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Ilulissat im Westen Grönlands 2017 © cc-by-sa Florian Seiffert, Flickr

27 Zentimeter Meeresspiegelanstieg sind gesetzt

Daniela Gschweng /  In Grönland werden 110’000 Kubikkilometer Eis schmelzen, egal, welche Massnahmen die Menschheit ergreift.

Komplett wegschmelzen werden die grönländischen Gletscher so bald nicht, aber sie verlieren jedes Jahr mehr Wasser, als dazukommt. 27,4 Zentimeter wird der Meeresspiegel deshalb auf jeden Fall ansteigen, selbst wenn ab heute keine Klimagase mehr in die Atmosphäre gelangen würden.

3,3 Prozent des Grönlandeises oder 110’000 Kubikkilometer Eis werden so verloren gehen. Dabei handelt es sich um die maximal optimistische Schätzung eines internationalen Glaziologenteams des National Geological Survey of Denmark and Greenland.

Neuer Ansatz mit Satellitenbildern

Die Forschenden identifizierten dafür Bereiche des Eisschildes, die in nächster Zeit instabil werden könnten, anhand von Satellitendaten und ergänzten so die bisherigen Berechnungsmethoden. Schneebedeckte, «weisse» Gletscherteile sind demnach gut geschützt, dort kann sich aus Schnee neues Eis bilden. «Blaue» Zonen hingegen sind vom Abtauen bedroht. In ihrer im Fachmagazin «Nature Climate Change» publizierten Arbeit schrieben sie dazu die Entwicklung der letzten Jahre fort und werteten Messungen aus Grönland aus.

Wie lange es dauern wird, bis 110 Billionen Tonnen Eis geschmolzen sind, können die Forschenden nicht genau sagen. Die Ergebnisse deuteten darauf hin, dass es noch in diesem Jahrhundert so weit sein könnte, sagt Jason Box, Erstautor der Studie.

Es könnten durchaus ein paar Zentimeter mehr sein

Die letzte Prognose zu den Grönlandgletschern stammt vom Weltklimarat IPCC, der den Beitrag des Grönlandeises zum Meeresspiegelanstieg bis Ende des Jahrhunderts 2019 mit 15 Zentimetern berechnete. Dass Prognosen nach oben korrigiert werden mussten, kam auch bei anderen Klimaszenarien vor.

Lege man das Jahr 2012 zugrunde, in dem ungewöhnlich viel Grönlandeis schmolz, könne das Meer durchaus auch 78 Zentimeter steigen, sagte Co-Autor William Colgan gegenüber dem «Guardian». Zum Vergleich: Im 20. Jahrhundert ist der Meeresspiegel durch die Erderwärmung um etwa 11 bis 16 Zentimeter gestiegen.

Eisschmelze bedroht hunderte Millionen Menschen

Bei diesem Szenario geht es wohlgemerkt nur um die Eismassen auf Grönland. Für die Prognose des zukünftigen Meeresspiegels sind die Eismengen an den Polen und den grossen Hochgebirgen der Welt wie Himalaya und Hindukusch genauso wichtig. Auch dort beschleunigte sich in den letzten Jahren die Eisschmelze.

Ein Grossteil der Menschheit lebt an Küsten, die Menschheit täte also gut daran, sich darauf einzustellen. Ein unabwendbar steigender Meeresspiegel bedeutet nicht nur, dass ganze Inseln und Küstengebiete überschwemmt werden. Meerwasser bedroht auch landwirtschaftliche Gebiete in Küstennähe durch Versalzung, Erosion und Wetterverschiebungen.


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

Keine
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Weiterführende Informationen

Zum Infosperber-Dossier:

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Die Klimapolitik kritisch hinterfragt

Die Menschen beschleunigen die Erwärmung der Erde. Doch kurzfristige Interessen verhindern griffige Massnahmen.

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