Klaus von Dohnanyi. Maischberger

Klaus von Dohnanyi in der ARD-Sendung Maischberger © ard

Von Dohnanyi: «Europas Interessen sind andere als die der USA»

Leo Ensel /  Man müsse zwischen gemeinsamen Werten und den nationalen Interessen unterscheiden, schreibt der Elder Statesman.

Red. In seinem Buch «Nationale Interessen» hatte Klaus von Dohnanyi Anfang 2022 vor einem Krieg gewarnt. Zwei Monate nach Kriegsausbruch erklärte er in einem Interview, es sei «bedrückend, dass man den Krieg nicht verhindert hat». Zum Jahreswechsel dokumentieren wir die grundsätzliche Analyse, die von Dohnanyi in seinem Buch darlegt.
Ein Schwerpunkt-Beitrag zum Jahreswechsel.


Die Generation, die den Zweiten Weltkrieg als Kind oder Jugendliche noch erlebt hatte

Mit dem Titel «Nationale Interessen» legte Klaus von Dohnanyi im Januar 2022  das richtige Buch zum richtigen Zeitpunkt vor. Der Spitzenpolitiker a.D. weist überzeugend nach, dass die amerikanischen Interessen nicht mehr mit den europäischen und deutschen übereinstimmen. Europa müsse sich von den USA emanzipieren.

Es sind bezeichnenderweise immer die nun richtig alten Elder Statesmen, die in Deutschland eine vollkommen andere, vom herrschenden Medienmainstream stark abweichende Sicht auf das westlich-russische Verhältnis und die Genese der gerade in Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine eskalierenden Spannungen haben. Und zwar unabhängig von Parteienzugehörigkeit und ungeachtet der Tatsache, dass sie zu Hochzeiten des Kalten Krieges nicht selten in völlig konträren Lagern standen.

Dies galt vor allem für die mittlerweile verstorbenen Spitzenpolitiker, die Ende der Achtziger Jahre zusammen mit der Sowjetunion den (ersten) Kalten Krieg so erfolgreich beendet hatten, dass kein einziger Schuss fiel: Helmut KohlHans-Dietrich GenscherEgon BahrRichard von Weizsäcker – selbst der entschiedenste Protagonist des NATO-Nachrüstungsbeschlusses, Helmut Schmidt sprach sich gegen Ende seines Lebens für einen anderen Umgang gegenüber Russland aus. Dies gilt aber auch für die noch lebenden filigranen «Feinmechaniker der deutschen Vereinigung» wie den Kanzleramtsminister Helmut Kohls, Horst Teltschik und den engen Mitarbeiter und Redenschreiber Hans Dietrich Genschers, den im Sommer verstorbenen Diplomaten a.D. Frank Elbe. Selbst der schneidige ehemalige Kommunistenfresser Edmund Stoiber sieht die Dinge heute deutlich anders. 

Kein Wunder, diese Generation, die den Krieg als Kind oder Jugendliche noch erlebt hatte und während des ersten Kalten Krieges politisch aktiv war, weiss aus eigener Erinnerung noch sehr genau, was Krieg tatsächlich bedeutet und hantiert daher nicht so locker mit den Gewichten wie die aktuelle Playbackgeneration in Medien und Politik.

Vor einem Jahr hat sich einer der wenigen Intellektuellen der deutschen Politik zurückgemeldet und im zarten Alter von 93 Jahren ein Buch vorgelegt, das es in sich hat: der ehemalige Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg, Ex-Bundesminister für Bildung und Wissenschaft im Kabinett Willy Brandts und langjährige Bundestagsabgeordnete, Klaus von Dohnanyi. Hinter dem etwas spröden Titel «Nationale Interessen – Orientierung für deutsche und europäische Politik in Zeiten globaler Umbrüche» verbirgt sich jede Menge Dynamit.

