Finanzcasino besteuern

Das Besteuern von Finanztransaktionen ist in der EU eine alte Forderung, doch die Finanzindustrie wehrt sich bisher mit Erfolg dagegen. © cc/gabrielf49

Junge Zocker ziehen Hedgefunds-Spekulanten die Hosen herunter

Urs P. Gasche /  Finanzprofessor Marc Chesney warnt schon lange vor den Risiken der Marktmanipulationen an den Börsen und fordert deren Regulierung.

Die grossen Finanzkonzerne seien die Hauptakteure der Finanzmarktmanipulationen und des Wettens an den Börsen und würden für die reale Wirtschaft und die Demokratie eine echte Bedrohung darstellen, warnt Chesney. Diese Darstellung begründet er in seinem Buch «Die permanente Krise – Der Aufstieg der Finanzoligarchie und das Versagen der Demokratie»*. Es sei dringend nötig, dass der Charakter dieses «Finanzcasinos» nicht vernebelt, sondern offengelegt werde, fordert Chesney.

Zu dieser Offenlegung haben jetzt unerwartet junge Spekulanten beigetragen, die sich auf Plattformen der Social Media absprachen und Wetteinsätze mächtiger Hedgefunds erfolgreich konterten. Diese hatten auf den baldigen Konkurs von Firmen wie beispielsweise der Videospielhandelsfirma Gamestop gewettet. Infolge der Käufe der jungen Zocker sollen verschiedene Hedgefunds wegen ihren Leerverkäufen insgesamt über fünf Milliarden Dollar verloren haben.

Jetzt plötzlich machte der Charakter des Wettcasinos der Börsen Schlagzeilen. Infosperber hat Professor Marc Chesney dazu befragt. 

* * *

Infosperber: Die Börsenwelt ist in Aufregung, weil rund drei Millionen Kleinanleger mit kurzfristigen Spekulationsgeschäften enorme Kursausschläge provozierten. Als Finanzprofessor kritisieren Sie schon seit Jahren, dass die grossen Börsen zu einem Wettcasino verkommen seien. Was tun die jungen Wilden jetzt anders als Grossbanken und Hedgefunds?

Marc Chesney

Chesney: Diese Kleinanleger haben wahrscheinlich verstanden, dass Grossbanken und Hedgefunds versuchen, oft erfolgreich, auf ihre Kosten die Finanzmärkte zu manipulieren. Sie haben genug davon und haben die Lehre aus diesen Tätigkeiten gezogen. Mit ihren gebündelten Mitteln machen sie im Prinzip das Gleiche unter dem Motto: Warum sind es dieses Mal nicht wir, welche die Finanzmärkte manipulieren, um Gewinne zu erzeugen?

210129_Bund Schlagzeile
«Internetmob» und «eine Horde von Zockern»: Schlagzeile in Tamedia-Zeitungen am 29.1.2021. Einen Tag später korrigierten die gleichen Zeitungen: «Das Jammern der Hedgefunds über die Aktivisten ist nicht nur verlogen, es ist auch unbegründet.»

Infosperber: Der Tages-Anzeiger nannte die Kleinanleger eine «Horde» und einen «Internetmob», der die «Profianleger» zu Verlusten treibe. Inwiefern ist diese unterschiedliche Qualifikation gerechtfertigt?

Chesney: Schade, dass der Tages-Anzeiger Begriffe wie «Horde» und «Internetmob» nicht auch für die Hedgefunds benutzt hat.

Infosperber: Als die Kurse von beispielsweise Gamestop zu rasant stiegen, hat die US-Börse den Handel mehrmals gestoppt. Normalerweise wird der Handel gestoppt, wenn eine Aktie in kurzer Zeit zu stark fällt. Versuchte die Börsenaufsicht in diesem Fall, die grossen Finanzinstitute und Hedgefunds, die in Leerverkäufen investiert hatten, vor Verlusten zu retten?

Chesney: Das ist tatsächlich das Ziel der Börsenaufsicht: Die grossen Finanzinstitute und Hedgefunds, die leer verkauften, und die fast sicher waren, Gewinne auf Kosten der Kleinanleger zu machen, vor Verlusten zu retten. Um die Märkte zu stabilisieren, müsste man einfach alle Leerverkäufe verbieten. Leider will die US-Börsenaufsicht SEC nichts davon wissen.


