Sperberauge

Viele Flüge buchen: «Erleben Sie Singapurs Spitzenküche!»

Urs P. Gasche © Peter Mosimann

Urs P. Gasche /  Die Lufthansa-Tochter Swiss lockt auch «an den Strand in Miami» – trotz Klimakrise. Wir sollen unseren «Platz in der Welt finden».

«Sich eine Pause vom Alltag gönnen. Es sich mit einem Buch bequem machen oder mal was Neues ausprobieren. Reisen ist das, was du draus machst. Egal, ob ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten oder doch eher in den Osten: jetzt schon den nächsten Flug buchen und bis zum 11. Dezember verreisen.»

So lautet die neuste Werbebotschaft der Fluggesellschaft Swiss. Egal wohin es geht, Hauptsache, es buchen bald wieder möglichst viele Menschen einen Flug. Sei es nur, um «Singapurs Spitzenküche» zu geniessen oder an einem möglichst fernen «Strand zu liegen» und dort ein Buch zu lesen. «Jetzt buchen», lautet die Aufforderung.

Im Erfolgsfall melden dann «SRF Börse» und andere Börsen- und Wirtschaftsmedien als frohe Botschaft, es gehe mit den Aktienkursen der Fluggesellschaften wieder aufwärts.

  • Kein Wort vom kostenlosen, unbesteuerten CO2-Ausstoss und den Folgen für das Klima.
  • Kein Dank an Parlament und Regierung, dass sie auf Flugtickets keine Mehrwertsteuer erheben.
  • Kein Dank an Parlament und Regierung, dass sie das Flugbenzin – anders als das Heizöl und das Autobenzin – von allen Steuern und Abgaben befreit haben.
  • Kein Dank an das Parlament für den erhaltenen 1,8-Milliarden-Coronakredit, den die Swiss mit falschen Zahlen beantragt hatte.
  • Kein Dank an Parlament und Regierung, dass sie die Fliegerei gegenüber Bahn- und Strassenverkehr bevorteilen.

Die Lufthansa-Tochter tut viel Gutes, damit wir ihr wohlgesinnt bleiben: Sie sponsert Lauberhornrennen in Wengen, lässt die Fussball-Nationalmannschaft gratis fliegen und unterstützt das SOS-Kinderdorf, «das weltweit Kindern in Not ein liebevolles Zuhause gibt».


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

Keine
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Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.

Weiterführende Informationen

Zum Infosperber-Dossier:

Velofahrer

Anders Reisen – Umwelt schonen

Wie sich der Konflikt zwischen Reiselust und Klimafrust entschärfen lässt: Alternativen im Tourismus.

Dsenflugzeug

Flugverkehr

Freiheit für die einen, Klimakiller und Lärmbelästiger für andere. Auf jeden Fall ist er hoch subventioniert.

Bildschirmfoto20111221um18_39_50

Führt Wachstum zu Glück oder Crash?

Geht uns die Arbeit aus, wenn wir nicht ständig mehr konsumieren? Oder sind die Renten in Gefahr?

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6 Meinungen

  • am 9.02.2022 um 11:44 Uhr
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    In Ihrer Liste fehlt noch der Fluglärm, welche wenige Leute ganz stark belästigt und viele Leute leicht, also Dank an die so Belästigten, welche die externen Kosten der Fliegerei mitbezahlen.

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  • am 9.02.2022 um 12:06 Uhr
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    Danke Ihnen Herr Gasche, dass Sie das kritisch würdigen.
    Wie wohl etliche Menschen frage ich mich immer wieder, wieso das Wissen um die hochgradige akute Gefährdung unserer Existenz auf dieser faszinierenden Erde – durch unser eigenes Handeln! -, aber auch die Vernichtung so vieler anderer Arten und Lebensgrundlagen durch unser Tun, so wenig Niederschlag findet in unseren Werten und in unserem Handeln. Warum machen wir weiter wie bisher – ja im Grunde immer schlimmer?
    Eine plausible aber Antwort gibt der Soziologe und Nachhaltigkeitsforscher Ingolfur Blühdorn: So wie ich ihn verstehe befürchtet er, dass die Eliten, aber auch die Mittelschichten der wohlhabenden Konsumgesellschaften ein «gutes Leben für alle» als Ziel nicht (mehr?) anstreben, sich «befreien» aus den Verpflichtungen, die sich durch Reife, Vernunft, Würde, Selbstdisziplin und Zivilisiertheit in unserer Situation ergeben würden. An deren Stelle trete «offen das Recht der*des Stärkeren» – Diplomatie, gegenseitige Anerkennung, soziale Verständigung und sozialer Anstand würden ausgesetzt.
    Also ein Verteilungskampf um die besten Positionen, Ausbeutung und Ausgrenzung statt gemeinsamem Bemühen um eine «bessere Welt». Hoffentlich irrt Herr Blühdorn, aber es scheint wenig Hoffnungsvolles dafür zu sprechen, wenn man sich aktuell so umsieht in unserer Welt – im Großen und im Kleinen.
    Umso wichtiger sind wohl diejenigen, die nicht müde werden, sich für soziale und ökologische Transformation (und Frieden!) einzusetzen.