«Interessen» versus «Werte» 

Wie von Dohnanyi zu Beginn seines Buches überzeugend darlegt, sind in Deutschland die Begriffe «Nation» und «national» immer noch verdächtig. Ähnliches gilt für den Begriff «Interesse» – sollte es sich jedenfalls um «deutsche Interessen» handeln. In den Ohren sich selbst als kritisch verstehender Intellektueller klingen diese Begriffe verdächtig nach Nationalismus, gar nach imperialistischen Aspirationen. Politiker, die in der Verantwortung stehen, bemühen lieber den blumigen Begriff der «Werte» oder, wenn es um internationale Bündnisse geht, den der «Wertegemeinschaft». 

Nun hatte aber bereits Egon Bahr eindringlich vor einer Überstrapazierung dieser Begriffe gewarnt. Legendär die lebensnahe Lektion, die der damals 91jährige im Dezember 2013 Heidelberger Schülern erteilte: 

«In der internationalen Politik geht es nie um Demokratie oder Menschenrechte. Es geht um die Interessen von Staaten. Merken Sie sich das, egal, was man Ihnen im Geschichtsunterricht erzählt!»

 Humanitäre Argumente verschleierten nur allzu oft knallharte Machtinteressen. Nicht zuletzt die Politik unseres Grossen Bruders jenseits des Atlantiks ist da ein klassisches Beispiel.

Hier setzt von Dohnanyi an. Ihm geht es darum, den schwammigen Begriff der «Wertegemeinschaften» zu konkretisieren und von dem Begriff der «nationalen Interessen» zu unterscheiden: 

«Wertegemeinschaften sind keine Staatsform, keine Nation. Ihnen fehlt die durch einen gemeinsamen politischen Prozess begründete demokratische Legitimation. Es kann natürlich auch gemeinsame Interessen geben, zum Beispiel in der EU oder auch in der transatlantischen Partnerschaft zwischen Europa und den USA. Aber zwangsläufig gibt es innerhalb dieser Wertegemeinschaften auch gegensätzliche Interessen. Gemeinsame ‹Werte› schliessen harte nationale Interessengegensätze innerhalb dieser ‹Gemeinschaft› nicht aus, wie wir erfahren haben und auch künftig sehen werden.»

Und um diese «harten nationalen Interessengegensätze» – vor allem zwischen den USA und der EU im Allgemeinen und Deutschland im Speziellen – im Spannungsfeld der Grossmächte USA, China und Russland geht es im vorliegenden Buch.

Die Interessen der USA sind nicht die Interessen Europas

«Die USA beherrschen Europa aussen- und sicherheitspolitisch, und auf dieser Grundlage ziehen sie uns in ihre Konflikte mit anderen Weltmächten hinein. So verstehen die USA heute ihre Interessen: Es sollen nach ihrem Willen heute nicht die EU oder Deutschland sein, die ihre Beziehungen zu China oder Russland nach ihren eigenen Interessen prägen, sondern es sollen die USA sein, die die weichenstellenden Entscheidungen treffen.»

Fragt sich nur, ob diese Entscheidungen auch den europäischen Interessen entsprechen. Von Dohnanyi legt überzeugend dar, dass die US-amerikanische Politik sich auch unter Präsident Joe Biden von den vor über 100 Jahren entwickelten geopolitischen Strategien des britischen Geographen Halford J. Mackinder leiten lässt, nach der, wer das sogenannte «Heartland» – den eurasischen Kontinent – beherrsche, auch die Welt beherrsche. Da sowohl die USA als auch Grossbritannien dies nicht aus eigenen Kräften bewerkstelligen könnten, gelte es seit Mackinder, nach dem Motto «Teile und herrsche!» Konflikte innerhalb dieses «Herzlandes» zu nutzen oder zu schüren, um eine weltbeherrschende Macht auf dem eurasischen Kontinent in Gestalt eines deutsch-russischen, heute: EU-russischen, Bündnisses zu verhindern. Aktualisiert wurde diese Strategie bekanntlich in den Neunziger Jahren, als der ehemalige Sicherheitsberater im Weissen Haus, Zbigniew Brzeziński, in seinem Buch «The Grand Chessboard» Europa als den «geopolitischen Brückenkopf» der amerikanischen Weltmacht auf dem eurasischen Kontinent bezeichnete.