Infosperber: Die Börsenaufsicht SEC sowie Ausschüsse des US-Kongresses sollen jetzt versuchen, gegen das Eingreifen der ungebetenen Kleinspekulanten vorzugehen. Wäre dies gerechtfertigt?

Chesney: Eine unabhängige und ehrliche Börsenaufsicht sollte gegen alle Marktmanipulationen kämpfen und nicht nur gegen diejenigen von Kleinanlegern. Wir sind schon lange mit einer Finanzcasinowirtschaft konfrontiert. Mit ihren Manipulationen und Wetten erzeugen die Finanzmärkte riesige Systemrisiken für die Gesellschaft. In der Zeit des Covid-19, in der das Gesundheitspersonal viel Zeit, Energie und Mut im Kampf gegen die Verbreitung der Pandemie investiert, ist es skandalös und moralisch inakzeptabel, wenn versucht wird, von der Verbreitung der Pandemie zu profitieren, wie die Hedgefunds es machen. Denn diese Pandemie bringt viele Unternehmen in finanzielle Nöte, was Hedgefunds ausnützen, um auf deren Bankrott zu wetten. Das war beim Videospielhändler Gamestop wahrscheinlich geschehen.

* * *

Milliardenwetten ohne Risiko eines Totalverlustes

Am Börsencasino sind Grossbanken als Kreditgebende und als Aktionäre von Hedgefunds wesentlich beteiligt. Grossbanken könnten sich nur an diesem Finanzcasino beteiligen, weil «ihre Chefs davon ausgehen, dass die Bank für die Risiken nicht geradestehen muss», erklärt Chesney in der Neuauflage seines Buches*.

Wie damals im Jahr 2008 müssten die Steuerzahlenden auch heute noch in Not geratene Grossbanken retten. Der Staat könne eine UBS, deren Bilanzsumme im Jahr 2019 bei 137 Prozent des gesamten Schweizer Bruttoinlandprodukts lag, oder eine Credit Suisse, deren Bilanzsumme das BIP sogar um 14 Prozent übertraf, nicht fallen lassen.

Doch Vergleiche mit der Bilanzsumme würden völlig ungenügend anzeigen, wie gross das Systemrisiko einer Grossbank tatsächlich ist. Denn ihre hochriskanten Wettgeschäfte berücksichtigen die Grossbanken in ihren Bilanzen nicht mit ihren Nominalwerten. Mit sogenannten Derivaten erzielte allein die Credit Suisse im Jahr 2019 einen Nominalwert des Geschäftsvolumens von unglaublichen 20’460 Milliarden Franken. Das entspricht ungefähr 26-mal der CS-Bilanzsumme und 462-mal dem CS-Eigenkapital. Zum Vergleich: Der Wert dieser Produkte entsprach etwa 29,7-mal dem BIP der Schweiz und etwa einem Viertel der Weltwirtschaftsleistung.

Bei der UBS entsprach der nominale Wert  der Derivate im Jahr 2019 20’800 Milliarden Franken, was dem 22-Fachen der UBS-Bilanzsumme und dem 435-Fachen des UBS-Eigenkapitals entsprach. Die allermeisten dieser Derivate werden ausserbörslich gehandelt. Wenn man diesen Handel einbezieht, erreichte das nominale Volumen 30-mal das Schweizer BIP und rund einen Viertel der Weltwirtschaftsleistung.

Weniger als 1 Prozent dieser astronomischen nominalen Werte würden realen Geschäften dienen, mit denen die Veränderung eines Kurses abgesichert wird. Die restlichen 99 Prozent seien Wetten einer Casino-Finanzwirtschaft sowie Marktmanipulationen, die der Realwirtschaft keinen Nutzen, sondern nur Gefahren bringen. «Wer kann da noch glauben, die Situation sei unter Kontrolle?», fragt Chesney.

«Niemand kann eine Autoversicherung abschliessen, ohne ein Auto zu besitzen»

Was den mächtigen Spekulanten mit ihren Milliarden auf den «Märkten» erlaubt ist, sei im normalen Leben nicht möglich, kommentiert Chesney in seinem Buch: «Niemand kann eine Autoversicherung abschliessen, ohne ein Auto zu besitzen … Man kann auch keine zehn oder hundert Versicherungen für das Auto des Nachbarn abschliessen in der Hoffnung, dass er einen Unfall hat, oder in der Absicht, das Auto zu manipulieren!»

