Tunesien: Frauen trotz Quote untervertreten

Barbara Marti /  Die tunesische Parteien hatten auf die aussichtsreichsten Spitzenplätze der Wahllisten Männer gesetzt.

Der Frauenanteil in der neu gewählten verfassungsgebenden Versammlung Tunesiens liegt trotz einer verpflichtenden 50-Prozent-Quote für die Wahllisten nur bei 23 Prozent. 49 der 217 Mitglieder sind Frauen.
Dies geht aus dem provisorischen Endergebnis der tunesischen Wahlbehörde «Instance Supérieure Indépendante pour les Elections» hervor.
Die Übergangsregierung hatte für die Wahl die erste verpflichtende Frauenquote für Wahllisten in der arabischen Welt beschlossen. Die Geschlechter mussten sich auf den Listen abwechseln. Aufgrund der Vielzahl der Parteien und des Wahlsystems hatten jedoch oft nur die Kandidierenden an der Spitze einer Wahlliste Chancen, gewählt zu werden. Und die Spitzenpositionen vergaben die Parteien vorzugsweise an Männer: 80 Prozent der Wahllisten führten Männer an. Die siegreiche muslimische En-Nahda beispielsweise hatte nur eine einzige Kandidatin an die erste Stelle ihrer Listen gesetzt. Allerdings hat En-Nahda in vielen Wahlkreisen mehr als eine Person in den Verfassungsrat gebracht, die zweite war meistens eine Frau.
Einzig das linke Bündnis PDM vergab 50 Prozent der Spitzenplätze an Frauen.
Die verfassungsgebende Versammlung wird eine Übergangsregierung wählen, eine Verfassung aufsetzen und reguläre Wahlen vorbereiten.


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

Redaktorin und Herausgeberin der Zeitschrift «FrauenSicht»

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