Kommentar

Keller-Sutters Nebel-Petarden

Lukas Hässig © zvg

Lukas Hässig /  Die Finanzministerin hat die CS der UBS geschenkt. Nun versucht die Freisinnige in grossen Medien zu punkten.

Am 19. März hätte die Freisinnige Karin Keller-Sutter zeigen müssen, was sie drauf hat. Doch statt der UBS den Tarif zu erklären, schenkte sie der Grossbank die CS. Für die Finanzministerin selbst und ihre Partei, die FDP, ein Desaster. Im Wahljahr 2023 auf der ganzen Linie versagt – das hallt nach.

Was tun? Gegenoffensive in den Medien.

Am Sonntag lief es gut für Keller-Sutter. Die SonntagsZeitung schoss gegen den Vorgänger der St.Gallerin auf dem Stuhl des helvetischen Säckelmeisters. Den Zürcher Ueli Maurer von der SVP. Der habe die Rettung der CS Ende 2022, in der Schlussphase seiner Amtszeit, verschlafen. Zentral ist anderes.

Keller-Sutter war gänzlich unvorbereitet, als es im März ums Ganze ging. Die UBS sackte die CS für 3 Milliarden Franken ein, erhielt von Bern obendrauf 9 Milliarden Abdeckung für allfällige Risiken. Die Finma radierte auch 17 Milliarden Wandel-Kapital der CS aus – etwas, das dem Rechtsstaat Schweiz jahrelange Buchschmerzen bescheren wird.

Die Aktie schiesst hoch

Alles für die UBS. Die verzichtete kürzlich grosszügigerweise auf die 9 Milliarden-Garantie. Seither schiesst die Aktie hoch, der Weg für den grossen Jobabbau ohne Politik im Nacken ist frei. Ebenso die Aussicht auf Boni in Jahrhundert-Dimension.

Wie sehr Keller-Sutter im entscheidenden Moment ihrer Karriere nicht auf der Höhe der Aufgabe war, geht aus dem Preis für die CS hervor: Die 3 Milliarden – die UBS bot anfänglich gar nur 1 Milliarde – sind lächerlich.

Warum? Weil die Bank stabilisiert wurde – SNB und Bund sei Dank.

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Monster-Gewinn, Monster-Boni.

Ein Dumping-Angebot

Waren die 76 Rappen pro Aktie der CS ohne Staatshilfe gerechtfertigt, so entsprachen sie nach der Rettung einem Dumping-Angebot. Die Nationalbank gab 150 Milliarden Liquidität aus eigenem Antrieb, obendrauf kamen weitere 100 Milliarden mit Kreditdeckung vom Bund. Plus die 9 Milliarden Garantie. Macht total 259 Milliarden Staatshilfe.

Mit dieser historischen Stützung veränderte sich die Lage der CS schlagartig. War sie am Morgen vom Sonntag, dem 19. März, noch Pleite, so hatte sie am Abend, bei der Verkündung der Rettung, ein neues Leben.

Entscheidend sind die CDS, also die Credit Default Swaps respektive die «Spreads» dieser Papiere gegenüber einer risikofreien Geldanlage. Diese CDS-Spreads stellen ein Fieberthermometer dar und sind faktisch gekoppelt mit dem Preis der darunter liegenden Aktie.

Als die CS vor dem Untergang stand, schossen ihre CDS-Spreads Richtung 1000 gerade nach oben. Nach der Rettung war klar, dass sie sich schnell reduzieren würden.

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CS-CDS-Spread am 10.2.23 – faire Basis für Deal vom 19.3.23?

Keller-Sutter und ihre Beamten aus dem Finanzdepartement hätten beispielsweise ein Herunterkommen der CDS-Spreads auf rund 300 Basispunkte, also 3 Prozentpunkte, dem Deal zugrunde legen können.

So hoch war die Prämie für eine Konkursabsicherung der CS im Februar. Ausgehend davon hätte die Finanzministerin dann aber einen ganz anderen Preis pro CS-Aktie von den UBS-Bossen fordern müssen.

Das Vierfache wert

Nämlich jenen, der damals um den 10. Februar herum für den CS-Valor bezahlt wurde: rund 2,90 Franken. In etwa das Vierfache des von den UBS-Granden Gebotenen. Statt 3 Milliarden hätten diese somit 12 Milliarden für die CS auf den Tisch blättern müssen. Dass sie mit einem Bruchteil davonkamen, können sie Keller-Sutter verdanken.

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CDS-Spread um die 300 basierte auf Aktienpreis um die 2.90.

In UBS-Kreisen sieht man dies verständlicherweise anders. Niemand habe damals im März die Risiken einer CS-Komplett-Übernahme abschätzen können, so der Tenor.

Genau deshalb habe es das ganze Paket gebraucht, also tiefe Aktienbewertung, das Ausradieren der Wandel-Bonds, die Bundes- und Nationalbank-Rettungsaktion mit Liquidität und Verlustgarantie.

Würde die UBS-Führung wie querbeet gefordert die CS Schweiz in die Freiheit entlassen, käme ein Wert von wohl weit über 10 Milliarden zum Vorschein. Allein für diese Tochter. Dann würde für jedermann offensichtlich, «how tiny the sticker price was for Credit Suisse compared with subsequent sums of its parts», wie die Financial Times kommentierte. Auf solch einen Augenöffner für die Bevölkerung habe die Politik keinerlei Lust. Deshalb würde sie der UBS freie Hand rund um die CS Schweiz lassen.

Viel lieber, als reinen Wein einzuschenken, streut Keller-Sutter den Bürgern Sand in die Augen. Man habe mit den Krediten und der Garantie-Bereitstellung viel Geld in kurzer Zeit verdient, meinte das FDP-Aushängeschild, als die UBS «freiwillig» alle Staatsfesseln löste.

Deren Topshots hielten sich wohl die Bäuche vor lauter Lachen.


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

Keine. Der Autor ist Redaktor und Inhaber des Portals Inside Paradeplatz, auf dem dieser Beitrag zuerst erschien.
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Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.

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Eine Meinung zu

  • am 23.08.2023 um 11:43 Uhr
    Permalink

    Beim CS/UBS-Fall geht es auch um viel Politisches. Hier ist die entscheidende Frage, warum das Verfahren für «Too-big-to-fail-Banken» im März dieses Jahres nicht angewendet wurde. Nach Aussagen der FINMA in ihrem Jahresbericht hat die Credit Suisse alle Vorgaben des Verfahrens erfüllt.
    Die PUK muss vor allem diese Frage klären. Wer ist verantwortlich für den Einsatz von Notrecht statt dem gesetzlichen TBTF-Verfahren? Ausser Betracht fällt ganz bestimmt der frühere Finanzminister.

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