Zu den «Wetten der Casino-Finanzwirtschaft» gehören nach Chesney auch Kombinationen von mehreren Derivaten, sogenannte «strukturierte Produkte», die so komplex sind, dass Bankkunden sie nur schwer verstehen. Manchmal gaukeln die Banken Produkte mit «100 Prozent Kapitalschutz» vor, obwohl es schon mehrfach zu absoluten Verlusten kam. Die Verpflichtungen, welche Banken mit strukturierten Produkten eingehen, sind astronomisch. Allein in der Schweiz waren es 2017 nach Angaben in Chesneys Buch 275 Milliarden Franken. Der Finanzprofessor sieht in diesen strukturierten Produkten «eine echte Gefahr für Privatanleger, Pensionskassen und Gemeinden» – und damit auch für die Demokratie.

Laut Ökonomen sollten die Finanzmärkte dafür sorgen, dass es zu einer optimalen Verteilung des Kapitals und der Risiken kommt. Werde aber das Kapital vor allem für Wetten anstatt für Investitionen eingesetzt, verliere es seinen produktiven Charakter. Die Finanzsphäre habe sich vom Geist des Unternehmertums entfremdet, sagt Chesney: «Statt der unsichtbaren Hand [des Marktes] agiert die Hand des Croupiers der Casino-Finanzwirtschaft, die den Einsatz für die Grossbanken und die Hedgefunds zusammenrafft.»

Konkrete Forderungen an die Politik

Vorschläge, um das unproduktive Wettcasino an den Börsen einzudämmen, haben Professor Marc Chesney und andere, die vor den Gefahren dieses systemgefährdenden Treibens warnen, schon lange formuliert. Doch die mächtige Lobby der Finanzkonzerne hat ein wirksames Eingreifen der Parlamente bisher verhindert. Im Folgenden lediglich ein paar ausgewählte Forderungen:

  1. Keine Grossbank und kein Konzern darf «too big to fail» sein: Die grossen Risiken einer Pleite dürfen nicht mehr die Steuerzahlenden tragen. Bis das ungewichtete Eigenkapital von Grossbanken 25 Prozent der Bilanzsumme erreicht, dürfen sie keine Dividenden auszahlen. Denn solange Banken ein Zehn- oder Zwanzigfaches an Krediten schaffen können, als sie Geld haben, bleibt das Bankensystem instabil und eine Gefahr für die Realwirtschaft. 
  2. Die Finanzprodukte sollten, bevor sie auf den Markt kommen, zertifiziert werden, so wie dies bei anderen Produkten der Fall ist, wie zum Beispiel im Industrie-, Nahrungs- und Pharmasektor. Die Finanzüberwachungsbehörden sollten für die Vergabe solcher Zertifikate verantwortlich sein. Auf diese Weise würde die Verbreitung «giftiger» Produkte begrenzt.
  3. Unkontrollierte Schattenbanken wie Hedgefunds sind strikte zu regulieren, damit Banken die Eigenkapital-Vorschriften nicht umgehen können: Über Schattenbanken laufen rund ein Viertel aller weltweiten Finanztransaktionen. Die Verschiebung von Risiken in die Schattenbanken sei «die grösste Gefahr für die Finanzstabilität», warnte Goldman-Sachs-Vizepräsident Gary Cohn.
  4. Over-the-Counter-Transaktionen sollten verboten sein. Sie schaffen zusätzliche Risiken. Derivative Produkte sollten über organisierte Börsen mit zentraler Clearingstelle gehandelt werden, wo sie kontrolliert, registriert und öffentlich gemacht würden. So könnte man vermeiden, dass die Absicherung bestimmter Produkte zu Wetten auf den Zusammenbruch von Unternehmen wird (wie es beispielsweise bei CDS der Fall ist).
  5. Kreditausfallversicherungen, sogenannte CDS, sind nur noch zuzulassen, wenn tatsächlich ein vorhandener Kredit versichert wird. Reine Wettgeschäfte, welche die grosse Mehrheit des CDS-Handels ausmachen, sind zu verbieten.
  6. Das risikoreiche Investmentbanking ist in unabhängige juristische Personen zu verlagern. Der Eigenhandel, also Börsenspekulationen der Banken auf eigene Rechnung ist zu verbieten.
  7. Für Privateinlagen von 100’000 CHF pro Bank ist eine Garantie zu gewähren, ohne die jetzige Obergrenze von insgesamt 6 Milliarden Franken für das ganze Land. 
    Eine mögliche Alternative wäre die Stossrichtung der Vollgeldinitiative.