Die USA, so von Dohnanyi, wollten erklärtermassen die «einzige Weltmacht» (Brzeziński) bleiben und gerieten damit zwangsläufig in eine Rivalität zu China und Russland, die früher oder später in eine Konfrontation führe. Von Dohnanyi untersucht nun die Konsequenzen dieser Strategie für Europa.

Dazu fragt er als erstes, ob von China eine Kriegsgefahr für Europa ausgehe. Er verneint dies trotz der fraglosen militärischen Aufrüstung des Landes, deren Ziel seiner Einschätzung nach allerdings nicht militärische Expansion, sondern die Sicherung geographischer Einflusszonen im Südchinesischen Meer, d.h. die «Verhinderung der Präsenz militärisch- oder politisch-ideologisch fremder Kräfte», sei: 

«Chinas Interesse ist heute wirtschaftlicher und sozialer Aufstieg, nicht militärische Expansion. Wenn Europa die chinesischen Interessen defensiv verstehen und seine eigenen entsprechend ausrichten könnte, lägen möglicherweise viele Jahrzehnte der positiven Zusammenarbeit vor uns. Aber das wollen die USA verhindern, sie wollen die Aussenpolitik der Europäischen Union gegenüber China hegemonial mitbestimmen und lenken. Sie wollen Europa als Teil einer ‚westlichen Wertegemeinschaft‘ in ihren Weltmachtkonflikt mit dem erstarkenden China hineinziehen.»

Präsident Bidens programmierte Politik einer Wiederherstellung der weltweiten Dominanz der USA, nicht zuletzt sein konfrontativer Kurs in Asien, berge erhebliche Risiken für Europa und die Welt. 

«Es kann daher auch nicht deutsches Interesse sein, sich an dieser vermutlich ebenso vergeblichen wie gefährlichen Politik der USA zu beteiligen. Denn niemand sollte glauben, dass Europa aus einem Krieg zwischen USA und China unbeschädigt herauskäme. Dafür würden die USA schon sorgen!»

Entspannungspolitik mit Russland ist alternativlos

Gegenüber Russland ist die sicherheitspolitische Situation Europas laut von Dohnanyi nach wie vor – wie zu Zeiten des (ersten) Kalten Krieges – durch die US-amerikanische Strategie der atomaren «flexible Response» gekennzeichnet, die im Ernstfall bedeuteten würde: Krieg auf europäischem Boden – bis zur totalen Zerstörung des Kontinents! Von Dohnanyi, der in den Siebziger Jahren an entsprechenden NATO-Übungen teilnahm, weiss wovon er redet:

«Nicht Europa zählt im Falle eines russischen Angriffs, sondern nur die Sicherheit der USA! Wir werden nicht gefragt! Die wahre Gefahr für eine völlige Zerstörung Europas beruht darauf, dass Europa in erster Linie ein geopolitisches Interesse der USA ist. Europa würde im Falle eines russischen Angriffs nach amerikanischer und NATO-Strategie zum alleinigen Kriegsschauplatz, ohne jedes direkte Risiko für das Heimatland USA. Deutschland aber wäre, als vermutlich zentrale Nachschubbasis, sofortigen Raketenangriffen ausgesetzt. Die nukleare NATO bildet heute als militärische Organisation keinerlei Garantie für Europas Unversehrtheit.»

Die Konsequenz: Nur solange Russland selbst an einer Aggression nicht interessiert sei, sei Europa wirklich sicher. Eine entsprechende Haltung russischer Politik zu festigen oder herzustellen, bleibe die vorrangige Aufgabe deutscher und europäischer Diplomatie. 

«Entspannung ist der bleibende Auftrag! Dauerhafte Sicherheit in Europa kann es nur mit und nicht gegen Russland geben. Wir Europäer wissen, dass wir in einem Krieg mit Russland sogar als Sieger nur Verlierer sein könnten! Nur Entspannungspolitik könnte die Kriegsgefahr in Europa verringern. Entspannung muss deswegen zum Grundsatz auch der NATO-Politik mit Russland werden.»

