Rolf Erb ist tot, Banker feiern in der Kronenhalle

Lukas Hässig © zvg

Lukas Hässig /  Pleitier schädigte keine Kunden, sondern zog Finanzhäuser über den Tisch. Im Banken-Land eine Todsünde – Banker untouchable.

Rolf Erb wäre jetzt im Gefängnis. Nun ist der tragische Pleitier, der zusammen mit seiner Familie eine Milliardenschuld zu verantworten hat, tot.

Umgekehrt seine Banker, die er über den Tisch gezogen hatte. Die konnten ihren Reichtum behalten, haben nichts zu befürchten und lassen es sich weiter gutgehen.
Die Geschichte des Ablebens des einst grössten Autounternehmers der Schweiz und seinen Bankern wirft ein Schlaglicht auf die Alpenrepublik.

Dort gilt die ungeschriebene Botschaft: Banker stehen über dem Gesetz. Während Rolf Erb für seine Taten schwer büssen musste und 7 Jahre Gefängnis aufgebrummt bekam, bleiben bis heute sämtliche Verantwortlichen einer riesigen Finanzkrise unbehelligt.

Erb war schwer krank, er kämpfte zuletzt um sein Leben. Seine Häscher nahmen ihn erst spät ins Visier, sie stützten sich auf die Aussagen der Banken ab, die Hunderte von Millionen Kreditausfälle wegen dem Erb-Konkurs erlitten. Die Ermittler trieben Erb vor die Richter, bis diese schliesslich ein unbarmherziges Urteil für den Unternehmer im Rentneralter fällten.

Umgekehrt die Banker, sie waren fein raus. Obwohl: Sie hatten sich jahrelang von Rolf Erbs Vater täuschen lassen, merkten nicht, dass sie zuletzt ein Kartenhaus finanzierten. Der Verlust war selbstredend schmerzhaft, doch gehörte er zum Bankgeschäft.

Die Schmach und das grosse Minus wollten die Banker aber nicht auf sich sitzen lassen. Sie sorgten dafür, dass Rolf Erb, der Letzte in der Winterthurer Dynastie, für ihren Verlust bluten würde. Das Bild hat das Zeug zum Sittengemälde. Die obersten Banker hatten weitaus gravierendere Taten zu verantworten, wenn man das potenzielle Schadenausmass zum Nennwert nimmt.

Die UBS brachte mit ihren Milliardenspekulationen in den USA die ganze Schweiz an den Rand des Abgrunds. 70 Milliarden setzte die Notenbank vor 9 Jahren aufs Spiel, um den Finanzmulti zu retten. Es war das «Balance Sheet» der Schweiz, welches die Nationalbank damals einsetzte, um die UBS vor dem Untergang zu bewahren. Jeder Schweizer Bürger ging mit rund 10’000 Franken ins Risiko. Keiner der betroffenen Schweizer Steuerzahler, von dem das Geld im Endeffekt kam, wurde je gefragt, ob er einverstanden damit war.

Was aber passierte den UBS-Chefs, welche die Schweiz um Haaresbreite zum Einsturz gebracht hatten? Was mussten Marcel Ospel, Peter Wuffli, Peter Kurer, Marcel Rohner et al. erdulden?
Nichts. Ospel erhielt als Höchststrafe ein Buh-Konzert im Zürcher Glamour-Gourmettempel Kronenhalle, wo der Basler mit Vorliebe in seinem gelben Ferrari vorfuhr und dinierte. Seine Boni konnte Ospel weitgehend behalten. Nur auf einen Miniteil verzichteten er und seine Mitstreiter – als symbolischen Ablassdeal.

Die übrigen UBS-«Helden» von damals sitzen heute erneut in lukrativen Positionen. Peter Wuffli ist Präsident der Partners Group, Peter Kurer oberster Mann der Sunrise, Marcel Rohner einflussreicher Bigboss bei der Genfer Bank UBP. Oder Brady Dougan. 2010 kassierte der Amerikaner als CEO der zweiten Grossbank, der CS, einen Superbonus von 71 Millionen Franken. Zusammen mit seinen «ordentlichen» 20 Millionen für das zurückliegende Jahr strich Dougan auf einen Schlag 91 Millionen ein.

Letzten Dezember zahlte die CS wegen Sünden im US-Hypo-Geschäft die Rekordstrafe von 5,3 Milliarden Dollar. In den letzten zwei Jahren machte sie ein Minus von über 5,5 Milliarden Franken.

Wurde Dougan je für seine «Leistung» zur Rechenschaft gezogen? Musste er seine Boni zurückzahlen? Wurden ihm gesperrte Boni weggenommen? Nichts dergleichen.

Am wenigsten zu befürchten haben die selbst ernannten Masters of the Universe von der Justiz. Die Zürcher Staatsanwaltschaft für Wirtschaftsdelikte blies vor 10 Jahren locker zum Halali auf Swissair-Chef Mario Corti und seine Mitsteiter. Zu Unrecht, wie die späteren Freisprüche zeigten.

Doch bei Ospel & Co. zogen die Zürcher Wirtschaftsfahnder ständig ein neues Argument aus ihrem Paragraphen-Hut, wenn es darum ging, ihr Nicht-Agieren zu rechtfertigen. So liefert die Schweiz ein Paradebeispiel für ein Land, in dem die einen gleicher sind als die anderen. Die Banker haben mit ihrer Bonus-Praxis, den damit verbundenen gigantischen Risiken und dem Verrat von Bankgeheimnis und Kunden-Goodwill das Land nach unten geführt.

Rolf Erb schädigte niemanden – ausser diese Banken.

Eine Todsünde.
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Red. Dieser Kommentar erschien am 11. April auf Inside Paradeplatz.


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Keine. Der Wirtschaftsjournalist Lukas Hässig betreibt die Webseite «Inside Paradeplatz».

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Eine Meinung zu

  • am 13.04.2017 um 23:44 Uhr
    Permalink

    Es sollte die «no big to fail» als Regel gelten. Wahrscheinlich wäre es besser gewesen , dass UBS etc Zugrunde gegangen würden …, mit all deren Folgen .. eine heilsame Lektion für alle die Betroffenen , für den «einfachen» Bürger , den Staat , auch für die gläubigen , kurzsichtigen und nur Profitorientierte Investoren .( Wenn Ich Gewinne , verliert ja zwangslaüfig jemand andern … denken die überhaupt so ? )

    Hier müssen wir , als Steuerzahlern und mitfinanzierern dieser desaströsen Situation
    ganz klar Grenzen setzen. CEO und Verwaltungsräte sollten mit aller Härte des Gesetzes zur Rechenschaft gezogen werden und nicht mit Boni für ihr diletantisches Versagen belohnt werden… Dieser Heren gehören vor Gericht gestellt und sollten mit Ihrem Privat Vermögen vollumfänglich für Ihre Gier und Inkompetenz haften .

    Stephan Bütler

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