_________________________________________________________

Cover Chesney permanente Krise
Cover Marc Chesney: Die permanente Krise

*Marc Chesney: «Die permanente Krise – Der Aufstieg der Finanzoligarchie und das Versagen der Demokratie», Zweite Überarbeitete Auflage, Versus Verlag Zürich, 2019, 20 CHF.

Wetteinsätze mit Derivaten einfach erklärt

upg. Ein Derivat ist ein Wertpapier oder Finanzprodukt, dessen Preisentwicklung vom Preis eines anderen Finanzproduktes, zum Beispiel einer Aktie (= der sogenannte Basiswert), abhängt. Mit einem Derivat spekuliert man darauf, ob der Preis eines bestimmten Produktes in Zukunft steigen oder fallen wird. Damit hat man eine Option erworben, ein Wertpapier wie eine Aktie an einem zukünftigen Datum zu einem im Voraus bestimmten Preis zu kaufen oder zu verkaufen.
Es wird auf den künftigen Preis eines Wertpapiers gewettet. Man setzt Geld auf eine bestimmte zukünftige Entwicklung. Wenn man richtig lag, gewinnt man und wenn man falsch lag, dann verliert man Geld. So kann man wetten, dass ein bestimmtes Unternehmen einem Teil seiner Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen kann oder sogar bankrott geht oder dass ein Staat bankrott geht und seine Staatsobligationen nicht mehr verzinsen und zurückzahlen kann. Noch bedenklicher: Grosse Finanzinstitute haben die Macht, Finanzmärkte zu manipulieren. Auf jeden Fall versuchen sie es, damit sich ihre Wetten erfüllen.


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

Keine.

Zum Infosperber-Dossier:

Bildschirmfoto20160522um11_33_36

Finanzcasino bedroht Weltwirtschaft

Mit unvorstellbaren Summen darf gewettet werden, dass grosse Unternehmen und Staaten pleite gehen.

War dieser Artikel nützlich?
Ja:
Nein:


Infosperber gibt es nur dank unbezahlter Arbeit und Spenden.
Spenden kann man bei den Steuern in Abzug bringen.

IBAN: CH 0309000000604575581

10 Meinungen

  • Avatar
    am 31.01.2021 um 11:59 Uhr
    Permalink

    Die Forderungen sind notwendig. Auch nach der Gamestop Geschichte findet man in den Medien wenig zu möglichen Anpassungen in der Börse. Ich habe wenig Hoffnung das sich etwas ändert. Selbst nach der Finanzkrise 2008 wurden nur kleine Massnahmen durchgeführt.

    Gerne möchte ich mich noch zur Mikrosteuerinitiative äusseren, weil Herr Chesney im Initiativkomitee sitzt.
    Die Idee der Finanztransaktionssteuer finde ich toll, jedoch soll bei dieser Initiative die Bundessteuer abgeschaffen werden und somit die Steuerprogression. Dies ist meiner Meinung nach ein falscher Ansatz und mit der Argumentation des Komitees bin ich nicht einverstanden. Denn die Steuerprogression ist in einer Zeit, in der die Ungleichheit ständig zunimmt, ein wichtiges Instrument. Es gibt durchaus Anpassungspotential bei der Bundessteuer, so müsste die Steuerprogressions-Kurve angepasst werden, damit die tiefen und mittleren Einkommen weniger bezahlen müssen. Ausserdem kann die Kurve und der Steuersatz auch nach der Einführung einer Mikrosteuer angepasst werden.

    Hingegen ist das Instrument der Mikro- und Mehrwertsteuer für die tiefen Einkommen nicht sonderlich attraktiv. So haben alle denselben Grundbedarf und bei diesem zahlen tiefe und hohe Einkommen gleich viel. Ausserdem steigt der Konsum bei steigendem Einkommen nicht gleich. Irgendwann hat man kein Platz mehr für mehr Autos in der Garage, ein zweites Ipad wird auch nicht benötigt, etc.
    Deswegen kann ich diese Initiative nicht unterstützen.