Europa müsse selber Wege finden, Gefahren für den Kontinent zu bannen, solange die innenpolitische Lage in den USA und die dortige Russophobie eine Entspannungspolitik der NATO nicht erlaubten. Für die Sicherheit der europäischen Nationen müssten auch russische Interessen 

«auf das gelenkt werden, was letztlich die einzig verbliebene Stärke Europas ist: eine offene Zusammenarbeit in Wissenschaft, Innovation, Technologie und Wirtschaft.»

Sätze, die seit dem 24. Februar brisanter sind denn je!

Brandaktuell – und schon veraltet

Selten war ein Buch zum Zeitpunkt seines Erscheinens so aktuell – und bereits wenige Wochen später in zentralen Punkten schon wieder veraltet! Man missverstehe nicht: Alle scharfsinnigen Analysen von Dohnanyis gelten nach wie vor. Aber die sich überstürzenden Ereignisse im Zuge des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine lassen einige Konsequenzen, die der Autor noch Ende letzten Jahres zog, mittlerweile alt aussehen. So schlug von Dohnanyi beispielsweise – damals völlig plausibel – im Anschluss an ein Interview, das ausgerechnet Zbigniew Brzeziński zwei Jahre vor seinem Tod, im Juni 2015, der Welt gegeben hatte, für die Ukraine vor, sich am Status Finnlands zu orientieren. Eine Option, die nun mit der bevorstehenden NATO-Norderweiterung obsolet geworden ist.

Hier, wie bei einer Reihe anderer Aspekte, wüsste man gerne, ob und gegebenenfalls in welche Richtung der Autor heute Modifikationen seiner Gedanken und Vorschläge vornehmen würde. Kurz: Eine – zumindest um ein ausführliches neues Vorwort ergänzte – aktualisierte Neuauflage dieses Bandes auf dem Hintergrund der laufenden Ereignisse wäre bereits jetzt sehr zu empfehlen.

Von Dohnanyi argumentiert moderat im Ton, aber klar in der Sache. Sein Duktus ist, wie in Interviews und Talkshows stets besonnen und souverän. Und er scheut sich nicht, aus seinen Thesen unmissverständlich die Konsequenzen zu ziehen, auch wenn sie der generellen Linie der Leitmedien meist diametral entgegensetzt sind. Genau diese Kombination bildet den offensichtlichen Reiz, der von Buch und Autor ausgeht.

Und so freut man sich, dass dieser Band – trotz des nicht gerade reisserisch klingenden Titels – es auf Anhieb in die Spiegel-Bestseller-Liste geschafft hat. Nicht zuletzt ein ermutigendes Anzeichen, dass es in der deutschen Öffentlichkeit nach wie vor ein grosses Interesse nach seriösen Informationen jenseits des lärmenden einseitigen Medienmainstream gibt.

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Diese Buch-Rezension veröffentlichte der Autor am 4. Juni 2022 auf GlobalBridge.

Cover Nationale Interessen
Cover des Buches «Nationale Interessen» von Klaus von Dohnanyi © Siedler Verlag 

Das Buch: «Nationale Interessen. Orientierung für deutsche und europäische Politik in Zeiten globaler Umbrüche»

Siedler-Verlag, 26.70 CHF22 Euro. Januar 2022.
Aus dem Klappentext: Im Wettkampf zwischen den USA und China gerät Europa bereits zwischen die Fronten. Und dies wird auch unser Verhältnis zu Russland verändern müssen. Jetzt ist ein nüchterner, illusionsloser Blick auf die neuen Realitäten notwendig, wie Klaus von Dohnanyi zeigt: Auf «Wertegemeinschaften» oder «Freundschaften» können wir nicht vertrauen. Deutschland und Europa müssen vielmehr offen ihre eigenen, wohl verstandenen Interessen formulieren und mit Realismus verfolgen. So fordert von Dohnanyi in seinem Buch grundsätzliche Kurskorrekturen – im Bereich der äusseren Sicherheit ebenso wie in der Industriepolitik, weg von einseitigen Abhängigkeiten, hin zu einer Politik der Eigenverantwortung.


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

Keine
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Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.

