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Die Statuen bleiben unangetastet: Mao Massenmörder und Bewunderter © Philip.Jägenstedt.flickr.cc

Krieg den Palästen! Made in China

Peter G. Achten /  Am 26. Dezember wäre der Grosse Steuermanns Mao Zedong 120 Jahre alt geworden. Mao ist umstritten und beliebt zugleich. Bis heute.

In Maos Geburtsort Shaoshan in der Provinz Hunan ist mit der ganz grossen Kelle angerichtet worden. Über zwei Milliarden Yuan – umgerechnet rund 300 Millionen Franken – gab man für verschiedene Erinnerungs-Projekte aus. Unter anderem wurde das Shaoshan-Mao-Museum, der dortige Mao-Platz oder Maos ehemaliges Wohnhaus zum 120. Geburtstag renoviert und herausgeputzt. Sowohl in Shaoshan als auch anderswo in China finden akademische Seminare, Gedenkfeiern, Kunstausstellungen, Sportveranstaltungen, Konzerte, Theateraufführubgen oder Postmarken-Ausgaben statt.

Ideologische Arbeit

Staats- und Parteichef Xi Jinping allerdings dämpfte die Festfreude, indem er im Zuge der Anti-Korruptions-Politik zu würdevoll aber bescheidenen Feiern aufrief. So ist in der Grossen Halle des Volkes neben dem Platz vor dem Tor des Himmlischen Friedens Tiananmen die Gedenkfeier weniger protzig ausgefallen als ursprünglich geplant.
Nicht dass Genosse Xi etwas gegen Mao hätte. Im Gegenteil. Zhang Xixian, Professor an der Parteischule des Zentralkomitees, erklärt in der Parteizeitung «Global Times» warum: «Die Zentralbehörden versuchen, das Mao-Zedong-Denken zu stärken, dies angesichts steigender sozialer Ungleichheit und der immer lauter werdenden Forderung der Öffentlichkeit nach einer sauberen, transparenten Regierung».
Parteichef Xi hat denn in der Tat schon vor Monaten die Wichtigkeit der ideologischen Arbeit unterstrichen. Zumal Parteimitglieder, aber auch Journalisten und Studenten müssen nolens volens wieder Marxismus-Leninismus-MaoZedong-Denken und Deng-Theorien büffeln. «Zum Gähnen», wie einige mir bekannte chinesische Journalisten-Kollegen und -Kolleginnen schulterzuckend – selbstverständlich anonym – erzählten.
Gewagter ideologischer Hochseilakt

Die Gedanken Maos, niedergelegt für die breiten Massen während der Grossen Proletarischen Kulturrevolution (1966-76) im berühmten, zig-millionenfach verbreiteten Kleinen Roten Buch, bietet einfache, griffige Rezepte für schwierige Probleme. Das ist heute in der immer komplexer werdenden Wirtschaft und Gesellschaft Chinas nach 34 Reformjahren gefragter denn je.
Für Partei-Supremo Xi, erst etwas mehr als ein Jahr an der Macht, ist die ganze Mao-Retro-Nostalgie ein gewagter ideologischer Hochseilakt. Gleichzeitig nämlich mit dem Rückgriff auf längst vergangene, in Partei und Volk nicht unumstrittene Zeiten, setzt sich Xi mit kühnen Reformschritten in Szene. Wirtschaft und Gesellschaft wollen Xi und seine Politbüro-Genossen in den kommenden zehn Jahren mit einem neuen, umwelt- und sozialverträglichen Wachstumsmodell reformieren, ja revolutionieren und den «Chinesischen Traum» verwirklichen. Doch als Gründervater des Modernen China kommt Mao als nationalistische, ideologische Klammer den Herrschenden gerade heute zupass.

Mao-Nostalgie

Politisch dunkle Ironie: Das wegen Korruption und Amtsmissbrauch zu lebenslanger Haft verurteilte Politbüromitglied Bo Xilai hat genau das während seiner Amtszeit als Parteichef der 30-Millionen-Metropole Chongqing beispielshaft vorgeführt. Der Osten ist rot und Mao die aufgehende Sonne im Herzen aller Chinesen – so wurde vor Jahrzehnten Mao’s China in Liedern landauf, landab mit Inbrunst gepriesen. Mao-Chöre, Mao-Lieder, Mao-Restaurants, Mao-Memorabilia aller Art sind deshalb wieder Courant Normal. Selbst Opfer jener Zeit vergnügen sich, wie oft beobachtet, ganz selbstverständlich in Mao-Themen-Restaurants, Rote Lieder und revolutionäre Tänze eingeschlossen.