    1
    • Urs P. Gasche
      am 1.02.2021 um 09:17 Uhr
      Permalink

      Die Mikrosteuer soll laut Initianten in erster Linie die MWSt und in zweiter Linie die Bundessteuer ersetzen. Die Mikrosteuer betrifft den Konsum ebenfalls, aber mit etwa 0,1 Prozent ungleich geringer als die Mehrwertsteuer, die ersetzt werden soll. Vor allem aber besteuert die Mikrosteuer alle Finanz- und Spekulationsgeschäfte, an denen wohl tiefe Einkommen kaum beteiligt sind. Vielleicht hier nachlesen:
      https://www.infosperber.ch/gesellschaft/steuern-abgaben/mikrosteuer-statt-mehrwertsteuer-volksinitiative-gestartet/

      0
    • Avatar
      am 1.02.2021 um 23:20 Uhr
      Permalink

      Ich finde eine Besteuerung von Tansaktionen eine sehr gute Idee, habe aber ähnliche Vorbehalte zu dieser Initiative wie Thomas Heinzmann.
      Was man auch berücksichtigen sollte: Es ist schwierig abzuschätzen, wieviel Geld eine Transaktionssteuer überhaupt einbringen würde. Der Hochfrequenzhandel würde wohl überall dort, wo er erfasst werden könnte, komplett verschwinden. Das wäre ja durchaus wünschbar. Aber der Staat würde dann dort auch keine Steuererträge erzielen.
      Welche und wieviele Transaktionen bleiben würden, kann man im Voraus nicht zuverlässig wissen. Ich glaube aber, wir sollten uns nicht auf eine Transaktionssteuer als wesentliche Geldquelle für den Staat verlassen.

      0
  • Avatar
    am 31.01.2021 um 15:26 Uhr
    Permalink

    Die von Marc Chesney entlarvten und von den demokratischen Insitutionen dieser Welt gedeckten Machenschaften des skrupellosen Finanzkapitalismus bilden den Hintergrund des Romans „Jackpot – oder die Würde des Menschen ist verfügbar“, den ich mir erlaube, an dieser Stelle anzuzeigen. Die im Buch neu auf den Plan tretenden Manipulateure sind in diesem Fall alte Menschen – eine achtköpfige „Horde“ -, die sich am Finanzcasino gütlich tun. Sie wagen für sich (und viele andere) den Ausbruch aus der seit langem gesellschaftlich – und neuerdings virusbedingten – verordneten Isolation und vorzeitigen Aussortierung. Und ja, man darf sich dabei unterhalten. Mehr auf http://www.freystefan.ch.

    0
  • Avatar
    am 31.01.2021 um 22:00 Uhr
    Permalink

    „Bei der UBS entsprach der nominale Wert der Derivate im Jahr 2019 20’800 Milliarden Franken, … 30-mal das Schweizer BIP … [ein] Viertel der Weltwirtschaftsleistung.“

    Solche Zahlen lösen bei vielen Menschen vor allem Angst aus. Ist das der Zweck der Übung?

    Falls nicht, sind mehr Hintergrundinformationen zum „nominalen Wert der Derivate“ erforderlich.

    Z.B.:
    Person A hat 1’000 ABB-Aktien mit aktuellem Börsenwert 100 Fr. (pro Stück). Gesamtwert 100’000 Fr.
    A ist unsicher darüber, ob der Aktienpreis in den nächsten Monaten nicht deutlich sinken könnte. Er beschliesst, sich „gegen unten“ abzusichern – mit dem Kauf von Put-Optionen (= ein Derivat). Er kauft – von einer Gegenpartei, die auf das Gegenteilige „wettet“ – das Anrecht, die Aktien in 3 Monaten für je 100 Fr. verkaufen zu können. Für dieses Anrecht (Option), eine Art Versicherung, hat er der Gegenpartei jetzt etwas zu bezahlen, z.B. 5’000 Fr. (5 Fr. pro Aktie).

    Wie hoch ist nun hier der „nominale Wert der Derivate“? Nein, nicht 5’000 Fr., sondern 100’000 Fr. (der unterliegende Aktienwert)! Nun gilt es noch zu bedenken, dass „Investoren“ solche Optionen (bzw. Derivate) oft mehrmals (z.B. 5-10x) täglich kaufen und wieder verkaufen („glattstellen“), nur um so von den Kursschwankungen profitieren zu können. Wenig („Wett-„)Geld (5’000 Fr.) erwirkt so locker ‚irrsinnige‘ „nominale Werte der Derivate“ (z.B. 1 Mio. Fr. an einem Tag).

