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Aufpassen beim Geldwechsel: Man muss die Kurse wirklich anschauen! © cm

So werden Touristen abgezockt

Christian Müller /  Zwölf und mehr Prozente an Marge werden beim Geldwechsel an Flughäfen kassiert. Ein schneller Gewinn auf Kosten der Gutgläubigen.

Auf einer Tafel mit roter Leuchtschrift sind die am danebenstehenden Schalter gehandelten Wechselkurse offen sichtbar: eine wohl zu vertrauenerweckende Massnahme. Denn wer die Wechselkurse so offen zeigen kann, wird wohl kaum etwas Falsches anbieten, mögen sich blauäugige Touristen denken. Aber das ist ziemlich falsch gedacht.

Die auf Geldwechsel und Geldtransfer spezialisierte Firma Travelex ist gemäss ihrer eigenen Website in 23 Ländern aktiv, darunter acht europäische Länder, auch die Schweiz.

Und was offeriert sie für Wechselkurse am Flughafen, wo Touristen aus aller Welt ankommen und in Eile ihr erstes lokales Geld brauchen?

Beispiel Prag

Kommt ein Schweizer nach Prag und will sich bei der Ankunft am Flughafen Kronen besorgen, so erhält er für CHF 100.- gemäss Leuchtschrifttabelle 1’967 Tschechische Kronen (CZK). Der offizielle Wechselkurs (ohne Bank-Marge) beträgt CHF 1 = 22.5 CZK. Die Differenz, also die Marge der sogenannten Wechselstube, beträgt bei CHF 100.- also 283 CZK oder etwa CHF 12.60.

Vielleicht wechsle ich ja auch gerade CHF 1000.- in Tschechische Kronen (CZK), in der Annahme, ich müsse an vielen Orten bar bezahlen. Am Travelex-Schalter am Flughafen erhalte ich dann – gemäss Leuchtschrifttabelle –19’667 Tschechische Kronen. Dabei verdient Travelex etwa CHF 126.-. 19’667 Kronen reichen in Prag nun allerdings für etliche Tage Aufenthalt, inkl. Hotel. Ich habe am Ende meines Aufenthalts also zu viele Tschechische Kronen und wechsle diese am gleichen Schalter zurück in Schweizer Franken. Für diese, als Beispiel, CZK 5000 erhalte ich CHF 195.16 – gegenüber CHF 222.22, was ich ohne Marge der Wechselstube erhalten müsste. Die Travelex verdient dabei also nochmals CHF 27.06.

Die Prozent-Zahlen sprechen eine noch deutlicheere Sprache

In Prozenten sieht das dann so aus: Am Verkauf der Tschechischen Kronen verdient die Travelex etwa 12.6 Prozent. An der Zurücknahme der verbliebenen Kronen verdient die Travelex nochmals über 12 Prozent.

Und Achtung: 12 Prozent Gewinn nicht in einem Jahr, wie etwa beim Zins für ein Darlehen, sondern in ein paar Minuten. Und absolut ohne Risiko! Denn das Geld geht ja im gleichen Augenblick in beiden Richtungen über den Schalter.

Travelex wird sagen: Ja, um dieses Geschäft überhaupt betreiben zu können, müssen wir unendliche Summen Bargeld bereit halten. Aber was zahlt Travelex für dieses Bargeld an Zins? Vielleicht 2 Prozent im Jahr.

«Aber nein, wir haben auch ein Risiko, denn die offiziellen Kurse schwanken ja auch. Da können wir auch massiv Geld verlieren», wird dann Travelex sagen. Ja, das stimmt. Nur: Wenn die Wechselkurse schwanken, ist die Marge nicht nur zuweilen kleiner, sondern – statistisch gesehen – ebenso oft grösser. Dann verdient Travelex sogar mehr!

Führen wir doch das Gedankenexperiment mal weiter. Travelex kann das eingesetzte Kapital zum Wechseln einmal pro Tag einsetzen. Sie verdient dann also jeden Tag 12 Prozent als Marge aus dem Wechsel. Auf dem Flughafen aber 365mal im Jahr!