Vor allem die während der Mao-Zeit Zukurzgekommenen trauern den alten, «gerechten» Zeiten nach. Aber auch für die junge Generation ohne Mao-Erfahrung ist Mao wieder attraktiv, zumal sie in der Schule wenig über die dunklen Zeiten jener Zeit erfahren haben und der Ansicht sind, das jene Zeit geprägt war von Gerechtigkeit, Gleichheit und einer beschieden lebenden Parteiführung. Noch heute warten täglich Tausende von Menschen auf dem Tiananmen-Platz in Peking, um das Mao-Mausoleum zu besuchen. Maos Porträt hängt selbstverständlich noch immer am Tor des Himmlischen Friedens. Maos Konterfei ziert seit fünfzehn Jahren sämtliche Yuan-Noten. Und die meisten Chinesinnen und Chinesen sind stolz auf all das. Denn Mao verkörpert Unabhängigkeit, nationale Würde und Wiederauferstehung nach 150 Jahren «Schmach und Erniedrigung durch Kolonialismus und Imperialismus».

Revolution im Schweinekoben

Die Lebens-Brüche hochrangiger Parteiführer von heute freilich zeigen, dass die Mao-Jahre dunkle Geheimnisse verbergen. Die Kulturrevolution wurde zwar parteioffiziell als «chaotisch» eingestuft. Viele der Rehabilitierten jedoch waren 1980 nicht mehr am Leben oder gebrochen. Xi Jinpings Vater Xi Zhongxun zum Beispiel, später als Parteichef der Südprovinz Guangdong ein treuer Gefolgsmann von Reform-Übervater Deng Xiaoping, litt ebenso wie sein heute prominenter Sohn unter der Fuchtel der Grossen Proletarischen Kulturrevolution. Viele heutige Mitglieder des ZK wurden zu jener Zeit «hinuntergeschickt aufs Land», wo sie bei Bauern im Schweinekoben Maos «permanente Revolution» auswendig lernen mussten. Frei nach Georg Büchner also «Friede den Hütten! Krieg den Palästen!!». Mit dem Unterschied freilich, dass Mao immer in Palästen gewohnt hat. Selbst während des legendären, entbehrungsreichen Langen Marsches (1934-35) liess er sich wie ein Kaiser in Sänften tragen.

Das Vermächtnis

Das Vermächtnis Maos ist deshalb unter Historikern aber auch innerhalb Chinas umstritten:

  • Einerseits wird der Grosse Vorsitzende als effizienter Revolutionär, genialer Politiker, Visionär, Poet, Kalligraph, Militär-Stratege und sozialer, marxistischer Theoretiker, kurz als einer der wichtigsten Individuen der modernen Weltgeschichte gewürdigt. Ihm wird zugute gehalten, China industrialisiert und zu einer Grossmacht gemacht zu haben. Erst auf dieser Grundlage, behaupten noch heute Mao-Anhänger, seien auch die Reformen Deng Xiaopings in den 1980er-Jahren möglich geworden. Auf der positiven Seite steht auch die Verbesserung der Stellung der Frau, die erfolgreiche Alphabetisierungskampagne, das Erziehungs- und Gesundheitssystem und die Erhöhung der Lebenserwartung von 35 Jahren im Jahre der Gründung der Volksrepublik 1949 auf 62 Jahre zum Zeitzpunkt von Maos Tod.
  • Andrerseits monieren Kritiker, dass während Maos Diktatur, gestützt auf einen in der Geschichte beispiellosen Personenkult, Folter, Zwangsarbeit, Exekutionen, Hunger an der Tagesordnung waren. Maos Utopie vom «Grossen Sprung nach Vorn» (1958-61), mit dem die Industrienationen eingeholt und überholt werden sollten, endete in der grössten Hungersnot der Geschichte mit konservativ geschätzten 30 bis 35 Millionen Toten. Weitere Millionen von Toten, Gebrochenen und Gedemüdigten waren das Resultat unzähliger Massenkampagnen in den 1950er-Jahren und während der Zeit der Grossen Proletarischen Kulturrevolution (1966-76). Und Mao Zedong wusste, wie Dokumente zeigen, von allem. Er gebärdete sich wie sein grosses Vorbild Qin Shi Huangdi, der erste Kaiser des vereinigten China vor 2‘234 Jahren. Rücksichtslos. Mao brüstete sich gar, Qin noch übertroffen zu haben: «Er hat 460 Gelehrte lebendig begraben, wir aber haben 46‘000 Gelehrte lebendig begraben».
  • Maos Beitrag als marxistischer Theoretiker war wegweisend. In starkem Kontrast zur Sowjetunion erkannte der intellektuelle Bauernsohn aus der Provinz Hunan, dass nicht das städtische Proletariat, sondern die Bauern die Avantgarde der Revolution sind. Mao exportierte nach Gründung der Volksrepublik die Permanente Revolution weltweit, insbesondere in die Dritte Welt. In Indonesien misslang das mit dem Resultat, dass eine Million Chinesen Mitte der 1960-Jahre einem Progrom zum Opfer vielen. Anderswo versuchten Revolutionäre mit der Mao-Utopie die Verhältnisse von den Füssen auf den Kopf zu stellen. Mit grauenhaften Folgen. In Kambodscha wurde ein Viertel der Bevölkerung von den Roten Khmers ausradiert, In Peru hinterliess die Terror-Organistion «Leuchtender Pfad» nach Maos Guerilla-Rezepten eine tödliche Spur. Und noch in diesem Jahrhundert klammerten sich Nepals Maoisten im 2006 beendeten Bürgerkrieg an ihr grosses Vorbild.