    Ich gehe mit Chesney einig: Dem unnützen Börsencasino soll der Hahn zugedreht werden!

    0
  • Avatar
    am 1.02.2021 um 07:58 Uhr
    Permalink

    Könnten Sie bitte das mit der Obergrenze des Einlagenschutzes von 6 Mia. noch etwas genauer erläutern? Gilt das pro Bank oder fürs ganze Land?

    0
    • Avatar
      am 1.02.2021 um 22:44 Uhr
      Permalink

      Wenn sich eine Bank verzockt hat und nicht mehr liquide ist, springt ein Verein ein, er garantiert pro Bankkunden bis 100’000 Fr. aber nur bis 6Mia (60’000 Kunden).
      https://www.moneyland.ch/de/einlagensicherung-definition.

      Das Szenario ist nicht unrealistisch, vgl. Griechenland oder Spar&Leikasse Thun.

      0
  • Avatar
    am 1.02.2021 um 08:52 Uhr
    Permalink

    Die Wetten und die Gewinne der Hedgefonds und des Bankenkartells auf Kosten der normalen Menschen (irgendjemand verliert ja Geld, wenn diese Gewinne einfahren) sind nur ein Teil des Betrugs und des Wahnsinns an den Börsen.
    Zu bedenken ist, dass die Zentralbanken und Banken zuerst das meiste Geld aus dem Nichts selber geschaffen haben und dafür Zinsen verlangten. Kurz vor dem Default des Systems ist dies aber kaum mehr möglich, da sonst die Welt zahlungsunfähig würde und dieser Bankrott muss noch etwas hinausgezögert werden, um richtig dick zu verdienen.
    Das Gleiche geht ab bei den Edelmetallen, weshalb ich die Gegenbewegung gut verstehen kann. Ich bin mir aber nicht sicher, ob das nicht eine „false flag operation“ ist. Heute ist alles möglich.

    Ich zitiere Egon von Greyerz: Der tägliche Goldhandel – praktisch ausschließlich Papiergold – beläuft sich auf das 850-fache der täglichen Bergbauproduktion!
    Es kann keinen deutlicheren Hinweis darauf geben, dass Preisfindung in diesem vollkommen falschen Papiergoldmarkt unmöglich geworden ist.
    Während in einem Jahr 70 Billionen $ in Papier-Falschgold gehandelt werden, produziert der Bergbau pro Jahr nur Gold im Gegenwert von gerade einmal 213 Milliarden $.

    Ich verurteile die Menschen in diesem System nur bedingt, denn es ist ein kolossales Systemversagen. Ein System, welches bisher immer versagt hat und nur der Sicherung der Macht der Mächtigen diente und dient. Es braucht einen Systemwandel: Die Humane Marktwirtschaft z.B.

    0
  • Avatar
    am 1.02.2021 um 16:10 Uhr
    Permalink

    Insbesondere die Leerverkäufe bei den Finanzderivaten müssten stärker reguliert werden.
    Seit auf „Zusammenbrüche“ gewettet werden darf und damit die wenigen viele Milliarden zu machen sind, kommt es zu mehr „Zusammenbrüchen“ für die hart Arbeitenden.
    Wenn der Wert der Leerverkäufe in einem gesunden Verhältnis zum Buchwert einer Aktie stehen würde, 2-4, wäre es sogar eine gutes Instrument.
    Mit nationalem Recht sind aber die globalen (Freihandels-)Finanzmärkte leider nicht zu regulieren.
    Wenn die dt.Bafin Leerverkäufe untersagt, wie im Fall Wire-Card, können private US-Finanzkonzerne, weiterhin welche gegenerieren.
    Einzig die Lehre vom ständig neu zu ermittelden „richtigen Mass“, kann nicht zu einer entartenden Ideologie werden. Einer der grössten menschlichen Denkfehler ist es,
    „Immer noch mehr von einer guten Sache, wäre immer noch besser.“ (Dieter Dörner)

    0

Comments are closed.

Ihre Meinung

Lade Eingabefeld...