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Kabelanschlüsse für einen Server neben einem Bündel Glasfaserleitungen © Depositphotos

Konzerne produzieren mehr PFAS wegen des KI-Booms

Daniela Gschweng /  Chips und Kühlsysteme für Rechenzentren brauchen PFAS. Die Top-Hersteller bauen aus – mit drei Ausnahmen.

Der enorme Bedarf an Rohstoffen für Rechenzentren schlägt sich bei der Produktion von Ewigkeitschemikalien nieder. PFAS werden möglicherweise bald nachgefragt sein wie nie zuvor. Von den zehn grössten Herstellern hätten fast alle Pläne, die Produktion auszuweiten, berichtet die Organisation Chem-Sec.

Die IT braucht die teilweise giftigen und extrem haltbaren PFAS dringend – etwa zur Produktion von Halbleitern und für die Kühlsysteme. Chem-Sec hat in einem Report aufgenommen, wie viele PFAS die Marktführer produzieren und was sie für die Zukunft planen, sofern dazu öffentlich zugängliche Daten vorliegen. Die Mehrheit der grossen Hersteller plant demnach, die Produktion auszubauen – trotz wachsender Kritik an den Substanzen. Viele verweisen auf die «KI-Revolution» und deren Bedürfnisse.

Der KI-Boom könne eine neue PFAS-Welle auslösen und damit Regulierungsbemühungen in mehreren Ländern untergraben, warnt Chem-Sec. Die europäische Chemikalienbehörde Echa hatte beispielsweise im März ein weitreichendes PFAS-Verbot empfohlen.

Mega-Rechenzentren treiben das Wachstum an

Mehrere Unternehmen nennen KI explizit als Wachstumstreiber. Dass einige der betreffenden Firmen in teure Klagen verstrickt sind, die PFAS-Verschmutzungen betreffen, scheint sie nicht zu hindern.

Der japanische Konzern Daikin etwa plant laut Chem-Sec einen «Datacenter Hub» für Fluorelastomere. Die Produktionskapazitäten sollen sich dadurch bis 2027 verdreifachen. Gleichzeitig habe das Unternehmen die Transparenz seiner US-Produktion reduziert. Ein Trick, den schon DuPont anwandte, schreibt Chem-Sec.

Das französische Unternehmen Arkema baue seine PFAS-Produktion in China und Nordamerika aus, um für die Produktion von Batterien, Halbleitern und Kabeln gut aufgestellt zu sein. Dazu hat das Unternehmen eben einen Standort zur Produktion von Kühlmitteln in Kentucky gebaut, um «mit dem rasanten Anstieg des Kühlbedarfs von Rechenzentren Schritt zu halten».

PFAS-Alternativen wären gerade jetzt nötig

Ähnliche Nachrichten gibt es vom US-Produzenten Chemours, dem japanischen AGC, Orbita Fluor & Energy (Mexiko), Solstice (früher Honeywell, USA) und Syensqo (Belgien). Auch Hersteller, von denen es nur wenig überprüfbare Information gebe, wie das indische Gujarat Fluorochemicals, der russische Produzent Halopolymer und der chinesische Dongyue-Konzern bauten ihre Produktion allem Anschein nach aus.

Als paralleles Wachstumsfeld nennen mehrere Firmen dem «Guardian» PFAS-Beschichtungen für Lithium-Ionen-Batterien, wie sie in Elektroautos, Laptops und Handys verbaut werden. Wenn es einen «richtigen» Zeitpunkt gibt, um Alternativen zu den problematischen Chemikalien zu finden, ist er vermutlich jetzt. Zum Beispiel bei der Konzeption von High-End-Kühlanlagen für grosse Serverfarmen – bevor diese gebaut werden.

Schwieriger wird es in anderen Bereichen. Die Herstellung von Mikrochips beispielsweise ist aufwendig und technisch komplex. PFAS sind dabei mehr als nur Hilfsstoffe. Der Austausch nur einer einzigen Chemikalie kann so zeitaufwendig und teuer werden.

Lob für die Schweizer Firma Archroma, BASF und 3M

Gegenbeispiele sind rar, aber es gibt sie: Das Unternehmen Archroma aus Pratteln setzt inzwischen auf PFAS-freie Alternativen und der deutsche Chemiekonzern BASF will bis 2028 aus der PFAS-Produktion auszusteigen. Nicht ohne Ausnahme: die umfangreiche Pestizidproduktion bleibt bestehen.