«Es war eine ganz schlimme Zeit»

Eine kritische Auseinandersetzung mit Chinas jüngster Geschichte steht jedenfalls noch aus. In Kunst und Literatur gibt es Ansätze. Offiziell hingegen ist eine parteiunabhängige Beschäftigung mit dem Thema tabu. Umso erstaunlicher die öffentliche Internet-Entschuldigung einiger Rotgardisten, unter anderem von ChenXiaolu kurz vor Maos Geburtstag. «Ich war nicht mutig genug, die unmenschlichen Verfolgungen zu stoppen, weil ich Angst hatte, als Konterrvolutionär angeklagt zu werden – es war eine ganz schlimme Zeit». Chen Xiaolu ist nicht irgendwer, sondern der Sohn des langjährigen früheren Aussenminster Chen Yi. Vielleicht hat der heutige Staats- und Parteichef Xi Jinping ähnliche Erfahrungen gemacht.

Jahrhundert-Figur

Offiziell gibt es nur ein Verdikt über Mao. Der grosse Revolutionär und Reformer Deng Xiaoping taxierte anfangs der 1980er-Jahre Maos Erbe als zu 70 Prozent gut und zu 30 Prozent schlecht. Dabei ist es bis auf den heutigen Tag geblieben. In einem Blog auf dem chinesischen Twitter-Ersatz Sina Weibo schrieb kürzlich ein Blogger giftig: «Es müsste eher heissen: 30 Prozent gut für die Partei-Bonzen im ganzen Land und zu 70 Prozent schlecht für die Menschen».
Deng Xiaoping hatte eine längerfristige Perspektive. Einmal liess er durchblicken, dass erst in hundert oder mehr Jahren Maos Leistungen gerecht beurteilt werden könnten. Was unter Historikern in West und Ost unbestritten ist: Mao Zedong gehört zu den wenigen bedeutenden Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts. Vielleicht war er unter welthistorischer Sicht gar die herausragenste Figur. Sowohl im Negativen als auch im Positiven.

Weiterführende Informationen


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

Keine. Peter Achten arbeitet seit Jahrzehnten als Journalist in China

Zum Infosperber-Dossier:

Flagge_China

Chinas Innenpolitik

Hohe Wachstumszahlen; riesige Devisenreserven; sozialer Konfliktstoff; Umweltzerstörung; Herrschaft einer Partei

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6 Meinungen

  • am 27.12.2013 um 14:14 Uhr
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    Bemerkenswert: dass der analytisch scharfsinnigste Nationalsozialist, früh ausgebootet, der Staatsrechtler und Staatsphilosoph Carl Schmitt, gest. 1987, in späten Jahren fast voll auf Mao setzte, wohl, weil die «Macht aus den Gewehrläufen» komme. Mao scheint es ausser mit Marx und Engels, in China Nachfolger der Jesuiten um 1700, mit Thomas Hobbes, Machiavelli u. Carl Schmitt gehalten zu haben. Tiefere Analyse sollte nicht Hitlervergleich bemühen, einen rhetorischen Diffamierungskniff. Wichtig ist Analyse der Macht: «Masse und Macht", wie Elias Canetti es auf den Punkt brachte. Lief die Pointe des Nationalsozialismus auf Unterdrückung von Minderheiten hinaus, was es in China auch gab und immer noch gibt, stand bei Mao die Kontrolle der Massen absolut im Vordergrund. Insofern wurde Mao der Klassiker des Totalitarismus schlechthin. Dass seinem System 45 Millionen Menschen zum Opfer gefallen sein sollen, kann ihm wohl nicht juristisch nachgewiesen werden. Solche Zahlen wären sowieso unvorstellbar. Heute gibt es ca. eine Milliarde Chinesen. Also derart viele Chinesen, dass v. erfolgreichem Völkermord unmöglich gesprochen werden kann. Wie viele Opfer das System auch forderte, es scheint noch ausreichend viele Chinesen zu geben.

