Fracking

Filmaufnahmen, die nur geheim gemacht werden konnten: Fracking-Anlage in Polen © Screenshot "Gasfieber"

Die Schweiz und das Gas aus der Tiefe

Christof Moser /  Fracking, die umstrittene Gas-Gewinnung mittels Chemie, soll auch in der Schweiz zum Einsatz kommen. Ein Film zeigt die Risiken.

In den USA hat das so genannte Fracking, die Gewinnung von Öl- und Gasvorkommen aus Schiefergestein, die Hoffnung geweckt, den energieintensiven American Way of Life in die Zukunft retten zu können – und sich aus der Abhängigkeit des Öls aus dem Nahen Osten zu befreien. Bereits wird davon gesprochen, dass sich die geopolitischen Verhältnisse dank der umstrittenen Fördertechnik wieder zugunsten der USA verschieben. PriceWaterhouseCoopers prognostiziert, dass Schieferöl langfristig zum «Turbo für die Weltwirtschaft» werden könnte. Der Ölpreis im Jahr 2035 soll dank Fracking 25 bis 40 Prozent niedriger liegen als mit konventionellen Fördertechniken.

Die Fracking-Euphorie löst in den Opec-Ländern Ängste vor einem Einbruch der Öl-Einnahmen aus. An der Berlinale lief gerade eben der Film «Promised Land» von Gus Van Sant, in dem die ökologischen Nachteile der Fördermethode thematisiert werden – bezeichnenderweise finanziert von einem Fonds in Abu Dhabi.

Was wird da überhaupt in den Boden gepumpt?

Tatsächlich ist Fracking keine unproblematische Art, Energie zu gewinnen. Mit Tiefbohrungen wird das Schiefergestein mit hohem Wasserdruck aufgebrochen (gefrackt). Der Bedarf an Wasser kann dabei mehrere tausend Kubikmeter pro Bohrung betragen. Damit das Öl oder Gas ins Bohrloch strömt und nicht anderweitig entweicht, werden dem Wasser neben Sand auch Chemikalien beigemischt. Kritiker sehen eine Gefahr für die Umwelt, vor allem für das Trinkwasser.

Problematisch ist primär, dass die Zusammensetzung der verwendeten Chemikalienmixturen von der Industrie nicht offen gelegt wird. So hat zum Beispiel das deutsche Umweltbundesamt (UBA) ermittelt, dass in Deutschland mindestens 88 verschiedene so genannten Frack-Fluide verwendet werden. Die Auswertung der verfügbaren Daten ergab, dass nur in 21 Prozent der durchgeführten Fracks überhaupt Daten über die Zusammensetzung des Chemiecocktails vorlagen.

Gefrackt werden soll auch in der Schweiz

Seit Ende 2012 bekannt wurde, dass auch im Schweizer Boden grosse Gasvorkommen vermutet werden, die sich durch Fracking lösen lassen könnten, dringt das Thema langsam auch hierzulande ins öffentliche Bewusstsein. Im Januar gab der texanische Gaskonzern eCorp bekannt, dass er sein europäisches Hauptquartier nach Zürich verlegen will und von dort die Gasgewinnung in der Schweiz, Frankreich, England und Osteuropa vorantreiben will. Allein in der Schweiz will der Konzern 10 Millionen Franken in die Exploration von Schiefergas investieren. Bereits in diesem Jahr sind 10 Probebohrungen im Mittelland geplant.

Die Schweizer Politik reagiert darauf mit Besorgnis. Nachdem zwei britische Firmen im vergangenen Dezember bekannt gaben, in Süddeutschland nahe des Bodensees Probebohrungen durchführen zu wollen, reichte SVP-Nationalrat Lukas Reimann eine Motion ein, die von 52 Nationalrätinnen und Nationalräten unterstützt wurde. Unter dem Titel «Kein Fracking. Zum Schutz des Bodensee-Trinkwassers sowie von Flora und Fauna» wird der Bundesrat aufgefordert «sich auf internationaler Ebene gegen die Fracking-Pläne am Bodensee einzusetzen.» Energieministerin Doris Leuthard liess verlauten, dass der Bundesrat «dem Fracking, ob in der Schweiz oder weltweit, kritisch eingestellt» ist.

Die Problematik von Fracking thematisiert auch der Dokumentarfilm «Gasfieber» von Lech Kowalski, den Arte kürzlich ausgestrahlt hat und der via untenstehendem Link gratis verfügbar ist.

Weiterführende Informationen


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Zum Infosperber-Dossier:

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