt. Zur Ehrung Hitzfelds waren im «Dolder Grand» nicht nur Hoeness aus München, Oliver Kahn, Stéphane Chapuisat oder Köbi Kuhn geladen, sondern auch der Ringier-Mann Marc Walder, Chef aller Ringier Chefredaktoren. Originalton NZZ: «Der 46-jährige CEO von Ringier schüttelte Hände, herzte innig Kuhn, klopfte Hitzfeld auf die Schulter, stand als Jurymitglied der «Perle du champagne» auf dem Podium und wurde von Hitzfeld in dessen Dankesrede als 'langjähriger Freund' bezeichnet.»
»Was Wunder, perlte danach die Berichterstattung auf den verschiedenen (Bild)Kanälen der Ringier Medien, als würde feinster und teuerster Champagner die Kehle erfreuen», so die NZZ wörtlich. Und weiter: «Die 'Schweizer Illustrierte' holte zu einer Hitzfeld-Eloge aus, die nicht zu toppen ist. Dazu auf vielen Kanälen Bilder, mit Hitzfeld, Hoeness und Walder und nur einer Botschaft: Alles ist gut, alles ist top.»
Zur Erinnerung: Noch vor wenigen Jahren war es eine ungeschriebene Regel, dass Journalisten und Verlagsprofis zur Polit-, Wirtschafts- und Sportprominenz eine gewisse Distanz wahren sollten, um eine objektive - sagen wir: unabhängige - Berichterstattung zu gewährleisten. Tempi passati. Der Trend geht in die umgekehrte Richtung.
Keine
Meinungen / Ihre Meinung eingeben
Möchten Sie weitere solche Beiträge lesen? Spenden an unsere gemeinnützige Stiftung SSUI machen es möglich. Spenden Sie 5 CHF per SMS mit dem Keyword Infosperber 5 an 9889 («Infosperber 5» an 9889).
Grössere Spenden via PayPal oder direkt aufs Spendenkonto
IBAN CH0309000000604575581 (SSUI)
BIC/SWIFT POFICHBEXXX
Clearing-Nummer 09000
Loggen Sie sich ein, um Ihre Meinung zu äussern. Wir möchten Missbräuche anonymer User möglichst vermeiden. Hier können Sie sich registrieren.
Sollten Sie ihr Passwort vergessen haben, können Sie es neu anfordern.
Noch mehr Geldspritzen und Schulden bringen die Wirtschaft nicht mehr zum Wachsen. Sie führen zum Kollaps.
Dossier anzeigen
Der Genfer Karikaturist Patrick Chappatte nimmt mit spitzer Feder die Politik im In- und Ausland aufs Korn.
Dossier anzeigen
Sie gehören zu den mächtigsten Konzernen der Welt und haben einen grossen Einfluss auf die Gesundheitspolitik.
Dossier anzeigen
Kreuzen Sie Themen an, die Sie interessieren. Den Newsletter dazu senden wir täglich oder wöchentlich. Gratis bestellen
Noch vor zehn oder zwanzig Jahre wäre der neue BDP-Präsident mit seiner Aussage in die linke Ecke gestellt worden.
weiter
Kritik an deutschen Medien, welche die Wahlergebnisse in Frankreich und Griechenland im Gleichklang mit den Banken kritisieren.
weiter
Die Umweltvereinigung Ecopop macht sich Sorgen, weil die Bevölkerung in der Schweiz im Jahr 2011 stark zugenommen hat.
weiter
Der in Genf lebende Karikaturist Patrick Chappatte bekam in den USA den renommierten Thomas-Nast-Preis verliehen. Wir gratulieren!
weiter
Zum «Crazy Food Walk» nach Delhi ködert die Swiss Kunden für 839 CHF. Indische Restaurants bei uns bieten dasselbe – ohne CO2.
weiter
Was kann ich tun, damit meine Firma möglichst keine Steuern zahlen muss?
Die Qualität unserer gesundheitlichen Versorgung ist schlechter als im Durchschnitt Europas. Das zeigt eine Studie aus Schweden.
weiter
Eine Werbekampagne gegen die Gratis-Zeitungen. Leider ist sie nur von der Solothurner Zeitung ins Blatt gesetzt worden...
weiter
Diese Rubrik enthält noch keinen Artikel
Spende von den Steuern abziehen
Sie können Ihre Spende von Ihrem steuerbaren Einkommen abziehen. Für Spenden über 5 CHF erhalten Sie eine Quittung zu Handen der Steuerbehörden. Die Spenden gehen an die gemeinnützige «Schweizerische Stiftung zur Förderung unabhängiger Information» SSUI, welche die Informations-Plattform «Infosperber» ermöglicht. Infosperber veröffentlicht Recherchen, Informationen und Meinungen, die in der grossen Presse wenig oder gar keine Beachtung finden. Weitere Informationen auf der Seite Über uns
schliessenWir danken Ihnen herzlich für Ihre Spende!