Crystal ball photography - sunset beach

Tech-Konzerne ergreifen die Macht. Symbolbild © Tamara_k/Depositphotos

Milliardäre sitzen am Schalthebel der militärischen Macht

Urs P. Gasche /  Ohne Palantirs Software – warnen Kritiker – wären Armee und Regierung handlungsunfähig. Die Demokratie verkomme zur Kulisse.

Der Software-Konzern Palantir gehört unter anderen den Milliardären Peter Thiel und Alex Karp.

Statt Kampfjets, Panzern oder Raketen liefert das Unternehmen digitale Betriebssysteme für das Militär sowie für Sicherheits- und Staatsapparate.

Thiels Risikokapitalfirma investiert auch in das Unternehmen Anduril, gegründet 2017. Anduril entwickelt autonome Waffen- und Überwachungssysteme samt Steuerungssoftware. Anduril ist privates und nicht börsenkotiertes Unternehmen.


Militärische Kernaufgaben in privaten Händen

Mit KI-Software und Datenplattformen versorgt Palantir Militär, Geheimdienste, Polizei und Grenzbehörden befreundeter Staaten. Die Software unterstützt Kriegsführung, Logistik, Personalverwaltung, Geheimdienstanalysen und das Auswerten innenpolitischer Daten.

Die staatliche Souveränität werde «privatisiert», kommentierte «Le Monde diplomatique». Militärische Kernaufgaben wanderten an Privatunternehmen ab. Peter Thiel erklärte offen, «Freiheit und Demokratie» seien «nicht mehr miteinander vereinbar». 

Die Zeitung schreibt weiter: «Algorithmen entscheiden zunehmend über militärische Ziele, Truppenbewegungen und Geheimdienstanalysen. Nicht Generäle kontrollieren diese Algorithmen, sondern private Unternehmen, die den Interessen ihrer Aktionäre folgen.»


Besitzer und Investoren sahnen ab

Palantir wird an der Börse mit über 400 Milliarden Dollar bewertet und übertrifft damit viele traditionelle Waffenkonzerne. Der KI‑Boom und Trumps Wiederwahl liessen den Aktienkurs explodieren. Zeitweise erreichte der Marktwert fast 490 Milliarden Dollar, bei einem Kurs‑Gewinn‑Verhältnis von über 400 – ein historisch extremes Niveau, wie Ökonomen betonen. 

Hedgefonds‑Manager Michael Burry wettet unterdessen gegen die Aktie. Palantir-CEO Alex Karp konterte und bezeichnet sein Unternehmen als unverzichtbare militärische Infrastruktur.

2025 schloss die US‑Armee Milliardenverträge mit Palantir ab, die den Zugang des Militärs zu dessen Software für die nächsten zehn Jahre sichern.


Patriotische Rhetorik des KI‑militärisch‑industriellen Komplexes

Palantir inszeniert sich als patriotischer, «anti‑woker» Akteur, der die militärische Überlegenheit der USA, Grossbritanniens, Israels, der Ukraine und anderer Verbündeter sichern will. Kommentatoren sehen darin die Spitze eines neuen «KI‑militärisch‑industriellen Komplexes». Dieser übertrage Eisenhowers Warnung vor dem militärisch‑industriellen Komplex ins Software‑Zeitalter: Die Macht wandert von gewählten Institutionen zu privat kontrollierten Daten‑ und KI‑Plattformen.


Drehtüren, Fondsnetzwerke und Machtarchitektur

Ehemalige Manager von Palantir, Anduril, Meta oder OpenAI besetzen Schlüsselpositionen in Washington und im Pentagon, manchmal mit fortbestehenden Beteiligungen an den Firmen, deren Produkte sie nun beschaffen oder regulieren. 

Risikokapitalfonds wie Founders Fund, 1789 Capital und Andreessen Horowitz bündeln Investitionen in Palantir, Anduril, SpaceX, xAI und Nuklear‑Start-ups. Sie kontrollieren zentrale Infrastrukturen, auf denen staatliche Souveränität traditionell ruht – Daten, Geld, Waffen, Satelliten, Energie.


Europas stille Abhängigkeit in den US-Stack

Mit «Stack» ist die gesamte Infrastruktur gemeint: von Hardware, Cloud und Betriebssystemen über Datenbanken, KI‑Modelle und Plattformen bis hin zu Bezahlsystemen oder speziellen Fachanwendungen.

Während Brüssel über «digitale Souveränität» debattiert, binden sich europäische Regierungen tief in den US‑dominierten Stack ein. In Deutschland protestieren Bürgerrechtsgruppen gegen Palantir‑Analysetools in Polizeibehörden und gleichzeitig setzt die Bundeswehr auf Andurils autonome Systeme. Italien erwägt, verschlüsselte Militärkommunikation auf Musks Starlink zu verlagern. In Grossbritannien verarbeitet der NHS Millionen Patientendaten über Palantirs Federated Data Platform – parallel zu milliardenschweren Verteidigungsverträgen.

Diese Abhängigkeiten werden politisch kaum diskutiert, sind aber technisch schwer rückgängig zu machen.


Demokratie als Fassade, Infrastruktur als Machtzentrum

Die Souveränität verschiebt sich weg von demokratisch kontrollierten Institutionen, hin zu privat beherrschter Technologie, deren Ziel der Shareholder‑Value ist. «Le Monde diplomatique» schreibt: «In den USA wird der Staat grundlegend umgebaut. Tech-Unternehmen wie Palantir und Anduril übernehmen zentrale hoheitliche Aufgaben. Diese ‹Privatisierung der Souveränität› greift zunehmend auch in Europa.»

Wahlen und Parlamente bleiben als demokratische Fassade bestehen. Doch die reale Entscheidungsmacht liegt bei den Tech-Konzernen, die Betriebssysteme für Militär, Verwaltung, Finanzen und Kommunikation bereitstellen. Firmen wie Palantir – an den Börsen gefeiert – gewinnen an politischer Bedeutung. Ins öffentliche Bewusstsein dringt dies erst langsam vor. 


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

Keine
_____________________
➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren SPENDEN möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.

Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:



_____________________
Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.

Zum Infosperber-Dossier:

Bildschirmfoto20120107um17_56_48

Die Demokratien im Stress

Die Finanz- und Politkrisen setzen den Demokratien im Westen arg zu. Auch mit der Gewaltenteilung haperts.

Konzerne_UggBoyUggGirl

Die Macht von Konzernen und Milliardären

Wenn Milliarden-Unternehmen und Milliardäre Nationalstaaten aushebeln und demokratische Rechte zur Makulatur machen.

War dieser Artikel nützlich?
Ja:
Nein:


Infosperber gibt es nur dank unbezahlter Arbeit und Spenden.
Spenden kann man bei den Steuern in Abzug bringen.

Direkt mit Twint oder Bank-App



Spenden

Ihre Meinung

Lade Eingabefeld...