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Fahrlässiger Umgang mit Atommüll. Kein Wort in Schweizer Medien. © ard

Das in Deutschland! Viele Atomfässer beschädigt

upg /  Über ein Viertel der schwach- und mittelradioaktiven Fässer im AKW Brunsbüttel sind kaputt. In Schweizer Medien kein Thema.

Am 8. Dezember 2014 gab der Energiekonzern Vattenfall bekannt, dass 154 von 573 untersuchten Atommüllfässern in den unterirdischen Lagern des stillgelegten Atomkraftwerks Brunsbüttel stark beschädigt sind. «Weitere 57 Fässer in der sechsten Kaverne konnte die Kamera wegen der engen Lagerung nicht vollständig einsehen», erklärte Vattenfall-Sprecherin Sandra Kühberger.
Die ARD berichtete am Montag in der Hauptausgabe der Tagesschau. Bis Dienstagabend hat laut Medienarchiv SMD keine Schweizer Zeitung darüber informiert. Die SRF-Tagesschau informierte in der Hauptausgabe vom Montag über den Besuch von Prinz William bei Präsident Obama, nicht aber über die Atommüllfässer, obwohl immer mehr solche auch in der Schweiz lagern. (Nachtrag 10.12.2014: Auch am Mittwoch informierte keine Zeitung. Am Dienstag Abend fand es die Tagesschau wichtiger, über den Transport von Wrackteilen des über der Ukraine abgeschossenen Flugzeugs eine Minute lang zu berichten.)
Bilder mit Fernkameras des Energiekonzerns Vattenfall

Es bestehe «keine Gefahr für Umwelt und Mensch», beruhigte der Energiekonzern Vattenfall. Alle Kavernen seien mit meterdickem Beton abgeriegelt. Eine Inspektion der unterirdischen Depots habe die Schäden der vielen Fässer aufgedeckt. Die letzte Inspektion fand vor 32 Jahren statt.

Schleswig-Holsteins Energieminister Robert Habeck (Grüne) bezeichnete die in den vergangenen Monaten erfolgte Inspektion der Kavernen als lange überfällig. «Es ist unfassbar, dass man den Atommüll in den Kavernen so lange sich selbst überlassen hat», sagte er und fügte hinzu: «Und noch immer gibt es eine Reihe von Unklarheiten. Das ist unbefriedigend.» Wichtig sei es jetzt, die Bergung voranzutreiben. «Die Fässer müssen raus, damit wir das unerfreuliche Kapitel der Kavernen abschliessen können.» Einige Fässer «drohen auseinanderzufallen», andere seien «ausgelaufen», erklärte der Energieminister.
Der Sender NDR berichtet weiter, dass die Bergung laut Umweltminister Habeck im Januar beginnen soll. Geplant sei, die Fässer mit den schwersten Beschädigungen zuletzt zu bergen. Der schwach- und mittelradioaktive Atommüll soll dann in Spezialbehäler umgefüllt und in einer Lagerhalle auf dem AKW-Gelände aufbewahrt werden. Letzte Station des Atommülls ist das bundesweite Endlager Schacht Konrad.

Lagerung war nur kurzfristig geplant
Ursprünglich hätten die Atommüll-Fässer bereits seit vielen Jahren im Endlager Schacht Konrad in Niedersachsen lagern sollen. Das Endlager steht aber noch nicht bereit. Wann es in Betrieb gehen kann, sei unklar. Das Bundesumweltministerium gehe von einem Termin zwischen 2021 und 2025 aus.


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

Keine

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2 Meinungen

  • Avatar
    am 10.12.2014 um 17:45 Uhr
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    Wer meint Atomkraft würde nützen,
    Als Beitrag ’s Klima zu beschützen,
    Der muss sich ehrlich einmal fragen:
    „Wer will denn Langzeitlager haben?“

    Markus Zimmermann-Scheifele

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  • Avatar
    am 11.12.2014 um 19:05 Uhr
    Permalink

    In den ganzen Debaten inklusive Classe Politique höre ich von der Wirtschaftlichkeit, Zuverlässlichkeit und Umweltfreundlichkeit (CO2 frei) von unseren «strahlenden» Kernkraftwerken. Die heilige Doris redet von der steigenden technischen Sicherheit welche die altersmässigen Probleme unserer Anlagen problemlos aushebeln. Was ist mit dem ATOMMÜLL? Diese Langzeithypothek (10’000 Jahre) wird nirgends auch nur erwähnt? Gilt die Aussage von Herr Rometsch aus den achtziger Jahren immer noch (Zitat: «unser Atommüll wenn bearbeitet und in Glas eingeschlossen ist so sicher ich würde ihn unter meinem Bett aufbewahren")?

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