Weiterführende Informationen

Zum Infosperber-Dossier:

Kalter_Krieg

Der Kalte Krieg bricht wieder aus

Die Grossmächte setzen bei ihrer Machtpolitik vermehrt wieder aufs Militär und gegenseitige Verleumdungen.

Ukraine_Sprachen

Die Ukraine zwischen Ost und West: Jetzt von Russland angegriffen

Die Ukraine wird Opfer geopolitischer Interessen. Die Nato wollte näher an Russland. Seit dem 24.2.2022 führt Russland einen Angriffskrieg.

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9 Meinungen

  • am 28.12.2022 um 21:39 Uhr
    Permalink

    Was sollte das «nationale Interesse» irgendeines europäischen Staates (ausgenommen der baltischen und des polnischen) sein, sich zum Büttel der USA zu machen, wie es derzeit geschieht? Europa braucht Rohstoffe, Cerealien, Dünger, Gas, Öl. Russland liefert dies verlässlich und zu guten Preisen. Russland braucht den europäischen Maschinenbau, Agrarmaschinen, Motoren, Mikroelektronik, Luxusgüter, hochwertige Nahrungsmittel, teilweise auch Rüstungsgüter. Russland hat aufgrund seiner schieren Größe an ungenutzten Ressourcen ein gewaltiges Entwicklungspotential. Russland steht Europa kulturell näher als der VR China. Russen sind italienischer, französischer und deutscher Kultur sehr aufgeschlossen. Russische Kampf- und Transportflugzeuge, Hubschrauber und sonstiges Rüstungsgerät sind um etliches günstiger als jene der USA. Wieso dienen sich also europäische Politiker so widerstandlos den USA an, ohne auf ihre Seite der Rechnung zu schauen? Das ist die Frage, die gestellt werden muss.

    3
    • am 29.12.2022 um 08:19 Uhr
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      Weil Europa den USA näher steht als Russland.
      Apropos Elder Statesman Von Dohnanyi: Der Prototyp der «Lieber-rot-als-tot»- Generation der Unterwerfungspazifisten. Und auf einmal ist alles anders.

      10
  • am 28.12.2022 um 23:38 Uhr
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    Als ehemaliger Soldat mit mehreren Auslandseinsätzen und einem Eid auf Recht und Freiheit, bzw. Einigkeit und Recht und Freiheit, finde ich meine Werte, heute im Zeitalter willkürlicher Drohnenmorde, Völkerrechtswidriger Sanktionen die die schwächsten der Bürger eines Landes treffen und der arroganten, weltfremden Politik, nicht mehr wieder.
    Und auf «Freunde» die lieber mich pulverisieren lassen würden und das billig einkalkulieren um wirtschaftlich besser da zu stehen, kann ich sowieso verzichten.
    Mehr nationales, im gewissen Masse auch europäisches Selbstbewusstsein, könnte uns allen sicherlich nicht schaden.
    Das letzte Hemd hat keine Taschen, aber man sollte es nicht leichtfertig auch noch verschenken!

    1
  • Portrait_Josef_Hunkeler
    am 29.12.2022 um 10:49 Uhr
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    «Wir Europäer wissen, dass wir in einem Krieg mit Russland sogar als Sieger nur Verlierer sein könnten!»

    Die neue Politikergeneration hat zuviel Zeit mit Videospielen verbracht. Die Werteverteidigung am «Hindukusch» wird zu einer Werteverteidigung am Dniepr. Wo endet diese «Wertewende» ?

    Wenn Dohnanyi’s Text als «veraltet» eingestuft wird, so wird übersehen, dass die voluntaristische und imperialistische Politik der «Ost-Erweiterung» der Nato die Wurzel der «Wertewende» ist, in der selbstzerstörerische Aspekte «junger» Politik (temporär) dominieren. Aber jedes Kind, welches sich die Finger an der heissen Herdplatte verbrennt, wird sich überlegen, ob es so klug war das heisse Eien so leichtfertig anzufassen.

    Man kann nur hoffen, dass diese Zauberlehrlinge noch rechtzeitig zur Vernunft kommen. Dohnanyi’s Text müsste in mehreren europäischen Aussenministerien Pflichtlektüre sein.

