Switzerland_CIA_Website_4.August_2021_gross

So informierte die CIA am 4. August 2021 unter dem Titel «World Fact Book» über die Schweiz. © CIA

So informiert die CIA über die Schweiz – wichtig für Biden!

Christian Müller /  Eine Rede Joe Bidens zeigt, wie wichtig die diversen Geheimdienste für die politischen Entscheidungen der USA sind.

Am 27. Juli 2021 hat US-Präsident Joe Biden in McLean, Virginia, vor den versammelten Vertretern der US-Geheimdienste und Anti-Terror-Organisationen eine Rede gehalten. Es ging ihm vor allem darum, diesen Leuten, der sogenannten «Intelligence Community», zu danken. 

Zitat (am Anfang der Rede): «Folks, the main reason I came — and I mean this sincerely — is to say thank you. Thank you, thank you, thank you, thank you. The American people, almost by definition, are not able to know what you do. And you devote so much of your time, your effort, and many of you end up risking your lives in the Intelligence Community to do things to make sure that your families and people back here are safe – make a difference.»  («Leute, der Hauptgrund, warum ich gekommen bin – und das meine ich ganz ehrlich – ist, um Danke zu sagen. Vielen Dank, vielen Dank, vielen Dank, vielen Dank. Das amerikanische Volk ist, fast per definitionem, nicht in der Lage zu wissen, was Sie tun. Sie investieren so viel Zeit und Aufwand, und viele von Ihnen riskieren ihr Leben in der Intelligence Community, um dafür zu sorgen, dass Ihre Familien und die Menschen hier in Sicherheit sind. Sie sind wichtig.»)

Zitat (am Ende der Rede): «And may God bless you all. And may God protect our troops and all those patriots serving in harm’s way, because there’s a lot still there. Thank you, thank you, thank you.»  («Und möge Gott Sie alle segnen. Und möge Gott unsere Truppen und all die Patrioten beschützen, die in Gefahr sind, denn es gibt noch viele von ihnen. Danke, danke, danke.») 

Und Biden erklärte den Geheimdienstlern in mehreren Versionen, wie wichtig für ihn, US-Präsident Joe Biden, die Informationen der Geheimdienste sind: Sie sind für ihn die wichtigsten Informationen überhaupt, um seine Politik, vor allem natürlich die Aussenpolitik, im Sinne der US-Sicherheit zu gestalten. 

So eine Rede weckt natürlich die Neugier. Was weiss zum Beispiel die CIA, die wichtigste US-amerikanische Geheimdienstorganisation, über die Schweiz?

Auf ihrer Website – «The World Factbook», «Das Welt-Tatsachenbuch» steht dort geschrieben – kann man ihre wichtigsten Informationen über die Schweiz abrufen – zum Beispiel auch 18 Fotos:

Eine Satelliten-Aufnahme der Schweiz, eine Luftaufnahme der Walliser Alpen, ein Bild aus Zürich, zwei Bilder des Matterhorns, der Bahnhof von Grindelwald, ein Holzhaus in Interlaken, das Mudac Museum in Lausanne und Rosen in der Nähe von Sion: Ist die Schweiz nicht einfach ein wunderschönes Land?
Die zweiten neun Bilder auf der CIA-Website zur Schweiz: Wegweiser für Wanderer in Mürren, ein namenloses Dorf am Luganersee, ein Holzhaus in den Bergen, zwei namenlose Berge, «solid gebaute Häuser» mit Blick in die Alpen, ein Bild eines namenlosen Gletschers, das Wetterhorn bei Grindelwald – und natürlich die Schweizer Flagge vor einem namenlosen Schneeberg. (Auf der Website der CIA kann man die einzelnen Bilder anklicken, sie werden dann gross und es steht dabei geschrieben, was man auf dem Bild sieht.)

Aber wo ist Bern, die Hauptstadt der Schweiz? Wo ist Genf, der Sitz etlicher UNO-Organisationen? Basel mit dem 41 Stockwerke hohen Roche-Tower? Der Strassentunnel durch den Gotthard, die wirtschaftlich wichtigste Nord-Süd-Verbindung in Europa? Der neue Basis-Eisenbahntunnel durch den Gotthard? Das Forschungscenter CERN in Genf oder das ETH-Forschungszentrum PSI in Villigen? Das Kernkraftwerk Mühleberg, das nach 47 Betriebsjahren Ende 2019 altershalber ausser Betrieb genommen werden musste?

Ein hübsches Detail noch: Wer auf der CIA-Website unter Switzerland die Fotos anklickt, kann schon im voraus eine Auswahl treffen. Man kann z.B. auf «Capital» – Hauptstadt – klicken.