    "Der Führer schützt das Recht.» Dieser Satz von Carl Schmitt hat weltweit nirgends eine so aktuelle Bedeutung wie in China. Dabei ist das relativ rationale, eher unpersönlich-selbstlaufende System weder auf neuen Mao noch einen Kim Jong Un angewiesen.

    0
  • am 2.01.2014 um 14:26 Uhr
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    @Pirmin Meier:
    "Macht aus den Gewehrläufen": das zynische Zitat wird weiter seine Kreise drehen. Aber der nicht ganz unbekannte China-Historiker Jonathan D. Spence stellt es in «The Search for Modern China» in folgenden Zusammenhang:

    "die politische macht kommt aus den gewehrläufen. deshalb muss die partei die kontrolle über die gewehre haben, damit die gewehre nicht gegen die partei gerichted werden können»
    mao tse-tung
    (wörtlicher deutscher text via https://gothnet.eu/_Carter_Slade_)

    Die Meinung ist also genau das Gegenteil: die PARTEI soll die Gewehre (die bewaffneten Formationen) kontrollieren. Das macht so in der Erklärung bolschewistischer Geschichte sehr viel mehr Sinn.

    Gruss
    Werner T. Meyer

    0
  • am 2.01.2014 um 16:15 Uhr
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    "Damit die Gewehre nicht gegen die Partei gerichtet werden können.» Es geht hier also nicht um das Machtmonopol des Staates, sondern der Partei: reiner unverdünnter klassischer Totalitarismus. Himmler hätte es voll mitunterschrieben. Indirekt aber ein Argument gegen völlige Entwaffnung des Volkes. So war Adenauer 1933 der Meinung, dass gegen Hitler nur «blaue Bohnen» helfen würden.In Sachen «blaue Bohnen» war aber die SA bis im Sommer 1934, als sie entmachtet wurde, unschlagbar. «Erklärung bolschewistischer Geschichte": Bereits Lenin zählte «erschiessen» zu seinen Lieblingsverben. Am VI. allrussischen elektrotechnischen Kongress forderte er, Schlampereien von Ingenieuren seien «mit Erschiessen» zu ahnden eine Anweisung, die man dem Genossen Stalin nicht zweimal geben musste. Ebenfalls war «Erschiessen» bei Lenin vorgesehen für solche, die ihre Identität nicht per Ausweis zeigen wollen, also Papierlose. Dies hielt freilich Monika Stocker in der Septembernummer 2013 von «Neue Wege» nicht davon ab, an Lenin einen Brief zu schreiben, wie schlimm es heute in Russland aussehe.

    Erschiessen durch Genickschuss war bei den Prozessen gegen angeblich dissidente Kommunisten 1937/38 unter Stalin Standard, jedoch nicht vor hundertprozentigen Geständnissen. Dies hat Brecht in «Die Massnahme» im zustimmenden Sinn dargestellt. Geständiger Genosse stimmt für eigenes Todesurteil, um Solidarität mit der Partei zu bestätigen. «Du hast zwei Augen. Die Partei hat tausend Augen."

    0
  • am 4.01.2014 um 12:22 Uhr
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    @Pirmin Meier
    Opfer Maos:
    Davon 36 Millionen im «Grossen Sprungs nach vorn» **
    – Fast alle an Unterernährungsfolgen gestorben, nicht erschossen.
    – Auslöser: Entwicklungsideologie der Partei Verantwortung:Mao.
    – Die Führung wurde während diesem «Sprung» völlig desorientiert durch x-Tausende von Funktionären, die falsche Erfolgsmeldungen zur industriellen wie LANDWIRTSCHAFTLICHEN Produktion lieferten.

    Opfer Himmlers:
    Die Judenvernichtung in Massen beginnt unmittelbar nach dem deutschen Einmarsch in Polen
    – Juden werden zuerst hauptsächlich durch deutsche Polizei-Sondereinheiten, zunehmend auch SS nach Befehl ERSCHOSSEN.
    – Himmler bekommt exakte Rapporte.

