UBA_Bericht_Ausstieg

Bericht des Umweltbundesamts Berlin über Folgen eines raschen Atomausstiegs © UBA

«Die Angst vor dem Atomausstieg ist unbegründet»

upg /  Ein Ausstieg bis 2017 ist möglich ohne Klima-Gefährdung und ohne stark steigende Strompreise: Dies das Fazit des Bundesumweltamts.

In Deutschland ist ein vollständiger Atomausstieg bereits ab 2017 möglich, ohne neue Kohlekraftwerke zu bauen, ohne die Ziele des Klimaschutzes preis zu geben, ohne Engpässe im Stromnetz und mit einer nur bescheidenen Erhöhung des Strompreises von jährlich rund einem Rappen pro Kilowattstunde. Zu diesem Schluss kommt das deutsche Bundesumweltamt UBA in Berlin in einem soeben veröffentlichten «Hintergrundpapier zur Umstrukturierung der Stromversorgung in Deutschland».
Nur moderater Anstieg der Strompreise
Selbst wenn die Strompreise an der Börse jährlich um 14 Prozent steigen würden, würde dies den Strompreis für Haushalte nur um rund 4 Prozent erhöhen. Grund: Der überwiegende Teil des Haushaltpreises bestehen aus Grundgebühren, Netzabgaben, Steuern und weiteren Kosten. Die Aussicht auf längerfristige höhere Strompreise würde Investitionen zum Stromsparen auslösen, so dass der Stromverbrauch weniger stark steigt, stabil bleibt oder sogar sinkt. Weil sich das Total der Stromrechnungen aus Preis mal Menge berechnet, würden die Rechnungen nur wenig stärker steigen als ohne Preiserhöhungen.
Keine Stromlücken
Die ältesten sieben KKW in Deutschland, die wegen des Moratoriums seit dem 15. März vom Netz genommen wurden, sowie der seit zwei Jahren abgeschaltete Pannen-Reaktor Krümmel bei Hamburg «können und sollen dauerhaft ausser Betrieb gehen», hält das UBA fest. Dies sei «ohne Einschränkung der Versorgungssicherheit möglich», weil «ausreichend überschüssige Reservekapazitäten» bestünden.
Bis Ende 2017 könnten die überigen KKW abgeschalten werden, ohne einen Stromengpass zu riskieren. Gas- und Kohlekraftwerke, die bereits im Bau sind, können den nötigen Strom produzieren.
Um den Ausstieg bis Ende 2017 zu schaffen, müssten Anlagen mit «höchstens» fünf Gigawatt Leistung zusätzlich gebaut werden. Das ist nur ein Fünftel der Leistung, welche alle 17 deutschen Atomkraftwerke zusammen haben.
Diese maximal fünf noch fehlenden Gigawatt sollen der schnellere Ausbau erneuerbarer Energien sowie der Bau von «flexiblen und hoch effizienten» Gas-Kraftkwerken abdecken. «Flexibel» sind letztere, weil sie im Gegensatz zu Atomkraftwerken häufig an- und abgeschaltet werden können, so dass sie Bedarfsspitzen abdecken können.
Neue Kohlekraftwerke, die eine viel schlechtere CO2-Bilanz haben, seien unnötig, schreibt das UBA in seinem Bericht. Auch Stomimporte aus dem Ausland seien aus Gründen der Versorgungssicherheit nicht nötig. Die aktuellen Importe seien «vornehmlich preisgetrieben».
Keine Engpässe im Netz
Das stark diskutierte Problem angeblich überlasteter Stromnetze wird im UBA-Papier als übertrieben bezeichnet. Die neuen Gas-Kraftwerke müsse man dort bauen, wo die heutigen Kernkraftwerke liefen oder laufen, weil die Verteilnetze dort bereits bestehen. Der Bau solcher Gas-Kraftwerke sei inklusive Planung innert sechs Jahren möglich.
CO2-Problem mit Emissionshandel lösen
Das UBA entgegnet auch dem Argument, ein schnelles Abschalten der AKW durchkreuze die Pläne zum Klimaschutz. Übergangsweise würden die neuen Gas-Kraftwerke zwar mehr CO2 ausstossen. Der Emissionshandel in der EU sieht jedoch Höchstwerte des gesamteuropäischen CO2-Ausstosses im Kraftwerk- und Industriesektor vor. Deshalb würden zusätzliche Gas-Kraftwerke die Preise von CO2-Zertifikaten steigen lassen, jedoch nach Berechnungen des UBA nur «begrenzt». Etwas höhere Preise für diese Zertifikate würden dazu führen, dass an anderer Stelle CO2 rentabel reduziert werden kann.
«Deutlich weniger Gefahren und Risiken»
Als Fazit schreibt das deutsche Bundesumweltamt: «Ein schneller Ausstieg aus der Nutzung der Atomkraft ab dem Jahr 2017 ist möglich und mit dem Klimaschutz vereinbar…Er verringert die Gefahren und Risiken der Atomenergie deutlich. Dies hätte gesellschaftliche Vorteile, welche die moderaten Strompreiserhöhungen aufwiegen.»


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

keine

Zum Infosperber-Dossier:

SolaranlageBauernhof-1

Energiepolitik ohne neue Atomkraftwerke

Erstes, zweites und drittes Gebot: Der Stromverbrauch darf nicht weiter zunehmen.

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