Und was kommt dann? Dann kommt eben genau dieses Bild von Zürich … (Siehe links: «Aerial view of Zurich»)

Die CIA hat von der Schweiz also ein ähnliches Bild wie zum Beispiel Yue Yang aus Shanghai, die vor zwei Jahren als chinesische Touristin vier Tage lang die Schweiz besuchte …

Aber es ist klar. Die CIA weiss schon etwas mehr über die Schweiz, als diese Bilder zeigen. Sie weiss auch, wer Staatspräsident ist – und dass es Simonetta Sommaruga ist – am 4. August 2021 notabene, also 216 Tage, nachdem Simonetta Sommaruga ihr Amt als Präsidentin des Bundesrates an Guy Parmelin übergeben hat (siehe Aufmacherbild oben, ebenfalls ein Screenshot von der Website der CIA). Und die Wirtschaftsdaten zur Schweiz sind alle aus dem Jahr 2018. Seither ist ja wenig passiert. (Eine vielleicht zu heikle Frage: Von wem wurde Joe Biden begrüsst, als er Mitte Juni in Genf mit Wladimir Putin zusammenkam?)

Die «gewählten Führer» brauchen die «Intelligence Community» für ihre Entscheidungen

Doch lassen wir lieber Joe Biden sagen, was er von der «Intelligence Community» hält und warum er ihr «so dankbar, so dankbar, so dankbar, so dankbar» ist: 

«So, look, we need your insight, we need your expertise on all these issues. The one thing you all have in common is you all have high IQs. You’re all smart. You have significant intelligence quotients, and you put it to use to help the elected leaders in this country decide what the best route to go is. So just as you always have been essential as we’ve sought to counter traditional threats, the Intelligence Community is going to be critical to America’s strength as we take on these new challenges and hybrid threats.»

Oder zu deutsch: «Wir brauchen also Ihren Einblick, wir brauchen Ihr Fachwissen zu all diesen Themen. Eines haben Sie alle gemeinsam: Sie haben alle einen hohen IQ. Sie sind alle klug. Sie haben einen hohen Intelligenzquotienten und setzen ihn ein, um den gewählten Führern in diesem Land bei der Entscheidung über den besten Weg zu helfen. So wie Sie bei der Abwehr traditioneller Bedrohungen immer eine wichtige Rolle gespielt haben, wird die Intelligence Community auch bei der Bewältigung der neuen Herausforderungen und hybriden Bedrohungen für die Stärke Amerikas entscheidend sein.»

Man möge sich an den Angriff auf den Irak im Frühling 2003 erinnern: Damals «wussten» die USA, dass Saddam Hussein über Massenvernichtungsmittel verfügte. Bis es nach dem Einmarsch klar war, dass der Irak eben doch über keine Massenvernichtungsmittel verfügte. Da hatten ganz offensichtlich auch all die hohen IQs der «Intelligence Community» nicht wirklich weitergeholfen. Oder hat man damals vielleicht nicht auf sie gehört – nicht auf sie hören wollen?

Wer Englisch versteht: unbedingt lesen. Auch der Stil der Rede Joe Bidens ist bemerkenswert.


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

Zum Autor Christian Müller deutsch und englisch.
_____________________
Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.

War dieser Artikel nützlich?
Ja:
Nein:


Infosperber gibt es nur dank unbezahlter Arbeit und Spenden.
Spenden kann man bei den Steuern in Abzug bringen.

IBAN: CH 0309000000604575581

13 Meinungen

  • am 7.08.2021 um 11:20 Uhr
    Permalink

    Wenn das tatsächlich die Informationen sind, auf die der mächtigste Mann der Welt seine Entscheidungen abstützt, dann muss einem Angst und Bange werden. Leider gibt es wenig Grund daran zu zweifeln.

    0
  • am 7.08.2021 um 11:32 Uhr
    Permalink

    Ja, was soll man von einem so «harmlosen» Geheimdienst halten, der einfach etwas verspätet über das Geschehen berichtet. Beim Irak ist sicher kein Fragezeichen mehr angebracht, G.W.B. hat absichtlich gelogen. Aber es ist natürlich schon mehr als fragwürdig, wenn der Führer einer solchen Weltmacht mit derart vielen Militärstütz-punkten auf der ganzen Welt deren Armee über die Möglichkeit verfügt , die ganze Welt zu zerstören, die so wahnsinnig teure und wahrscheinlich auch wirksame Spionagein-richtungen (siehe Snowden!) und über ein Heer von «Wählmäusen» verfügt, doch so schlecht informiert ist. Und man erinnere sich: Die CIA hat schon unzählige, demo-kratisch gewählte Regierungen auf der ganzen Welt gestürzt, welche den USA keinen Freipass für die ungehinderte Ausbeutung von Natur und Menschen gewähren wollten, so haben wir doch wirklich allen Grund, uns effektiv auch um die Demokratie Sorgen zu machen. Die Schweiz hat natürlich absolut keinen Grund, sich zu fürchten, denn eine sicherere, freiwillig abhängige Regierung (ganz gleich welcher Zusammen-setzung) kann man sich ja gar nicht vorstellen. Aber ich denke an die von den USA gesteuerten Gerichte in Schweden und Grossbritannien, welche ungehemmt das Recht beugen, wie sie wollen, wenn es darum geht, einen mutigen Whistleblower wie Julinan Assange jahrelang zu foltern und psychisch fertig zu machen.

