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Frauen in Afghanistan: Zurück zur Scharia © charity_label

Frauen werden geopfert – Der Westen schaut zu

Barbara Marti /  Zurück zur Total-Diskriminierung der Frauen in Afghanistan – mit Präsident Karzais Segen.

«Männer sind von fundamentaler Bedeutung, Frauen sind zweitrangig», heisst es in neuen Richtlinien des mächtigen Religionsrates in Afghanistan. Und Männer sollen ihre Frauen schlagen dürfen, wenn es das islamische Recht (Scharia) erlaubt.
Die Richtlinien sind zwar rechtlich nicht verpflichtend, aber viele Menschen in Afghanistan dürften sie als bindend ansehen, schreibt der «Standard».
Dazu trägt bei, dass Präsident Hamid Karzai die Benimmregeln auf seiner Webseite veröffentlicht und sie gegen Kritik verteidigt hat.
Der «Ulema»-Rat, dem 150 führende muslimische Geistliche angehören, will auch die Bewegungsfreiheit der Frauen einschränken. So sollen Afghaninnen nur noch in Begleitung eines männlichen Verwandten öffentliche Transportmittel benutzen und verreisen. Auf Basaren, in öffentlichen Gebäuden, an Universitäten und am Arbeitsplatz soll eine strikte Geschlechtertrennung herrschen.
Widersprüche in der Verfassung
Die Ulema-Richtlinien verstossen gegen die Verfassung aus dem Jahr 2003. Diese ist ein Kompromiss zwischen Fundamentalisten und Liberalen. Entsprechend widersprüchlich sind die Artikel. So heisst es in Artikel 22: «Die Bürger Afghanistans, sowohl Frauen als auch Männer, haben vor dem Gesetz gleiche Rechte und Pflichten.» In Artikel 3 heisst es hingegen: «In Afghanistan darf kein Gesetz dem Glauben und den Bestimmungen der heiligen Religion des Islam widersprechen.»
Frauenrechtsaktivistinnen hatten schon damals auf die Gefahr dieses Artikels für die Rechte der Frauen hingewiesen. Die Zustimmung Karzais zu den Ulema-Richtlininen erklären sie mit den Friedensgesprächen mit den Taliban.
Westliche Regierungen schweigen
Zugeständnisse an die Fundamentalisten würden vor allem auf Kosten der Frauen gehen, befürchten sie. Afghanistan-Expertin Heather Barr von der Menschenrechtsorganisation «Human Rights Watch» kritisiert das Schweigen der westlichen Regierungen, die ihren Einsatz in Afghanistan auch mit dem Kampf für die Frauenrechte begründet hatten.
Die zaghaften Fortschritte für die Frauen gehören zu den wenigen Erfolgen des Westens seit dem Sturz der Taliban im Jahr 2001. So gehen heute Millionen Mädchen wieder zur Schule, Frauen sind erwerbstätig und sitzen im Parlament.
Den Fundamentalisten hat dies nie gepasst und sie versuchen deshalb seit langem, die Rechte der Frauen wieder zu beschneiden. Zuletzt hat Anfang dieses Jahres das Informationsministerium alle TV-Sender aufgefordert, ihre Moderatorinnen dazu anzuhalten, ein Kopftuch zu tragen und sich nicht zu stark zu schminken.
Letztes Jahr hat die Regierung ihren Gesetzesentwurf zur Verstaatlichung der Frauenhäuser erst nach internationalen Protesten zurückgezogen. Die Frauenhäuser sind Konservativen und islamischen Geistlichen seit langem ein Dorn im Auge.


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

Redaktorin und Herausgeberin der Zeitschrift «FrauenSicht»

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2 Meinungen

  • am 19.03.2012 um 17:54 Uhr
    Permalink

    Und für das hat die Cheney/Bush/Rumsfeld Clique aus den USA Hunderte von Milliarden $ Steuergelder ausgegeben? Allein im 2010 kostete die Bewachung der Mohnfelder (…) 120 Milliarden $, die Merkel mit Ihrer NATO-Trupüpe nicht eingerechnet.

    0

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