    Wertung:
    – Himmler wollte im Sinne seines Führers ALLE Juden vernichten (Selbstzweck, Genozid) plus alle Eliten der slawischen Völker und den Rest je nach Opportunitätskriterien (um Lebensraum für arische Siedler zu schaffen).
    Bis zum Sieg der Alliierten lief das +- nach Plan. Totalitarismus war propagierte Ideologie (Mussolini prägte den Begriff als positiv).

    – Mao wollte sicher keine Klein- und Mittelbauern beseitigen, die waren ja quantitativ seine Legitimationsbasis. Opponierende Eliten waren für ihn aber wohl vogelfrei. (Klassizid, nicht Genozid).
    Für Mao lief nichts nach Plan.

    Beides unter «Totalitarismus» zu subsummieren macht nicht viel Sinn, oder?

    **Siehe z.B. Tombstone: The Great Chinese Famine, 1958-1962 by Yang Jisheng, Edward Friedman, Stacy Mosher and Jian Guo (Amazon, 2012)

    Werner T. Meyer

    0
  • am 4.01.2014 um 15:25 Uhr
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    Unter «Totalitarismus» versteht man totalen Anspruch des Staates auf den Menschen, es ist also ein staatsrechtlicher Begriff, hat nichts zu tun mit der Zahl der Opfer. Mao war totalitärer als Hitler, dessen Ideologie klar unsystematischer war.

    Sie haben recht mit dem grossen Sprung nach vorn, ich bezeichne diese Aktion nicht als Verbrechen u. verwechsle Mao auch nicht mit Hitlerl Wahrscheinlich meinte es Mao prima mit den Bauern, so wie es Lenin und Stalin mit den Kulaken «gut» meinten, sind aber doch millionenfach drauf gegangen, für Machiavelli ist Enteignung institutionell schlimmer als Mord. ALLE JUDEN ist nicht Forschungsstand, es gab noch die Madagaskar-Konzeption, man sollte bei Zahlen vorsichtig sein, wobei Himmler mit den Juden einen «Handel» mit Amerika machen wollte. Für mich gibt es bei Erforschung historischer Verbrechen nur den Einzelfall, der ist konkret ins Detail zu untersuchen. Zahlen bei den Hexenprozessen, Indianermorden der Spanier, Morde unter kommunistischen und faschistischen Systemen werden in der Regel zu propagandistischen Zwecken verwendet, Nennwert bleibt zweifelhaft. Millionen Opfer forderte der «Kapitalismus", dann der «Feminismus» mit Millionen Abtreibungen usw. Für meinen geschätzten Kollegen Karl Heinz Deschner stehen Christentum und Katholizismus an der Spitze der Millionenbilanzen.

    Von Leugnung der Massenmorde der Hitlerzeit halte ich nichts. Darum spreche ich auch nie von Holocaust, einem Propagandabegriff aus einer US-Fernsehserie.

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  • am 4.01.2014 um 16:27 Uhr
    Permalink

    Zum Begriff des Totalitarismus: Diskussion ging vom Satz Maos aus, dass Partei die Kontrolle über Gewehre haben müsse. Damit ist Gewaltmonopol gemeint, weitergehend als es je die kath. Kirche beansprucht hat, diese hat nie Kontrolle über die Gewehre verlangt. Auch nicht der amerikanische Staat, das Recht des einzelnen eine Waffe zu tragen, ist Antitotalitarismus par excellence. In der Schweiz schloss der Philosoph Troxler 1832 nicht aus, dass Schützenvereine im Extremfall die Revolution erklären können. Dies setzte freien Waffenbesitz freier Schweizer voraus.

    Im Sinn der Partei u. von Mao: Die Partei und Mao meinen es gut, das ist das Problem des Totalitarismus, dass man es exklusiv gut meint. Der ideal-totalitäre Politiker Europas war somit nicht Hitler, sondern der Tugendterrorist Robespierre. Der Jakobinismus zielte direkt auf republikanische Gesinnung eines jeden einzelnen Bürgers, machte auch keine Trennung zwischen Religion und Staat, sondern die gute Gesinnung ist exklusiv im Jakobinismus enthalten bzw. im Manne, der die Gesinnung unbestechlich interpretiert: Robespierre. Er kämpfte wirklich, wie Hegel es sagte, «mit Wuth gegen das Böse".

    Ein totalitäres Element ist im harmlosen Ausdruck «Steuergeschenk» enthalten, nämlich insofern alles, was einer nicht versteuern muss, eigentlich ein Geschenk des Staates ist. Eigentlich müsste man 100 Prozent versteuern. Was man behalten kann, ist das Steuergeschenk. Würde man es so interpretieren, wäre es der totale Staat.

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