    0
    • am 9.08.2021 um 10:08 Uhr
      Permalink

      Was meinen Sie Herr Goldinger, bei wie vielen Prozent der Entscheidungen, die für unser Leben wirklich massgebend sind, geht es derart mit rechten Dingen zu, wie dies in einer Demokratie zu erwarten wäre? Und bei wie vielen Prozent, wo dies nicht der Fall ist, hat jemand mit wirklichen Konsequenzen zu rechnen?

      0
  • am 7.08.2021 um 11:44 Uhr
    Permalink

    Ich hoffe doch sehr, die smarten IQ-Eichhörnchen wissen noch wo sie ihre Atombomben vergraben haben. Bei der Sorgfalt kommen einem Zweifel.

    0
  • am 7.08.2021 um 15:14 Uhr
    Permalink

    Und das Bild oben rechts (Schweiz links neben dem Nord Atlantischen Ozean), ist das tatsächlich auch in diesem Face- ehh Factbook?
    Da weiss man nun nicht, ob man lachen oder weinen soll.

    0
    • am 8.08.2021 um 10:54 Uhr
      Permalink

      Die Schweiz ist (auch) für die USA so wichtig wie das Geld und das Gold, das hier gebunkert ist. Wo das ist, spielt wohl kaum eine Rolle. Für die gross Mächtigen und für die schwer Reichen zählt vor allem, was sich bezahlt, und was Spass macht. Alles andere ist Beilage.

      0
  • am 7.08.2021 um 16:19 Uhr
    Permalink

    Was die CIA zur Schweiz sagt, ist so wichtig wie richtig: für solches braucht es wahrhaft einen hohen IQ (IntelligenzQuark). Und was Joe Biden betrifft: Danke wenn er abdankt!

    0
  • am 7.08.2021 um 16:48 Uhr
    Permalink

    Ist doch gut, dann würden die Amis doch Zürich bombardieren und die wahre Hauptstadt würde verschont – desgleichen mit der Bundespräsident:in…
    Gut haben wir in Friedenszeit keinen General – der würde wegen der fehlenden Drohnenabwehr eh› nicht lange leben.

    0
  • am 7.08.2021 um 20:42 Uhr
    Permalink

    Die Weltmacht und ihre Geheimdienste wissen natürlich auch nicht, was ihre Uranmunition anrichtet.
    Sie wollen es nicht wissen, oder sie wollen nicht, dass wir und andere Menschen das wissen.

    Sie wussten ganz genau, wie sie das Thema aus den Medien bannen konnten:

    Wie das Thema Uranmunition aus der deutschen Presselandschaft verschwand
    https://www.youtube.com/watch?v=vzS_f1sX6_8&t=548s

    0
  • am 8.08.2021 um 10:54 Uhr
    Permalink

    unbedingt im Original lesen – ich folgte der Empfehlung Christian Müller’s, danke!

    Was wird denn hier gespielt, WER führt da den US-Präsidenten vor?
    Es plappert da offensichtlich ein wenig intelligenter Mann, zeigt seine dümmlich-demütige Abhängigkeit – von WEM, frage ich mich.

    WER hat Interesse, eine solch entlarvende Rede auf der HP des Weissen Hauses öffentlich zu machen? WER zieht an Hampel-Biden’s Fäden?

    Es muss da eine Macht geben, welche den Präsidenten genau so ungeschönt präsentiert, wie er ist.
    Seine eigene Administration? Deep State? Patrioten? …. oder Putin 😉

    1
    • am 9.08.2021 um 07:39 Uhr
      Permalink

      Geschätzter Herr Lachenmeier, was meinen Sie zur These, dass – wie so viele andere gross Mächtige und schwer Reiche – auch Joe Biden ein Teil des Deep State ist?

      0
    • am 9.08.2021 um 22:59 Uhr
      Permalink

      das denke ich auch, und genau deshalb ist es seltsam, dass der Deep State seinen eigenen Darsteller lächerlich macht! – wenn denn diese Theorie stimmen sollte….?

      0
    • am 10.08.2021 um 10:01 Uhr
      Permalink

      Die Stärke des Deep State ist, dass er aus gross Mächtigen und schwer Reichen besteht. Seine Schwäche ist seine Herzlosigkeit und die Unfähigkeit für kokreative und konstruktive Kooperationen: daran wird er zusammenbrechen. Die Frage ist, wieviele er mit in den Abgrund reisst?

      0

Ihre Meinung

Lade Eingabefeld...