Der US-Konzern 3M hat Ende 2025 den PFAS-Ausstieg abgeschlossen, produziert laut Chem-Sec aber weiterhin über 10’000 Produkte mit PFAS-Anteil und ist mit rund 4000 laufenden Klagen konfrontiert. Bereits abgeschlossene PFAS-Verfahren haben für 3M allein in den USA zu Strafzahlungen in Höhe von 14 Milliarden Dollar geführt.


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3 Meinungen

  • 26.09.2026 at 11:15
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    Haben wir in der DDR in der Schule gelernt: Der Kapitalismus geht über Leichen, wenn er sich Gewinn verspricht (ebenso wie der Sozialismus jeden überrollte, der sich seiner Ideologie nicht anpasste. Nur das die Zahl der Opfer wesentlich geringer war). Da wirtschaftliches Wachstum für die Profiterhöhung unabdingbar ist und mittlerweile über acht Milliarden Menschen auf der Erde leben, kommt es auf die eine oder andere Million von Opfern nicht an. Umwelt, Klima, giftige Chemikalien in Nahrung, Luft und Wasser spielen dabei keine Rolle, Hauptsache die Rendite stimmt. Ich bin gewiss nicht fortschrittsfeindlich, nur müssen wir endlich mal erkennen, was für unser (Über)Leben nötig ist. Eine ungebändigte KI, Rechenzentren mit absurder Kapazität (Ziel: Profitmaximierung), Zerstörung des Planeten sicher nicht. Aber so lange die MEGuS (Mächtigen, Egoistischen, Gierigen und Skrupellosen) die Mittel und die Macht haben, ändert sich nichts, da können wir Zustandsbeschreibungen en masse liefern.

  • 26.09.2026 at 14:14
    Permalink

    PFAS töten dreifach:
    1) in Umwelt
    2) in KI (Bill Gates: «KI könnte eine Milliarde Menschen töten» 25.9.2026 20min)
    3) in Atombomben
    Ich: «PFAS wurde entdeckt und genutzt für Atombomben.»
    KI antwortet: «Das ist absolut korrekt. Die Geschichte der sogenannten ‹Ewigkeitschemikalien› (PFAS) ist untrennbar mit der Entwicklung der ersten Atombombe im Zweiten Weltkrieg verbunden.»
    Als USA im streng geheimen Manhattan-Projekt, Leitung J.R. Oppenheimer, Atombombe bauten, standen Wissenschaftler vor massivem Problem: Für Urananreicherung benötigten sie das extrem aggressive, hochkorrosive Gas Uranhexafluorid. Dieses Gas zerfrass herkömmliche Dichtungen, Rohre, Ventile in kürzester Zeit.
    Sie erkannten, dass die extrem starken Kohlenstoff-Fluor-Bindungen der PFAS-Verbindungen praktisch unzerstörbar und absolut resistent gegen die aggressiven Nuklearchemikalien waren. Teflon u.a. Fluorverbindungen wurden im großen Stil hergestellt, um Anlagen Urananreicherung wie in Oak Ridge betreibbar zu machen.

  • 27.09.2026 at 20:04
    Permalink

    Ich möchte zu DIESEM Artikel meine Schlußfolgerung vom 24.9.2026 («Ewigkeitschemikalie…») beitragen – nicht um mich zu reproduzieren, sondern um auf die Vergeblichkeit aller Kritik hinzuweisen. Sicher spielt die «Gewinnmaximierung» auch eine Rolle. Aber DAS könnte man vielleicht noch eingrenzen, aber nicht die unstillbare Gier des menschlichen Geistes nach Verifizierung seiner Phantasien und projektiven Verwirklichunen. Sie erlauben keine Limitierung. Solche kann nur durch die STETS übergeordneten natürlichen Lenkungsmechanismen erfolgen, leider, aber das ist – meiner Meinung nach – ein ,wenn nicht DAS Naturgesetz schlechthin. Die gesamte Entwicklungsgeschichte des homo sapiens beweist e. Heute mehr denn je.

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