    4
  • am 29.12.2022 um 13:31 Uhr
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    Ein solch sachlicher Artikel ist in Zeiten der Kriegstreiberei eine Seltenheit und beweist, dass es auch ohne Hass und Hetze geht. Denn beidseits der Fronten sind die normalen Menschen die Verlierer und die Oligarchen die Gewinner.

    Siehe auch:

    ‹So rufen Schweizer Medien zu noch mehr Krieg auf› von Christian Müller.

    3
  • am 29.12.2022 um 15:07 Uhr
    Permalink

    «Entspannung muss deswegen zum Grundsatz auch der NATO-Politik mit Russland werden.»
    Und weiter:
    «Für die Sicherheit der europäischen Nationen müssten auch russische Interessen auf das gelenkt werden, was letztlich die einzig verbliebene Stärke Europas ist: eine offene Zusammenarbeit in Wissenschaft, Innovation, Technologie und Wirtschaft.»

    Das heisst im Klartext: Wir vertreten egoistisch unsere Interessen und schauen «Entspannt» zu, wie die Ukraine zerbombt wird. Dabei konzentrierenwir uns «auf eine offene Zusammenarbeit [mit unsem Freund Putin] in Wissenschaft, Innovation, Technologie und Wirtschaft.»

    Na dann: Schöne Festtage!

    9
  • am 29.12.2022 um 15:17 Uhr
    Permalink

    Auch andere Länder haben Interessen, zum Beispiel die Ukraine. Es ist schon etwas komisch, wenn Dohnanyi ausgerechnet der Ukraine das Recht abspricht, selber über ihren Status zu entscheiden und sie nur als Verhandlungsmasse im geopolitischen Poker zwischen USA, EU und Russland sieht. Ausserdem verschweigt er dabei kategorisch, wie Russland seine Interessen gegenüber der Ukraine offen und wiederholt klar definiert hat: Wiederherstellung der russischen Souveränität über ‹Kleinrussland› bzw. die ganze Ukraine. In klarer Missachtung aller Verträge, in denen Russland die territoriale Integrität der Ukraine garantiert und die es inzwischen merhfach und auf die brutalst mögliche Art und Weise gebrochen hat.

    8
  • am 29.12.2022 um 18:17 Uhr
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    ‘Sicherheit in Europa kann es nur mit und nicht gegen Russland geben’ – das liest sich nach dem brutalen Überfall Russlands auf die Ukraine schon sehr seltsam. Von Dohnanyi sieht nicht den Unterschied zwischen der Sowjetunion zu Willy Brandts Zeiten und dem putinistischen Russland: Erstere war zwar eine Diktatur, deren Führung aber von einer gewissen politischen Rationalität geprägt und aussenpolitischen Abenteuern abgeneigt war. Russland 2022 wird dominiert von einem Präsidenten, der jede Opposition ausgeschaltet hat und sich in grossrussischen Phantasien ergeht. Entspannung ist mit diesem Regime von Europa nur aus einer Position der Stärke zu haben, die auch die Erfahrungen Mitteleuropas mit Russland berücksichtigt. An der Tragödie Russlands sind nicht die USA oder Europas schuld, sondern die Clique von Geheimdienst, Militär und Oligarchen, die sich des Landes bemächtigt hat, dessen gesellschaftliche Entwicklung erdrosselt und eine Generation von Soldaten in einem Krieg verheizt.

    8
  • am 30.12.2022 um 23:55 Uhr
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    Vielleicht macht man sich sehr grosse Illusionen zur NATO. Sie sei ein ‚Schutzschild‘ – gegen wen? Und wessen Interessen dient sie? Kann es Frieden und Wohlstand geben in Europa ohne Russland? Ausser De Gaulle, scheint mir, waren alle Europäer betriebsblind bis total verblendet. Aber sie sind nicht die einzigen in der Weltgeschichte!
    Wenn man Brzezinski gelesen hat, sollte eigentlich klar sein, was Interessenspolitik ist und welchen wenigen sie dient.

    1

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