Sperberauge

Die Ausland-Abenteuer der Stromkonzerne gehen munter weiter

Kurt Marti © Christian Schnur

Kurt Marti /  Die Schweizer Stromkonzerne investieren weiterhin grosszügig im Ausland. Trotz Blackout-Gefahr und breiter Kritik.

Vor zwei Jahren titelte Infosperber: Milliarden fürs Ausland: Wer pfeift die Strombarone zurück? und stellte fest: «Die Schweizer Strombranche investiert Milliarden im Ausland und foutiert sich um die Sicherheit der Stromversorgung in der Schweiz.» Die Stromproduktion der Stromkonzerne im Ausland betrug damals mehr als die Hälfte der Inlandproduktion.

Aktuelle Recherchen des KonsumentInnen-Magazins Saldo bestätigen diese Schätzungen von Infosperber: 35’000 bis 40’000 Gigawattstunden Strom produzieren die Schweizer Stromfirmen aktuell im Ausland. Wieviel das ist, zeigt der Blick auf den inländischen Stromverbrauch: Dieser betrug im Jahr 2020 rund 60’000 GWh.

Die aktuelle Schweizer Auslandproduktion entspricht ungefähr der Stromlücke, die sich im Jahr 2050 ergibt, wenn die Atomkraftwerke abgeschaltet werden und der Stromverbrauch wie geplant steigt. Könnte also mit dem gigantischen Schweizer Strompark im Ausland die inländische Stromversorgung sichergestellt werden?

Das ist nicht der Fall, wie die Eidgenössischen Elektrizitätskommission (ElCom) vor zwei Jahren auf Anfrage von Infosperber festhielt. Denn der Schweizer Strompark im Ausland ist nicht verfügbar, sobald die betreffenden Länder bei Stromknappheit Export-Restriktionen erlassen.

Deshalb kritisierte Energieministerin Simonetta Sommaruga letzten Herbst die Strombranche in einem Interview mit dem Tagesanzeiger ungewöhnlich hart und forderte mehr Stromproduktion aus erneuerbaren Energien in der Schweiz.

Auch in den Kantonen, denen die Stromkonzerne mehrheitlich gehören, macht sich langsam Ärger über die Ausland-Abenteuer der Strombranche breit. Beispielsweise beim Zuger Finanzdirektor Heinz Tännler stösst die Ausland-Strategie der Axpo auf Unverständnis. Gegenüber der Luzerner Zeitung äusserte Tännler «erhebliche Zweifel an der Kompatibilität der Konzernstrategie der Axpo mit unseren Eigeninteressen».

Diese Kritik lässt die Stromkonzerne offenbar kalt. Auf ihren Internetseiten buhlen sie mit ihren Ausland-Abenteuern um die Wette. Axpo, Alpiq, BKW und EWZ zusammen beteiligten sich innert Jahresfrist an zwei Dutzend neuen Projekten im Ausland, wie die folgende Liste zeigt:

Axpo:

Alpiq:

BKW:

EWZ:


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

Kurt Marti war früher Beirat (bis Januar 2012), Geschäftsleiter (bis 1996) und Redaktor (bis 2003) der Schweizerischen Energie-Stiftung (SES).
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Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.

Zum Infosperber-Dossier:

Stromleitungd

Die Politik der Stromkonzerne

Elektrizitätsgesellschaften verdienen am Verkaufen von möglichst viel Strom. Es braucht endlich andere Anreize.

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5 Meinungen

  • am 28.03.2022 um 14:02 Uhr
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    Warum erhalten Menschen, die in überteuerte Solaranlagen investieren auf eigenes Risiko lediglich 9 Rappen pro x-kilowattstunde Vergütung ? Warum erhalten Investoren nicht mehr Unterstützung? Diese Frage will ich hier mal stellen? Sind eigentlich die Mittelständler die Arschlöcher der Nation oder was? Die Medien schwafeln von alternativen Energien, aber es wird einfach Otto-Normal-Verbraucher mittels Zwangsverordnung verdonnert – in alternativ Energie auf eigene Kosten zu investieren bei einer Heizungssanierung, aber das Geld wird woanders ausgegeben!

    0
    • am 30.03.2022 um 00:48 Uhr
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      Ja, der Mittelstand, die Mittelschicht, die schon Jahre immer weiter schrumpft, sind die Arschlöcher …
      Die Katastrophe ist, daß ihre Mitglieder tatsächlich alle der Illusion erlegen sind, daß sie es in die Oberschicht und dann auch in die Superoberschicht schaffen. Unterstützt wird dieser «Rauschzustand» von der Politik und der Werbung. Die FDP und die AFD in Deutschland unterstützen gerne diese «Rauschzustände» , die anderen «natürlich» auch , aber nicht in diesem Ausmass. Herr Lindner und Herr Chrupalla können schön reden , inhaltlich findet man aber meistens nur sehr viel «heisse» Luft …
      Corona und Ukraine sorgen jetzt für einen sprunghaften Anstieg des Abbaus der Mittelschicht …

      0
  • am 28.03.2022 um 14:14 Uhr
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    Das ist alles richtig, was hier gesagt wird. Nur, die Konzerne haben Verwaltungsräte, die die Strategie vorgeben. Wenn dort aber nicht die Inlandproduktion als Ziel definiert wird, gibt es auch keinen Grund und schon gar nicht eine Verpflichtung, dies zu tun. Das liegt in der Natur der Liberalisierung des Strommarktes. Vielleicht war halt diese Liberalisierung der Irrtum?

    0
  • am 29.03.2022 um 11:21 Uhr
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    Wäre sicher schön, wenn die Stromkonzerne innerhalb des Landes etwas mehr investieren würden. Auf der anderen Seite ist es doch toll, dass in der Liste der Investitionsvorhaben nur Biogas, Solarstrom und Windparks vorkommen. Es gibt ja genügend andere Schweizer Firmen, die im Ausland in Fracking, Oelförderung und andere Schweinereien investieren. So gesehen finde ich es gar nicht so schlecht, dass die Schweiz auch im Ausland nachhaltige Energieproduktionen fördert, die vielleicht sonst gar nicht zustande kommen würden. Kann ja auch helfen, zu zeigen, dass nachhaltige Energieproduktion möglich ist und findet dann vielleicht weitere Nachahmer. Und wenn wir das Ausland stärker und unabhängiger machen, dann verhindern wir damit ja sicher auch Begehrlichkeiten unserem Land gegenüber. Eine Reduktion des Migrationsdruckes ist dann ja auch ein schöner Nebeneffekt. Also es gibt meiner Meinung nach viel Schlimmeres draussen in der Welt, das an den Pranger gestellt gehört.

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    • am 30.03.2022 um 00:59 Uhr
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      … der Weltsparkasse Schweiz bleibt nichts anderes übrig, als ihre Fondsgelder im Ausland anzulegen, sie haben einfach viel zu viel davon und wo kann man z.B. im Kanton Appenzell Ausserhoden Milliarden von Dollar im 2 stelligen und 3 stelligen Milliardenbereich investieren ohne die Strukturen, die gerade jetzt dort existieren, völlig zu zerstören, die grösste Rendite gibt es nur in emerging markets, nicht im Land von Patek Philipp, Daniel Sprüngli, Hoffmann-LaRoche usw., oder ?

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