Konkret heisst das aber, bei eingesetzten CHF 100.- am 1. Januar: Am zweiten Tag sind es CHF 112.-, am 3. Januar 125.44, am 4. Januar 140.49, am 5. Januar 157.35, am 6. Januar 176.23, am 8. Januar 197.38, am 9. Januar 221.07, usw, usw.

Der Wechselkurs, sprich: die Differenz zwischen Kauf und Verkauf einer Währung, ist bei Travelex in Prag in Prozent bei praktisch allen Währungen etwa gleich. Nur gerade die Israelis können ihre Schekel und die Südkoreaner ihre Won etwas günstiger wechseln, während die Reisenden aus den Vereinigten Arabischen Emiraten sogar noch krasser über den Tisch gezogen werden.

So sehen die Regeln am Kapitalmarkt aus: Die Institute, die Geld haben, um damit zu «arbeiten», wie sie sagen, verdienen ein Schweinegeld – auf Kosten jener, die Geld wechseln müssen, zum Beispiel für ein paar Tage Ferien in einer fremden Stadt.

Und dann noch etwas: All diese Rechnungen basieren auf den auf der Leuchtschrifttafel angegebenen Kursen für den Geldwechsel. Wer auch weiter unten noch liest, sieht, dass da beim Wechsel auch noch eine «Commission» drauf kommt, Kommissionen also! Von etwas muss die Wechselstube ja schliesslich leben…


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

Keine. Der Autor reist oft in Länder mit anderen Währungen. Er wechselt meistens am Bancomat. Da sind die Wechselkurse noch erträglich.

Zum Infosperber-Dossier:

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4 Meinungen

  • am 14.06.2014 um 13:06 Uhr
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    Spontan sehe ich da keinen «Abriss», schliesslich hat man eine Alternative, eben rechtzeitig zur lokalen Bankfiliale oder an einen Automaten zu gehen. Abgerissen werden also «nur» schlecht vorbereitete Touristen und eilige Geschäftsleute. Wäre der Geldwechsel tatsächlich so ein Riesengeschäft, würden sich an den Flughäfen mehrere Wechselschalter konkurrenzieren, das ist aber oft nicht der Fall. Ausserdem lässt die Modellrechnung die Lohnkosten des auch zu «Unzeiten» verfügbaren Schalterpersonals ausser Acht.

    Eine Recherche wert wäre die Frage, ob die Flughafen-Betreiber systematisch nur einen Schalter zulassen und dafür an der Marge mitverdienen. Das wäre grenzwertig, allerdings auch kein allzu grosses Geschrei wert, denn man kann ja den Zug nehmen und den Flughafen dadurch vermeiden.

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  • am 14.06.2014 um 14:54 Uhr
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    Oh ja, das ist ein brutaler Abriss! Da hat man es in Bangkok schon besser! Siehe mal Vasu Exchange, Power Exchange oder Superrich. Da wird schnell klar, was in diesem Geschäft möglich ist. Südostasien ist grundsätzlich sehr gut. Einzig auf Bali muss man gut aufpassen, da sind die Unterschiede bei den Wechselstuben unglaublich gross. Normalerweise ist Central Kuta recht gut. Am Flughafen ist es immer generell teurer. Man kann ja auch SELL durch BUY dividieren, erhält man mehr als 1,03 lohnt sich der Geldbezug am Automaten. Nach meiner Meinung sollte hier eine Wuchergrenze eingeführt werden ähnlich wie bei Zinsen. Ab 5% ist Schluss, dafür soll es keine Lizenz mehr geben. Eine Deklarationspflicht als Prozentzahl plus die Kommission wäre ebenfalls sinnvoll. Auf Wettbewerb allein zu setzen bringt nichts, der findet leider nicht statt. Reisende sind oftmals ausgesprochen ungeschickt.

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  • am 11.05.2016 um 14:05 Uhr
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    Hallo,
    Es ist normal, hohe Kurse in Flughafen haben.
    Es gibt Mieten zahlbar an Flughäfen und viele Mitarbeitern für den Leitungen Geschäfte zu haben.
    Allerdings lade ich Sie unsere travelex.de Website zu nutzen. Sie finden die günstigsten Preisen mit der Lieferung Ihrer Währungen kostenlos zu Ihnen nach Hause zu finden.

    Vielen Dank im voraus.

    Mit freundlichen Grüßen,

    Marketing-Abteilung TRAVELEX

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