Sperberauge

Wegen AKWs wäre Abrüstung und nicht Aufrüstung gefragt

Lupe © Depositphotos

Heinrich Frei /  Mit Atomkraftwerken wird es gefährlich, die Schweiz militärisch zu verteidigen – sei es nun mit F-35-Jets oder mit Panzern.

Red. Heinrich Frei war bei der Arbeitsgemeinschaft für Rüstungskontrolle (ARW) bis zur Auflösung und ist seit ihrer Gründung Mitglied der GSOA und im Vorstand des Schweizerischen Friedensrates. Da seine Stimme wenig Verbreitung findet, stellen wir sie hier zur Diskussion.

Der Kaufvertrag für die 36 F-35 Tarnkappenbomber wurde nun unterschrieben und die Initiative, die diesen Kauf noch hätte stoppen sollen wurde zurückgezogen. Zu bedenken ist: Mit Atomkraftwerken wird es gefährlich, ja selbstmörderisch, die Schweiz militärisch verteidigen zu wollen – sei es nun mit F-35 Jets oder mit Panzern. In Beznau haben wir zwei Atomreaktoren, in Gösgen und Leibstadt auch noch je ein Kernkraftwerk. Wir haben Kühlbecken neben den AKWs für abgebrannte hochradioaktive Brennstäbe und die Trockenlager für diese immer noch radioaktiven Stäbe in Würenlingen und Beznau. In diesem Atom-Minenfeld sollte nicht herumgeschossen werden.

Der Krieg in der Ukraine zeigt wieder, wie gefährlich Atomkraftwerke sein können. In jedem Krieg kann ein AKW durch einen Beschuss beschädigt werden und hochgehen wie Tschernobyl. Durch ein solches Ereignis, auch durch die Zerstörung eines Lagers mit abgebrannten radioaktiven Brennstäben, würden in einem Verteidigungskrieg in der Schweiz grosse Teile unseres Landes unbewohnbar.

In Europa mit seinen vielen Atomkraftwerken dürfte eigentlich kein Krieg mehr stattfinden wie zurzeit in der Ukraine. Abrüstung wäre gefragt, nicht wie jetzt wieder Aufrüstung. Ein Krieg auch ohne den Einsatz von Atombomben könnte ganz Europa unbewohnbar machen, durch die Beschädigung von mehreren Kernkraftwerken und atomaren Wiederaufbereitungsanlagen, wie La Hague oder Sellafield. Eine radioaktive Wolke ausgehend von den ersten zerstörten Reaktoren könnte sich über Europa wie eine Kettenreaktion ausbreiten und die Mannschaften in den noch funktionierenden Atomanlagen zur Flucht zwingen, so dass auch diese Atomreaktoren, durch Ausfall der Stromzufuhr nicht mehr gekühlt würden und hochgingen. Europa würde für Menschen unbewohnbar wie der Mond.


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3 Meinungen

  • am 21.09.2022 um 11:00 Uhr
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    Es müssen nicht mal Atomkraftwerke bombardiert werden.
    In einer hoch technisierten, hoch digitalisierten Gesellschaft genügt ein EMP Angriff um alles lahm zu legen.
    Brauchte es früher noch eine in großer Höhe gezündete Atombombe geht es heute bereits mit Hochleistungsmikrowellen.

    https://www.heise.de/tp/features/Schutz-vor-einem-EMP-Angriff-3222031.html

    https://www.heise.de/tp/features/EMP-Angriff-Eine-Bedrohung-fuer-die-USA-die-Demokratie-und-die-Weltordnung-4237343.html

    0
  • am 21.09.2022 um 11:39 Uhr
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    die F35 ist ein Mehrzweckkampfflugzeuge (englisch multirole combat aircraft, abgekürzt MRCA) und kein Tarnkappenbomber.
    Ich stelle fest, dass oft wenn ungenaue Bezeichnungen verwendet werde, manipuliert werden soll. Schade!
    In erster Linie benötigen wir eine Armee, sodass wir nicht angegriffen werden. Ducken funktioniert nicht . Und natürlich ist jeder Krieg verherrend. Aber einseitige Abrüstung hat noch nie zum Ziel geführt.

    2
  • am 21.09.2022 um 14:09 Uhr
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    Der Krieg in der Ukraine zeigt aber genau das Gegenteil: Die AKWs und andere wichtige Energie-Infrastruktur, sogar die Gasleitung aus Russland durch die Ukraine, sind in Betrieb, auch unter zT wechselnder militärischer Kontrolle.
    Da beide Seiten die umstrittenen Gebiete plus Bevölkerung plus Infrastruktur möglichst intakt übernehmen und (wieder) in ihrem Staatsgebiet eingliedern wollen, sind grosse Bombardierungen, wie sie die NATO in ihren Kriegen immer gemacht hat, bis jetzt ausgeblieben: Die Verluste der Ukrainer sind bis Ende August relativ gering gewesen.
    Und im ganzen Land spielt die Elektrizitätsversorgung, und die Telekommunikation.
    Besser, als vielleicht bei uns in ein paar Monaten.

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