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  • am 9.02.2022 um 13:57 Uhr
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    lese ich da für einmal einen leichten Zynismus bei Herrn Gasche? Ohne Humor wäre es aber auch fast unerträglich!
    Und das Land der «unbegrenzten Möglichkeiten» ist heutzutage wohl eher das Land der unmöglichen Begrenzungen.

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  • am 10.02.2022 um 15:57 Uhr
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    Es stimmt mich wirklich traurig, dass wir Menschen – als das «intelligenteste Tier» – nicht besser zu unserer Umwelt schauen. Offenbar können wir leider nicht sehen, dass wir ohne die Natur nicht leben können, sie aber wunderbar ohne uns. Ich frage mich, was es braucht, um ein wirksames Umdenken einzuleiten. Friday for future oder Covid19 waren es – wie es scheint – auch nicht .

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  • am 11.02.2022 um 17:30 Uhr
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    Es ist der gut bürgerliche Profitwahn hierzulande und in der weiteren Umgebung. Es ist das Krebsgeschwür des heiligen Wachstums der Wirtschaft. Es ist die Sucht nach Macht der Oligarchen, der Diktatoren global und da kann man das :Innen ruhig weglassen. Der Jäger und Sammler früher jagte und sammelte um zu essen. Und heute um besser zu essen. Die einen Wenigen jedenfalls. Und die Möglichkeit zum Reichtum schreit nach Ellenbogen ausfahren und ist das Prinzip des Handels und der Produktion. Die toten Landschaften, die Gestorbenen werden zu Reihen von Zahlen, emotionslos, Hauptsache die Bilanz stimmt. Das geht so weiter. Bis dann, wenn die profitierenden Akteure ihre Säckel davon schwimmen sehen. Im Meer, das steigt. Aber dann ist es zu spät. Und die Politik wird weiter bobachten.

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  • am 12.02.2022 um 12:18 Uhr
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    Sie haben sicher großteils Recht, mit dem was Sie schreiben, Albert Einstein hatte – wie hier vor kurzem zu lesen war (https://www.infosperber.ch/gesellschaft/einkommen-vermoegen/albert-einstein-mehr-verantwortungsgefuehl-fuer-die-mitmenschen/) – in einem Artikel der Monthly Review schon vor mehr als 70 Jahren beklagt, dass «die Produktion … für den Profit, nicht für den Gebrauch betrieben» werde und zu mehr Verantwortungsgefühl für die Mitmenschen aufgerufen! Was würde er heute, mehr als 2 Menschengenerationen später sagen?
    Aber sind wir nicht alle irgendwie beteiligt an diesem Gesellschaftsmodell, das die stetige Verbesserung der eigenen Verhältnisse als Lebensinhalt so sehr fördert – zumeist zu Lasten aller übrigen Erdenbewohner? Der Eine mehr, die Andere weniger. Ist es nicht zu einfach, immer auf andere zu zeigen, die «Schuld» haben an den Missständen?
    Ich persönlich glaube, dass wir wenig Aussichten auf wirkliche Veränderungen haben, solange uns nicht bewusst wird, was zB. Caitlin Johnstone in Ihrem Artikel «us vs them» (hier kürzlich übersetzt: https://www.nachdenkseiten.de/?p=77815) zum Ausdruck bringt – nichts Neues, aber längst vergessen in unserer Kultur: dass wir alle eins sind, untrennbar zusammenhängen in unserer Existenz und unserem Schicksal.
    Würden wir dies in unserem Denken und Handeln mehr beherzigen, wäre die Welt sicher eine andere!?

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